1 Einleitung 3
2 Behinderungsformen und die verschiedenen Aspekte des pädagogischen Auftrags des Erziehenden
2.1 Kennzeichnung und Eingrenzung der Zielgruppe 5 2.2 Prinzipien der Geistigbehindertenpädagogik 6 2.3 Bedeutung und Ziele der Bewegungspädagogik 7
3 Die bewegungspädagogische Erreichbarkeit geistig behinderter Erwachsener
3.1 Wie sind geistig behinderte Menschen erreichbar? 8 3.2 Spiele als idealer Rahmen um mit Gruppen geistig 10
behinderter Erwachsener zu interagieren
4 Resümee und Ausblick 12
Pestalozzi gelangte 1777/78 zu der Überzeugung:
"dass auch Kinder von äußerstem Blödsinn, die durch gewohnte Härte dem Tollhaus aufgeopfert werden, durch liebreiche Leitung zu einem ihrer Schwachheit angemessenen, einfachen Verdienst vom Elend eines eingesperrten Lebens errettet und zur Gewinnung ihres Unterhalts und zum Genuss eines freien und ungehemmten Lebens geführt werden können" !
1 Einleitung
Sport oder Bewegung mit Sondergruppen ist seit ca. 50 Jahren ein sich rasant ausbreitendes Feld in der sportwissenschaftlichen Theorie und Praxis. Es umfasst sowohl empirische und hermeneutische, am stärksten aber wohl die phänomänologischen Themenfelder der Sport-und Bewegungswissenschaft wie die Sportpädagogik, -didaktik, -soziologie und -psychologie. Es ist deshalb schwierig, den Umfang dieses Fachgebietes geschlossen darzustellen und daher unerlässlich, die Inhalte und Zielstellungen interdisziplinär zu orientieren. Geistigbehinderte wurden in der Geschichte stets sehr unterschiedlich und kompliziert verstanden und auch behandelt.
In der Blüte Spartas wurden Geistigbehinderte komplett aus der Gesellschaft entfernt, denn man nahm an, dass sie die Strafe Gottes für die Sünden der Vorfahren seien. In Rom empfahl Seneca erstmals Schwachsinnige ins Haus aufzunehmen und sie menschenwürdig zu behandeln.
"Nach Zeiten der Ablehnung, der bloßen Bewahrung und vereinzelter Erziehungsversuche finden sich erst seit dem vergangenen Jahrhundert kontinuierliche Erziehungsbemühungen um das geistig behinderte Kind." (Bach, 2000, 2)
Konkretes pädagogisches Interesse an Geistigbehinderten Menschen gibt es erst ab Ende des 18. Jahrhunderts durch zum Beispiel Pestalozzi. Die ersten Anstalten wurden dann im 19. Jh. aus christlichen, medizinisch-humanitären wie auch erzieherischen Impulsen heraus gegründet. Der Lehrer Gottfried Guggenmoos gründet 1816 die Schwachsinnigenanstalt in
3
Hallein mit der zentralen Bestrebung, im pädagogischen Bereich eine weitmögliche seelischgeistige Gesamtentwicklung zu initiieren.
Im religiösen Bereich ging es Pfarrer Karl Georg Haldenwang mit der 1938 in Wildberg von ihm gegründeten "Rettungsanstalt für schwachsinnige Kinder", hauptsächlich um seelsorgerisch motivierte Erziehungsanliegen, wie die Gewinnung der Reife zur Teilnahme am Gemeindeleben.
1841 wurde von dem Arzt Guggenbühl die "Heilanstalt für Kretinen 1 und blödsinnige Kinder" errichtet, um im medizinischen Sektor die Besserungs- bzw. Heilungstendenzen von geistigbehinderten Menschen wissenschaftlich zu erforschen. Aufgrung minimaler Besserungsprozesse zogen sich die Mediziner ab 1860 jedoch weitgehend aus der Anstaltsarbeit zurück und die heilerzieherischen, pädagogischen Elemente gewannen die Oberhand in den Anstalten (die ab diesem Zeitpunkt auch nicht mehr Heilanstalten genannt wurden).
Durch die Erforschung des komplexen Phänomens Schwachsinn und den Aufbau der Hilfe für Schwachsinnige, waren demnach Mediziner, Pädagogen und Theologen die Wegbereiter, der heute umfassenden Möglichkeiten der Sonderpädagogik.
Die bereits von Platon, Rousseau oder Guthsmuts deklarierte Einheit der Erziehung von Geist und Leiblichkeit, erfuhr in Deutschland 1960 mit der Publikation "Bewegung heilt. Psychomotorische Übungsbehandlung bei entwicklungrückständigen Kindern" von Hünekens & Kiphard eine Initialwirkung. Dies löste eine Vielzahl von bewegungspädagogischen Entwicklungen aus, "nämlich Bewegung und Sport als Behandlungsmethode zu begreifen und eine vertiefte pädagogische Vermittlung neuerer praktischer Inhalte auszuarbeiten."(Rieder, 1996, 15).
1 [kre”tε:], der; -s,-s
1 (med.) j-d, der an ± Kretinismus leidet, Schwachsinniger
2 Dummkopf, Idiot
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Arbeit zitieren:
Johannes Wiesner, 2003, Bewegungspädagogik mit geistig behinderten Erwachsenen, München, GRIN Verlag GmbH
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