Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Person Max Weber
2.1. Max Weber - eine Biografie
2.2. Der Mensch Max Weber
2.3. Der Politiker Max Weber
2.4. Der Wissenschaftler Max Weber
3. Max Webers Bürokratiemodell
3.1. Die generelle Fragestellung Max Webers - Der Prozess der Rationalisierung
3.2. Bürokratisierung im Rahmen seiner Herrschaftssoziologie
3.2.1. Webers Herrschaftssoziologie
3.2.2. „Die legale Herrschaft“ - bürokratische Verwaltung
3.2.3. Die soziale Bedeutung der Bürokratie
3.3. Gründe für das Vordringen der Bürokratie
3.4. Webers ambivalentes Verhältnis zu bürokratischen Strukturen
3.5. Kritik an Webers Bürokratiemodell
3.6. Vorwebersche Bürokratiediskussion
4. Heutige „bürokratische Strukturen“
4.1. Zur Geschichte der Bürokratie
4.2.Die „bürokratische“ Struktur der BRD
4.3. Nachwebersche Bürokratiediskussion
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
1. Einleitung
Als Student der Sozialwissenschaften im Grundstudium hört oder liest man schon bei Beginn des Studiums etwas von Max Weber, ob in Soziologie, Politik oder Wirtschaftsgeschichte. Fragmente verdichten sich zu einem Bild, in dem man Max Weber bald ehrfürchtig als einen der grossen Geister der Gesellschaftslehre begreift, einem Begründer der modernen Soziologie. Doch worin bestand genau seine Leistung und wer war dieser Mensch Max Weber? Aufgrund seines eno rmen wissenschaftlichen Gesamtwerks kann ich in dieser Hausarbeit nur einen kleinen Einblick in sein Leben und Werk geben, mein Schwerpunktthema ist Webers Modell der Bürokratie. Im ersten Kapitel gehe ich strukturiert auf seine Person ein, wobei ich das Augenmerk auf seine menschliche, politische und wissenschaftliche Seite lenke. Im zweiten Kapitel möchte ich dem Leser vermitteln, wie genau dieses Modell in seine Theorien eingebettet ist, was es zum Inhalt hat und welche Standpunkte sowohl Weber als auch andere Wissenschaftler in Bezug auf dieses Modell ausgetauscht haben. Im letzten Kapitel nehme ich noch einmal einen kurzen historischen und aktuellen Bezug und zeige kurz auf, wie die Bürokratiediskussion sich nach Weber verhielt. Ich möchte, neben der inhaltlichen Erkenntnis über Bürokratie bei dem Leser Faszination für einen Menschen her-vorrufen, dessen Lebenswerk einen wirkungsvollen Nachhall in Politik, Wissenschaft und Philosophie fand.
2. Die Person Max Weber
Im folgenden Kapitel möchte ich dem Leser einen kleinen Überblick über Max Webers Leben geben, dabei ist mir die Betonung seiner verschiedenen Facetten wichtig, da sie ein strukturiertes und klares Verständnis seiner Person ermöglicht.
2.1. Max Weber - eine Biographie
Am 21. April 1864 wurde Karl Emil Maximilian Weber in Erfurt in Thüringen geboren, sein Vater ist Max Weber sen., seine Mutter Helene Weber, geb. Fallenstein
1870 tritt er in eine Berliner Privatschule ein 1872 wechselt er auf das Königliche Kaiserin-Augusta Gymnasium 1882 absolviert Max Weber sein Abitur und beginnt sein Studium in Heidelberg, wo er im Hauptfach Jurisprudenz, daneben Nationalökonomie, Geschichte, Philosophie und Theologie belegt
1883 leistet er seinen einjährigen Wehrdienst in Straßburg ab, wo er den Rang eines Hauptmanns in Reserve der Kaiserlichen Armee erringt 1884 nimmt er sein Studium in Berlin wieder auf 1886 absolviert er sein erstes juristisches Staatsexamen 1889 promoviert er mit „magna cum laude“ an der juristischen Fakultät der Friedrich Wilhelms Universität
1892 habilitiert er für römisches Recht und Handelsrecht an der Universität Berlin und wird für diese Bereiche Privatdozent
1893 erhält er einen Ruf auf einen Lehrstuhl für Nationalökonomie an die Universität Freiburg
1894 nimmt er die Professur für „Nationalökonomie und Finanzwissenschaft“ an 1896 wird Max Weber als Nachfolger von Karl Knies auf den Lehrstuhl für Nationalökonomie und Finanzwissenschaft an der Universität Heidelberg berufen 1903 tritt er aus gesundheitlichen Gründen von seinem Lehramt zurück, er bleibt Heidelberger Honorarprofessor ohne Promotions- und Mitspracherecht an seiner Fakultät, es folgen intensive privatwissenschaftliche Studien, Reisen und politische Aktivitäten
1909 begründet er die „Deutsche Gesellschaft für Soziologie“ 1918 ist er Mitbegründer der „Deutschen Demokratischen Partei“ 1919 folgt er dem Ruf auf den Lehrstuhl für „Gesellschaftswissenschaft, Wirtschaftsgeschichte und Nationalökonomie“ an der staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität München
1920, am 14. Juni, stirbt Max Weber an einer durch die „spanische Grippe“ aus- gelösten Lungenentzündung
(vgl. Käsler, 1995, S. 12-39)
2.2. Der Mensch Max Weber
Zunächst prägte Max Weber, den Erstgeborenen einer der reichsten deutschen Kaufmannseliten, natürlich sein außerordentlich gebildetes und kosmopolitisches Elternhaus und Familienumfeld. Mit seinem Vater als einflussreichen und angesehen Politiker, seiner Mutter als Dame aus der gehobenen europäischen Gesellschaft und den regelmäßig im Hause Weber verkehrenden Politikern, Wissenschaftlern, Bankiers und Honoratioren bot sich ihm ein intens ives intellektuelles Umfeld. Schon in der Schule las er antike Klassiker und Philosophen, aus Langeweile soll er angeblich die gesamte Cottasche Goethe Ausgabe gelesen unter der Schulbank gelesen haben. (vgl. Käsler, 2000, S.191-192). Seinen Charakter prägte allerdings von Anfang an das psychologische Spannungsfeld innerhalb seiner Familie, das durch die stark gegensätzliche n Persönlichkeiten seiner Eltern verursacht wurde. Sein Vater, ein nach außen gerichteter, lebensfroher Berliner Politiker geriet oft mit seiner Mutter, die stark introvertiert, sozial und religiös veranlagt war, in Konflikt. So orientierte er, gerade als zigarrenrauchender, biertrinkender und skatspielender Student in Heidelberg, sich erst an seinem Vater, was auch an der weltlichen Atmosphäre des akademischen Lebens lag .Durch den Kontakt mit den Baumgartens, der Familie einer der Brüder des Vaters, der „zweiten Familie“ Max Webers, begann er seine Mutter besser zu verstehen (vgl. Käsler, 1995, S.14-16).
Was Webers Verhältnis zu Frauen anging, so lernte er während seines intens iven Kontakts mit den Baumgartens Emmy Baumgarten kennen, seine erste „große Liebe“. Als 29jähriger heiratete er Marianne Schnittger, eine Großnic hte seines Vaters. Später führte er eine Dreiecksbeziehung mit ihr und Else Jaffe, mit der er auch seine ersten sexuellen Erfahrungen machte, da ihm in der Ehe mit Marianne Sexualität verwehrt war. Seine Liebesbeziehungen, zu erwähnen ist noch Mina Tobler, blieben immer innerhalb der erweiterten Großfamilie. Bei seinem Tod waren auch diese beiden Frauen, Marianne Weber und Else Jaffe, zugegen (vgl. Käsler, 1995, S.19-39).
Während eines Familienstreits ergriff er als 33järiger Partei für seine Mutter und kritisierte das patriarchalische Verhalten seines Vaters. Damit verursachte er einen Disput, zu dessen Beilegung es nicht mehr kam, da sein Vater wenige Wochen darauf starb. Das Schuldgefühl, das durch die Bestürzung über die verlorene Möglichkeit der Aussöhnung mit seinem Vater verursacht wurde und der Wegfall des hedonistischen „Gegenmodells“ seines Vaters, das ihn nach den ersten Semestern seiner Studentenzeit zu intensivem Arbeitsleben antrieb, lösten bei Weber eine schwere seelische Krise aus, die ca. sieben Jahre dauerte. Das Spannungsfeld seiner Eltern, seine rigide Arbeitsdisziplin, seine frühe Meningitis (eine Hirnhautentzündung) und das asexuelle Verhältnis mit seiner Frau Marianne Weber hatten zu einer sensiblen Psyche geführt, die jetzt in eine tiefe Krise glitt. Auf dem Höhepunkt seiner Krankheit musste Weber wie ein hilfloses kleines Kind gepflegt werden, zu seinen Studien war er lange Zeit nicht fähig. Auch trat er als 39jähriger aus Angst vor dem Lehrbetrieb und seinen übersteigerten Anspruch an den Professorenberuf von seinem Lehramt zurück, hatte sich aber gesundheitlich weitgehend erholt. Bis zu seinem Tod verfolgte Max Weber seine außerordentlich zahlreichen wissenschaftlichen und politischen Aktivitäten (vgl. Käsler, 1995, 24-39).
Weber war also ein in seinem Leben zwar sehr erfolgreicher, was ohne seine Leistung schmälern zu wollen bei seiner Herkunft allerdings nicht übermäßig verwunderlich wäre, aber in seiner Persönlichkeit ein geschlagener Mensch, der sich Zeit seines Lebens enormen Leistungsdruck aussetzte und an starken psychischen Konflikten litt.
2.3. Der Politiker Max Weber
Der Soziologie Dirk Käsler beschreibt Max Webers von seiner Herkunft geprägte politische Einstellung;
[...] prägte sich der Habitus Max Webers nach den Vorgaben des sozialen Feldes des Berliner Großbürgertums um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Zu dessen unausgesprochenen Selbstverständlichkeiten gehört der lutherisch gefärbte Glaube an die staatliche Autorität der preußisch dominierten Monarchie, der ungezwungene gesellschaftli- che Verkehr mit dem jüdischen Besitz und Bildungsbürgertum der Reichshauptstadt, der
Glaube an die Bestimmung der Rechtspflege als zentraler Aufgabe des Staates, der in der Allianz mit dem staatlich geprägten Protestantismus Sittlichkeit und Sicherheit garantie rte (Käsler, 2000, S. 191-192).
Auch durch den Einfluss seines Vaters, der zu den „Konstitutionalisten“ innerhalb der Fraktion der „Nationalliberalen Partei“ im preußischen Abgeordnetenhaus gehörte, die eine starke Pro-Bismark Haltung vertraten, entwickelte Weber eine bürgerliche, nationalistische Gesinnung. Er war beispielsweise immer stolz auf seinen Rang als „Hauptmann der Reserve der Kaiserlichen Armee“, war Mitglied des „Alldeutschen Verbandes“ und die deutsch-slawische Grenze war für ihn eine kulturell- nationale Grenze, an der die Gefahr der „Überfremdung“ des deutschen Ostens entstehen konnte. Allerdings wendet er sich auch gegen übersteigerten Patriotismus, was maßgeblich auf den Einfluss Hermann Baumgartens zurückzuführen ist, einem alten „48er“ , der die restaurative Politik Bismarks kritisierte. Max Weber hatte auch eine andere, soziale und reformerische Seite, worauf der Besuch des „Evangelisch-Sozialen Kongresses“ hinweist und sich beispielsweise in Kritik der Politik von Großgrundbesitzern äußert, die auf billige Arbeitskräfte aus Polen nicht verzichten wollten. Später wurde er zum Führer des linken Flügels des „Vereins für Sozialpolitik“, durch einige Pub likationen wurde er sogar in die Nähe von „vaterlandslosen Gesellen“ gerückt , im Gegensatz dazu kommt er, nationalistisch gesinnt, nach dem ersten Weltkrieg mit einigen Argumentationen nahe an die „Dolchstoß-Legende“, da er die Revolution aufs Schärfste verurteilt. Nach dem ersten Weltkrieg tritt er der „Deutschen Demokratischen Partei“ bei, zu dessen Vorstand er zeitweise angehört, allerdings übernimmt er im „neuen Reich“ kein Amt, sein Ziel, Reichsminister des Inneren zu werden, was auch im Sinne Friedrich Eberts gewesen wäre, verwirklicht er, aufgrund von Missgunst ihm gegenüber was seine radikale Haltung zur Revolution anbetraf, nicht. Zwei Jahre vor seinem Tod ist er noch Delegierter der „Fortschrittlichen Volkspartei“ und 1919 Mitglied der Friedensdelegation, das von dem Reichsminister des Auswärtigem geleitet wurde (vgl. Käsler, 1995, S. 12-37). Zum Ausdruck beim Politiker Max Weber kommt wie bei seiner Persönlichkeit ein kontroverses Spektrum an Positionen. Aber er hat sich, in der Politik wie in Wissenschaft immer vehement für seine Positionen eingesetzt und durchaus eini- ges auf Spiel gesetzt.
Arbeit zitieren:
Jens Gerhardt, 2003, Max Weber und sein Bürokratiemodell, München, GRIN Verlag GmbH
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