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Inhaltsverzeichnis
Seite
1. Einleitung
3
2. Der Begriff der Multikulturalität
5
2.1. Monokulturalität 5
2.2. Multikulturalität
6
2.3. Interkulturalität Interkulturalität
7
2.4. Transkulturalität
8
3. Die Wahlprogramme
9
3.1. Die Republikaner (REP)
9
3.2. Deutsche Zentrumspartei (Zentrum)
9
3.3. Partei Rechtsstaatlicher Offensive (SCHILL)
11
3.4. Christlich Demokratische Union Deutschlands (CDU) und Christlich-
12
Soziale Union (CSU)
3.5. Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD)
13
3.6. Freie Demokratische Partei (FDP)
14
3.7. Partei Bibeltreuer Christen (PB)C
16
3.8. Bündnis 90 Die Grünen
17
3.9. Feministische Partei (DIE FRAUEN)
18
3.10. Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS) 19
4. Fazit 21
5. Literatur 23
5.1. Wahlprogramme
24
5.2. weitere Literatur
24
3
1. Einleitung
„Multikulturalität“ ist seit vielen Jahren ein fest stehender Begriff in der Alltagssprache.
„Multikulti“ wird oft als diffuser Begriff für das Zusammenleben von Menschen mit
unterschiedlichem kulturellen Hintergrund benutzt. Der aus der Kulturwissenschaft
stammende Begriff der „Interkulturalität“ hingegen hat bisher nicht die gleiche Verbreitung
gefunden, drängt aber immer mehr in unseren Alltag. Die genaue Abgrenzung der
unterschiedlichen Begrifflichkeiten ist jedoch kaum bekannt, weshalb diese im Alltag
manchmal auch recht beliebig benutzt werden. Im folgenden Abschnitt soll jedoch eine
Begriffsbestimmung vorgenommen werden.
Dass diese Fragen der weit gefächerten Konzepte des Zusammenlebens konstitutive sozio-
ideologische und damit zwangsläufig politische Fragen sind, liegt auf der Hand. Politische
Parteien, vor allem stark rechts, aber auch deutlich links orientierte, definieren sich stark über
ihre Sicht zu Fragen des Zusammenlebens mit Menschen unterschiedlicher Herkunft im
eigenen Land und streichen diese Positionen auch deutlich heraus. Daher liegt eine
Untersuchung der Standpunkte deutscher Partein zu Fragen der Multikulturalität nahe. Die
klarsten Positionsbestimmungen politischer Parteien lassen sich jeweils im Vorfeld eines
Wahlkampfes, je größer desto besser, feststellen. Gleichzeitig erfolgt in diesem aber auch die
größte Zuspitzung gesellschaftlich relevanter Diskussionen. Niemals sonst lassen sich
Parteien zu solch marketingorientiertem Verhalten wie vor bedeutsamen Wahlen hinreißen. In
diesem Zusammenhang nimmt die Bundestagswahl 2002 ohnehin eine besondere Position ein.
Das stets offene und letzten Endes knappe Wahlergebnis 1 und die Unentschlossenheit der
Wählerschaft, einen der beiden ernsthaft chancenreichen Kandidaten 2 zum Kanzler zu machen, verschärften den Konflikt. Ein bunter Strauß kleinerer Parteien, oft
Interessenparteien, komplettierte das Angebot für den Wähler, in dem sich unterschiedlichste
Weltanschauungen widerspiegelten.
Untersucht wurden die Wahlprogramme folgender 10 Parteien (Abschnitt 3):
N REP – Die Republikaner
N Zentrum – Deutsche Zentrumspartei
N Schill – Partei Rechtsstaatlicher Offensive
1 38,5 % für SPD sowie 38,5 % auch für CDU/CSU.
2 Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und sein Herausforderer Edmund Stoiber (CSU).
4
N CDU / CSU – Christlich Demokratische Union und Christlich Soziale Union
N SPD – Sozialdemokratische Partei Deutschlands
N FDP – Freie Demokratische Partei
N PBC – Partei Bibeltreuer Christen
N Bündnis 90 / Die Grünen
N Die Frauen – Feministische Partei
N PDS – Partei des Demokratischen Sozialismus
Hierbei wurden in den Wahlprogrammen, die u.a. auch als „Regierungsprogramm“ 3 ,
„Aktionsprogramm“ 4 oder „Leitlinie“ 5 bezeichnet wurden, die Abschnitte untersucht, die sich dem kulturellen Miteinander in Deutschland, den daraus geschlossenen Verhaltensmaximen
und konkreten legalen Maßnahmen widmeten. Augenfällig ist, dass diese Abschnitte
unterschiedlichst bezeichnet wurden: Die Spannweite reicht hier von „Zuwanderung“ 6 bis
„Ausländer“ 7 oder man verwendete gleich Losungen wie „Offene Grenzen (...)“ 8 bis „Identität
Deutschlands bewahren“ 9 . Diese unterschiedliche Bezeichnung dürfte in der Natur der Sache liegen, wird hier aber aus Gründen der Vollständigkeit erwähnt. Natürlich ist der Vorwurf
zulässig, dass Wahlprogramme von der Bevölkerung praktisch gar nicht gelesen werden. Hier
ist jedoch eine inhaltlich Abgrenzung der unterschiedlichen Parteien vorhanden, wie man sie
im praktischen Handeln oft vergebens sucht.
Leider kann im Rahmen einer solchen Hausarbeit nur eine schlaglichtartige Analyse erfolgen.
Andererseits ließ sich ein gewisser Umfang der Arbeit trotzdem nicht vermeiden, um eine
qualitativ anspruchsvolle und inhaltlich vollständige Untersuchung zu gewährleisten.
3 CDU / CSU und SPD.
4 ZENTRUM.
5 SCHILL.
6 SPD.
7 ZENTRUM.
8 PDS.
9 CDU / CSU.
5
2. Der Begriff der „Multikulturalität“
Es gibt zahllose Demarkationslinien zwischen unterschiedlichen Verständnissen von Multikulturalität. Hier wird im Folgenden eine Abgrenzung vorgenommen, die aus der Kulturwissenschaft kommt und zwischen vier Stufen kulturellen Zusammenlebens unterscheidet. Die am einfachsten strukturierte ist die Monokulturalität, es folgen die
Mutikulturalität, die Interkulturalität und als höchste Stufe die Transkulturalität. 10 Andere
Konzepte, die aus anderen Fachbereichen stammen, richten oft ihr Augenmerk auf andere Fragen. Der Hamburger Politikwissenschaftler Ben Möbius beispielsweise unterteilt in seiner
Dissertation Multikulturalismus in drei Typen 11 , anhand derer er verschiedene Hypothesen
mithilfe einer Vielzahl von Kriterien untersucht. Dank der daraus gewonnenen Matrizen „eröffnet [er] eine zusammenfassende vergleichende Perspektive zum Gegenparadigma
»Nation«“ 12 . Die Berliner Psychologin Birgit Rommelspacher hingegen unterteilt
Multikulturalismus in drei andere Kategorien, den konservativen, den liberalen und den
kritischen Multikulturalismus 13 . 14
2.1. Monokulturalität
Monokulturalität ist als der „Urzustand“ zu betrachten. Bei ihr leben in einem sozialen System lediglich Individuen der gleichen Ethnie. In Gänze ist dieser Zustand wohl eher ein theoretisches Konstrukt bzw. ein (fragwürdiges) Ideal. Der Zustand der Monokulturalität wird oft von extrem rechts orientierten Menschen als Optimalzustand gesehen. In der Praxis hingegen kann dieser Zustand nie von langer Dauer sein. Durch natürliche – und im Zusammenleben notwendige – räumliche Fluktuation entstehen zwangsläufige kulturelle
10 Beim Verfassen der Arbeit tauchte, v.a. bei diesem Abschnitt, immer wieder die Frage auf, ob im Zusammenhang mit unterschiedlichen Arten von Multikulturalität von beispielsweise einer „einfacheren Art“ als anderen oder gar wertend von „niedrigeren“ bzw. „höheren“ Stufen von Multikulturalität die Rede sein kann. Die Entscheidung fiel dafür, derartige Bezeichnungen zu gebrauchen, da es in der Tat im Kontext dieser Arbeit und des interkulturellen Verständnishorizonts als Verbesserung im Sinne kulturellen Miteinanderlebens gesehen werden kann, mehr Verständnis füreinander zu erreichen. Auch die Herausbildung eines eigenen synergetischen Symbolschatzes als (Teil)ziel interkultureller Kommunikation ist als Bereicherung zu betrachten, womit qualitative Begriffe zu rechtfertigen sind. Dass hierbei die Komplexität der Beziehungen zwangsläufig wächst, rechtfertigt wiederum die Unterscheidung zwischen „einfachen“ und anderen Stufen.
11 „Kollektivistischer, verfassungsgebundener und Multikulturalismus als Wohlfahrtsstrategie“, vgl. Möbius (2003), S. 520 ff.
12 Vgl. Ebd., S.525.
13 Vgl. Rommelspacher (2002), S. 179 ff.
14 Eine weitere detailreiche Unterteilung von Multikulturalismusmodellen im anglo-amerikanischen Raum sowie in der BRD findet sich in Neubert u.a. (2002), S. 15-22.
6
Kontakte und so auch Multikulturalität. Deshalb existiert Monokulturalität auch in der
westlichen Welt seit frühen Zeiten nicht. 15
2.2. Multikulturalität 16
Multikulturalität ist als die einfachste Stufe kulturellen Miteinanders zu betrachten. Es gliedert sich drei Qualitätsstufen.
Multikulturalität I als niedrigste Stufe sagt lediglich, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft im gleichen Lebensraum wohnen. Es handelt sich jedoch um „unechte“ Multikulturalität, da sich in der Regel die bestimmende, führende Kultur – meistens die bevölkerungsreichste und örtlich angestammte – von anderen Kulturen isoliert und strikte Assimilationsanforderungen stellt. Es existiert hier kein Wille zur gegenseitigen Annäherung, man lebt sozusagen „nebeneinander“. Diese Art der Multikulturalität lag dem „traditionellen Multikulturalismusmodell“, das die melting pot-Ideologie lehrte, zugrunde und wird in
jüngerer Zeit am ehesten innerhalb des „korporatistischen Ethnizitätsdiskurses“ aufgebracht. 17
Bei Multikulturalität II als nächster Stufe findet zwar Kommunikation miteinander statt, jeder auch eine Abgrenzung der kulturellen Gruppen untereinander. Sie akzeptieren sich zwar, vermeiden jedoch in der Regel auch Kontakt mit einander. Hierdurch entstehen durch sich aufstauende Spannungen letztlich auch Auseinandersetzungen ethnischer Art. Unsere derzeitige deutsche Realität entspricht am ehesten dieser Charakterisierung.
Multikulturalität III hingegen steht für ein Miteinander, bei dem einerseits die ethnischen Grenzen bestehen bleiben, andererseits aber auch ein Dialog über diese Grenzen hinweg stattfindet. So können durch kulturelle Bereicherung und Erfahrungsaustausch Prozesse entstehen, die neue Kommunikations- und Handlungsstrategien bedingen können. Währenddessen bleiben jedoch eigene Freiräume gewahrt, so dass die kulturelle Identität nicht verloren geht.
Der Jenaer Philosoph Wolfgang Welsch kritisiert am Konzept der Multikulturalität, dass die Vorstellungen von der Gesellschaft immer noch durch ein Denken in „geschlossenen Kugeln“
15 Vgl. Hättich (1996), S. 150 f.
16 Zu diesem Abschnitt vgl. Bolten (2001), S. 65 ff.
17 Vgl. Neubert u.a. (2002), S. 16.
Quote paper:
Ulrich Hoffrichter, 2003, Wahlweise Multikulturalität. Die Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2002 zum Aspekt der Multikulturalität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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