Gliederung:
Einleitung. S. 3
1. Südgallien am Ende des 2. Jahrhundert vor Christus. S.4
1.1. Vorrömische Einflüsse. S.4
1.2. Massilia, Karthago und die spanischen Provinzen. S.5
1.3. Die Stämme Südgalliens. S.6
1.4. Roms Verbündete. S.8
2. Wende der römischen Politik. S.9
2.1. Die Feldzüge gegen die Salluvier, Allobroger und Arverner. S.9
2.2. Folgen der Expansion. S.10
3. Hintergründe der Expansion. S.11
4. Ausblick.
4.1. Provinzeinrichtung. S.12
4.2. Caesars Gallischer Krieg. S.13
5. Schluss. 14
Quellenverzeichnis. S. 15
Literaturverzeichnis. S. 15
2
Einleitung
„Narbonensis provincia appelatur pars Galliarum, quae Interno mari adluitur [...] Agrorum cultu, virorum morumque dignitatione, amplitudine opum nulli provinciarum postferenda breviterque Italia verius quam provincia. “ 1 So umreißt PLINIUS DER 2 die Provinz Gallia Narbonensis 3 . In den fast 200 Jahren seit Eroberung ÄLTERE
durch Rom entwickelte sich das im südlichen Gallien gelegene Gebiet zu dem Musterbeispiel römischer Provinzialpolitik und Romanisierung. Jedoch liegen bis heute sowohl Umstände als auch Ablauf der Expansion erheblich im Dunkeln. Dem Versuch sich dieser Problematik zu nähern, stellt sich zuvorderst das Problem einer mangelnden Quellenlage entgegen.
Für die zweite Hälfte des 2. Jhs. v.Chr. sind kaum Überlieferungen, das Gebiet Südgallien betreffend, auffindbar. Erschwerend kommt hinzu, dass die Informationen, welche zur Verfügung stehen, nur kurze Auszüge aus größeren Werken sind. 4 In diesem Zusammenhang sind unter anderem die Arbeiten von CAESAR, CICERO, LIVIUS und STRABO zu erwähnen. 5 Allerdings ist keinesfalls von deren uneingeschränkter Gültigkeit auszugehen. Vielmehr mahnt die vom griechisch-römischen Kulturkreis geprägte Darstellung zu einer kritischen Betrachtung der getroffenen Aussagen. CICEROS Instrumentalisierung eines negativen Keltenbildes und des metus Gallicus 6 müssen daher ebenso Berücksichtigung finden, wie die verzerrte Darstellung des LIVIUS. 7 Ein differenzierteres Bild liefern dagegen die Berichte STRABONS und CAESARS. Dennoch wird es auch hier erforderlich sein, Intention von authentischer Darlegung zu trennen. Hebt STRABO den Wandel der Kelten zu einem zivilisierten Volk durch mediterrane „Katalyse“ hervor, so sind CAESARS Berichte in erster Linie Rechtfertigung für „seinen“ Gallischen Krieg. 8 Wenngleich unterschiedliche Absichten hinter den Traditionen stehen, wird dennoch evident, welche Vorsicht bei
1 Plin. d.Ä. 3,31. 2 23-79 n.Chr.
3 auch: Gallia Transalpina und Gallia Ulterior, Seit der Neuordnung Galliens durch Augustus 27-22 v.Chr.,: Gallia Narbonensis heute: Provence. vgl. hierzu: Anhang S.15.
4 vgl. zur Quellenlage: FEYBERGER , BERT: Südgallien im 1. Jahrhundert v. Chr., in: Olshausen, E. (Hg.), Geographica Historica 11,Stuttgart 1999. und LAUTERBACH, A .: Untersuchungen zur Geschichte der Unterwerfung von Süd-Gallien durch die Römer; in: Wissenschaftliche Beilage zum Jahresbericht der Hohenzollernschule in Schönberg, Oberrealabteilung, Berlin 1910, S.4f+15f.
5 vgl.: Quellenverzeichnis und LAUTERBACH, Berlin 1910, S.4f.
6 Die Bedeutung des metus gallicus ist erörtert in: KREMER , BERNHARD: Das Bild der Kelten bis in augusteische Zeit, in: Heinen, H.; Paschoud, F.; Raaflaub, K.; Temporini, H.; Walser, G.; Historia -Einzelschriften- 88, Stuttgart 1994, S.62f.
7 vgl. hierzu: CIC. PRO. FONT. 30f.,35,36. und LIV. XXI, 20-21.
8 vgl. STRAB. 4,1,5 und 4.1.12. ; Authentizität ausgewählter antiker Autoren ist ausführlich erörtert in: KREMER , Stuttgart 1994.
3
Aufarbeitung aller Quellen geboten sein wird, will man sich dem Thema dieser Arbeit ein Stück weit nähern. 9
Dabei wird nicht nur nach Verlauf der Eroberung zu fragen sein, sondern es werden im ersten Teil Faktoren erarbeitet werden, welche die Expansion Roms in das angrenzende Territorium bedingten. Den Beziehungen Roms zu südgallischen Mächten sowie deren wechselseitiges Verhältnis ist dabei ebenso intensive Aufmerksamkeit zu schenken, wie geographischen, ethnologischen, wirtschaftlichen, strategischen und kulturellen Prämissen. Der letzte Teil der Arbeit befasst sich mit Konsolidierung des gewonnenen Gebietes; in diesem Zusammenhang ist u.a. die Problematik der Provinzialisierung anzusprechen.
Ein zeitlicher Exkurs wird die weitere Bedeutung der Gallia Transalpina für Caesars Gallischen Krieg erwähnen.
Abschließend soll durch Synthese bisher gewonnener Erkenntnisse der Versuch unternommen werden, Qualität römischer Eroberungspolitik für Südgallien im Ansatz zu charakterisieren.
Wenngleich Aspekte römischer Innenpolitik eine Rolle gespielt haben dürften, wird dieser Gesichtspunkt nur am Rande Erwähnung finden. Sowohl begrenzter Umfang der Arbeit, als auch Komplexität des Themas gebieten diese Einschränkung. 10 Laut FREYBERGER und BENEDICT bezeichnet das Jahr 125 v.Chr. den Beginn dauerhafter römischer Expansion in den Süden Galliens; 11 ich werde mich dieser Auffassung aus zwei Gründen anschließen: Zum einen werden in früheren Feldzügen einzig isolierte, ligurische Stämme unterworfen, 12 zum anderen ruhen die Eroberungen im Anschluss für fast 30 Jahre. Erst der Beginn des Krieges gegen die Salluvier 125 v.Chr., markiert die dauerhafte Wende römischer Politik.
1. Südgallien am Ende des 2. Jahrhundert vor Christus 1.1. Vorrömische Einflüsse
Deutlich tritt die Wesensähnlichkeit Südgalliens mit Italien in dem einleitenden Zitat der Arbeit hervor. Bereits vor PLINIUS muss dem römischen Beobachter das Gebiet, welches vom Mittelmeer im Süden, den Alpen im Osten, den Pyrenäen im Westen und schließlich den Cevennen im Norden begrenzt wird, vertraut erscheine n 13 :
9 Inexistenz vergleichbarer keltischer Quellen und zeitliche Distanz der meisten Aufzeichnungen machen dies nur umso erforderlicher!
10 Innenpolitische Aspekte sind erörtert in: FEYBERGER , Stuttgart 1999, S.237f.
11 vgl. BENEDICT, Baltimore 1942, S.40. und FEYBERGER, Stuttgart 1999 S.12.
12 154 v.Chr. gegen Deciaten und Oxybier; vgl. hierzu: LIV. XLVII und LAUTERBACH, Berlin 1910, S.3.
13 vgl. STRAB. 4.1.3. und Anhang S.15.
4
Anders als im rauen Norden herrscht ein gemäßigtes, mediterranes Klima. Wein und Oliven gedeihen an den Hängen und sogar die Erde gleicht der Italiens. 14 Gewahr dieser Vorzüge hatten bereits phokäische Griechen um 600 v.Chr. an der Südküste der Provence die Handelsstadt Massilia gegründet. 15 Die Quellen berichten uns von der Entwicklung der Siedlung und den Fähigkeiten der Massilioten zur See. 16 Rasch knüpften diese Beziehungen zum Hinterland und lösten Südgallien aus der bis dato bestehenden Isolation vom mediterranen Kulturkreis. 17 Dies wird sowohl von archäologische Funden als auch von den Quellen bestätigt. 18 Obwohl STRABO und JUSTIN den kultivierenden Einfluss Massilias auf die lokalen Barbaren 19 hervorheben, ist dies nicht kritiklos hinzunehmen. 20 Erinnert sei an dieser Stelle an die limitierte Gültigkeit der Traditionen.
Wenngleich die Quellenlage eine allgemeingültige Aussage über die Folgen griechischer Kolonisation verwähren, ist dennoch folgendes festzuhalten: Schon vor römischer Einflussnahme wird das südliche Gallien mit der mediterranen Lebensweise in Berührung gebracht. Dies drückt sich u.a. in beginnender Kultivierung von Wein und Oliven, Einbindung des Gebietes in den griechischen Wirtschaftsraum, Anwendung der griechischen Schrift und neue Formen des Städtebaus - auch oppida genannt - aus. 21 Obwohl nur bedingt von „Assimilation“, wie sie JUSTIN 43,4 beschreibt, ausgegangen werden darf, ist dennoch eine frühzeitige „Akklimatisation“ der lokalen Bevölkerung mit der fremden Lebensart anzunehmen. 22 Daher erlebte der römische Beobachter bereits vor Eroberung Südgallien als klimatisch und gesellschaftlich der eigenen Heimat wohl nicht unähnlich.
1.2. Massilia, Karthago und die spanischen Provinzen
Lange kontrollierte Massilia den Außenhandel des südgallischen Raums. Erst um 200 v.Chr. übernimmt Rom langsam die Rolle der griechische Kolonie. Dies bestätigen archäologischen Funde, die für den betreffenden Zeitraum eine stetige
14 DRINKWATER, J.F.: Roman Gaul -THE THREE PROVINCES, 58 BC-AD 260-, London&Canberra 1983, S.8.und RIVET, A.L.F.: Gallia Narbonensis -Southern France in Roman Times-, London 1988, S.3f.
15 STRAB. 4.1.4.; Zum Jahr der Gründung äußerst sich STRABO nicht. vgl. daher zum Gründungszeitpunkt: FEYBER GER , Stuttgart 1999, S.60f.; RIVET, London 1988, S.9. und DRINKWATER , London& Canberra 1983, S.5.
16 STRAB. 4.1.5. und JUS. 43.
17 Für andere Völker sind durchaus früher Kontakte nachgewiesen. vgl.: FEYBERGER , Stuttgart 1999, S.60f.
18 vgl.archologische Funde: CUNLIFFE, BARRY: Greeks, Romans and Barbarians -Spheres of Interaction-, London 1988, S24f und Anhang S.16.; Quellen: JUS. 43,4. und STRAB. 4.1.5.
19 Zur Konnotation des Begriffs Barbaren vgl.: Barbaren, in : CANCIK, HUBERT; SCHNEIDER, HELMUTH (Hg.), Der neue Pauly -Enzyklopädie der Antike- Bd. 2, Weimar 1997.
20 vgl. STRAB. 4.1.5. und JUS. 43.
21 vgl. JUS. 43,3., STRAB. 4.1.5, STRAB. 4.1.11., RIVET, London 1988, S.15f. und FEYBERGER, Stuttgart 1999, S. 38f, S.60f.
22 JUS. 43,3.; Zur Einschränkung der Gültigkeit JUSTINS vgl.: RIVET, London 1988, S.17. und DRINKWATER , London& Canberra 1983, S.6f.
5
Arbeit zitieren:
Benjamin Müller, 2003, Die Eroberung Südgalliens durch Rom, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Über Anselm von Canterburys „Cur Deus homo“
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 12 Seiten
Simul iustus et peccator - Die Anthropologie der Rechtfertigungslehre ...
Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte
Seminararbeit, 17 Seiten
Das Gallische Sonderreich unter Postumus: 260 n.Chr. - 269 n.Chr.
Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike
Hausarbeit, 16 Seiten
Von Preussen nach Leuenberg - Hintergrund und Entwicklung der theologi...
Theologie - Systematische Theologie
Ausarbeitung, 8 Seiten
Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes Neuer Medien in der Hauptschul...
Ausarbeitung, 25 Seiten
"...und vergib uns unsere Schuld" - Fragen an die Rechtferti...
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit, 23 Seiten
Sprachvarietäten des Deutschen - Dialekte und Soziolekte
Seminararbeit, 16 Seiten
Kriterien zur Bewertung von Lernsoftware am Beispiel des Lernprogramm...
Seminararbeit, 22 Seiten
Das Groteske in der Literatur - Franz Kafkas "Die Verwandlung&quo...
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Seminararbeit, 25 Seiten
Cur deus homo? Das Versöhnungmodell des Anselm von Canterbury
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 14 Seiten
Friedrich Nietzsche und die Tradition des europäischen Aphorimus
Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Referat (Ausarbeitung), 17 Seiten
Warum muss der Mensch durch Jesus Christus gerettet werden? Wer ist Je...
Theologie - Systematische Theologie
Seminararbeit, 21 Seiten
Standard und Nonstandard - Definition und Funktion aus soziolinguistis...
Seminararbeit, 18 Seiten
Zwischen Himmel und Erde - Gott und Mensch im russischen Denken
Theologie - Systematische Theologie
Hausarbeit (Hauptseminar), 40 Seiten
Benjamin Müller hat den Text Die Eroberung Südgalliens durch Rom veröffentlicht
Benjamin Müller hat einen neuen Text hochgeladen
Reiseführer in die Welt der Antike. Das alte Ägypten
Theben und das Niltal 1200 v. ...
Charlotte Booth
Die wirtschaftlichen Auswirkungen der römischen Eroberung
Vergleichende Untersuchungen d...
Julia Hoffmann-Salz
0 Kommentare