Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Außerliterarischer Hintergrund: Historische und geisteswissenschaftliche Aspekte 4
2.1 Abgrenzung: Renaissance vs. Humanismus 4
2.1.1 Der Begriff „Renaissance 4
2.1.2 Der Begriff „Humanismus 7
2.1.3 Charakteristika der Renaissance und des Humanismus 9
2.2 Bedeutung des Buchdrucks 10
2.3 Zensur und Inquisition 12
2.4 Der Ciceronianismus 14
2.5 Erasmus von Rotterdam und der Erasmismus in Spanien 14
2.5.1 Verlauf des Humanismus in Spanien 16
3. Innerliterarische Aspekte: Don Quijote vor dem Hintergrund der Renaissance 18
3.1 Einflüsse italienischer und humanistischer Autoren 18
3.2 Elemente und Ideen der Renaissance und des Humanismus im Don Quijote 19
3.2.1 Bedeutung der Bildung, Erziehung und Wissenschaft 19
3.2.2 Bedeutung der Volkssprache 22
3.2.3 Don Quijote als ein von der Renaissance geprägter Held 23
3.2.4 Don Quijotes Ideale vor dem Hintergrund der Renaissance 24
3.2.4.1 Das Ideal des Goldenen Zeitalters 24
3.2.4.2 Das Ideal des Naturzustandes 25
3.2.4.3 Das Ideal der Freiheit 26
3.2.4.4 Das Ideal der Gleichheit 28
3.2.4.5 Das Ideal des Friedens 30
3.2.4.6 Das Ideal der Wahrheit 31
3.2.4.7 Das Ideal der Gerechtigkeit 32
3.2.4.8 Die Brechung der Ideale 33
3.3 Der Karneval, Erasmus´ Das Lob der Torheit und Cervantes´ Don Quijote 34
3.3.1 Bachtin und der Karneval 34
3.3.2 Das Lob der Torheit - Kurze inhaltliche Erläuterung 36
3.3.3 Parallelen zwischen dem Don Quijote und Das Lob der Torheit 36
4. Schlussbetrachtung 38
5. Bibliographie 40
5.1 Primärliteratur 40
5.2 Sekundärliteratur 40
1
1. Einleitung
Die Renaissance ist eine Epoche, in der vielfache Grenzüberschreitungen stattfanden: der Mensch befreite sich von den starren Denk- und Handlungsschemata des Mittelalters und rückte als Individuum zunehmend in den Mittelpunkt. Es fand eine Wiederentdeckung und Wiederbelebung des klassischen Altertums statt, und zwar in den verschiedensten Bereichen: in der Malerei, Architektur, in der Sprache oder Literatur. Vor allem die Humanisten trugen mit ihren Studien zur Wiederentdeckung und Pflege der lateinischen und griechischen Wissenschaften erheblich bei. So war die Renaissance dann auch durch ein entsprechendes Bildungsstreben gekennzeichnet, das beispielsweise durch Erfindungen wie den Buchdruck noch verstärkt wurde.
In dieser Arbeit soll Miguel de Cervantes´ Don Quijote vor dem Hintergrund der Renaissance diskutiert werden.
Die Arbeit wird sich in zwei Teile gliedern: im außerliterarischen ersten Teil sollen zunächst die Begriffe „Renaissance“ und „Humanismus“ geklärt und voneinander abgegrenzt werden. Darüber hinaus soll eine allgemeine Darstellung der Renaissance sowie des Humanismus in Europa aber auch ganz speziell in Spanien erfolgen. Erasmus von Rotterdam und sein Einfluss auf das spanische Geistesleben, der so genannte Erasmismus in Spanien, die Folgen der Erfindung des Buchdrucks auf die Wissenschaft und die humanistische Gelehrsamkeit sowie das Wirken der Inquisition sollen dabei besondere Beachtung finden. Darauf aufbauend wird im zweiten innerliterarisch ausgerichteten Teil der Arbeit eine Diskussion des Don Quijote vor diesem Hintergrund erfolgen, dass heißt, es soll eine detaillierte Darstellung und Erläuterung derjenigen Elemente im Don Quijote stattfinden, die der Renaissance oder dem Renaissance-Humanismus zugeordnet werden können oder sich auf diese beziehen. Dabei werden vor allem die Ideale der Hauptfigur im Mittelpunkt der Darstellung stehen. Außerdem sollen Parallelen zwischen Cervantes´ Don Quijote und Erasmus von Rotterdams Das Lob der Torheit aufgezeigt und in diesem Zusammenhang auch entsprechende Verbindungen zu Bachtins Vorstellung vom Karneval beziehungsweise des Karnevalesken knapp erörtert werden. Schließlich stellt sich jeweils die Frage, welche Haltung Cervantes gegenüber diesen humanistischen und vom Denken der Renaissance geprägten Ideen und Positionen einnehmen mag.
Da man zum Thema Renaissance ga nze Bücher füllen könnte und die bereits vorhandene Literatur hierzu schier unüberschaubar ist, sollen und können in dieser Arbeit nur einige wenige Aspekte des historischen und geisteswissenschaftlichen Hintergrundes
2
herausgegriffen und relativ knapp dargestellt werden. Auch zum Don Quijote selber können nur einzelne derjenigen Punkte, die in unserem Kontext „Renaissance“ interessant und erwähnenswert erscheinen, exemplarisch angesprochen werden. Der Versuch einer vollständigen Darstellung würde den Umfang dieser Arbeit sprengen. .
3
2. Außerliterarischer Hintergrund:
Historische und geisteswissenschaftliche Aspekte
2.1 Abgrenzung: Renaissance vs. Humanismus
Der Begriff „Renaissance“ steht in Wechselbeziehung zum Begriff „Humanismus“: „Humanismus“ bezeichnet mehr das Wissenschaftlich-Geistige des Zeitalters während „Renaissance“ sich mehr auf die Gesamtkultur des Zeitraums bezieht und ein umfassender(er) Epochenbegriff ist. Beide Begriffe werden teilweise auch synonym verwendet. In den folgenden Ausführungen zur Begriffgeschichte und den allgemeinen Erscheinungsformen und Charakteristika der Renaissance und des Humanismus werde ich mich im Wesentlichen auf die Darstellungen von Kristeller, Buck, Hauser, Burke und Burckhardt beziehen. 1
2.1.1 Der Begriff „Renaissance“
Der Begriff „Renaissance“ ist französisch und bedeutet „Wiedergeburt“. Dieser zweideutige kulturgeschichtliche Begriff war über hundert Jahre Anlass zu endlosen Debatten: so geht die Meinung der Forscher bezüglich der zeitlichen Eingrenzung der Renaissance deutlich auseinander, für einige hat die Renaissance ganze 400 Jahre gedauert, für andere hingegen nur 27. In Bezug auf Spanien sind einige Forscher gar der Meinung, eine Renaissance habe dort gar nicht s tattgefunden, Spanien wurde lange Zeit eine eigene Renaissance abgesprochen. Diese Position ist allerdings in letzter Zeit revidiert worden. Die zeitliche Eingrenzung der Epoche ist also umstritten, am häufigsten wird in der Literatur allerdings der Zeitraum zwischen 1350 und 1600 angegeben. Renaissance als Epochenbegriff existiert erst seit dem 19. Jahrhundert, wo er von Historiographen wie Jacob Burckhardt oder J. Michelet geprägt worden ist. Die mit der Renaissance verbundene Vorstellung von der Wiedergeburt ist aber viel älter und schon im
1 Vgl. Kristeller, Paul Oskar, Humanismus und Renaissance I: Die antiken und mittelalterlichen Quellen, München: Wilhelm Fink Verlag, 1980 sowie vom gleichen Autor Humanismus uns Renaissance II: Philosophie, Bildung und Kunst, München: Wilhelm Fink Verlag, 1980; Buck, August, Zu Begriff und Problem der Renaissance, Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1969; Hauser, Arnold, Sozialgeschichte der Kunst und Literatur, München: C.H. Beck, 1953; Burckhardt, Jacob, Die Kultur der Renaissance in Italien: Ein Versuch, Stuttgart: Reclam, 1969; Burke, Peter, Die europäische Renaissance: Zentren und Peripheren, München: C.H. Beck, 1998.
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14. und 15. Jahrhundert unter den Begriffen „regeneratio“, „restauratio“ oder „restitutio“ vielfach belegt. Das Wesentliche an dieser Vorstellung ist die Auffassung des Geschehens als einer Wende von der Vernichtung zum Werden, Symbol hierfür ist der Vogel Phönix. Der Begriff Renaissance bezeichnet im Allgemeinen das Zeitalter, das unter geistiger Führung
Italiens auf dem Gebiet der Kunst und Wissenschaften die Befreiung des menschlichen Individuums von der Gebundenheit an Religion und Kirche brachte. Es fanden vielfache Grenzüberschreitungen statt, die starren Denk- und Handlungsschemata des Mittelalters wurden aufgebrochen. Zunehmend trat der Mensch als Individuum in den Vordergrund der Betrachtung, seine Wahrnehmungs- und Erfahrungshorizonte veränderten sich und er wurde somit zur „Instanz der Sinngebung“. Diese Entdeckung ging einher mit ökonomischen Bedürfnissen, einem verstärkten Handel und dem Aufkommen des Bürgertums. „Nutzen“ und „Neugier“ gelten als zwei wesentliche charakteristische Züge der Renaissance. Insgesamt vorherrschend war ein positives, optimistisches Lebensgefühl, eine Aufbruchstimmung. Man war bestrebt, das Leben zu genießen und man grenzte sich ganz bewusst vom Mittelalter ab. Im religiösen Be reich kam es in weiten Teilen Europas zu Reformwünschen, die teilweise verwirklicht werden konnten. So fällt beispielsweise der Beginn der Reformation genau in diese Zeit: am 31. Oktober 1517 publizierte Luther seine 95 Thesen an der Schlosskirche zu Wittenberg als Protest gegen die Bußpraxis der Kirche. Gleichzeitig war die Renaissance die Epoche der großen Staatsutopien (ein Beispiel wäre Thomas Morus´ Utopia (1516)).
Als wesentliches Element beinhaltet die Renaissance, und dieses ist ja bereits zumindest teilweise im Begriff enthalten, die Wiederentdeckung oder Wiederbelebung des klassischen Altertums oder der Antike. So wurden in der Literatur klassische lateinische und später auch griechische Texte wieder entdeckt, neu gelesen sowie übersetzt. Antike Texte, die bereits im Mittelalter bekannt waren, wurden neu gedeutet. Vor allem auf den Gebieten der Sprache und Literatur, aber auch in der Architektur und Malerei wurden klassische Formen und Vorbilder neu entdeckt, dabei war die Imitation der klassischen Formen oberstes Gebot. Die Renaissance brachte viele so genannte „Universalgenies“ hervor, die auf mehr als einem Gebiet Großes vollbrachten, wie zum Beispiel den italienischen Architekten, Maler, Organisten und Schriftsteller Leon Battista Alberti, Leonardo da Vinci oder Michelangelo. Nach Jacob Burckhardt nahm Italien während der Renaissance eine besondere kulturelle Führungsposition ein, viele charakteristische Züge der Renaissance-Kultur traten in den anderen europäischen Ländern erst viel später ein als in Italien und waren eine direkte
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Folge des italienischen Einflusses. In jedem Land nahm die Renaissance eine eigentümliche Gestalt an, durch die sie sich von der in Italien unterscheidet und die die einheimische Tradition widerspiegelt. 2 In Italien erreichte die Renaissance im 16. Jahrhundert ihren Höhepunkt.
Zusammen mit dem Gemeinplatz von der „kulturellen Verspätung Spaniens“ ist, wie bereits erwähnt wurde, auch lange Zeit die Auffassung vertreten worden, Spanien habe an der europäischen Bewegung des Humanismus und der Renaissance gar nicht oder nur in stark abgeschwächter Form
teilgenommen. 3 Erst in jüngerer Zeit wurde diese Sicht revidiert und man war darum bemüht, die
epochenspezifischen Besonderheiten des Landes zu beobachten und als eigenständig zu akzeptieren.
Entgegen früherer Annahmen zeigen neuere Forschungen, dass Spanien bereits früh über Kontakte zu Neapel mit dem humanistischen Denken in Berührung kam. Im 16. Jahrhundert wurde der Kontakt mit Italien noch enger, außerdem bestanden eigenständige humanistische Kreise in Spanien, zu den bedeutendsten Spanischen Humanisten gehören unter anderem Juan Luis Vives (spanischer Philosoph und Pädagoge, 1492 - 1540) und die Brüder Alfonso (um 1490 - 1532, unter anderem Sekretär Karls V.) und Juan Valdés (um 1495 - 1541). Von großem Einfluss waren die humanistischen Schriften des niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam, die zu einer geistigen und religiösen Umorientierung in Spanien führten. Leben, Werk und Wirkung des Erasmus sollen in Kapitel 2.5 ausführlich dargestellt werden.
Die spanische Renaissance weist aber einige Besonderheiten auf, die sie von der Epoche in Italien, aber auch von anderen Ländern unterscheiden: so fand in Spanien kein radikaler Bruch mit dem Mittelalter statt, d ass sich zudem in seiner kulturellen Zusammensetzung (die so genannte „convivencia“ von Christen, Mauren und Juden) von den mittelalterlichen Epochen der anderen Länder unterscheidet. Dennoch verschloss sich die spanische Kultur nicht vor dem Neuen, wie lange Zeit vermutet wurde, sondern etablierte in verschiedenen Bereichen neue Gestaltungsprinzipien, wenn auch Strukturen und Traditionen des Mittelalters beibehalten wurden. Außerdem wurde von den spanischen Humanisten die Bedeutung des Spanischen (als Volkssprache) gegenüber dem Latein hervorgehoben.
2 Vgl. Burckhardt, Jacob, Die Kultur der Renaissance in Italien: Ein Versuch, Stuttgart: Reclam, 1969.
3 Vgl. Neuschäfer, Hans-Jörg (Hg.): Spanische Literaturgeschichte, Stuttgart; Weimar: Metzler, 1997, 67/68.
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2.1.2 Der Begriff „Humanismus“
Auch der Begriff „Humanismus“ ist, wie der Renaissancebegriff, ziemlich zweideutig und kontrovers, heutzutage wird er oftmals „ziemlich vage dazu benutzt, menschlichen Werten irgendwie Nachdruck zu verleihen“ 4 und nahezu jegliches Anliegen, das menschliche Werte zum Gegenstand hat, wird „humanistisch“ genannt.
Der Begriff wurde, soweit es auf die Betonung der klassischen Gelehrsamkeit und der klassischen Bildung zurückgeht, erst im frühen 19. Jahrhundert, und zwar 1808, von dem deutschen Gelehrten und Pädagogen F. J. Niethammer geprägt 5 . Er entwickelte sich aus dem Begriff „Humanist“, der seit dem 15. Jahrhundert spezifisch benutzt wurde und der wahrscheinlich aus dem an italienischen Universitäten zu dieser Zeit üblichen Studentenjargon hervorging: ein Humanist war ein Professor oder Student der „studia humanitatis“, der humanistischen Lehrfächer 6 . Die Bezeichnung „studia humanitatis“ war eine ursprünglich von Cicero geprägte u nd dann im Humanismus wieder aufgenommene Bezeichnung für einen genau definierten Kanon von Lehrgegenständen, der lateinische, griechische und hebräische Grammatik, Rhetorik, Poetik, Musik, Mathematik, Geschichte sowie Sport umfasste. Die „studia humanitatis“ sollten den Geist der Antike wiederaufleben lassen und die Humanisten dem Ideal einer auf literarischer Bildung gegründeten Menschlichkeit näher bringen. Als allgemeines Ziel der Humanisten kann die moralische Perfektion des Menschen (als Basis) und darauf aufbauend der ganzen Gesellschaft genannt werden. Mittel hierzu waren Erziehung, Bildung und Gelehrsamkeit: „sie […] kannten [nur ein Mittel], durch das diese menschlichen Werte und Ideale zu erreichen waren: durch klassische und literarische - d.h., durch humanistische Studien.“ 7 Der Renaissance-Humanismus wandte sich zum Zwecke einer diesseits orientierten Lebensgestaltung gegen die mittelalterliche Scholastik, indem er die Wiederentdeckung und Pflege der lateinischen beziehungsweise römischen und griechischen Sprache, Literatur und Wissenschaft forderte und förderte.
Als unabdingbare Voraussetzung für die fruchtbare Auseinandersetzung mit der Antike galt die vollkommene Beherrschung der antiken Sprachen und die Kenntnis ihrer Kulturen. In Spanien war die Auseinandersetzung mit den alten Sprachen jedoch begleitet von einer ganz neuen Aufwertung und Pflege auch der kastilischen Muttersprache. In diesem
4 Kristeller, II (1980) 11.
5 Kristeller, I (1980) 16.
6 Kristeller, II (1980) 11.
7 Kristeller, I (1980) 12.
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Punkt hat sich vor allem Antonio de Nebrija hervorgetan, und zwar für das Lateinische mit seiner Introductiones latinae (1481) und für das Spanische mit seiner Gramática sobre la lengua castellana (1492), der ersten gedruckten vollständigen Grammatik einer romanischen Sprache. 8 Letztendlich musste aber gerade das Bestreben der Renaissance, das Lateinische in seiner klassischen Reinheit wiederherzustellen, dieses unweigerlich in eine tote Sprache verwandeln. Klassische Reinheit und täglicher Gebrauch schlossen sich aus, der Alltag und die gegenständliche Welt des sechzehnten Jahrhunderts ließen sich mittels des gereinigten Lateins nicht ausdrücken. Michail M. Bachtin bezeichnet die Renaissance aus diesem Grund als „Epoche der auslaufenden Zweisprachigkeit“ 9 , als „Epoche des Sprachwechsels“ 10 und zwar vom Lateinischen hin zur Volkssprache.
Die Literatur erlangte im Humanismus einen neuen Stellenwert: während man sie in der mittelalterlichen scholastischen Wissenshierarchie der Lüge verdächtigte und sie dort die unterste Stufe einnahm, verselbstständigte sie sich in den „studia humanitatis“, sie wurde unabhängig von Grammatik und Rhetorik und erhielt sogar den Verdienst, die übrigen Wissensgebiete zu tradieren.
Was die zu dieser Zeit so beliebten und weit verbreiteten Ritterromane anbelangt, die in dieser Arbeit zum Don Quijote natürlich von besonderem Interesse sind, so ist festzustellen, dass diese von den Humanisten durchgehend kritisiert wurden. Erasmus von Rotterdam, Thomas Morus und Juan Luis Vives, um bei den bedeutendsten Humanisten zu bleiben, waren sämtlich Kritiker der Ritterepen, denn diese seien schlecht geschrieben, „vollkommen ungelehrt, dumm und dämlich“, wie Erasmus in seinem Enchiridion (1503) zu verstehen gibt, außerdem glorifizieren sie den Krieg und die außereheliche Liebe. Auch in seinem Werk Erziehung eines christlichen Fürsten (Institutio principis christiani) hatte Erasmus Karl V. vor dieser Art von Lektüre gewarnt, allerdings erfolglos: Ritterromane sollen zu den wenigen Büchern gehört haben, für die sich Karl V. interessierte 11 . Wie bereits erwähnt, nahm die Bildung bei den Humanisten eine zentrale Position ein, und der Humanismus trug mit einer Vielzahl von Beiträgen zur Literatur und Gelehrsamkeit bei 12 : Handschriften klassischer lateinischer Literatur wurden wieder entdeckt, es erfolgten humanistische Abschriften antiker lateinischer Texte, außerdem wurde die Methode der Textkritik eingeführt (indem man die Texte alter Handschriften miteinander verglich und die
8 Vgl. Neuschäfer (1997) 68.
9 Bachtin, Michail M., Literatur und Karneval. Zur Romantheorie und Lachkultur. Frankfurt am Main: Fischer, 1990, 7.
10 Bachtin (1990) 7.
11 Vgl. Burke (1998) 128.
12 Eine umfangreiche Darstellung zu den humanistischen Beiträgen zu Literatur und Gelehrsamkeit findet sich in Kristeller, II (1980) 14-23.
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Sonja Weimar, 2003, Cervantes´ Don Quijote vor dem Hintergrund der Renaissance, München, GRIN Verlag GmbH
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