2
1. Sprache wird als generationsabhängig betrachtet, die von jeder Generation neu erlernt werden muss. Es entwickelt sich dadurch von Generation zu Gene ration eine neue Sprache, indem z. B. Fehlinterpretationen beim Spracherwerb nicht korrigiert werden. Damit zählt die Kindersprache also zum Ausgangspunkt des Bedeutungswandels.
Beispiel: fr. soûl „satt“ ist beständig für „betrunken“ verwendet worden, so dass irgendwann niemand mehr da gewesen war, der die ursprüngliche Bedeutung kannte Span. cresta „(Gebirgs-)kamm“ > heute so gut wie nur noch als „geil“ verwendet
2. Fehlen von klaren Grenzen der Wortbedeutung, im Fachterminus auch sematische Vagheit genannt
Bsp.: „groß“ (span. gran(de)): damit könnten 1,90m, aber auch 2,20m gemeint sein
3. Verlust der etymologischen und somit der lexikalischen Motivation eines Wortes, besonders durch Lautwandel oder durch Verlust der Lexeme aus denen eine Zusammensetzung gebildet ist.
Bsp.: aengl. hlafwaerd, hlaford, wörtl. „Brotlaib-Wart“ > nengl. Lord ist erst dann in den Bedeutungswandel eingetreten, als die formale Beziehung zu loaf „Laib“ nicht mehr bestanden hat.
4. Polysemie (Mehrdeutigkeit eines Wortes) als „normale r“ Faktor des Bedeutungswandels
Bsp.: span. chuleta „Kotelett“, „Ohrfeige“ und „Spickzettel“ Span. churra „Hündin“ , „Schlampe“
5. Ambiguität (Mehrdeutigkeit verschiedener Kontexte) Bsp.: engl. bead „Gebet“ > „Kügelchen“: Der ambige Kontext war die Wendung to count one’s beads „die Gebete zählen“ > „ die Kugeln des Rosenkranzes zählen“
6. Als wichtigster Faktor gilt die lockere Struktur des Lexikons ; verglichen mit der Grammatik ist das Lexikon viel umfangreicher, aber auch weniger strikt organisiert, so dass Verschiebungen und Erweiterungen (z. B. das Weglassen von Begriffen, die im Sprachgebrauch nicht mehr verwendet werden) leichter möglich sind.
3
3 Ursachen des Bedeutungswandels
- Diese können sprachlich, historisch oder soziologisch bedingt sein, es spielen jedoch auch der psychologische Aspekt, der fremdsprachliche Aspekt und der Aspekt der Namengebung eine bedeutende Rolle Beispiele:
1. Sprachlich: Entwicklung eines Wortes, das immer wieder im selben Kontext verwendet wird, beispielsweise haben sich in d er französischen Sprache pas „Schritt“, rien „etwas“, personne „jemand“ im heutigen Sprachgebrauch zu negationsverstärkenden Adverbien entwickelt.
2. Historisch: Wörter nehmen im Laufe ihrer Entwicklung eine andere Bedeutung an, sie passen sich an. Bsp.: engl. car „Karren, Wagen“ zu „Automobil“
3. Soziologisch: Übergang von der Umgangssprache in die Fachsprache, hier liegt meist eine Bedeutungsverengung vor (Wandel vom Oberbegriff zum Unterbegriff). Begriffe, die früher meist alltäglich gebraucht wurden, werden heute nur noch in speziellen Fällen verwendet.
4. Psychologisch: lässt dem Individuum spontane Assoziierungen zu Bsp.: „Seepferdchen“ wird zu engl. horse-fish
5. Fremdsprachlich: Bsp.: „Bär“ im Sinne der beiden Sternbilder (Großer Bär und Kleiner Bär) aus lat. ursa „Bär als Sternbild“ wird zu span. osa
6. Namengebungen: Sachen können ursprüngliche Bedeutungen ganz verlieren Bsp.: „Untertasse“ - spricht man heute von einer fliegenden Untertasse, verbindet man damit keinesfalls einen kleinen Teller, auf den man eine Tasse stellt und den man durch die Gegend wirft, sondern eher ein unbekanntes Flugobjekt
4 Wesen des Bedeutungswandels
- Bei dem Wesen des Bedeutungswandels wird die Similarität und die Kontiguität unterschieden:
- Similarität („Ähnlichkeit“) besagt, dass die Gegenstände im Vergleich irgendwelche Merkmale gemeinsam haben
- Kontiguität („Aneinanderstoßen“) besagt, dass die Gegenstände in ihrer Geschichte irgendeine Form von Kontakt gehabt haben
- Diese beiden können sich dann auf die Inhaltsseite oder auf die Ausdruckseite beziehen, so dass man folgende vier Kategorien erhält:
4.1 Metapher
- Herausragender Faktor beim Bedeutungswandel
- Der Name eines Objekts wird auf ein anderes Objekt übertragen, das diesem in irgendeiner Hinsicht ähnlich ist, bzw. vom Sprecher so gesehen wird:
- So wurde z. B. im Vulgärlatein testa „Tontopf“ als expressive Bezeichnung für den menschlichen Kopf verwendet (vgl. frz. tête)
- Oder lt. musculus „Mäuschen“ > „Muskel“, hier gibt es sogar zwei Interpretationsmöglichkeiten: die formale Ähnlichkeit des angespannten Muskels mit einer Maus; und die Ähnlichkeit der Muskelarbeit beim Laufen und Heben mit den raschen, huschenden Bewegungen einer Maus
4.2 Metonymie
- Ersetzung eines Wortes oder eines Ausdrucks durch ein anderes, das in räumlicher, logischer, kausaler oder irgendeiner anderen Beziehung dazu steht
- Hier besteht zwischen dem alten und dem neuen Objekt eine Beziehung der Kontiguität, die recht unterschiedlicher Natur sein kann
- Beispiele: Material > Produkt (Bsp.: einen Nerz tragen), Behälter > Inhalt (Bsp.: ein Glas trinken), Institution > Gebäude (Bsp.: die Universität betreten), Handlung > Handelnder (Bsp.: die Bedienung rufen)
4.3 Ellipse
- Ein Wort wird aus einem bestimmten Zusammenhang, einer Redewendung, usw. entfernt oder ausgespart und seine Bedeutung überträgt sich damit automatisch auf den verbleibenden Ausdruck
- Beispiele:
- dt.: statt Weizenbier sagt man Weizen
- frz.: un première Lyon heißt vollständig un billet de première classe,
Quote paper:
Dipl. Kffr. Jessica Schmidt, 2003, Bedeutungswandel, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Feindbilder - Teilbereich der Projektgruppe "Der Irak-Krieg 2003 ...
Communications - Media and Politics, Politic Communications
Research Paper, 22 Pages
Von der unsichtbaren Hand in der Sprache - Die Sprachwandeltheorie von...
Termpaper, 14 Pages
Mechanismen des Bedeutungswandels
Romance Languages - French - Linguistics
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
Eine Analyse zur Wortbildung innerhalb der Sportberichterstattung
Neologismen und ihre Funktione...
Thesis (M.A.), 105 Pages
Bedeutungswandel am Beispiel des Verfahrens der Metaphorisierung
German Studies - Semiotics, Pragmatics, Semantics
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Leistungsbeurteilung in der Grundschule: Bezugsnormorientierung
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 19 Pages
G. v. Straßburg, Tristan: Verhinderte Öffentlichkeit am Marke-Hof
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Bedeutungswandel innerhalb der deutschen Sprache
German - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Presentation / Essay (Pre-University), 9 Pages
Christian Buddenbrook - Analyse eines Verfalls-Objekts
German Studies - Modern German Literature
Intermediate Examination Paper, 23 Pages
Familientradition als Leitlinie des Verhaltens der Figur Tony Buddenbr...
German Studies - Modern German Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 23 Pages
In jeder Sprache ist man ein anderer Mensch - Sprachwelten und Identit...
German - German as a Foreign Language / Second Language
Bachelor Thesis, 32 Pages
Dekadenzphänomene in Thomas Manns Roman Buddenbrooks
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 17 Pages
Eine sprachwissenschaftliche Untersuchung der Werbesprache
Termpaper, 20 Pages
Jessica Schmidt has published the text Bedeutungswandel
Jessica Schmidt has uploaded a new text
Einführung in die spanische Sprachwissenschaft
Ein Lehr- und Arbeitsbuch
Wolf Dietrich, Horst Geckeler
Einführung in die portugiesische Sprachwissenschaft
Annette Endruschat, Jürgen Schmidt-Radefeldt
Ein Manual für Tutorinnen und ...
Christina Krause, Volker Müller-Benedict
Statistisches Tutorium für Wirtschaftswissenschaftler
Aufgaben mit ausführlichen Lös...
Christian H. Schäfer, Jens-Uwe Scheer
0 comments