I. Der Dialekt als Thema und wie es dazu kam. …………………………………. 2
II. Die Bewertung des Dialekts. …………………………………………………… 5 1.) Aufbau und Methode dieser Arbeit. …………………………………………. 5 2.) Die Bewertung des Dialekts: das Problem und sein Thema. …………….. 7
a) Entstehung des Problem(bewusstsein)s und Abgrenzungen. ………. 7
b) Dialekt als Sprachbarriere? ………………………………………. ………12
c) Der Dialekt als Vor- oder Nachteil? Vorurteile und Argumente.. ………15 3.) Zusammenfassung und Fazit. …………………………………………………19 III. Aussichten der Diskussion über den Dialekt. ………………………………..21
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I.
Der Dialekt als Thema und wie es dazu kam.
Vor allem in den letzten Jahrzehnten hat sich das Bewusstsein um das Thema des Dialekts verschärft. Dies geschah nicht zuletzt in Folge der Thesen des Engländers Basil Bernstein, die von einer sozialen Behinderung des Individuums auf Grund mangelnder sprachlicher Fähigkeit ausgingen. Diese stießen eine Diskussion an, die im gesellschaftlichen Klima der ausgehenden 60er Jahre, welche überkommene Strukturen und Werte im sozialpolitischen Bereich zu revidieren und zu erneuern bestrebt waren, auf fruchtbaren Boden fielen. Hier trieben mitunter, wenn nicht sogar zum Großteil, wunderliche Blüten in Form von speziellen Sprachkursen für Kinder der Unterschicht und Ausländerkinder, die das sprachliche Defizit etwa in Vorschulen zu mildern oder auszugleichen suchten.
Nachdem die Erkenntnis gereift war, dass die Ansichten aus dem soziolinguistischen Bereich zu einseitig waren und einer Überarbeitung bedurften, verlor sich die „Sprachbarrierendiskussion“ als solche, verschwand jedoch nicht. Stattdessen ging sie über in eine neutrale Ansicht der vormals defizitär gesehenen Sprachformen. Diese wurden nun in ihrer Eigenheit gewertet, wobei sich herausstellte, dass alle gleichwertig nebeneinander existieren, ohne dass ein objektiver Vor- oder Nachteil unter ihnen besteht.
Obwohl sich dieses Gebiet also weiterentwickelt hat, ist im allgemeinen gesellschaftlichen Bewusstsein abseits der fachwissenschaftlichen Diskussion nur das Schlagwort der „Sprachbarrieren“ geblieben, das dort eng verbunden geblieben ist mit der vereinfachten Hypothese, dass Kinder aus der Unterschicht nur über einen restringierten Kode verfügten, während Kinder der Ober- und Mittelschicht den elaborierten Kode beherrschten. Dies führe dazu, dass sie auf fatalistische Weise an das gesellschaftliche Los ihrer weniger gut bemittelten Eltern gebunden wären. Jene hingegen, die Kinder der Mittel- und Oberschicht wären, so lautet diese Meinung
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dann weiter, per se zum sozialen Aufstieg bestimmt. Aus dieser Argumentation klingen bereits die gängigen Vorurteile heraus, die mit dem Kern dieses Problems verbunden sind: Zunächst wird die Zugehörigkeit einer bestimmten Schicht als Kriterium für die Befindlichkeit eines Individuums festgemacht, dann wird der von einer bestimmten Schicht vorwiegend verwendete Sprachkode als objektiv besser gewertet und schließlich wird aus der nicht selbstverständlichen Verfügbarkeit dieses Kodes auf kognitive Defizite geschlossen. Dass allein die Definitionen der Schicht, der Intelligenz(en) und der Bestimmungen, was ein „gutes“ Leben ist, in differenzierte (Wissenschafts-)Gebiete der Soziologie, Psychologie und der Philosophie greifen, wo die Antworten nicht, höchstens die Fragen klar umrissen werden können, bleibt dieser Einschätzung fremd.
Genau diese Vorurteile finden sich dann auch wieder in der Bewertung des Dialekts, wenn dieser als defizitär gewertet wird. Auf Grund seiner räumlichen Beschränkung und seiner an eine engere Umgebung ausgerichteten Art wird er von einem bestimmten Blickwinkel aus als objektiv schlechter gewertet als die Standardsprache. Daher ergab sich, dass die Sprachbarrierendiskussion, die vom vermutlichen Defizit ausländischer Minderheiten ausging, zu einer Diskussion darüber entwickelte, ob und inwieweit Dialektsprecher wegen ihres vermeintlichen Nachteils in der Gesellschaft benachteiligt sind.
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II. Die Bewertung des Dialekts.
An diesem Punkt setzt diese Arbeit an. Sie macht es sich zum Ziel, die Bewertung des Dialekts (in Deutschland) aufzuzeigen, wobei ich versuchen will, von der Entwicklung des Bewusstseins um dieses Problem, den vermuteten Nachteil des Dialekts und seiner Sprecher, auszugehen, um eine kritische Bewertung zu geben. Diese Arbeit wird in dieser Hinsicht also einen zusammenfassenden Charakter haben.
1.) Aufbau und Methode dieser Arbeit.
Zunächst möchte ich im ersten, n ach diesem Abschnitt folgenden Teil, die terminologischen Abgrenzungen geben, die für das hier behandelte Gebiet und seine Unterteilungen relevant sind. Allgemein werde ich immer wieder auf den Gegensatz von Standardsprache und Dialekt rekurrieren, um die Bewertung des Dialekts aufzuzeigen. Denn intuitiv wird von den meisten derer, die sich nicht wissenschaftlich mit dem Thema beschäftigen, der Dialekt als provinziell angesehen, wobei Provinzialität als Nachteil empfunden wird. Dies zeigt allein schon die n egative semantische Prägung des Begriffs. Dabei wird deutlich, dass diese Ansicht vor allem von Stadtbewohnern vertreten wird, die ihre Lebensart als fortschrittlich und damit besser sehen. Es wird jedoch selten ernsthaft hinterfragt, ob dieser Fortschritt ein Forschreiten im Sinne einer ständigen Verbesserung ist und ob sich alles überhaupt ständig verbessern muss?
Neben der Abgrenzung von Standardsprache und Dialekt möchte ich noch kurz auf die Begriffe der Umgangssprache und der Mundart eingehen, um terminologische Verwirrungen zu vermeiden.
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Auf Grund dieser Bestimmungen werde ich dann die Entstehung der Diskussion um das Problem der Sprachbarrieren behandeln, sofern sie für das Problem der Bewertung des Dialekts von Bedeutung ist. Hier soll von den Definitionen und dem allgemeinen Problem insbesondere auf die tatsächlichen Eigenheiten des Dialekts eingegangen werden, wie sie klassischerweise in der Pädagogik behandelt wurden und werden. Dazu werde ich vor allem den Ausführungen in der Arbeit von Gisela Böhm 1 folgen. Es soll hier versucht werden, den tatsächlichen Einfluss des Dialekts auf die schulische Leistung von Schülern nachzuvollziehen. Dabei gehe ich davon aus, dass die Schule als Vermittlerin des Standarddeutschen insofern für den gesellschaftlichen Erfolg verantwortlich ist, als sie die Leistungen des einzelnen Schülers letztlich nach einem bestimmten Wertesystem 2 einstuft und somit über sein mehr oder weniger erfolgreiches Fortkommen 3 bestimmt, dass zu einem höher bezahlten und in der Regel mit mehr Verantwortlichkeit versehenen Berufsengagement führt. Es wird sich also die Frage stellen, ob und inwieweit der Dialekt in dieser Hinsicht eine Hürde für den Einzelnen ist. Danach werde ich noch einen Schritt weitergehen und mich unter Heranziehung der bisherigen Ergebnisse mit den gängigsten Vorurteilen gegenüber dem Dialekt und seinen Sprechern auseinandersetzen. Zu nennen sind da vor allem drei: die räumliche (aber auch zeitliche) Beschränkung des Dialekts, das daraus resultierende kognitive Defizit der Sprecher und die Mangelhaftigkeit des Dialekts an sich (z. B. fehlendes Präteritum).
Darauf werde ich nach einer möglichst vernünftigen Abwägung der Argumente versuchen, die Vor- und Nachteile des Dialekts gegenüber dem Standarddeutschen (und andersherum) zu verdeutlichen. Dabei wird sich zeigen, ob die Vorurteile haltbar
1 Gisela Böhm: Der Dialekt als Sprachbarriere? Eine empirische Untersuchung über den Einfluß des Dialekts
auf den Schulerfolg im Fach Deutsch in den 5. Klassen weiterführender Schulen in Heidelberg unter
Anwendung der kontrastiven Methode und auf der Grundlage von Diktat und Aufsatzmaterial. Kiel, 1983.
[zugl. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Christian-Albrechts-
Universität zu Kiel]
2 Dieses Wertesystem liegt dem Bewertungssystem zu Grunde. Die meisten skandinavischen Länder kennen
etwa keine Notenwertung bis in die höheren Klassen kurz vor dem Schulabschluss. Dass die Beurteilung nach
Noten mit den Stufen von eins bis sechs weitgehend überholt ist, dürfte sich jedem zeigen, der sich seinen Sinn
klar zu machen versucht. Das klassische, wenn auch ein wenig plakative Beispiel ist das des Arztes mit einem
1er-Abitur, der im zwischenmenschlichen Bereich nicht fähig ist, einen adäquaten Zugang zum Patienten zu
finden.
3 Hier lässt sich die Kritik analog wie oben beim Begriff des Fortschritts anwenden.
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Arbeit zitieren:
Christian Herzig, 2004, Die Bewertung des Dialekts - Eine Zusammenfassung, München, GRIN Verlag GmbH
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