Politischer Konjunkturzyklus
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Konjunkturzyklen. 3
2.1 Definition „Konjunkturzyklus“ 3
2.2 Phasen des Konjunkturzyklus 3
2.2.1 Länge eines Konjunkturzyklus. 5
2.2.2 Amplitude eines Konjunkturzyklus. 5
2.2.3 Frequenz eines Konjunkturzyklus. 5
2.3 Konjunkturindikatoren und Ursachen 6
2.4 Strategien und Instrumentarien 7
3 Politische Konjunkturzyklen. 8
3.1 Definition „Politischer Konjunkturzyklus“ 8
3.2 Ursachen politischer Konjunkturzyklen. 8
3.2.1 Wiederwahlinteressen 9
3.2.1.1 Die Opportunistische Theorie 9
3.2.1.2 Der Nordhaus-Ansatz. 10
3.2.1.3 Kritik an der Nordhaus-Theorie 13
3.2.2 Ideologieorientierung 14
3.2.2.1 Die Partisan-Theorie (PT) 16
3.2.2.2 Kritik an der Partisan-Theorie. 18
3.2.2.3 Die Rationale Partisan-Theorie (RPT) 19
3.2.2.4 Kritik an der Rationalen Partisan-Theorie 23
4 Politische Konjunkturzyklen anhand empirischer Daten. 24
5 Kritische Schlussbetrachtung 26
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1 Einleitung
Die traditionelle Volkswirtschaftslehre sieht den Staat als „wohlwollenden Diktator“, unterstellt den privaten Haushalten und Unternehmen Nutzenmaximierung. Die Anhänger der „Neuen Politischen Ökonomie“ stellen diese Annahmen aber in Frage. Vielmehr
unterstellen sie dem Staat anstelle der allgemeinen Wohlfahrt selbst auch Nutzenmaximierung. Sie gehen deshalb davon aus, dass für Politiker die Wiederwahl im Vordergrund steht. Denn nur die Wiederwahl sichert den Machterhalt und damit Privilegien wie Einkommen und Prestige. Die Theorie des politischen Konjunkturzyklus geht noch weiter und besagt, dass Regierungen durch Wiederwahlinteressen grundsätzlich konjunkturelle Schwankungen auslösen können. Oder können Politiker durch ihre Wiederwahlinteressen sogar destabilisierend auf die Wirtschaft einwirken? Diese Fragestellung soll in dieser Hausarbeit kritisch untersucht werden. Um einen geeigneten Einstieg in die Thematik zu ermöglichen, werden zu Beginn die wichtigen Begrifflichkeiten und Inhalte der (politischen) Konjunkturtheorie dargestellt. Im Hauptteil dieser Arbeit gehen wir auf die unterschiedlichen theoretischen Ansätze der politischen Konjunkturzyklen ein. Hierbei werden die drei Ansätze vorgestellt: Der Nordhaus-Ansatz, der das Wiederwahlinteresse der Regierung in den Vordergrund stellt, um politische Konjunkturzyklen zu erzeugen. Ein weiterer Grund, einen politischen Konjunkturzyklus zu erzeugen, besteht aus ideologischen Gründen. Bei der Partisan-Theorie und der Rationalen Partisan-Theorie stellt dieser Grund den zentralen Aspekt dar.
Die Schlussbetrachtung reflektiert die gewonnenen Erkenntnisse und setzt diese in Bezug auf die historische wirtschaftliche Entwicklung in der Bundesrepublik Deutschland. Dabei werden vor allem wegen der Unterscheidung in den ideologischen Theorien die zwei Koalitionen aus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland gegenübergestellt. Abschließend werden die Theorien auch im Hinblick auf aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen kritisch gewürdigt und es erfolgt eine eindeutige Stellungnahme zur Theorie des politischen Konjunkturzyklus. Es werden zudem Möglichkeiten vorgestellt, politische Konjunkturzyklen zu verhindern, sofern sie bestehen.
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2 Konjunkturzyklen
2.1 Definition „Konjunkturzyklus“
Der Begriff Konjunktur beschreibt die wiederkehrende, wellenförmige Veränderung der wirtschaftlichen Aktivität einer Volkswirtschaft“. 1 Wichtig ist, dass nicht jede Schwankung der Wirtschaftsaktivität konjunkturell bedingt ist. Der Begriff wird vielmehr auf solche Schwankungen bezogen, die 2
• mehr oder weniger regelmäßig mit einer Periodenlänge von rund drei bis sieben Jahren und
• im Verbund einer Vielzahl von gesamtwirtschaftlichen Aggregaten zu beobachten sind.
Historisch bildeten sich Konjunkturen in diesem Sinne erst mit der Industrialisierung heraus. Zwar sind auch schon zuvor mehr oder weniger regelmäßig auftretende Krisen zu verzeichnen, sie wurden jedoch vor allem durch Missernten und kriegerische Auseinandersetzungen verursacht, also durch Einflussfaktoren außerhalb des engeren wirtschaftlichen Bereichs. Mit der Industrialisierung ändert sich dieses Bild. Es entstehen breite, arbeitsteilige Produktionsverbände, die über Märkte koordiniert werden. Erst in diesen Strukturen entwickeln sich die typischen Auf- und Abschwungphasen eines Konjunkturzyklus. 3
2.2 Phasen des Konjunkturzyklus
Der Konjunkturzyklus lässt sich von Hochpunkt zu Tiefpunkt und von Tiefpunkt zu Hochpunkt grob in zwei Phasen unterteilen: Aufschwung und Abschwung. Wenn man die Umgebung der Hoch- und Tiefpunkte jeweils als eigenständige Phase betrachtet, ergeben sich vier charakteristische Abschnitte eines typischen Konjunkturzyklus: 4
1. Vollauslastung, Hochkonjunktur, Boom
2. Abschwung
3. Krise, Talsohle, Rezession
4. Aufschwung
1 Belke (1996), S. 11.
2 Wienert (2001), S. 266
3 Wienert (2001), S. 266
4 Wienert (2001), S. 270
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• In der Phase der Hochkonjunktur herrscht zumeist Vollbeschäftigung, wobei
• In der Phase des Wirtschaftswachstums kommt zu einer Kontraktion des
• Als Krise oder Rezession bezeichnet man den Zeitraum mit geringer
• Der Aufschwung schließt an die überwundene Krise an und zeichnet sich aus
In Abbildung 1 werden die vier Abschnitte zum besseren Verständnis visualisiert.
Abbildung 1 - Phasen des Konjunkturzyklus 6
5 Assenmacher (1990), S.11
6 Wienert (2001), S. 270
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2.2.1 Länge eines Konjunkturzyklus
Diese wird definiert durch die Strecke zweier Punkte in einem Zyklus, die eine gleiche Richtung der Wellenbewegung aufweisen. Bei politischen Konjunkturzyklen weist diese einen direkten Zusammenhang mit der Länge einer Legislaturperiode auf. Die Frage nach der generellen Länge von Konjunkturzyklen lässt sich nur schwer beantworten. Schumpeter geht zum Beispiel von einer andauernden Schwingung der volkswirtschaftlichen Aktivitäten von sieben bis zwölf Jahren aus. Grund hierfür sind seiner Meinung nach wechselnde Investitionsaktivitäten. 7
In der jüngsten Vergangenheit scheinen sich die Konjunkturzyklen zu verkürzen, was unter anderem auf die Stabilisierungsmaßnahmen der Politik zurückzuführen ist. Gabisch beziffert die Länge eines Konjunkturzyklus in der Bundesrepublik Deutschland mit fünf bis sieben Jahren. Dagegen sprechen Assenmacher und Baßeler von einem Zeitraum von drei bis fünf bzw. sechs Jahren. 8
2.2.2 Amplitude eines Konjunkturzyklus
Diese stellt die größte Abweichung einer Wellenbewegung zu einem Bezugspunkt dar (z.B. die größte, während des Zyklus auftretende, Abweichung der Arbeitslosenquote von der natürlichen Arbeitslosenquote). 9
2.2.3 Frequenz eines Konjunkturzyklus
Sie zeigt die Anzahl der Schwingungen in einer Zeitspanne (z.B. einer Legislaturperiode) an.
Abbildung 2 - Bestimmungselemente eines Konjunkturzyklus
7 Schumpeter (1939), S. 120
8 Assenmacher (1990), S. 20
9 Belke (1996), S. 12
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2.3 Konjunkturindikatoren und Ursachen
Der Konjunkturverlauf ist eine Darstellung der Entwicklung des Bruttosozialproduktes einer Volkswirtschaft. Demzufolge stellt das Bruttosozialprodukt einen direkten und zeitlich nicht verzögerten Indikator für die Konjunktur dar. Zu diesen so genannten Präsenzindikatoren zählen auch die Indikatoren „Industrielle Produktion“ und „Kapazitätsauslastung“.
Weitere Indikatoren sind die Spätindikatoren. Diese reagieren erst mit einer gewissen Verzögerung auf die ihnen zugrunde liegende konjunkturelle Entwicklung. Hierzu zählen unter anderem Preisveränderungen.
Frühindikatoren zeichnen sich wiederum dadurch aus, dass sie bereits vor Eintritt der konjunkturellen Veränderung Signale setzen wie zum Beispiel Auftragseingänge oder Lagerbestände in der Industrie. Um Fehler bei der Interpretation der Indikatoren zu vermeiden, müssen die Indikatoren immer systematisch und im gegenseitigen Zusammenhang analysiert werden. 10
Demzufolge greift man daher oft auf die Einschätzungen und Erwartungen der Wirtschaftsteilnehmer zurück, also sowohl der Haushalte als auch der Unternehmen. Dabei beruft man sich auf die Annahme, dass die subjektiven Erwartungen das tatsächliche Produktions- und Konsumverhalten bestimmen. 11
Die Betrachtung der Ursachen von Konjunkturzyklen ist deshalb von Bedeutung, da sie die Grundlage für wirtschaftspolitisches Handeln darstellen, um ungewollte
Konjunkturentwicklungen zu verhindern. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen endogenen und exogenen Konjunkturtheorien. Allerdings sind beide Erklärungsansätze nicht allgemeingültig und unumstritten. Endogen bezeichnet man die Theorien, welche die Konjunkturentwicklung mit ökonomischen Ursachen erklären. Exogene Theorien verweisen dagegen auf nichtökonomische Ursachen wie Kriege oder Naturkatastrophen. 12
10 Altmann (1995), S. 70
11 Baßeler (1999), S.726
12 Altmann (1995), S. 60
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2.4 Strategien und Instrumentarien
Man kann zwei grundsätzliche Auflassungen zur Stabilitätspolitik unterscheiden: Keynesianismus und Neoklassizismus. Sie unterscheiden sich anhand der Aussage, wie der Staat zu handeln hat, um ein stabiles Wachstum der Volkswirtschaft zu fördern. Die Keynesianer sind der Ansicht, dass der Markt nicht in der Lage ist, Störungen und Krisen selbstständig auszugleichen. Dabei wird von Marktversagen gesprochen, dessen Ursache vor allem die Starrheit von Löhnen und Preisen ist. Die Anhänger Keynes gelten daher im Gegensatz zu den Neoklassikern als Marktpessimisten. 13 Wichtigstes Ziel dieser Theorie ist das Erreichen der Vollbeschäftigung.
Um diese gewünschte Vollbeschäftigung zu erreichen, fordern die die Keynesianer ein antizyklisches Eingreifen des Staates auf der Nachfrageseite. Der Fiskalpolitik wird daher mehr Einfluss auf die wirtschaftliche Entwicklung eingestanden als der Geldmarktpolitik. 14 Dem gegenüber stehen die Neoklassiker. Sie sind Marktoptimisten und vertrauen in die Fähigkeit des Marktes, Störungen selbstständig zu beseitigen. Demzufolge hat der Staat die Vollkommenheit des Marktes zu garantieren, in dem er sich auf die Schaffung von Rahmenbedingungen konzentriert, die es den Marktteilnehmern ermöglichen, uneingeschränkt frei handeln und entscheiden zu können. 15 Das antizyklische Handeln des Staates sehen sie als Ursache konjunktureller Schwankungen. Der Staat hat ihrer Meinung nach vielmehr durch eine geeignete Geldmarktpolitik für Preisniveaustabilität zu sorgen, da eine Inflation zur Schwächung des Wachstums führt.
Ob nun der Preisniveaustabilität oder der Vollbeschäftigung mehr Bedeutung beigemessen werden soll, kann hier an dieser Stelle nicht eindeutig geklärt werden. An der Bewältigung dieser Aufgabe müssen sich vielmehr Wirtschaftspolitiker messen lassen. Inwieweit wirtschaftspolitische Entscheidungen der Regierungsparteien Einfluss auf die Konjunkturzyklen haben soll im nächsten Kapitel, dem eigentlichen Hauptteil der Arbeit geklärt werden.
13 Mussel/Pätzold (1998), S.16
14 Altmann (1995), S. 235
15 Altmann (1995), S. 234
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Arbeit zitieren:
Christian Runge, 2003, Politischer Konjunkturzyklus: Destabilisierung durch politisches Handeln?, München, GRIN Verlag GmbH
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