Inhaltsverzeichnis
1. Das Material Wachs 1
2. Die sakrale Wachsplastik 1
2.1 Die Votivplastik 2
2.2 Die Funeralplastik 3
2.2.1 Effigien 4
3. Wachsplastiken zu repräsentativen Zwecken 6
4. Wissenschaftliche Wachsplastiken 8
5. Wachsfiguren in der Kunst 9
6. Wachsfiguren zur Unterhaltung 14
Literaturverzeichnis 15
Fotonachweis 16
Wachs nahm ebenso wie andere Materialien, z.B. Ton, Holz oder Bronze, einen Weg, welcher über den Stoff als Gebrauchsgegenstand, über angewandte Kunst zur bildenden Kunst führte. Dieser Weg soll in dieser Arbeit näher beschrieben werden. Er beginnt in der sakralen Ebene, in welcher Totenmasken und Effigien zu finden sind, und führt von heidnischen Voodoofiguren und christlichen Votivplastiken zu Büsten und Figuren aus höfischen und bürgerlichen Kreisen. Der Weg geht von anatomischen Modellen, die aus wissenschaftlichen Gründen angefertigt wurden, hin zu Wachsfiguren, die heute noch in Panoptiken und Wachsfigurenkabinetten zu sehen sind. Natürlich spielt Wachs auch in der bildenden Kunst eine Rolle, auf die in dieser Arbeit besonders eingegangen werden soll.
1. Das Material Wachs
Das Wachs der Biene ist das wichtigste tierische Wachs, das der Mensch seit Urzeiten für viele Zwecke verwendete. Andere Naturwachse, wie z.B. pflanzliche, werden erst seit ca. 100 Jahren hergestellt. Die Biene besaß mit ihren Erzeugnissen Wachs und Honig schon damals für den Menschen eine große Bedeutung. Ihr Leben mit seinen Abläufen blieb allerdings bis ins 19. Jahrhundert ein Geheimnis. Gerade dieses Rätselhafte versetzte sie in früheren Zeiten in den Bereich des Mythos. Genau dort beginnt auch der Bereich der Verwendung der Wachsplastik.
2. Die sakrale Wachsplastik
Die plastische Darstellung des menschlichen Körpers hat ihren Ursprung im römischen Toten- und Familienkult und setzte in zwei Punkten religiös bestimmend ein.
• Votivplastik
• Funeralplastik
Der Votivglaube bezeichnet das Verhältnis des Lebenden zur Gottheit während das Leichenritual das Verhältnis des Toten zum Jenseits bezeichnet. 1
1 Vgl. Schlosser, Julius von. Tote Blicke: Geschichte der Portraitbildnerei in Wachs. Berlin, 1993. S.
13.
2.1 Die Votivplastik
Votiv und Weihegaben sind schon aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit bekannt. Die Menschen brachten sie aus Dankbarkeit oder mit einer Bitte, z.B. um Genesung an heilige Stätten und Wallfahrtsorte. Besondere Wirkung versprach man sich, wenn diese Gegenstände an bestimmten Festtagen abgelegt wurden. Erhalten gebliebene, heute in Museen und Sammlungen stehende Votive geben Zeugnis einstiger Volksfrömmigkeit. Geopfert wurden neben Metallgegenständen auch Kleidungsstücke und immer wieder Wachsgegenstände in allen Variationen. Geformte, ungeformte und Kerzen in einer für uns heute unvorstellbaren Menge. Solche Votive konnten etwa aus Wachs geformte Beine sein, wenn ein Lahmer für neue Kraft zum Laufen betete (Abb.1). Das Wachs nahmen die Kirchenleute besonders gerne an, denn daraus konnten sie sich neue Kerzen für den Hausgebrauch machen und auch noch eine Menge „verscherbeln“. Profit mit solchen Votivgegenständen machte auch die Servitenklosterkirche SS. Annunziata. Die Votive, die man hier Boti nannte, wurden vor Ort von bekannten Wachskünstlern hergestellt, z.B. von der Familie Benitendi. Sie stellten ein naturgetreues Abbild des Menschen dar, welcher das Opfer erbrachte. Das Kloster erschien in dieser Zeit als Unternehmer und vergab die eingegangenen Aufträge. Es gab sogar einen Liefervertrag: Das Kloster hatte das Wachs an die Hersteller der Votive zu liefern, um den Rest, wie Kleidung, Haare, Glasaugen, Farben und Pinsel, mussten sich die Künstler selbst kümmern. Seit dem 13. Jahrhundert standen in der SS. Annunziata Hunderte von Wachsfiguren, für die ständig neue Bühnen („ballatoi“) gebaut werden mussten. Bis unter das Kirchengewölbe musste man sie schließlich heraufziehen. Ab und zu passierten schwere Unfälle, wenn die Stricke rissen und die großen Figuren auf die Beter herabstürzten. 2
2 Ebda. S. 58,59.
2.2 Die Funeralplastik 2.2.1 Totenmasken
Am Abbild des Menschen haftet seit jeher ein dämonisches Element, und der Gedanke, die Persönlichkeit des Menschen zu erhalten, wird bis in die heutige Zeit verfolgt. Diese Erhaltung bezieht sich vor allem auf den wesentlichsten, ausdrucksvollsten Teil des Körpers, auf das Gesicht. An diesem Punkt entstanden die bis ins Altertum zurückzuverfolgenden Totenmasken, welche auch „Imagines“ genannt werden. Den Toten wurde hierbei ein Gipsabdruck vom Gesicht gemacht, das später mit Wachs ausgegossen wurde. Älteste Berichte über Totenmasken gibt es seit 336 vor Chr. „Nach Plinius (Naturae Historia 35, 153) hat zur Zeit Alexanders des Großen (336-323 v. Chr.) der Bruder des Bildhauers Lysippos, Lysistratos, als Erster das Verfahren erfunden, einen Gipsabdruck vom Gesicht eines Toten abzunehmen und mit Wachs auszugießen, um ein möglichst ähnliches Portrait zu erhalten.“ 3 Von ganz primitiven Bildungen wie Schliemanns Fund in Mykene oder magisch tätowierten Terrakottamasken, geht der Weg über den Idealstil der antiken Kunst zu sehr realistischen Produkten. Die Römer nutzten diese Masken beim feierlichen, patrizischen Leichenzug, indem ein Schauspieler, der die gleiche Größe und das Gewicht des Verstorbenen hatte, diese Maske trug und oben auf einem Wagen hinter dem Leichenzug mitfuhr. Die Maske diente außerdem als Schutz vor Verwesung und als Abwehrzauber, um den Leichnam vor der Einwirkung böser Geister zu schützen, und um die Seele des Toten zu bannen. Deshalb legte man diese dem Toten beim Begräbnis auf. Leider sind von den antiken Masken heute so gut wie keine Exemplare mehr erhalten. Zwei Totenmasken aus dem 20. Jh. kann man sich in der „Geschichte der Porträtbildnerei in Wachs“ von Julius von Schlosser ansehen. Sie zeigen den Gesichtsabdruck von Gustav Mahler (1860 - 1911) und Charlotte Wolter (1834 -1897). 4
3 S. Angeletti, Charlotte. Geformtes Wachs.München. S.28.
4 Schlosser, Julius von. S. 149.
Arbeit zitieren:
Johanna Quednau, 2002, Die Wachsplastik - Positionen des Realismus vom Mittelalter bis in die Gegenwart, München, GRIN Verlag GmbH
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