Rassismus
von: R o b e r t M i h e l l i
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung 4
II.Grundzüge des Rassismus 5
1. Die begriffliche Bestimmung 5
1.1 Die Rasse 6
1.2. Der Rassismus 7
1.2.1 Der Träger: der Rassist 11
1.2.2 Die »Rassen«-Theorien 11
1.3. Der Sozialdarwinismus 12
2. Die Aspekte des Antisemitismus 14
3. Das Beispiel Apartheid 16
4. Überlegungen zum Zeitgeist 18
III. Schluß 19
Literatur 21
Anhang 23
Eine Ideologie
"Wo sind meine Vorfahren? Wen soll ich verehren? Wo finde ich mein Rohmaterial? Mein erster amerikanischer Vorfahre war ein Indianer, ein Indianer grauer Vorzeit. Eure Vorfahren haben ihm bei lebendigen Leibe die Haut abgezogen, und ich bin sein Waise." Mark Twain, der weiß war, in der »New York Times« vom 26. Dezember 1881.
I. Einleitung
Die Welt, die wir kennen, verschweigt täglich die geschichtliche Erfahrung der Menschheit, verschließt dabei die Augen und dämonisiert: das Verbrechen ist schwarz oder braun oder wenigstens gelb. Der Jude wird dir dein Geld nehmen, der Schwarze dein Essen stehlen, die Zigeuner deine Kleidung entwenden. Wenn man über die letzten fünf Jahrhunderte spricht, bewegt man sich mit der einzigen grossen Ideologie1, die noch existiert, und merkt vielleicht dabei nicht, wie traurig es ist, dass einige Völker auf die Welt kommen, um frei zu sein und andere, um als Sklaven zu fristen. Diese Ideologie hat die Schritte aller Expansoren geführt, die es auf dieser Welt gab. Von der Renaissance und der Eroberung Amerikas an artikulierte sich der Rassismus als ein System moralischer Vergebung im Dienste europäischer Gefräßigkeit. Seither regiert der Rassismus die Erdkugel: In der kolonisierten Welt wertet er die Mehrheiten ab; in der kolonisierenden Welt drängt er die Minderheiten an den Rand. Kolonisation entstand, um Überfall und Raub legal zu machen, während der Rassismus Ablassscheine für militärische Greueltaten ausstellte und Alibis für die erbarmungslose Ausbeutung der unterworfenen Menschen und Länder vergab.
Niemand möchte als Rassist gelten2, und viele suchen den feinen Unterschied zwischen sich, den Aufgeschlossenen, und den anderen, den Rassisten3. Dabei ist oft ein Spiegel nicht weit. Obwohl dies keine Entschuldigung sei, liegt es möglicherweise daran, dass die Mehrheit der Menschheit nicht weiss, was Rassismus überhaupt ist, welche Züge es annimmt und woher es kommt. In diesen Tatbestand liegt auch die Grundlage für eine Beschreibung: Unwissenheit gepaart mit Vorurteilen projiziert Bilder und Aussagen, die eine Angst von neuen in die Rechtfertigung der Verteidigung von der Gefahr einfließen und aus Bequemlichkeit die entstandene Zustände als wahr (evtl. gegeben) annehmen. Es ist leichter ein Stereotyp zu akzeptieren, als sich selber die Mühe zu machen die Gesamtheit der Informationen über die Traditionen und der Lebensweise des Anderen zu erkunden4. Denn, tut man das zweite, wird klar, dass zum Beispiel5 die Hautfarbe, Nasenform, Stirnhöhe, Augenfarbe und ähnliches nicht eine Determinante des Guten oder Bösen sein kann. Es ist nicht mehr oder weniger als eine bunte Form.
Über die Entwicklung des Wortes »Rasse«6, den Exkurs über Sozialdarwinismus und Definitionsversuchen des Rassismus bewege ich mich über den zeitlichen Rahmen der Historie, beschreibe die Formen, Elemente und Auswirkungen, beschäftige mich kurz mit den »Rassen«- Theorien sowie den Rassismus heute und versuche in kleinen Rahmen ein brauchbares Bild des Rassismus zu skizzieren.
II. Grundzüge des Rassismus
1. Die begriffliche Bestimmung
[...]
1 Eine Ideologie bezeichnet in unserer Zeit die Gesamtheit der von einer Bewegung, Gesellschaftsgruppe oder Kultur hervorgebrachten Wertungen und Grundeinstellungen, also ein bestimmtes Denksystem mit Absolutheitsanspruch. Unter kritischem Aspekt erscheint eine Ideologie als ein begrenztes, starres, einseitiges, oft in Gegensatz zur Wahrheit gestelltes, durch unterschiedliche Interessen oder äußere Beeinflussungen getrübtes theoretisches Wirklichkeitsbild. Vgl. Heckmann, Friedrich: Ethnische Minderheiten, Volk und Nation, Stuttgart, 1992, S. 138 ff; Vgl. Geiss, Imanuel: Geschichte des Rassimus, Frankfurt/Main, 1988, S. 15.
2 Vgl. Memmi, Albert: Rassismus, Frankfurt/Main 1992, S. 11.
3 Die Beispiele findet man in der Tagespresse; für eine Auswahl Vgl. Jäggi, Christian J.: Rassismus, Zürich und Köln, 1992, S. 9 ff.
4 Vgl. Memmi, Albert: a.a.O., S. 46.
5 Die ersten rassistischen Aussagen bezogen sich auf die Hautfarbe, Nasenform, Lippenform, Haar; allgemeine Aüsserlichkeiten. Im 19. Jahrhundert wurde im Laboren der entwickelten Welt auch andere "Beweismittelsuche" vorgenommen: Blutgefässe wurden erforscht, Geruchsinn bewertet, Schädellänge gemessen, Gehirn gewogen, etc. Vgl. Mosse, Geoge L.: Rassismus, Königstein/Ts., 1978, S. 29 ff.
6 Leider ist der analytische Gehalt noch Heute unklar und die politischen Implikationen weitgehend problematisch; deswegen verwende ich den Begriff »Rasse« in dieser Arbeit mit Anführungszeichen.
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Robert Mihelli, 2004, Rassismus - Eine Ideologie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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