Inhaltsverzeichnis II
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
Inhaltsverzeichnis....................................................................................................................... I
Abbildungsverzeichnis. III
Tabellenverzeichnis. IV
Abk ürzungsverzeichnis. V
1 Einleitung 1
1.1 Problemstellung. 1
1.2 Vorgehensweise 2
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 5
2.1 Differenzierung von Wissensarten. 5
2.2 Lernprozesse. 7
2.2.1 Bestandteile des Wissens als Grundlage für Lernprozesse. 7
2.2.2 Individuelle Lernprozesse als Basis organisationalen Lernens 8
2.3 Lernauslöser Kunde. 13
2.4 Kundenorientierung als Impuls für Lernprozesse. 17
3 Einflußfaktoren auf kundeninduzierte Lernprozesse. 21
3.1 Werte- und Kulturentwicklung. 21
3.1.1 Werteentwicklung. 21
3.1.1.1 Gesellschaftlicher Wertewandel. 21
3.1.1.2 Wertewandel in Unternehmen. 22
3.1.1.3 Wertewandel auf individueller Ebene. 23
3.1.1.4 Integration von individuellem und organisationalen Wertewandel 24
3.1.2 Unternehmensskultur als Träger der Wertebasis 27
3.1.3 Kulturelles Lernen 30
3.1.3.1 Lernen über Artefakte 30
3.1.3.2 Lernen über Normen und Werte. 30
3.1.3.3 Lernen über Grundannahmen 31
3.1.4 Einflußmöglichkeiten zur Schaffung einer Lernkultur 31
3.1.4.1 Organisationskulturelle Dualität 31
3.1.4.2 Kulturfunktionen 33
3.1.5 Bewußte Gestaltung einer Lernkultur 34
3.2 Wissensziele als Lernmotivation. 37
3.2.1 Differenzierung von Wissenszielen. 37
3.2.2 Lernschleifen. 38
3.2.3 Wissensziele der Lernschleifen 40
3.2.4 Bewußte Gestaltung von Wissenszielen 42
3.3 Wissensbasis als Plattform für Lernprozesse in Unternehmen 44
3.3.1 Schnittmengenmodell der Wissensbasis 44
3.3.2 Technische Systeme als Wissensträger 46
3.3.2.1 Kommunikationssysteme. 46
3.3.2.2 Datenbanken 47
3.3.2.3 Integration technischer Systeme in das Schnittmengenmodell 50
Inhaltsverzeichnis III
3.3.3 Barrieren technischer Systeme 51
3.3.4 Bewußte Gestaltung einer Wissensbasis. 52
3.4 Kommunikationsentwicklung als Lernkatalysator. 54
3.4.1 Bedeutung der Kommunikation für kundeninduzierte Lernprozesse 54
3.4.2 Wissenstransfer durch Kommunikation. 57
3.4.3 Externe Kommunikation 59
3.4.3.1 Bedeutung der externen Kommunikation. 59
3.4.3.2 Technische Unterstützung der externen Kommunikation
durch Netzwerke. 62
3.4.4 Dienste aus kommunikationstheoretischer Sicht. 64
3.4.5 Interne Kommunikation 68
3.4.5.1 Bedeutung der internen Kommunikation für
kundeninduzierte Lernprozesse. 68
3.4.5.2 Interne Verbreitung von Kundenwissen 69
3.4.5.3 Technische Unterstützung der internen Kommunikation
am Beispiel eines Intranets 73
3.4.5.3.1 Grundlagen eines Intranets. 73
3.4.5.3.2 Einsatzfelder eines Intranets. 75
3.4.5.3.3 Organisationale und kulturelle Aspekte eines Intranets 76
3.4.5.4 Kulturelle Aspekte und Barrieren interner Kommunikation 79
4 Intergration der betrachteten Einflußfaktoren 81
4.1 Wechselwirkungen. 81
4.2 Phasenmodell. 83
4.3 Strategische Stimmigkeit 86
4.4 Handlungsempfehlungen 88
5 Ausblick. 91
Literaturverzeichnis VI
Abbildungsverzeichnis
A B B I L D U N G S V E R Z E I C H N I S
Abb. 1: Einflußfaktoren auf kundeninduzierte Lernprozesse in Unternehmen.
Abb. 2: Notwendigkeit von Lernprozessen
Abb. 3: Hierarchie der Lernebenen.
Abb. 4: Wertetypen
Abb. 5: Crazy Times-Kreislauf
Abb. 6: Kulturebenen und ihr Zusammenhang.
Abb. 7: Organisationskulturelle Dualität
Abb. 8: Wechselbeziehung von Kundenverhalten, Organisationsverhalten
und Organisationskultur
Abb. 9: Hierarchie der Teilziele
Abb. 10: Interaktion der Lernschleifen
Abb. 11: Schnittmengenmodell
Abb. 12: Integration technischer Werkzeuge in das Schnittmengenmodell.
Abb. 13: Todesspirale einer elektronischen Wissensbasis
Abb. 14: Von externer zu interner Kommunikation
Abb. 15: Transfer des Wissens.
Abb. 16: Hierarchie der Transfer - Ebenen
Abb. 17: Beleg 7.1 aus Teil 2 der DIN ISO 9004
Abb. 18: Integration von Internet-Diensten in das World Wide Web
Abb. 19: Wissensspirale
Abb. 20: Wechselwirkungen der Einflußfaktoren auf kundeninduzierte
Lernprozesse in Unternehmen.
Abb. 21: Phasenmodell der Entwicklung der externen Kommunikation
Abb 22: Stimmigkeitsbereiche
Tabellenverzeichnis V
T A B E L L E N V E R Z E I C H N I S
Tab. 1: Kriterien zur Unterscheidung von implizitem und explizitem Wissen........................... 6
Tab. 2: Von Daten zu Wissen......................................................................................................... 7 Tab. 3: Kommunikation differenziert nach Benutzergruppen.................................................... 63 Tab. 4: Teilnehmer und Ziele der kommunikationsrelevanten Dienste..................................... 64
Tab. 5: Einsatzfelder des Intranets ............................................................................................... 76
Abkürzungsverzeichnis VI
A B K Ü R Z U N G S V E R Z E I C H N I S
AOL
Bd.
d. h.
Diss.
EN Europäische Normen
et al. et altera
etc. et cetera
FTP
HTTP
IBM Industrial Business Machines
ISO
IuK
LAN
o. V.
S. Seite
t
Tab. Tabelle
TCP/IP Transmission Control Protocol/Internet Protocol
URL Unified Remote Location
Vol. Volume
WAN Wide Area Network
WWW World Wide Web
z. B. zum Beispiel
1 Einleitung 1
1 EINLEITUNG
1.1 Problemstellung
Durch die steigende Variation der Umwelt, hauptsächlich verursacht durch zunehmende Globalisierung und individueller gewordene Kundenbedürfnisse, ist eine hohe Anpassungsfähigkeit der Unternehmen erforderlich, um auf die ständig wechselnden Umweltbedingungen eingehen zu können. Durch den Übergang von der Produktions- zur Dienstleistungsgesellschaft nimmt das Wissen einen immer größeren Stellenwert ein und stellt häufig den entscheidenden Wettbewerbsfaktor auf einem von Konkurrenz geprägten Markt dar. Das Wissen als wertvolle Unternehmensressource erfordert eine neue, häufig ungewohnte Berücksichtigung im Unternehmen. Organisationale Abläufe, unterstützt durch technische Systeme, erfordern eine neue Berücksichtigung dieser wertvollen Ressource. Der Gewinn neuen Wissens durch Lernprozesse nimmt einen immer höheren Stellenwert ein. Woher aber kann dieses neue Wissen gewonnen werden, das für das Unternehmen eine große Relevanz besitzt? Der Kunde als zentrales Ziel von Unternehmensaktivitäten ist dabei ein effektiver oder sogar der effektivste Auslöser von Lernprozessen. Denn er beurteilt letztlich über den Erfolg oder Untergang eines Unternehmens auf dem Wettbewerbsmarkt. Im Z entrum dieser Arbeit steht die Frage, wie ein Unternehmen sich diesen neuen Entwicklungen stellen kann und die Lernfähigkeit und Lernbereitschaft im Unternehmen fördern kann. Es wird aufgezeigt, was Werte, Wissensbasis, Wissensziele sowie Kommunikation beitragen können, um kundeninduzierte Lernprozesse in Unternehmen zu fördern. Weiterhin wird der Beitrag technischer Systeme zur Unterstützung dieser Lernprozesse diskutiert.
1 Einleitung 2
1.2 Vorgehensweise
Generelles Ziel der Arbeit ist es, die Rolle der verschiedenen Einflußfaktoren auf kundeninduzierte Lernprozesse sowie die damit zusammenhängenden Barrieren aufzuzeigen, damit Lernprozesse in diesem Bereich bewußt gestaltet und Barrieren erkannt und überwunden werden können. Zunächst soll daher in den Grundlagen dieser Arbeit die Bedeutung von Lernprozessen in Unternehmen und die Rolle des Kunden vor diesem Hintergrund genauer betrachtet werden. Es soll gezeigt werden, daß der Kunde den effektivsten Lernauslöser für ein Unternehmen darstellt. Aus dieser Erkenntnis leitet sich die Notwendigkeit ab, eine ausgeprägte Kundenorientierung bei den Mitarbeitern des Unternehmens zu verankern, um den Kunden als Informationsquelle wahrnehmen zu können. Die in dieser Arbeit betrachteten Institutionen sind zunächst Unternehmen, jedoch können die meisten Überlegungen auch auf den allgemeineren Begriff der Organisation übertragen werden. Es erfolgt daher keine strikte Abgrenzung dieser beiden Begriffe. Nach der betrachteten Notwendigkeit von kundeninduzierten Lernprozessen in Unternehmen stellt sich die Frage, welche Barrieren diesen Lernprozessen im Wege stehen und was ein Unternehmen tun kann, um diese Lernprozesse zu initialisieren. Prinzipiell hat die Unternehmensleitung Einflußmöglichkeiten hinsichtlich ihrer Organisationsgestaltung, d ie durch technische Werkzeuge unterstützt werden kann, aber auch hinsichtlich der Kultur des Unternehmens. Diese Arbeit will vier verschiedene Einflußfaktoren auf kundeninduzierte Lernprozesse in Unternehmen genauer betrachten und dabei jeweils die Rolle d er Unternehmenskultur sowie die Rolle von technischen Werkzeugen beleuchten, um die Einflußmöglichkeiten zur aktiven Förderung von kundeninduzierten Lernprozessen in Unternehmen aufzuzeigen.
Betrachtet werden zunächst die Werte der Mitarbeiter im Unternehmen und deren Einfluß auf das Bewußtsein für Lernprozesse. Die Werte der Mitarbeiter sind im allgemeinen kulturell verankert. Sie können durch kulturelle Maßnahmen beeinflußt werden, so daß sie ein Bewußtsein für Lernprozesse in Unternehmen schaffen. Es soll gezeigt werden, daß das „Lernen wollen“ durch kulturelle Lenkungsmechanismen angestoßen werden kann. Weiterer Betrachtungsgegenstand der Arbeit sind die Wissensziele des Unternehmens und des einzelnen Mitarbeiters. Sie basieren auf den kulturell verankerten Werten und bilden die Basis
1 Einleitung 3
zur Feststellung des Wissensbedarfs. Hier wird festgelegt, in welchen Bereichen durch Lernprozesse zusätzliches Wissen erworben werden soll. Sie bilden damit die Lernmotivation. Im Anschluß wird die Wissensbasis und ihr Einfluß auf kundeninduzierte Lernprozesse in Unternehmen betrachtet, denn die Wissensbasis bildet die Grundlage für Lernprozesse und muß daher bewußt gestaltet und aktiv gepflegt werden.
Schließlich wird die Kommunikation als zentraler Bestandteil von Lernprozessen in Unternehmen und hinsichtlich ihrer Bedeutung und ihrer technischen
Unterstützungsmöglichkeiten betrachtet, denn die Kommunikation steigert die Wissenstransparenz und wirkt somit als Lernkatalysator in Unternehmen. Abb. 1 faßt die Inhalte der Einflußfaktoren auf kundeninduzierte Lernprozesse zusammen:
ABB. 1: EINFLUßFAKTOREN AUF KUNDENINDUZIERTE LERNPROZESSE IN UNTERNEHMEN
1 Einleitung 4
Diese vier Einflußfaktoren sollten jedoch nicht isoliert betrachtet werden. Nach der Betrachtung der Einflußfaktoren auf kundeninduzierte Lernprozesse in Unternehmen werden daher die Wechselbeziehungen zusammengefaßt. Im Verlauf der Arbeit sollen die technischen und kulturellen Aspekte integriert sowie aktive Gestaltungsmöglichkeiten zur Initialisierung von kundeninduzierten Lernprozessen aufgezeigt werden. Im Anschluß sollen diese dann in Form von konkreten Handlungsempfehlungen zusammengefaßt werden.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 5
2 GRUNDLAGEN KUNDENINDUZIERTER LERNPROZESSE
2.1 Differenzierung von Wissensarten
Wissen ist die „Gesamtheit der Kenntnisse auf einem bestimmten Gebiet“. 2 Der Begriff und die Bestandteile des Wissens werden im folgenden genauer betrachtet. Es gibt verschiedene Kriterien, nach denen sich Wissen klassifizieren läßt. In dieser Arbeit ist jedoch speziell die von Polanyi 1966 erstmals getroffene Unterscheidung in implizites Wissen und explizites Wissen von Bedeutung. 3 Bei implizitem Wissen handelt es sich um unausgesprochenes und teilweise unbewußtes Wissen. Bestandteile des impliziten Wissens sind auch Wertvorstellungen und Grundannahmen, von denen Entscheidungen wesentlich geprägt werden. Polanyi kennzeichnet implizites Wissen treffend durch seine Aussage: „We can know more than we can tell.“ 4 Explizites Wissen hingegen läßt sich leicht artikulieren und dokumentieren (siehe Tab. 1).
Eine Eigenschaft impliziter Informationen ist auch oftmals, daß sie Absichten ausdrücken und damit eine prospektive Qualität besitzen, während sich explizite Informationen häufig bereits realisiert haben und damit eine retrospektive Komponente aufweisen. Daraus läßt sich schließen, daß implizite Informationen besonders für die Planung beispielsweise neuer Produktentwicklungen eine wichtige Rolle spielen und deshalb entsprechend berücksichtigt werden sollten.
1 Geller, B. M.: Individuelle, institutionelle und metaorganisatorische Lernprozesse als konstituierende
Elemente des ganzheitlichen organisatorischen Lernens: Eine modelltheoretische Analyse,
(Universitätsverlag Rudolf Trauner), Linz 1996, S. 1.
2 Heinrich, L. J., Roithmayr, F.: Wirtschaftsinformatik-Lexikon, 4. Aufl., (Oldenbourg) München et al. 1992,
S. 564.
3 Vgl. Polanyi, M.: The Tacid Dimension, (Routledge & Kegan Paul) London 1966.
4 Polanyi, M.: The Tacid Dimension, (Routledge & Kegan Paul) London 1966, S. 4.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 6
TAB. 1: KRITERIEN ZUR UNTERSCHEIDUNG VON IMPLIZITEM UND EXPLIZITEM WISSEN Folgt man einer Erkenntnis von Karner, werden 72 Prozent aller Entscheidungen basierend auf sogenannten impliziten oder auch weichen Informationen getroffen. 5 Objekt der Informationstechnologie sind jedoch leider häufig nur jene 28 Prozent, die als explizite Informationen bezeichnet werden und somit besonders leicht elektronisch gespeichert, verknüpft und verarbeitet werden können. Eine Umsatzzahl wird beispielsweise als explizite oder harte Information angesehen, während eine (unausgesprochene) Präferenz in diesem Sinne als implizite Information beurteilt wird.
Häufig wird Wissen auch in formales und nicht-formales Wissen unterteilt, was der Einteilung in explizites und implizites Wissen entspricht. Die Semantik von formalem Wissen ist technischen Systemen zugänglich und kann somit elektronisch verarbeitet werden. Nicht-formales Wissen dagegen ist Wissen, was nicht direkt elektronisch verarbeitet werden kann, das sich somit nur vom Benutzer erschließen läßt. Semi-formales Wissen ist Wissen, was sowohl aus formalem als auch aus nicht-formalem Wissen besteht, das somit teilweise elektronisch verarbeitet werden kann. Im Bereich der elektronischen Wissensverarbeitung, auf die in Kapitel 3.4.4 näher eingegangen wird, ist diese Differenzierung der Wissensarten von Bedeutung.
5 Vgl. Karner, H. F.: Die personelle und strukturelle Seite des intellektuellen Kapitals. Wissenswerker in und
außerhalb der Netzwerkorganisation, in: Schneider, U. (Hrsg.): Wissensmanagement: Die Aktivierung des
intellektuellen Kapitals, (FAZ) Frankfurt am Main 1996, S. 121.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 7
2.2 Lernprozesse
2.2.1 Bestandteile des Wissens als Grundlage für Lernprozesse
Zentraler Bestandteil von Lernprozessen ist die Aneignung von Wissen. Unterste Ebene des Wissens sind Zeichen. Diese könne in Form von Buchstaben oder Ziffern auftreten. Wenn diese Zeichen oder Zeichenfolgen in einen Zusammenhang gebracht sind, beispielsweise durch eine Syntax verknüpft wurden, jedoch noch keine Verwendungsaussage beinhalten, so werden daraus Daten. Sie existieren unstrukturiert und sind kontextunabhängig. Setzt man diese Daten in einen Kontext und arrangiert sie zu sinnvollen Strukturen, so entstehen daraus subjektiv verwertbare Informationen. Bestandteile von Informationen können Daten, Text, Bilder sowie Sprache sein. 6 Durch Verwertung, zweckorientierte Vernetzung und Interpretation von Informationen entsteht schließlich Wissen. 7 Tab. 2 soll die begriffliche Trennung sowie den Übergang von Daten über Informationen zu Wissen nach Probst und Romhardt veranschaulichen 8 :
6 Vgl. Wittmann, E.: Neue Informations- und Kommunikationstechnik und Macht in der Unternehmung: Eine
Analyse der machtpolitischen Veränderungen aus individueller und organisatorischer Perspektive, München
et al. 1990, S. 12.
7 Vgl. Rehäuser, J., Krcmar, H.: Wissensmanagement in Unternehmen, in: Schreyögg, G., Conrad, P. (Hrsg.):
Managementforschung: Wissensmanagement, Berlin et al. 1996, S. 6.
8 Vgl. Probst, G., Romhardt, K.: Bausteine des Wissensmanagements - Ein praxisorientierter Ansatz,
9 Vgl. Probst, G., Romhardt, K.: Bausteine des Wissensmanagements - Ein praxisorientierter Ansatz,
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 8
Probst betont dabei, daß in einem lernenden Unternehmen eine integrierte Betrachtung der Daten, Informationen und Wissensbeständen erfolgen muß 10 , denn Wissen ist eine komplexe und sich ständig wandelnde Kombination aus Informationen, individuellem Kontext und Erfahrung. Wissen beruht auf Informationen, diese können damit als Bestandteile von Wissen betrachtet werden. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird daher auf eine durchgängige begriffliche Trennung von Informationen und Wissen verzichtet.
2.2.2 Individuelle Lernprozesse als Basis organisationalen Lernens
Lernen bedeutet nicht nur die Weitergabe von Informationen durch Schulung und Training, wie es die meisten Menschen beispielsweise durch Schule oder Studium kennengelernt haben. Es beinhaltet auch die aktive Lösung von Problemen, das Hinterfragen von Sachverhalten und die Verbesserung der Leistungserbringung. 11 Die Notwendigkeit von individuellen und organisationalen Lernprozessen in Unternehmen ergibt sich ganz allgemein aus der Anpassung an kontinuierliche Umwelt-Veränderungen, denn „Erfolg in der Vergangenheit gibt keine Garantie für die Zukunft“. 12 Konstantes Bemühen um ständige Verbesserung durch Lernprozesse ist daher notwendig, um die Position des Unternehmens auf dem Wettbewerbsmarkt - nicht zuletzt jedoch auch die Position des einzelnen Mitarbeiters auf dem Arbeitsmarkt - zu erhalten oder zu verbessern.
Nonaka und Takeuchi drücken ihre Vorstellung von der Notwendigkeit permanenter Lernprozesse in Unternehmen sehr anschaulich in folgender Abb. 2 aus 13 :
10 Vgl. Probst, G., Raub, S., Romhardt, K.: Wissen managen: Wie Unternehmen ihre wertvollste Ressource
optimal nutzen, (Gabler) Wiesbaden 1997, S. 36.
11 Vgl. Scholz, C.: Strategische Organisation: Prinzipien zur Vitalisierung und Virtualisierung,
(Moderne Industrie) Landsberg am Lech 1997, S. 289.
12 Warnecke, H. - J.: Revolution der Unternehmenskultur: Das fraktale Unternehmen, 2. Aufl., (Springer)
Berlin et al. 1993, S. 70.
13 Vgl. Nonaka, I., Takeuchi, H.: The Knowledge Creating Company: How Japanese Companies Create the
Dynamics of Innovation, (Oxford University Press) New York et al. 1995, S. 6.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 9
In dieser Arbeit werden Lernprozesse in Unternehmen untersucht, die sowohl auf individueller Ebene als auch auf Organisationsebene existieren.
Die individuelle Ebene bildet die untere der beiden dargestellten Lernebenen. Abb. 3 soll verdeutlichen, daß die äußere organisationale Ebene des Lernen immer auch Prozesse der inneren, individuellen Ebene einschließt. „In a strict sense, knowledge is created only by individuals.“ 14 Das Unternehmen kann nicht selbst und ohne die Initiative ihrer einzelnen Mitglieder und deren Interaktion in Gruppen Lernprozesse initialisieren.
14 Nonaka, I., Takeuchi, H.: The Knowledge Creating Company: How Japanese Companies Create the
Dynamics of Innovation, (Oxford University Press) New York et al. 1995, S. 59.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 10
Zunächst soll daher versucht werden zu ergründen, was organisationales Lernen überhaupt ist. Während vielfältige und weitgehend einheitliche Definitionen des individuellen Lernens existieren, gibt es noch keine allgemein anerkannte Definition des organisatorischen Lernens. Dies soll hier aber nicht daran hindern, einige herkömmliche Lern-Definitionen im Sinne einer Auswahl aufzuführen, diese im Hinblick auf die Übertragung von der individuellen auf die organisationale Ebene zu bewerten und schließlich eine für die vorliegende Arbeit passende auszuwählen.
Wir betrachten dazu zunächst eine Definition von Foppa 15 : Dieser behauptet, bei Lernprozessen gehe es „letzten Endes ... immer um die Frage, auf welche Weise sich der Organismus der mannigfaltigen Anforderungen seiner Umwelt anpaßt. Der Anpassungsvorgang selbst entzieht sich freilich genauso jeder unmittelbaren Beobachtung wie das Gedächtnis. Wir betrachten deshalb nicht den eigentlichen Lernverlauf, sondern Leistungen irgendwelcher Art und deren Veränderungen. Wenn jemand in einer bestimmten Situation wiederholt etwas tut bzw. unterläßt, was er bisher unter entsprechenden Umständen nicht getan oder unterlassen hätte ... sprechen wir von einem Lernprozeß. Es sei denn wir haben guten Grund zu der Annahme, daß die Verhaltensänderungen durch andere Faktoren bedingt sind“. Der letzte Hinweis von Foppa schließt extern induzierte Evolutionsprozesse aus dem Bereich des Lernbegriffs aus. Somit werden positive Leistungen, die primär durch die Günstigkeit externer Bedingungen verursacht sind, nicht in den Lernbegriff miteinbezogen.
Kritisch an dieser Definition hinsichtlich der Übertragung auf organisationale Prozesse ist allerdings, daß im Unternehmensumfeld Bedingungen herrschen können, die Verhaltensänderungen erzwingen und auf diese Weise Lernprozesse begünstigen. Darüber hinaus kann zwar der „eigentliche“ Lernverlauf eines Unternehmens hier nicht detailliert betrachtet werden, jedoch werden Mechanismen innerhalb des Lernprozesses eines Unternehmens in dieser Arbeit untersucht werden. Diese Definition scheint somit für eine Übertragung des Lernbegriffes vom Individuum auf die Organisation nicht ausreichend.
15 Foppa, K: Lernen, Gedächtnis, Verhalten, 4. Aufl., Köln et al. 1968, S. 13.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 11
Eine geeignetere Abgrenzung des Lernbegriffs verspricht die Definition von Hofstätter. Er definiert Lernen durch „Veränderungen in der Wahrscheinlichkeit, mit der Verhaltensweisen in bestimmten Reizsituationen auftreten, sofern diese nicht durch die Verletzung eines Organismus oder spontan im Zuge einer Reifung zustande kommen, sondern auf frühere Begegnungen mit dieser oder ähnlichen Reizsituationen zurückgehen“. 16 Problematisch ist hierbei die Beschränkung des Lernens auf die reine Anpassung, denn beruht Lernen auf eigener Initiative, geht es über die reine Anpassung hinaus. Daher schlägt Cube vor, den Begriff des Reizes in der Definition von Hofstätter durch den Begriff Motivation zu ersetzen. 17 Die Hofstätter´sche Definition läßt allerdings offen, ob die Verhaltensänderung in irgendeiner Weise sinnvoll ist.
Aus diesen Gründen folgt der Lernbegriff für Unternehmen in diese Arbeit einer Definition von Dewey: „Wenn eine Betätigung hineinverfolgt wird in ihre Folgen, wenn die durch unser Handeln hervorgebrachte Veränderung zurückwirkt auf uns selbst und in uns eine Veränderung bewirkt, dann gewinnt die bloße Abänderung Sinn und Bedeutung; dann lernen wir etwas.“ 18 Dewey stellt die Rückwirkung auf das eigene Selbst und das dadurch zu erzielende „Wachstum“ in der Vordergrund. Dieses Wachstum wird noch von Guyer präzisiert: „Lernen im weitesten Sinne des Wortes heißt: Bereitstellen von Erfahrungen für das zukünftige Tun des Menschen.“ 19 Wachstum durch Lernen bedeutet also in diesem Sinne der Erwerb von Erfahrungen.
Der zentrale Unterschied zwischen individuellem und organisationalem Lernen besteht in der unterschiedlichen Komplexität des Lernorganismus. Während beim Lernen auf individueller Ebene der Lernorganismus ein einzelnes Individuum ist, das sich durch Interaktion mit seiner Umwelt Lerngelegenheiten schafft, muß der Lernorganismus des organisationalen Lernens als soziales System verstanden werden, dessen Elemente einzelne Individuen sind. Organisationales Lernen verläuft somit zweistufig. Zunächst müssen die Individuen lernen. Erst durch danach ablaufende Kollektivierungs- und Kommunikationsprozesse, findet organisationales Lernen statt. Aus dieser Überlegung folgt, daß sich das Unternehmen in vielfältiger Weise Lerngelegenheiten schaffen kann. Entweder wenn die Individuen - nach
16 Hofstätter, P. R.: Psychologie, (Fischer) o. O. 1957, S. 195.
17 Vgl. Cube, F. v.: Kybernetische Grundlagen des Lernens und Lehrens, 2. Aufl., (Klett) Stuttgart 1968, S. 78.
18 Dewey, J.: Demokratie und Erziehung, Braunschweig 1949, S. 187.
19 Guyer, W.: Wie wir lernen, 3. Aufl., o. O. 1969, S. 15.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 12
innen gerichtet - untereinander agieren und kommunizieren oder aber - nach außen gerichtetin Interaktion mit den für das Unternehmen relevanten Umweltelementen, treten. 20
20 Vgl. Hodel, M.: Organisationales Lernen und Qualitätsmanagement: Eine Fallstudie zur Erarbeitung und
Implementation eines visualisierten Qualitätsleitbildes, (Lang) Frankfurt et al. 1998, S. 65-66.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 13
2.3 Lernauslöser Kunde
Man unterscheidet im allgemeinen eine externe und eine interne Sichtweise des Kundenbegriffs. Bei internen Kunden handelt es sich um Mitarbeiter, die im Unternehmen dessen Leistungen nachfragen. Beispielsweise kann der Arbeitnehmer in diesem Sinne als Kunde der Personalentwicklung betrachtet werden. Externe Kunden hingegen sind Nachfrager der Unternehmensprodukte auf dem Markt. Der Kunde wird dementsprechend in dieser Arbeit ausschließlich als externer Abnehmer der Unternehmensleistung betrachtet. Bei diesem externen Abnehmer kann es sich prinzipiell um Individuen im Sinne von privaten Nachfragern handeln, als auch um Organisationen. Grundsätzlich wird hier jedoch von individuellen Nachfragern der Unternehmensleistung ausgegangen. Lernprozesse werden im allgemeinen von Situationen ausgelöst, die bestehende Handlungsmuster, Gegebenheiten oder Werte in Frage stellen. Wenn diese Situationen mit den vorhandenen Wissens- und Verhaltensmustern nicht mehr optimal zu bewältigen sind, kann ein Lernprozeß ausgelöst werden. Anhand der Klassifizierung der Lernauslöser nach Hedberg soll in dieser Arbeit anschließend gezeigt werden, daß der Kunde in allen drei Klassen den einzigen zentralen Lernauslöser darstellt. Hedberg beschreibt in seinem Modell sehr anschaulich, in welchen Situationen ein Unternehmen üblicherweise zu lernen beginnt.
21
Er klassifiziert die lernauslösenden Faktoren in folgende drei Gruppen:
h
Unternehmenskrisen:
Der Zwang zum Wandel und der Wille zur Veränderung initiiert
den Lernprozeß zur Bewältigung einer Krise. Dieses kriseninduzierte Lernen birgt allerdings die Gefahr, daß zum Zeitpunkt des Lernprozesses nicht mehr die nötige Zeit oder die nötigen Handlungsmöglichkeiten zur Bewältigung der Krise vorhanden sind. Oft besteht damit in Zeiten einer Krise keine Möglichkeit mehr zu frühzeitigem, proaktivem Handeln. Dem Unternehmen bleibt oft lediglich die Möglichkeit zur Reaktion.
21 Vgl. Hedberg, B.: How Organizations Learn and Unlearn, in: Nystrom, P. C., Starbuck, W. H. (Hrsg.):
Handbook of Organizational Design, (University Press) Oxford 1981, S. 3-27.
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 14
h
Chancen:
Sie wirken vor allem dann als Lernauslöser, wenn genügend
Handlungsmöglichkeiten und Zeit vorhanden sind, ihnen also ein Ressourcenüberschuß, ein sogenannter „organizational slack“ zugrundeliegt, so daß Niederlagen nicht sofort existenzgefährdend wirken. Dieser Ressourcenüberschuß alleine genügt allerdings nicht, er kann ohne die Wahrnehmung der damit verbundenen Chance zu einem Gefühl der Trägheit führen. Um Lernprozesse auszulösen, muß der Überschuß an Unternehmensressourcen somit als Chance zur Veränderung wahrgenommen werden.
h
Organisationsmitglieder:
Sie stellen die dritte Gruppe der lernauslösenden Faktoren
nach Hedberg dar. Problembereiche und Möglichkeiten der Organisation sind dem Management häufig nicht ersichtlich. Den größten Teil dieser Handlungsmöglichkeiten und -notwendigkeiten erfahren die Verantwortlichen erst durch ihre Mitarbeiter. Sie stellen ein starkes Potential zur Erkennung von Veränderungsmöglichkeiten und Veränderungsnotwendigkeiten dar, wenn dies von der Unternehmensführung erkannt, erwünscht und entsprechend gefördert wird.
Hedberg macht in seiner Einteilung der Lernauslöser deutlich, in welchen Situationen ein Unternehmen zu lernen beginnt. Er macht allerdings keine Aussagen über die Effektivität der einzelnen Lernauslöser. Darüber hinaus umfassen die einzelnen Klassen von Lernauslösern ein jeweils sehr umfassendes Spektrum von Situationen, das zur Analyse der jeweiligen Unternehmenssituation sehr stark untergliedert werden muß. Weiterhin kann eine Momentaufnahme der Lernauslöser eines Unternehmens Komponenten aller drei Klassen umfassen. Die ausschließliche Zuordnung einer Situation zu einer der Klassen scheint damit nicht immer möglich. Die Klassifizierung der Lernauslöser nach Hedberg stellt somit ein sehr allgemeines Modell d ar, das jedoch einen Ansatz zur strukturierten Betrachtung der Lernauslöser im Unternehmen bietet.
Betrachtet man die Klassifizierung der Lernauslöser nach Hedberg unter dem Gesichtspunkt der Kundenorientierung, so läßt sich zeigen, daß der Kunde als Hauptauslöser aller drei Lernstimuli in Unternehmen gelten kann. Im folgenden wird dies anhand der oben besprochenen Einteilung näher erläutert:
2 Grundlagen kundeninduzierter Lernprozesse 15
h
Unternehmenskrisen:
Diese werden, sofern durch externe Faktoren ausgelöst, indirekt
erst durch die Abwanderung von Kunden oder damit zusammenhängend durch einen Verlust von Marktanteilen wahrgenommen. Voraussetzung für Lernprozesse in dieser Situation ist die Kenntnis der Krisenursache. Ist die Krise durch mangelnde Information des Unternehmens, beispielsweise über Präferenzen oder Schwierigkeiten des Kunden im Zusammenhang mit der Unternehmensleistung, verursacht, so liegt bei ausreichender Unternehmensflexibilität in der internen und externen Kommunikationsverbesserung ein möglicher Lösungsschritt. Darüber hinaus muß das Unternehmen in der Lage sein, sehr schnell und mit ausreichenden Unternehmensmitteln reagieren zu können.
h
Chancen:
Um die Gefahren, die mit Unternehmenskrisen verbunden sind zu
vermeiden, sollte eine lernende Organisation stets aktiv und kreativ nach ihren Chancen suchen. Chancen, die von einem Ressourcenüberschuß begleitet werden, bieten dem Unternehmen die Möglichkeit, auch Lernprozesse des „Trial and Error-Verfahrens“ relativ gefahrlos zu initialisieren. Damit besteht die Möglichkeit zur Proaktivität, das heißt das Unternehmen hat die Chance, sich frühzeitig aktiv Wettbewerbsvorteile aufzubauen. 22
h
Organisationsmitglieder:
Engagierte und problemorientierte Mitarbeiter können
Lernprozesse initialisieren, indem sie beispielsweise Kundeninformationen weiterleiten, auf Probleme hinweisen, Änderungsvorschläge weiterreichen oder Änderungen selbst durchführen. Sind die Informationen des Kunden erst zum Unternehmen gelangt, liegt es nun an den Mitarbeitern, diese in Lernprozesse zu transformieren. Damit können ganz entscheidende Impulse zur Veränderung der organisatorischen Wissensbasis geliefert werden. Diese Auffassung wird durch eine Studie gestützt, die 1996 von der DEKRA Akademie durchgeführt wurde. 23 Dabei hat man festgestellt, daß nach Einschätzung von 187 befragten deutschen Unternehmen die Entwicklung hin zu einem lernenden Unternehmen ganz entscheidend von seinen Mitarbeitern und deutlich weniger von den wirtschaftlichen Bedingungen abhängt. Dennoch ist auch in diesem Bereich die Information des Kunden der eigentliche Anstoß der organisationalen Lernprozesse.
22 Vgl. Scholz, C.: Strategische Organisation: Prinzipien zur Vitalisierung und Virtualisierung,
(Moderne Industrie) Landsberg am Lech 1997, S. 51.
23 Vgl. Littig, P.: Die Klugen fressen die Dummen: Das lernende Unternehmen - Ergebnisse einer Marktstudie,
(Bertelsmann) Bielefeld 1996, S. 49-64.
Arbeit zitieren:
Elke Ludin, 1999, Kundeninduzierte Lernprozesse in Unternehmen, München, GRIN Verlag GmbH
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