Inhaltsverzeichnis
1. Einführung Grundthesen 02
2. Wichtigste Theoretiker: Barnard Simon March 04
3. Anreiz-Beitragsmodell der Motivation 05
3.1. Definition Organisation 05
3.2. Anreize in Organisationen 07
4. Begrenzte Rationalität und befriedigende Lösungen 07
4.1. Entscheidungsverhalten in Organisationen 08
4.2. Homo organisans 09
5. Diskussion 10
5.1. Macht in Organisationen 10
5.2. Informalität in Organisationen 11
5.3. Schluss 14
1. Einführung Grundthesen
Diese Hausarbeit soll zunächst die wichtigsten Grundtheoreme der verhaltens
wissenschaftlichen Entscheidungstheorie darlegen und sie in einem zweiten Schritt
diskutieren. Die Diskussion wird der Frage nachgehen inwiefern die Kategorie Macht
in diesem speziellen organisationstheoretischen Ansatz einen Platz hat und welche
Rolle Macht in Organisationen allgemein spielen könnte. Dabei geht es speziell um
den Zusammenhang von Machtprozessen und Informalität und die Frage inwiefern
diese spezielle Rationalität des Informalen eventuell ein „notwendiges Übel“ für das
gute Funktionieren einer Organisation ist
Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie gilt als eine der wichtigsten
umfassenden Organisationstheorien und stützt sich maßgeblich auf die Arbeiten von
Barnard Simon und March 1 Historisch betrachtet bricht die verhaltenswissen
schaftliche Entscheidungstheorie speziell mit dem Ansatz und der Doktrin der
neoklassischen Theorie von Organisationen. In Frontstellung zu der in der
Entsehungszeit der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie
vorherrschenden Lehrmeinung der Neoklassik und ihrem Konzept des homo
oeconomicus ist die verhaltenswissenschaftliche Organisationstheorie vor allem eine
1 Vgl. Bogumil Schmid S 33
2
Entscheidungstheorie. Im Mittelpunkt ihrer Analyse(n) stehen demnach die Entscheidungsprozesse in Organisationen. Damit kann im Umkehrschluss auch festgestellt werden: Organisationen bestehen hauptsächlich aus Entscheidungen. Des weiteren wird davon ausgegangen, dass Entscheidungsprozesse die Resultate von menschlichem Handeln sind. Deshalb sind die zwei zentralen Fragestellungen in einer verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie:
1. Wie fällen Individuen Entscheidungen?
2. Wie beeinflussen Organisationen das Entscheidungsverhalten von Individuen?
Da der Erfolg einer Organisationen damit maßgeblich vom Entscheidungsverhalten seiner Mitglieder abhängt, werden die motivationalen und kognitiven Kapazitäten der Organisationsmitglieder untersucht. Der motivational geprägte Teil der Untersuchung stellt die Frage: Warum tun Organisationsmitglieder was für ihre Organisationen? Warum schließen sie sich einer Organisation überhaupt an? Der kognitiv geprägte Teil der Untersuchung stellt die Frage: Wozu sind die Organisationsmitglieder fähig? Was können sie, und was können sie nicht leisten? Die verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie geht für diese beiden Fragstellungen von Folgendem aus: Bezüglich der motivationalen Fähigkeiten wird davon ausgegangen, dass die Bereitschaft des Individuums, sich in einer Organisation zu engagieren, grundsätzlich begrenzt ist. In Bezug auf die kognitiven Fähigkeiten wird davon ausgegangen, dass Menschen nur über begrenzte Fähigkeiten zur Informationsverarbeitung verfügen. 2 Diese beiden Grundannahmen resultieren in zwei wichtigen zentralen Theoremen, die in eigenen Kapiteln dargelegt werden, daher sollen hier zunächst nur die Grundthesen genannt sein.
Wenn gilt, dass die motivationalen Kapazitäten eines Organisationsmitgliedes grundsätzlich begrenzt sind, sollte nach Möglichkeit ein Gleichgewicht von Anreizen und Beiträgen geschaffen werden. Die Frage nach der idealen motivationalen Lösung wird im sogenannten Anreiz-Beitragsmodell der Motivation verhandelt. (Siehe Kapitel 3.) Die Feststellung, dass Menschen nur über begrenzte Möglichkeiten zur Informationsprozession verfügen, mündet in dem Konzept der begrenzten Rationalität (bounded rationality) und dem Konzept der befriedigenden Lösungen
2 Vg. Bogumil/Schmid, S. 33.
3
(satisficing). 3 Den beiden letzteren Konzepten liegt eine kognitionspsychologische Theorie bezüglich des Menschen zu Grunde, die in Kapitel 4. ausgeführt wird.
2. Wichtigste Theoretiker: Barnard / Simon / March Bevor die wichtigsten Theorien nun näher erläutert werden, sollen zunächst noch die drei wichtigsten Begründer und Wegbereiter der verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorie erwähnt und eingeführt werden.
Chester Barnard war US-Amerikaner und lebte von 1886 bis 1961. Hauptberuflich war Barnard als Manager tätig, er hatte also einen starken Bezug zur Praxis und zu praktischen Problemen. Nebenher gelang ihm die Begründung einer eigenen, neuartigen Organisations- und Managementtheorie. Diese ging der zentralen Fragestellung nach, was denn eigentlich die wichtigsten Führungsprobleme in Organisationen seien. Bei seinen Untersuchungen bemerkte er immer wieder starke Defizit in der herkömmlichen Theoriebildung, da sie grundsätzlich nicht-ökonomische Interessen und Prozesse in Organisationen ausklammerte. Konträr dazu schlug Barnard eine Fokussierung auf subjektive Elemente und informelle Prozesse in Organisationen vor und strebte so die Herausarbeitung gemeinsamer Merkmale aller möglichen Organisationsformen an. 4 Herbert A. Simon (geboren 1916) hingegen war in seiner Position als Wirtschafts-und Verwaltungswissenschaftler ein klassischer Mann der Wissenschaft. Heute gilt er als einer der Begründer der Disziplin verhaltenswissenschaftliche Entscheidungs-theorie. Im Jahre 1978 erhielt er den Nobelpreisträger in der Kategorie Wirtschaftswissenschaften für seine mathematischen Modelle zur Theorie und Computertechnologie rationaler Problemlösungsverfahren. Simon kritisierte, ähnlich wie Barnard zuvor auch, die einfachen Nutzenmaximierungsmodelle in der Mikroökonomie und setzte sein Konzept der bounded rationality dagegen. Interessant ist außerdem, dass Simon als einer der ersten Forscher im Bereich der KI (Künstliche Intelligenz) zu gelten hat. Hier verfolgte er das ehrgeizige Ziel, Managemententscheidungen dem Computer anvertrauen zu können. 5 Als dritter im Bunde soll James G. March erwähnt sein, der die von Simon entwickelten Theorien fortführte. March entwickelte das Konzept der organisierten Anarchie und das berühmte garbage-can Modell. Er bezeichnet das gemeinsame
3 Vgl. Bogumil/Schmid, S. 34.
4 Vgl. Bogumil/Schmid, S. 34.
5 Vgl. Bogumil/Schmid, S. 35.
4
Feindbild aller verhaltenswissenschaftlichen Entscheidungstheorien, die Theorie des ausschließlich nach vernünftigen Kriterien handelnden Menschen, die etablierte Kirche der Sozialwissenschaften. Seine eigene Forschungsrichtung tituliert er folgerichtig als eine abtrünnige Sekte. 6 Zwei der berühmtesten Theoriemodelle dieser „abtrünnigen Sekte“ werden nun folgend dargestellt.
3. Anreiz-Beitragsmodell der Motivation von Organisationsmitgliedern
3.1. Definition Organisation
Um das von Barnard entwickelte Anreiz-Beitragsmodell der Motivation in Organisationen verstehen zu können, muss zunächst untersucht werden, was denn nach Barnards Definition überhaupt eine Organisation ist. Zu diesem Zweck wird die Frage gestellt, ob es allgemeingültige Charakteristika bzw. Elemente aller möglichen Organisationsformen gibt. Barnard geht davon aus, dass Organisationen nicht primär aus Menschen, Maschinen oder Orten bestehen, sondern dass das entscheidende Charakteristikum von Organisationen die Vorhandenheit von Handlungen, von koordinierten menschlichen Aktivitäten ist. Folgerichtig lautet die Grundannahme dann auch: Organisationen bestehen aus Handlungen, bzw. sie sind „ein System bewusst koordinierter persönlicher und sozialer Handlungen und Kräfte“, bzw. „immer ein unpersönliches System koordinierter menschlicher Anstrengungen“. 7 Demnach formieren Menschen, die in einem gemeinsamen System bewusst, absichtsvoll und zweckgebunden Handlungen vollziehen, eine Organisation. Zu Beachten ist aber, dass dieses Handlungsnetzwerk anderen Regeln als ein einzelner Mensch folgt. Deshalb kann unterschieden werden zwischen organisationalen und menschlichen Bedürfnissen und Zielen. 8 Was sind also die wesentlichen Elemente einer formellen Organisation? Barnard definiert diese wie folgt: „(...) stets gibt es einen Zweck als koordinierendes und verbindendes Prinzip; immer auch die unentbehrliche Fähigkeit zur Kommunikation; immer ist die persönliche Bereitschaft eine Bedingung der Wirksamkeit und der Leistungsfähigkeit, als des Vermögens der Organisation, einen verbindlichen Zweck zu setzten und kontinuierliche Mitwirkung zu gewährleisten.“ 9
6 Vg. Bogumil/Schmid, S. 35/36.
7 Barnard, zitiert nach Bogumil/Schmid, S. 36.
8 Vgl. Bogumil/Schmid, S. 36/37.
9 Barnard, zitiert nach Bogumil/Schmid, S. 37.
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Caspar Borkowsky, 2003, Verhaltenswissenschaftliche Entscheidungstheorie - Eine Diskussion im Bezug auf die Kategorien Macht und Informalität, Munich, GRIN Publishing GmbH
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