0. Einleitung. 3
1. Theoretischer Rahmen 3
1.1. Das Verhältnis zwischen Lexikon und Universalgrammatik. 3
1.2. Welche Informationen enthalten die lexikalischen Einheiten? 4
1.3. Formaler Aufbau lexikalischer Einheiten 4
1.4. Lexikalische Einheiten als Regeln 5
2. Praktischer Teil. 7
2.1. Aufbau der Lexikoneinträge zu den russischen Verben otkryvat /otkryt und
otkryvat sja/otkryt sja im “Slovar’ sovremennogo russkogo literaturnogo jazyka 7
2.1.1. Zwei einführende Anmerkungen 7
2.1.2. Grundschema für den Artikelaufbau. 7
2.2. Bedeutungsanalyse. 9
2.2.1. otkryvat /otkryt 9
2.2.2. otkryvat sja/otkryt sja. 14
3. Zusammenfassung 16
Literaturverzeichnis 18
3
0. Einleitung
Thema meiner Hausarbeit ist die Rolle der Syntax bei der Laut - Bedeutung - Zuordnung. Mein Beitrag besteht aus zwei Teilen.
Im ersten, theoretischen Teil werde ich anhand des Aufsatzes von Manfred Bierwisch “Lexikon und Universalgrammatik” 1 den modernen Forschungsstand zum Thema Lexikon abreißen, indem ich Fragen nachgehe wie in welcher Beziehung das Lexikon und die Universalgrammatik zueinander stehen, welche Informationen die Lexikoneinheiten beinhalten und wie sie aufgebaut sind, sowie welche Prinzipien es im Lexikon gibt.
Im zweiten Teil meiner Arbeit analysiere ich den Aufbau zweier traditioneller Lexikoneinträge, nämlich die für die russischen Verben otkryvat‘/otkryt‘ und otkryvat‘sja/otkryt‘sja im “Slovar’ sovremennogo russkogo literaturnogo jazyka” 2 und vergleiche anschließend die darin aufgeführten Bedeutungen mit den im Seminar herausgearbeiteten.
1. Theoretischer Rahmen
1.1. Das Verhältnis zwischen Lexikon und Universalgrammatik
Die Begriffe Lexikon und Universalgrammatik beziehen sich auf zwei verschiedene Aspekte der natürlichen Sprache, die nur im Zusammenhang Spracherwerb und Sprachverhalten erlauben. Unter Universalgrammatik (UG) versteht man das sprachübergreifende, generelle Sprachsystem, das allgemeine Organisationsschema, das das Grundgerüst natürlicher Sprachen ausmacht. Das Wissen vom generellen Aufbau und der Funktion der Sprache ist dem Menschen angeboren, was mit dem problemlos verlaufenden Erstspracherwerb zu beweisen ist. Im Unterschied dazu steht der Begriff Lexikon für die „Gesamtheit der Einzelkenntnisse, der Besonderheiten und Idiosynkrasien” 3 jeder einzelnen natürlichen Sprache. Lexikalisches Wissen ist somit als einzelsprachliches Wissen aufzufassen.
Diese zwei Aspekte natürlicher Sprachen hängen essentiell zusammen, auch wenn sie gewissermaßen komplementär zueinander stehen. In seinem Aufsatz zeigt Bierwisch, dass nicht jede beliebige Kombination von idiosynkratischen Elementen und Merkmalen eine Lexikoneinheit sein kann, sondern nur solche, die die von der UG vorgeschriebenen Regeln erfüllen. Anders ausgedrückt, die Arbitraritäten und Zufälligkeiten, die das Wesen des Lexikons ausmachen, müssen immer im von der UG vorgegebenen Rahmen liegen. Andererseits können aber die UG-Prinzipien nur dann wirksam werden, wenn sie mit lexikalischem Material ausgefüllt werden, auf Grundlage dessen sie operieren können.
Bierwisch fasst den Zusammenhang zwischen diesen zwei Aspekten der natürlichen Sprache in Kantscher Weise folgendermaßen zusammen: „UG ohne Lexikon ist leer, das Lexikon ohne UG ist blind (oder bloßes Chaos)“. 4
Zwischen Lexikon und UG besteht weiterhin auch ein formaler Zusammenhang: Die Prinzipien der UG bestimmen den Aufbau lexikalischen Einheiten, sowie auch die Regeln, Bedingungen und Restriktionen für deren Verknüpfung zu komplexen Strukturen.
1 Bierwisch 1996, 129-165
2 Černišev (glav. red.), 1950-1965, 1417-1427
3 Bierwisch 1996, 130
4 ders., 130
4
Lexikoneinheiten und komplexe sprachliche Ausdrücke sind vom Format her gleich strukturiert. Dabei folgt der von der UG determinierte Aufbau lexikalischer Einheiten direkt aus der Struktur komplexer Ausdrücke, und umgekehrt wird die Struktur dieser komplexen Ausdrücke, die nach den Prinzipien der UG aus den lexikalischen Einheiten gebildet werden, von der Information bestimmt, die in den lexikalischen Einheiten enthalten ist. 5
1.2. Welche Informationen enthalten die lexikalischen Einheiten?
Im Lexikon stehen primär Informationen über die spezifischen Eigenschaften der einzelnen Einheiten in Bezug auf Lautform, Bedeutung und grammatische Klassifizierung. Dabei bedarf der Normalwert einer Eigenschaft (der Regelfall nach der Markiertheitstheorie) keiner Kennzeichnung und bleibt unmarkiert. Eine lexikalische Einheit enthält also nur Informationen über Abweichungen vom Regelfall.
Bierwisch verdeutlicht dies unter anderem am Beispiel der Einheit an, deren spezifischen Eigenschaften darin bestehen, dass sie „eine Präposition ist, den Akkusativ oder Dativ regiert, mit einem offenen, hinteren Vokal bekinnt und eine Kontaktbeziehung bezeichnet“. 6 Nach der Markiertheitstheorie ist aber der Vokal a gegenüber allen anderen Vokalen der unmarkierte Fall, weshalb an für den ersten Laut ihrer phonetischen Struktur nur mit dem Merkmal [vokalisch] gekennzeichnet werden muss, wohingegen in mit den Merkmalen [vokalisch, hoch]. Die lexikalischen Einheiten enthalten also die spezifischen, idiosynkratischen Eigenschaften einer Sprache, die sich nicht aus allgemeinen Regeln ableiten lassen, also nicht vorhersagbar sind. 7
1.3. Formaler Aufbau lexikalischer Einheiten 8
Die lexikalischen Einheiten bestehen aus drei Teilkomplexen: (a) Phonetische Form PF(E) der Einheit E; (b) Semantische Form SF(E) der Einheit E; (c) Grammatische Form GF(E) der Einheit E.
Jeder Teilkomplex besteht aus Grundelementen - phonetischen, semantischen, grammatischen Merkmalen oder Einheiten - die nach den Prinzipien der UG miteinander verknüpft werden:
• PF(E) ist eine Kette linear verknüpfter phonetischer Merkmale;
• SF(E) ist eine aus Konstanten und Variablen bestehende Struktur, die die begriffliche Interpretation sprachlicher Ausdrücke bestimmt;
• GF(E) besteht aus syntaktischen und morphologischen Merkmalen und determiniert die grammatische Struktur komplexer Ausdrücke.
5 Vgl. dazu ders., 135-136.
6 ders., 133, Rechtschreibfehler „bekinnt“ wegen wörtlichen Zitats
7 Vgl. dazu ders., 134: (10) Die lexikalischen Einheiten enthalten alle und nur die idiosynkratischen Spezifikationen einer Sprache.
8 Diesen Abschnitt entnehme ich mit einigen Veränderungen Bierwisch 1996, 135-137.
5
Beispiel: Die Datenstruktur der Präposition bei 9 :
Erklärung:
Die PF(E) stellt die redundanzfreie Kette phonetischer Merkmalen dar. Die GF(E) hat zwei Teilkomplexe:
1. [-V, -N, -Dir] klassifiziert bei als nichtdirektionale Präposition; 2. λx und λy definieren die syntaktischen Aktanten (mit Komplementenstatus) der Präposition. Die SF(E) ist folgendermaßen zu lesen: Die Variable y ist in der unmittelbaren Umgebung der Variable x lokalisiert.
Nach dem generativistischen Modell der Grammatik bilden die Phonetische und die Semantische Form lexikalischer Einheiten „Schnittstellen“ des Sprachsystems mit zwei potentiell unendlichen Systemen mentaler Repräsentationen: Die PF(E) korrespondiert mit dem artikulatorischperzeptiven und SF(E) mit dem begrifflich-intentionalen System. Die Zuordnung zwischen den Elementen der beiden Systeme erfolgt auf der Ebene der GF(E), indem die kombinatorischen Eigenschaften von E determiniert werden - die morphologische Klassifizierung von E und ihre Argumentenstruktur. Diese zwei „Schnittstellen“ und ihre Korrespondenz werden als Mindestbedingungen für die begriffliche Erfassung der Sprachfähigkeit angesehen (Minimalistisches Programm der linguistischen Theorie). Bierwisch fasst diese Mindestbedingungen folgendermaßen zusammen:
(a) Systematischer Zugriff auf die Repräsentationen in A-P 11 , repräsentiert auf der Ebene der Phonetischen Form PF;
(b) Systematischer Zugriff auf die Repräsentationen in C-I 12 , repräsentiert auf der Ebene der Semantischen Form SF;
(c) Kombinatorische Abbildung der Strukturen von PF und SF, gesteuert durch die Grammatische Form GF. 13
1.4. Lexikalische Einheiten als Regeln
Es wurde bereits erläutert, dass die lexikalischen Einheiten systematisch organisierte, jedoch aber idiosynkratische Informationen liefern, die sich nicht aus den allgemeingültigen Prinzipien der UG ableiten lassen. Trotzdem funktionieren sie selbst als eine Art lokaler Regeln, die die Zuordnung zwischen Lautform und Bedeutung sprachlicher Ausdrücke definieren. In Anlehnung an Jackendoff skizziert Bierwisch das allgemeine Schema davon, wie der Regelcharakter lexikalischer Einheiten funktioniert (Allerdings nur bezogen auf die Verbindung von Köpfen mit Komplementen, nicht aber mit Adjunkten). Ausgangspunkt dazu sind die in der GF enthaltenen
9 ders. ,135
10 Anmerkungen zu den Symbolen: [±V] = verbal, [±N] = nominal - kategoriale Merkmale λx, λy - Lambda-Operatoren, zeigen Argumentstellen an x, y - Variablen
LOC = lokalisiert, PROX = Proximität, Nähe
11 artikulatorisch-perzeptives System
12 begrifflich-intentionales System
13 ausführlichere Erklärungen dazu bei Bierwisch 1996, 136-137
Arbeit zitieren:
M.A. Adriana Slavcheva, 2003, Rolle der Syntax bei der Laut-Bedeutung-Zuordnung, München, GRIN Verlag GmbH
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