Klaus Mann: Mephisto, Roman einer Karriere
Hendrik Höfgen als Prototyp eines Opportunisten,
eines Kollaborateurs des Nationalsozialismus
Daphne Bruland
INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
2.1. Biographisches zu Klaus Mann 4
2.2. Entstehung, Intention und Publikation von Mephisto, Roman einer Karriere 5
3. Inhaltliche Zusammenfassung 7
3.2. Sprache und Stil 10
4. Hendrik Höfgen als Prototyp eines Opportunisten, eines Kollaborateurs des Faschismus 13
4.1. Sozialpsychologische Deutungsmuster: Höfgen als Charakter mit Ich-Schwäche 14
4.1.1. Inferioritätskomplexe 14
4.1.2 Sadomasochistisches Sexualverhalten 16
4.2. Entwicklung zum Opportunisten vor der Machtergreifung 17
4.3. Der Opportunist im Dritten Reich 20
5. Zusammenfassung 23
1. Einleitung
Die folgende Arbeit über Klaus Manns Roman Mephisto, Roman einer Karriere soll einen allgemeinen Überblick über Verfasser und Werk geben und sich dann hauptsächlich mit der Hauptfigur des Romans beschäftigen. Da es zwar etliche Bibliographien zu Klaus Mann, aber weniger zu seinen Werken gibt, ist die Sekundärliteratur beschrängt. Besonders zu dem Roman Mephisto existieren zwar viele Aufsätze, welche doch recht veraltet sind und sich auch dadurch hauptsächlich mit der Schlüsselthematik, Gustaf Gründgens und der Publikationsproblematik des Romans befassen. Da meiner Meinung nach die Schlüsselthematik ausreichend diskutiert wurde und diese Diskusion die Bedeutung des Romans heute nicht ausreichend erfasst, soll es in dieser Arbeit weder um Gustaf Gründgens, andere Schlüsselfiguren oder Publikationsverbote gehen. Denn der Roman hat weitaus mehr als Theatertratsch zu bieten. Der Roman einer Karriere soll hier als gesellschaftskritisches, politisch-kämpferisches und psychologisches Zeitdokument betrachtet werden.
2.1. Biographisches zu Klaus Mann
Klaus Mann wurde am 18.11.1906 in München geboren, als zweites Kind von Thomas und Katia Mann. Nach Erika (geb. 1905) und Klaus folgten Golo (geb. 1909), Monika (geb. 1910), Elisabeth (geb. 1918) und Michael (geb. 1919) aus der Ehe von Thomas und Katia Mann. Als Sohn des Thomas Mann und als Neffe des Heinrich Mann wurde Klaus in eine „literarisch dicht besetzte Welt“1 geboren, in welcher sich durchzusetzen und sich selbst als Literat zu behaubten zu einer lebenslang prägenden Belastung wurde. Dieses Umstand kommentiert Klaus Mann in einem Tagebucheintrag von 1937 als „schrecklich, dass in unserer Familie so gut wie alles schon einmal formuliert worden ist.“2 Schon in jungen Jahren versuchte sich das „Dichterkind“ im literarischen Handwerk und trat schrill in die Öffentlichkeit3:
„Der flitterhafte Glanz, der meinen Start umgab, ist nur zu verstehen – und nur zu verzeihen -, wenn man sich dazu den soliden Hintergrund des väterlichen Ruhms denkt. Es war in seinem Schatten, dass ich meine Laufbahn begann, und so zappelte ich mich wohl etwas ab und benahm mich ein wenig auffällig, um nicht völlig übersehen zu werden. Die Folge davon war, daß man nur zu sehr Notiz von mir nahm. Meist mit boshafter Absicht. Irritiert durch ständige Schmeicheleien und Sticheleien, benahm ich mich, ›grad zum Trotz‹, genauso indiskret und kapriziös, wie es offenbar von mir erwartet wurde.“ 4
Klaus Mann „besaß zeitlebens keine eigene Wohnung, sondern führte in Hotelzimmern, Cafes und Büros“5 ein ruheloses Leben nach der „Grundstimmung der literarischen Bohéme der zwanziger Jahre“6. Der Name Mann verschaffte ihm leichten Zugang zur Berliner Kulturszene, in welcher seine Homosexualität, „zu der Klaus Mann sich stets bedenkenlos und offen bekennt“7, und sein Drogenkonsum „zumindest nicht ehrenrührig“8 waren. Im Jahr 1925 erschien sein erstes Theaterstück Anja und Ester, welches im gleichen Jahr noch mit Klaus Mann, Erika Mann, Pamela Wedekind in der Besetzung und Gustav Gründgens - sowohl als Regisseur und auch als Schauspieler - an den Hamburger und Münchner Kammerspielen aufgeführt wurde9. Die Freundschaft zwischen Klaus Mann und Gustaf Gründgens kommt in den folgenden Jahren zum Bruch ebenso wie die Ehe Gründgens mit Erika Mann. Gustaf Gründgens der als Schauspieler in Hamburg Karriere machte und später im nationalsozialistischen Deutschland bis zum Intendanten des Berliner Staatstheaters aufstieg, wird später in Klaus Manns Roman Mephisto, Roman einer Karriere, Vorbild für den Charakter Hendrik Höfgen10. Im März 1933 kurz nach dem Reichstagsbrand ging Klaus Mann ins Exil, welches ihn in den folgenden Jahren nach Paris, Zürich und Amsterdam führte. Er sah die Entscheidung für das Exil als Verantwortung für politisches Handeln, „um das nationalsozialistische System zu bekämpfen.“11. Als er in Amsterdam auf den Leiter des Querido-Verlags Fritz Landshoff trifft, gründete Klaus Mann die Exilzeitschrift „Die Sammlung“, welche mit Aufsätzen „bekannter Autoren auf hohem literarischen Niveau“12 antifaschistische politische Akzente setzen sollte. Fritz Landshorff beschreibt den exilierten Klaus Mann wie folgt:
„Aus dem spielerischen, weder sich noch die Welt allzu ernst nehmenden Jüngling wurde eine verantwortungsbewußte, selbstkritische Persönlichkeit, die höchste Forderungen an sich selbst stellte und die, durchaus bereit, ihre Aufgabe auch in der Nachkriegszeit zu erfüllen, tief enttäuscht war, dass diese Zeit sich ihm verschloß.“ 13 Klaus Mann starb am 21. Mai 1949 in Cannes an einer Überdosis Schlaftabletten.
2.2. Entstehung, Intention und Publikation von Mephisto, Roman einer Karriere
[...]
1 Wolfgang Pasche: „Interpretationshilfen Exilromane. Klaus Mann, Mephisto; Irmgard Keun, Nach Mitternacht; Anna Seghers, Das siebte Kreuz“. Stuttgart, 1993: S. 68 à Pasche
2 Klaus Mann: 21.6.1937, ebd., S.308. Zitiert nach Pasche, S. 68
3 Vgl. Pasche, S. 70
4 Klaus Mann: „Der Wendepunkt. Ein Lebensbericht“. München, 1989: S. 196 à Wendepunkt
5 Eberhard Spangenberg: „Karriere eines Romans. Mephisto, Klaus Mann und Gustav Gründgens. Ein dokumentarischeer Bericht aus Deutschland und dem Exil 1925 bis heute“. Reinbek, 1986: S. à Spangenberg
6 Vgl. ebd., S.
7 Vgl. Pasche, S. 60
8 Vgl. Pasche, S. 70
9 Vgl. Pasche, S. 70
10 Vgl. Spangenberg, S.
11 Lutz Winkler: „...ein richtig gemeines Buch, voll von Tücken. Klaus Manns Roman Mephisto“. In: Wolff, Rudolf (Hrsg.): Klaus Mann. Bonn, 1984: S 47 à Winkler
12 Vgl. Pache, S. 73
13 Fritz Landshoff: „Amsterdam, Keizersgracht 333“. A.a.O., S. 121. Zitiert nach Pasche, S. 73
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Daphne Bruland, 2002, Zu: Klaus Mann: Mephisto, Roman einer Karriere, Munich, GRIN Publishing GmbH
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