Die vorliegende Arbeit vergleicht die Gewerkschaften der zwei europäischen Länder Griechenland und Italien. Dabei konzentriert sich die Betrachtung auf
- die Organisationsstrukturen der Gewerkschaften,
- das Verhältnis der Gewerkschaften zum Staat und
- die industriellen Beziehungen
in den beiden Ländern. Dabei wurden jeweils unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt. Ausgehend von der Vermutung, daß sich die Positionen der Gewerkschaften in Griechenland und Italien aufgrund unterschiedlicher historischer Entwicklungen und differierenden Staats- und Parteiensystemen deutlich unterscheiden dürften, wurden unterschiedliche Blickwinkel gewählt. So stehen in der Untersuchung der italienischen Gewerkschaften in folgenden Kapitel das Verhältnis zu den Parteien und die Rückzugsgefechte der Gewerkschaften im Bereich der industriellen Beziehungen und der Sozial- und Tarifpolitik im Vordergrund. Dabei beschränkt sich die Untersuchung auf den Zeitraum, der mit der Restrukturierung der norditalienischen Industrie 1980 beginnt und bis in die Zeit der Transformation des italienischen Parteiensystems zu Beginn der neunziger Jahre reicht. Diese Beschränkung wurde nötig, da mit der Parteientransformation sich auch die Position der Gewerkschaften dramatisch ändert und die Beschreibung dieses Veränderungsprozesses den Rahmen der Arbeit sprengen würde.
In Kapitel 3, welches die griechischen Gewerkschaften behandelt, steht das Verhältnis zum korporatistischen Staat und die staatliche Konfliktintervention mit gewerkschaftlichem Bezug im Mittelpunkt. Dabei beschränkt sich die Untersuchung wiederum zeitlich, diesmal auf die Periode vor der konservativ-kommunistischen Interimsregierung, die 1990 ins Amt kam.
In Kapitel 4 wird ein kurzer Vergleich zwischen den Gewerkschaften beider Länder angestellt und die Aussichten der Gewerkschaften im Hinblick auf ihre dargestellten Probleme bewertet.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE ITALIENISCHEN GEWERKSCHAFTEN
2.1 ORGANISATIONSSTRUKTUR DER GEWERKSCHAFTEN
2.2 GEWERKSCHAFTEN, PARTEIEN, ARBEITGEBER
2.3 DAS ZURÜCKWEICHEN SEIT DEN ACHTZIGER JAHREN
3. DIE GRIECHISCHEN GEWERKSCHAFTEN
3.1 ORGANISATIONSSTRUKTUR DER GEWERKSCHAFTEN
3.2 GEWERKSCHAFTEN UND PARTEIEN
3.3 GEWERKSCHAFTEN UND STAAT
3.4 ZWANGSSCHLICHTUNG UND STAATLICHE KONFLIKTINTERVENTION
4. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Gewerkschaften in Italien und Griechenland, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Struktur, ihrer politischen Einbindung und ihrem Einfluss auf die industriellen Beziehungen aufzuzeigen. Dabei wird analysiert, wie historische Entwicklungen, Parteiensysteme und staatliche Interventionen die Handlungsfähigkeit und Repräsentativität der Gewerkschaften in beiden Ländern beeinflusst haben.
- Organisationsstrukturen der Gewerkschaften
- Verhältnis zwischen Gewerkschaften, Parteien und Staat
- Einfluss staatlicher Konfliktintervention und Zwangsschlichtung
- Auswirkungen der industriellen Restrukturierung und Automatisierung
- Repräsentationskrisen und Entwicklung atypischer Beschäftigungsverhältnisse
Auszug aus dem Buch
2.3 Das Zurückweichen seit den achtziger Jahren
Das Zurückweichen der italienischen Gewerkschaften seit den achtziger Jahren hat viele Gründe. Nachfolgend sollen in diesem Abschnitt die wichtigsten dargestellt und bewertet werden. In den vorigen Abschnitten wurden bereits drei Gründe angeführt:
der teilweiser Ausschluß der Gewerkschaften von den Arbeitsbeziehungen
die Transformation des Parteiensystems
die Repräsentationskrise der Gewerkschaften
Nachfolgend werden weitere Hauptgründe für die Krise der Gewerkschaften dargestellt, wobei sich die Darstellungen wegen der Interdependenz des Untersuchungsgebietes teilweise überschneiden.
Mit Massenentlassungen bei FIAT im September 1980 und damit dem „Bruch des Waffenstillstandes zwischen Kapital und Arbeit“ (Sablowski 1998: 139) beginnt die Neustrukturierung der Wirtschaft in Italien. Die teilweise erbittert geführten Streiks, die sich über 35 Tage erstrecken, enden mit der Niederlage der Gewerkschaften, da 40.000 Beschäftigte, zumeist Angestellte, mittlere Führungskräfte und Meister im „Marsch der 40.000“ die Gewerkschaftsführung zum Abbruch des Streiks zwingen. Die Entwicklung bei FIAT wird zum Signal für den Beschäftigungsabbau in der gesamten Industrie des Landes. Dabei setzt die italienische Wirtschaft konsequent die während der siebziger Jahre entwickelten und erprobten Automatisierungsmethoden um. Im Zentrum der Strategie stehen Dezentralisierung und Automation.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor und erläutert die Konzentration auf die Organisationsstrukturen sowie das Verhältnis der Gewerkschaften zum Staat in Griechenland und Italien.
2. DIE ITALIENISCHEN GEWERKSCHAFTEN: Dieses Kapitel analysiert die Struktur des italienischen Gewerkschaftslagers, die engen Verbindungen zu den politischen Parteien sowie die Ursachen für das Zurückweichen der Gewerkschaften seit den achtziger Jahren.
3. DIE GRIECHISCHEN GEWERKSCHAFTEN: Dieser Abschnitt untersucht den korporatistischen Charakter der griechischen Gewerkschaften, die staatliche Konfliktintervention und den starken Einfluss der politischen Parteien auf die Gewerkschaftsführung.
4. ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Das Fazit vergleicht die Situation in beiden Ländern und bewertet die zukünftigen Herausforderungen für die Gewerkschaften unter dem Druck der wirtschaftlichen Eliten und der Transformation der Parteiensysteme.
Schlüsselwörter
Gewerkschaften, Italien, Griechenland, Arbeitsbeziehungen, Korporatismus, industrielle Beziehungen, Tarifpolitik, Organisationsstruktur, Parteiensystem, Beschäftigungsabbau, Repräsentationskrise, Streikrecht, Zwangsschlichtung, Automatisierung, industrielle Restrukturierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit vergleicht die Gewerkschaftsbewegungen in Italien und Griechenland, um deren unterschiedliche Entwicklung, Struktur und politische Einflussnahme im Kontext der industriellen Beziehungen zu untersuchen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Organisationsstruktur, dem Verhältnis der Gewerkschaften zu den jeweiligen nationalen Parteiensystemen sowie dem Einfluss des Staates auf die Tarif- und Konfliktregulierung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Gründe für die abnehmende Repräsentativität und die strukturellen Krisen der Gewerkschaften in beiden Ländern historisch und systemisch einzuordnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine vergleichende Analyse der industriellen Beziehungen, unter Einbeziehung soziologischer Fachliteratur und offizieller Wirtschafts- und Beschäftigungsdaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die italienische Gewerkschaftskrise seit den achtziger Jahren, die Auswirkungen der Automatisierung sowie die korporatistische Einbindung der Gewerkschaften im griechischen Staat bis 1990.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Korporatismus, industrielle Beziehungen, Repräsentationskrise, Parteieneinfluss und gewerkschaftliche Fragmentierung.
Wie beeinflusst der korporatistische Staat die griechischen Gewerkschaften?
Der griechische Staat sichert den Gewerkschaften ein Repräsentationsmonopol zu, kontrolliert diese jedoch durch finanzielle Abhängigkeiten und direkte Eingriffe in die Gewerkschaftsführung, was zu einer engen, aber oft manipulativen Bindung an die jeweilige Regierung führt.
Welche Rolle spielten die Ereignisse bei FIAT 1980 für Italien?
Der „Bruch des Waffenstillstandes“ bei FIAT markierte den Beginn einer massiven wirtschaftlichen Neustrukturierung und Automatisierungswelle, die die Verhandlungsmacht der italienischen Gewerkschaften nachhaltig schwächte.
- Arbeit zitieren
- Bjoern Egner (Autor:in), 2001, Zwischen parteigebundenen Gewerkschaften und korporatistischer Einheitsgewerkschaft - Arbeitnehmerinteressensvertretung in Italien und Griechenland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2148