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Schritte zur ökologischen Agrarwende

Title: Schritte zur ökologischen Agrarwende

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 18 Pages , Grade: 3,0

Autor:in: Marko Ferst (Author)

Politics - Environmental Policy
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Summary Excerpt Details

Drei Viertel der Bevölkerung in Deutschland lebten um 1800 noch auf dem Land, um 1900
waren es noch 40%. Nach dem Krieg 1945 arbeiteten noch 25% in der Landwirtschaft 1 und
die Agrarwirtschaft bewältigt dies inzwischen mit 3% Anteil mit weiter sinkender Tendenz.
Seit 1800 sind riesige kulturauflösende Umbrüche im ländlichen Raum vonstatten gegangen.
Rudolf Bahro kritisiert, daß diese Prozesse nicht aufgefangen worden sind. Zentrale Aufgabe
wäre, heute den Bauern, die Bäuerin als Kulturfaktor auf dem Land wieder zu etablieren. Er
sieht, im kommenden Zeitalter der ökologischen Degradation werden wir auf dieses Kulturund
Wissensgut noch einmal zurückgreifen müssen. 2
Heute ist der moderne Bauer faktisch nur noch ein kleines Rädchen in einer gewaltigen
technokratischen Infrastruktur, die ohne besondere Gesetzgebung und massive Subventionen
nicht mehr auskommt. Früher waren der Bauer und die Bäuerin für fast alles zuständig, was
mit der Produktion, Verarbeitung und Verteilung von Nahrungsmitteln zusammenhing. Jetzt
ist der Bauer nicht viel mehr als Traktorfahrer, Giftsprüher und Ernteeinbringer.3
Die Agrarwirtschaft wurde in den vergangenen Jahrzehnten in eine Sackgasse manövriert.
Viele Politiker, Wissenschaftler, die EU und die Agrar- und Ernährungswirtschaft hatten
daran zentrale Schuld. Ein ganzes Entwicklungsmodell der Landwirtschaft mußte abdanken.
Bevor dies eingeleitet wurde, mußte viel Vertrauen der Bürger in die Lebensmittel verloren
gehen.4 Wie weit aber die deutsche Agrarwende reichen wird, ist freilich noch nicht
abzusehen, nur erste Schritte sind sichtbar, die noch nicht zwingend zu einer wirklichen
Wende führen müssen.
Die Liste der Skandale in der Lebensmittelindustrie ist lang. [...]

1 Rudolf Bahro; Ökologisch-soziale Landeskultur als Prüfstein, in: Franz Alt, Rudolf Bahro, Marko Ferst; Wege
zur ökologischen Zeitenwende. Reformalternativen und Visionen für ein zukunftsfähiges Kultursystem, Berlin,
2002, S.68
2 Rudolf Bahro; Ökologisch-soziale Landeskultur als Prüfstein, in: Franz Alt, Rudolf Bahro, Marko Ferst; Wege
zur ökologischen Zeitenwende. Reformalternativen und Visionen für ein zukunftsfähiges Kultursystem, Berlin,
2002, S.70 ff.
3 Jose Lutzenberger, Franz-Theo Gottwald; Global denken, lokal essen, in: Wege aus der Ernährungskrise,
Frankfurt am Main, 1999, S.11
4 Götz Schmidt, Ulrich Jasper; Agrarwende oder die Zukunft unserer Ernährung, München, 2001, S.11

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Prolog

2. Agrarreformen der Vergangenheit

3. Der Versuch einer deutschen Agrarwende

4. Agrarreformen in der schwerfälligen EU-Bürokratie

5. Bescheidener Aufschwung im ökologischen Landbau

6. Der Niedergang der Bauern als Kulturträger auf dem Land

7. Agrarfilz und Preispolitik

8. Weitere Schritte für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den Prozess der deutschen Agrarwende seit dem Amtsantritt von Renate Künast, beleuchtet historische Reformprozesse sowie aktuelle politische Maßnahmen auf nationaler und EU-Ebene und identifiziert notwendige Schritte für eine ökologisch nachhaltige Zukunft der Landwirtschaft.

  • Analyse vergangener Agrarreformen und deren Folgen
  • Evaluation des deutschen und europäischen Politikwechsels
  • Wachstumspotenziale und Herausforderungen des ökologischen Landbaus
  • Strukturelle Missstände und Preispolitik im Agrarsektor
  • Lösungsansätze für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft

Auszug aus dem Buch

3. Der Versuch einer deutschen Agrarwende

Ausgelöst durch die BSE-Krise und den Amtsantritt von Renate Künast als Ministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft kam es in Deutschland zu einem Politikwechsel im Agrarbereich. Die von Künast eingeleitete Agrarwende zielt unter anderem darauf, 20% Ökolandbau bis 2010 zu etablieren. Die schwedische Agrarministerin Margareta Winberg sieht in ihrem Land einen Ausbau der landwirtschaftlichen Ökoprodukte auf 20% innerhalb von drei Jahren für möglich an. Eine Ursache dafür ist, dort ziehen im Gegensatz zu Deutschland die Bauern und ihre Verbände bei der Agrarwende mit.

Eine wichtige Maßnahme für die deutsche Agrarwende war die maßgeblich verbesserte Flächenförderung für die Umstellung und Beibehaltung des ökologischen Landbaus. Eingeführt wurde im September 2001 ein einheitliches staatliches Biosiegel. Biowaren werden dadurch schneller eindeutig identifizierbar. Dies begünstigt zweifelsfrei den Absatz von Bioprodukten. Bislang ziert das Siegel 8000 Produkte. Eingeführt wurde auch ein Prüfsiegel für konventionelle Produkte „QS“, dessen Bedeutung nicht so richtig klar wird und das auch kaum bekannt ist. Hohe Qualitätsstandards für herkömmliche Produkte sollten eigentlich selbstverständlich sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Prolog: Einleitung in die Krise der Landwirtschaft und die Notwendigkeit, den Bauern wieder als Kulturfaktor zu etablieren.

2. Agrarreformen der Vergangenheit: Analyse der krisenhaften Entwicklung der europäischen Landwirtschaft in den 80er Jahren und der gescheiterten Versuche durch Flächenstilllegungen.

3. Der Versuch einer deutschen Agrarwende: Darstellung des Politikwechsels unter Renate Künast und der Einführung des staatlichen Biosiegels sowie des Bundesprogramms Ökologischer Landbau.

4. Agrarreformen in der schwerfälligen EU-Bürokratie: Untersuchung der EU-Agrarpolitik, ihrer Subventionsproblematik und der Hindernisse für eine effektive Reform.

5. Bescheidener Aufschwung im ökologischen Landbau: Betrachtung der aktuellen Marktsituation, der ökologischen Schäden durch konventionelle Methoden und des Wachstums des Biosektors.

6. Der Niedergang der Bauern als Kulturträger auf dem Land: Dokumentation des Höfesterbens und der Folgen einer auf Massenproduktion ausgerichteten Agrarpolitik.

7. Agrarfilz und Preispolitik: Kritik an den verflochtenen Machtstrukturen zwischen Bauernverband, Industrie und Politik sowie an der Rolle des Lebensmittelhandels.

8. Weitere Schritte für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft: Ausblick auf notwendige politische Instrumente zur Förderung des Ökolandbaus und zur Abkehr von intensiven Anbaumethoden.

Schlüsselwörter

Agrarwende, Ökologischer Landbau, BSE-Krise, Renate Künast, Agrarpolitik, Ernährungssicherheit, Nachhaltigkeit, Biosiegel, Subventionspolitik, Lebensmittelskandale, Strukturwandel, Agrarlobby, Verbraucherschutz, ökologische Landwirtschaft, Agrarmarkt

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und Umsetzung der ökologischen Agrarwende in Deutschland und analysiert dabei politische Reformprozesse sowie strukturelle Herausforderungen im Agrarsektor.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Agrarpolitik der EU, der ökologische Landbau, die Rolle der Lebensmittelindustrie und die wirtschaftliche Situation der Landwirte.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, den Status quo der Agrarwende seit dem Amtsantritt von Renate Künast zu bewerten und Ansätze für eine nachhaltige Landwirtschaft aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?

Die Arbeit stützt sich auf eine deskriptive Analyse und Auswertung von Sekundärliteratur, Berichten, Zeitungsartikeln und politischen Reformvorschlägen im Agrarsektor.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Agrarreformen, die Schwierigkeiten der EU-Bürokratie, den ökologischen Landbau sowie strukturelle Probleme wie den Bauernverband-Filz und die Preisgestaltung im Lebensmitteleinzelhandel.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Agrarwende, Ökologischer Landbau, Nachhaltigkeit, Agrarpolitik, Verbraucherschutz und Strukturwandel sind die prägenden Begriffe.

Wie bewertet der Autor den aktuellen Wissensstand in der akademischen Lehre zur Landwirtschaft?

Der Autor kritisiert, dass ein Großteil der Professuren für Landwirtschaft sich nicht mit ökologischen Aspekten befasst, was den akademischen Widerstand gegen die Agrarwende verstärkt.

Welche Rolle spielt der Lebensmittelhandel bei der Umsetzung der Agrarwende?

Der Handel übt durch Preiskampf und Monopolstellung massiven Druck auf verarbeitende Betriebe und Bauern aus, was nachhaltige Anbaumethoden wirtschaftlich erschwert.

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Details

Title
Schritte zur ökologischen Agrarwende
College
Free University of Berlin  (Otto-Suhr Institut)
Course
Internationale politische Ökonomie der Ernährung
Grade
3,0
Author
Marko Ferst (Author)
Publication Year
2003
Pages
18
Catalog Number
V21295
ISBN (eBook)
9783638249461
Language
German
Tags
Schritte Agrarwende Internationale Ernährung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Marko Ferst (Author), 2003, Schritte zur ökologischen Agrarwende, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21295
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