1
Inhalt
I Einleitung 2
II Herkömmliche Methoden des Literaturunterrichts beim Umgang mit 2
Texten
III Das Konzept des handlungs und produktionsorientierten Unterrichts 4
1. Ein Blick in denThüringer Lehrplan 4
2. Curriculare Begründung 4
3. Merkmale 5
IV Handlungs und produktionsorientierte Verfahren beim Umgang mit 7
literarischen Texten Eine Auswahl
V Vorteile handlungs und produktionsorientierter Verfahren 9
im Vergleich zu den herkömmlichen Methoden im Literaturunterricht
VI Ansätze zur Kritik dieser Verfahren 9
VII Zusammenfassung und Schlussfolgerungen 10
Literaturverzeichnis 12
2
I. Einleitung
Seit den 70er Jahren haben sich, in Zusammenhang von Reformen, die nicht zuletzt durch die 68er Bewegung ausgelöst wurden, die Anforderungen an den Literaturunterricht geändert. Stand bis zu diesem Zeitpunkt vor allem das Erschließen eines Textes durch die Analyse von Form und Inhalt im Zentrum des Unterrichts, rückte nun die Auseinandersetzung zwischen Leser und Text in den Vordergrund. Der Leser als Rezipient mit jeweils spezifischen soziokulturellen Voraussetzungen wurde von nun an in zunehmendem Maße in die Interpretation einbezogen. Das Verstehen eines Textes wurde als Mitschaffen des Lesers begriffen. (>> Rezeptionsorientierung) In den 80er Jahren wurde dieser Ansatz ausgeweitet und verabsolutiert: Literarische Texte sollten “[...] nicht mehr nur gelesen, interpretiert und analysiert werden, sondern als Anlass für eigenes literarisches Schreiben der Schüler[/innen] dienen.” 1 Damit wurde die traditionelle Trennung zwischen Leser und Autor weitestgehend aufgehoben. 2 In dieser Arbeit möchte ich nun auf das Konzept des handlungs- und produktionsorientierten (Literatur)unterrichts eingehen. Dabei sollen handlungs- und produktionsorientierte Methoden vorgestellt und mit den ´herkömmlichen Methoden´ bei der Erschließung von literarischen Texten verglichen werden. Es geht mir nicht darum, Handlungsorientierung als das Nonplusultra der modernen Literaturdidaktik darzustellen. Vielmehr möchte ich aufzeigen, dass produktive Verfahren eine Möglichkeit sind, den Unterricht abwechslungsreicher und lebendiger zu gestalten und somit dazu beitragen, die Motivation der Schüler/innen für den Literaturunterricht zu steigern.
II. ´Herkömmliche´ Methoden des Literaturunterrichts
Hermann Helmers ermittelte bereits in den 1960er Jahren sechs im Literaturunterricht übliche Wege zum Verstehen literarischer Texte.Diese betreffen auch die Art und Weise der Unterrichtsgestaltung: 3
1. Erschließen des Textes durch Leitfragen
Die Textanalyse läuft vorwiegend im Unterrichtsgespräch ab. Dieses wird durch den Lehrer/in mittels Leitfragen, die auf den Kern des Textes hinführen sollen, gesteuert.
Eine mögliche Gefahr dieser Methode liegt darin, dass die Leitfrage durch den Lehrer/in falsch angesetzt wird. Das Unterrichtsgespräch kann dadurch in die falsche Richtung gelenkt werden. Die eigentliche Dichtung gerät leicht außer Blick. Vorteilhaft ist, dass diese Methode bei nahezu allen Texten, besonders auch bei schwer verständlichen, angewendet werden kann.
3
2. Zergliedern des Textes
Die Teile des Textes werden nacheinander systematisch behandelt, meist durch Lehrerfrage-Schülerantwort. Eine detaillierte Planung des Unterrichts- ablaufs durch den Lehrer/in ist möglich und auch nötig. Auf Grund der ge- nauen Planung, besteht jedoch die Gefahr, dass die Analyse innerhalb eines starren Schemas bleibt, das nicht jeder Dichtung gerecht wird.
3. Freies Besprechen
Nach dem Einhören oder Einlesen erfolgt eine im Einzelnen ungeplante Besprechung des Textes. Die Gefahr einer Zerstückelung des Textes und auch die der Fehlplanung, wie sie bei den bereits vorgestellten Methoden vorhanden ist, werden hier umgangen. Ein Kritikpunkt ist, dass durch das freie ungeleitete Besprechen der eigentliche Kern der Dichtung von den Schüler/innen nicht erfasst wird.
4. Erlesen/ Ersprechen
Dieses Verfahren eignet sich besonders gut bei dramatischer und emphatischer 4 Literatur. Beim Ausfeilen der Lese- und Vortragstechnik werden technische Fragen des Gestaltens zu Sinnfragen.
5. Vorgestalten (Antizipation) 5
Der Hinweis auf das Thema soll bei den Schüler/innen zu Überlegungen führen, wie das Werk gestaltet sein mag. Die Annahmen der Schüler/innen werden anschließend in gemeinsamer Arbeit am Text überprüft.
6. Selbstständiges Erarbeiten
Diese Vorgehensweise ähnelt dem freien Besprechen. Die Dichtung wird nach dem Einhören oder dem Einlesen besprochen, wobei sich der Lehrer/in weitgehend zurückhält. Die Schüler/innen gehen beim Besprechen jedoch nach einem vorher eingeübten Schema vor, das wiederum sehr starr ist.
Nach Helmers kommt es in der Praxis zu einer Vermischung dieser Methoden, die auch im gegenwärtigen Literaturunterricht noch ihre Berechtigung haben, auch wenn sie durch handlungs- und produktionsorientierte Verfahren ergänzt wurden. Man muss außerdem sagen, dass einige dieser Methoden den produktiv-kreativen Verfahren schon sehr nah sind, z.B. die sogenannte Antizipation, bei der die Schüler/innen in die Situation des “literarischen Machens” versetzt werden. Auf diese Weise wird bei ihnen ein kreatives Interesse geweckt - ein Ansatz aus dem Konzept des handlungs- und produktionsorientierten Unterrichts.
4 gemeint ist beispielsweise Lyrik, die besonders ausdrucksstark ist und mit Nachdruck vorgetragen werden sollte 5 Vorwegnahme von zukünftigem Geschehen
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Hendrikje Schulze, 1999, Zum handlungs- und produktionsorientierten Umgang mit Texten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
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