Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Philosophy - Philosophy of the 20th century

Schelers Kritik an der modernen Wertevorstellung

Title: Schelers Kritik an der modernen Wertevorstellung

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 27 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Tanja Zwillsperger (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der ethische Diskurs hat immer noch, oder gerade heute wieder große Brisanz. Sei
es in gentechnologischen Bereichen, wo es um Fragen nach der technischen
Möglichkeit und der ethischen Verträglichkeit geht: was dürfen wir tun und was nicht,
selbst wenn wir es könnten?; oder wenn es um Wertekonflikte zwischen
Kulturauffassungen wie z.B. Demokratie und religiösem Extremismus geht. Es stellt
sich immer wieder die Frage, was ethische Werte sind und wie sie begründet werden
können. Begriffe wie Grundwerte, Wertewandel, Werteverfall und neue Werte sind
Schlagworte, die in der modernen Gesellschaft kursieren und kontrovers diskutiert
werden. Und das Problem ist so alt wie die Menschheit. Andere Kulturen haben
unterschiedliche, teilweise konträre Auffassungen und Vorstellungen von unseren
sittlichen Werten und deren Umsetzung in der Gesellschaft. Doch wessen Werte sind
die richtigeren oder besseren? Gibt es überhaupt objektive, unumstößliche gute oder
schlechte Werte? Oder sind sie alle subjektiv und haben sich im Laufe der Geschichte
entwickelt – geprägt durch Glauben, Wissensstand, Bedürfnissen und Vorstellungen
einer Gesellschaft? Dies würde bedeuten, dass Werte keinen Anspruch auf
Allgemeingültigkeit haben.
Mit der Säkularisierung der Kirche und der Entwicklung des Bürgertums, können
Werte heute auch nicht mehr dogmatisch religiös begründet werden. Es gibt keinen
einheitlichen Kanon mehr, wie man sittlich und moralisch zu handeln hätte. Die
Moraltheorien ab dem 18. Jahrhunderts1 gingen davon aus, dass Werte im
Allgemeinen, vor allem aber sittliche Werte, bloße Schattierungen im Bewusstsein
menschlicher Gefühle und Verlangen sind, somit auf historischer Entwicklung beruhen
und keinen objektiven und allgemeingültigen Grund oder Ursprung außerhalb des
Bewusstseins haben. Das wissenschaftliche, rationale Denken wird zum einzigen
Legitimierungsgrund für das Ethos, aus dem es selbst entstanden ist.2 Die skeptische
Philosophie vertritt zudem den Standpunkt, dass eine letzte Wahrheit zwar existieren,
jedoch vom Menschen niemals erkannt werden kann. [...]

1 Z.B. Kant, Hume, Hobbes und die englischen Sensualisten.
2 Vgl. Vucht Tijsen, S. 102

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Darstellung der These vom Ressentiment im Aufbau der Moralen

2.1. Der Umsturz der Werte durch das Ressentiment

2.1.1. Was bedeutet Ressentiment bei Scheler?

2.1.2. Die Entstehung von Moralen durch Umwertung der Werte

2.2. Kritik an einem einseitigen Rationalismus

2.2.2. Christliche Liebe als höchster Wert

2.2.2.1. Das Wesen der christlichen Liebe

2.2.2.2. Moderne Wohlfahrtsorganisation ohne echte Liebe

2.2.3. Der Selbstwert gegenüber dem Fortschritts- und Vergleichswert

2.3. Die Position des Glaubens in Schelers Wertverständnis

3. Problem der Erkennbarkeit von wahren Werten

3.1. Erleben des apriorischen Wertes bei Scheler

3.2. Erkennbarkeit apriorischer Werte für alle Menschen?

4. Fazit

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht Max Schelers Werk „Das Ressentiment im Aufbau der Moralen“, um herauszuarbeiten, wie Scheler wahre Werte von verfälschten Wertvorstellungen abgrenzt und welche Rolle das Ressentiment bei der Umwertung moralischer Systeme spielt. Im Zentrum steht die Frage nach der Erkennbarkeit objektiver Werte in einer modernen, durch Rationalismus und Zweckdenken geprägten Gesellschaft.

  • Analyse des Begriffs Ressentiment und seiner soziologischen sowie psychologischen Ursprünge bei Scheler.
  • Untersuchung der christlichen Liebe als höchster, unumstößlicher geistiger Wert.
  • Kritik an der modernen Industriegesellschaft und ihrer funktionalen Wohlfahrtsorientierung.
  • Erörterung des Problems der apriorischen Erkennbarkeit von Werten ohne dogmatische Bindung.
  • Gegenüberstellung von Selbstwert und utilitaristischem Vergleichswert.

Auszug aus dem Buch

2.1.1. Was bedeutet Ressentiment bei Scheler?

Scheler beschreibt in einer ausführlichen psychologischen und soziologischen Untersuchung die Entstehung eines emotionalen Erlebens, bis hin zur Entstehung von Ressentiment. Damit verbundenen kommt es zu einer Wertnegation aller ursprünglich guten und vitalen Werte und schließlich zu einer Umwertung, bzw. Bewertung eines Wertes.

Der durch Nietzsche geprägte Begriff entsteht durch ein wiederholtes Durch- und Nachleben einer bestimmten emotionalen Antwortreaktion gegen einen anderen Menschen, ohne dass es jedoch zu einer direkten Gegenhandlung kommt. Ursache ist eine tiefe Hemmung und ein Ohnmachtgefühl eines schwachen Menschen, der aus Angst vor Versagen in der momentanen Situation, den Gegenimpuls zurückstellt oder verdrängt, um auf eine bessere Gelegenheit zu warten. Da es nie dazu kommt, wird der Racheimpuls nicht getilgt, sondern schwelt im Verborgenen weiter. Dieser tiefenpsychologische und meist unterbewusste Groll führt zu schleichender Selbstvergiftung, Verbitterung und nährt ein Gären von Unzufriedenheit, die sich tief in die Persönlichkeit eingräbt. Durch Verdrängung entstehen Depressionsgefühle, Furcht, Angst und Eingeschüchtertheit. Der Druck steigt stetig, da es nie zu einer Entladung kommt. Die aufgestauten seelischen Mächte können gleichsam objektlos werden, sodass der betreffende Mensch oft selbst nicht angeben kann wovor er sich fürchtet oder wozu er ohnmächtig ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Brisanz ethischer Diskurse und führt in die Problematik ein, ob Werte objektiv begründbar sind oder lediglich gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterliegen.

2. Darstellung der These vom Ressentiment im Aufbau der Moralen: Dieses Kapitel erläutert Schelers Verständnis des Ressentiments als Ursprung einer moralischen Umwertung, die den Menschen in seiner vitalen Entfaltung hemmt.

2.1. Der Umsturz der Werte durch das Ressentiment: Hier wird analysiert, wie historische Prozesse der Säkularisierung und Industrialisierung zur Entstehung des Ressentiments führen.

2.1.1. Was bedeutet Ressentiment bei Scheler?: Es wird dargelegt, wie unterdrückte Racheimpulse und Ohnmachtsgefühle zu einer schleichenden psychischen Selbstvergiftung führen.

2.1.2. Die Entstehung von Moralen durch Umwertung der Werte: Das Kapitel zeigt, wie schwache Individuen durch das Leugnen positiver Werte ihr eigenes Machtgefühl zu kompensieren suchen.

2.2. Kritik an einem einseitigen Rationalismus: Scheler kritisiert den Vorrang des rationalen Denkens gegenüber emotionalen und spirituellen Zugängen zur Wirklichkeit.

2.2.2. Christliche Liebe als höchster Wert: Die Liebe wird als Grundakt dargestellt, der Voraussetzung für eine wahre Wesensschau ist.

2.2.2.1. Das Wesen der christlichen Liebe: Es wird definiert, dass diese Form der Liebe frei von Hochmut und Zwang ist und sich auf den Nächsten richtet.

2.2.2.2. Moderne Wohlfahrtsorganisation ohne echte Liebe: Kritik an einer rationalisierten Wohlfahrt, die den Einzelnen auf eine bloße Funktion degradiert.

2.2.3. Der Selbstwert gegenüber dem Fortschritts- und Vergleichswert: Es wird argumentiert, dass der Mensch einen Eigenwert besitzt, der nicht durch Leistung erworben werden muss.

2.3. Die Position des Glaubens in Schelers Wertverständnis: Dieses Kapitel untersucht die religiöse Fundierung der apriorischen Werteordnung bei Scheler.

3. Problem der Erkennbarkeit von wahren Werten: Die Frage nach der methodischen Zugänglichkeit objektiver Werte wird hier in den Kontext philosophischer Traditionen gestellt.

3.1. Erleben des apriorischen Wertes bei Scheler: Es wird verdeutlicht, dass Werte keine rationalen Definitionen sind, sondern im lebendigen Verkehr mit der Welt erfahren werden müssen.

3.2. Erkennbarkeit apriorischer Werte für alle Menschen?: Dieses Kapitel diskutiert, warum nicht jeder Mensch die gleiche Intuition für diese Werte besitzt und welche Rolle die persönliche Erfahrung spielt.

4. Fazit: Das Fazit synthetisiert die Erkenntnisse und betont, dass Schelers Denken als ein korrigierbarer „Gang“ zu verstehen ist, der dazu aufruft, den Menschen in seiner Ganzheit zu würdigen.

Schlüsselwörter

Max Scheler, Ressentiment, Wertethik, Christliche Liebe, Apriorismus, Nihilismus, Rationalismus, Wohlfahrtsgesellschaft, Materielle Wertethik, Wesensschau, Soziologie der Erkenntnis, Vitalität, Humanismus, Ethik, Moraltheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht Max Schelers kritische Auseinandersetzung mit modernen Wertvorstellungen und analysiert, wie gesellschaftliche Prozesse die ursprünglichen, apriorischen Werte verfälschen können.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Schwerpunkte liegen auf der Soziologie des Ressentiments, der Kritik am einseitigen Rationalismus und der Begründung von Werten durch die christliche Liebeslehre.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, Schelers Intention hinter seiner „materialen Wertethik“ zu prüfen und aufzuzeigen, wie seine Philosophie zur Einordnung moderner ethischer Diskursfragen beitragen kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine phänomenologische und analytische Untersuchung von Schelers Werk, die durch den Vergleich mit anderen Denkern wie Nietzsche und Fromm ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Ressentiments, die Kritik an rationalistischen Gesellschaftsmodellen sowie die Untersuchung der Erkennbarkeit apriorischer Werte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Ressentiment, Wertethik, Liebe, Rationalismus, Apriorismus und Vitalität charakterisieren.

Inwiefern unterscheidet sich Schelers Liebe von moderner Wohlfahrt?

Scheler sieht in der christlichen Liebe einen vitalen Akt der Freiheit, während er moderne Wohlfahrt als eine mechanische, vertragliche Organisation betrachtet, die ohne echte Herzensbildung auskommt.

Ist für Schelers Ethik ein religiöser Glaube zwingend erforderlich?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Scheler zwar eine religiöse Weltanschauung voraussetzt, seine Forderung nach Liebe und Wertfreiheit jedoch Gültigkeit über dogmatische Grenzen hinaus beansprucht.

Excerpt out of 27 pages  - scroll top

Details

Title
Schelers Kritik an der modernen Wertevorstellung
College
Technical University of Berlin  (Philosophie)
Course
Skeptizismus und Ethik
Grade
sehr gut
Author
Tanja Zwillsperger (Author)
Publication Year
2003
Pages
27
Catalog Number
V21329
ISBN (eBook)
9783638249737
Language
German
Tags
Schelers Kritik Wertevorstellung Skeptizismus Ethik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tanja Zwillsperger (Author), 2003, Schelers Kritik an der modernen Wertevorstellung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/21329
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  27  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint