Inhaltsverzeichnis:
Deutungen der Gleichnisse 2
Gleichnisse in Schulen 4
Stationen der Gleichnisdidaktik 5
Gleichnis als Erzählung 6
Die symbolische Sprache 7
Gleichnis als Metapher 8
Gleichnis als Spiel 11
Eigene Meinung 13
Anhang :
Die Arbeiter im Weinberg (Matth. 20,1-16) 14
Gottes Strafe für David 2 Sam 12,1-7 14
Die Arbeiter im Weinberg (Matth. 20,1-16) 15
Literaturverzeichnis S. 16
1
Deutungen der Gleichnisse:
Im Neuen Testament, besonders in den synoptischen Erzählungen, gibt es ca. 40 Gleichniserzählungen. Damit verkündet Jesus das Reich Gottes, was zu seiner Zeit eine gängige Methode der Rabbinen war. Den Hörern war dies nicht fremd. Im letzten Jahrhundert haben die Exegesen die Gleichnisse Jesu genauer untersucht und sind bei ihrer Auslegung zu verschiedenen Standpunkten gekommen. Adolf Jülicher spricht von einer Bild- und Sachhälfte der Gleic hnisse. Im Vergleichspunkt (tertium comparationis) stimmen sie überein. Aus Erfahrungen können die Hörer und Hörerinnen zustimmen. Joachim Jeremias schreibt: „Gleichnisse sind nur zu verstehen, wenn ihre historische Situation rekonstruiert wird, in die hinein sie gesprochen wurden. Jedes Gleichnis ist also situationsverhaftet. Wohl kann man Bild- und Sachhälfte unterscheiden.“ 1 So bemerkt Jeremias, dass die Hörer und Hörerinnen zur Zeit Jesu aufgrund der Bildhälfte wussten, um was es geht. Als man später den Hintergrund nicht mehr wusste, fügte man die Sachhälfte mit ein. Das Beispiel von den Arbeitern des Weinbergs (Mt 20,1-10) reichte den Menschen zu verstehen, dass es bei Jesus nicht um den Lohn geht, was und wie viel jeder gearbeitet hat, sondern um die Güte und die Liebe, die ein wichtiger Bestandteil im Leben der Menschen sind, um ins Re ich Gottes zu gelangen.
Die neuere Gleichnisforschung, besonders unter Hans Weber, zieht vor, die Gleichnisse Jesu mit Hilfe der Tiefenpsychologie zu deuten. „Hier geht es darum, wie ein Text auf die jeweilige Leserin, den Leser wirkt, inwiefern das Gesagte sich im eigenen Leben wiederfindet und damit für das persönliche deutend und bedeutsam ist.“ 2 Die Gleichnisse sollen die Erfahrungen des täglichen Lebens wieder spiegeln. So begegnet Paul Ricoeur, dass die Leser in eine Geschichte verstrickt werden und sie sich meistens selbst darin wieder finden. Dies führt wiederum dazu, dass für die betroffene Person Fragen aufkommen. Gleichnisse darf man aber nicht als abstrakte Wahrheiten herabsetzen, sie „provozieren zur Stellungnahme, zu Zustimmung oder Widerspruc h. Sie zielen auf eine ,Umkehr der Einbildungskraft’“ 3 für die Leser bzw. Leserinnen.
1 Spuren, Arbeitshilfen für einen ganzheitlichen Religionsunterricht an Förderschulen. Jesus bringt die Botschaft
vom Reich Gottes, Bis chöfliches Schulamt der Diözese Rottenburg/Stuttgart und IRP Freiburg, 1996, S. 5
2 Ebd. S. 5
3 Ebd. S. 5
2
Gleichnisse in Schulen
Jetzt stellt sich die Frage, in wieweit es sinnvoll ist, Gleichniserzählungen in Primar- oder Sekundarstufen bzw. Kindern zu unterrichten. In der religionspädagogischen Ausbildung bekommen künftige Religionslehrer eine relativ genaue didaktische Orientierung über Gleichniserzählungen, welche sie in der Praxis umzusetzen versuchen. Aber oft kommt es vor, dass Le hrer und Schüler durch die religiöse Entwicklung und durch den persönlichen religiösen Werdegang andere Verständnisse haben, die Heilige Schrift auszulegen. Dazu tritt die Schwierigkeit auf, dass beide Parteien aneinander vorbeireden. Während der Lehrer den Allgemeinbezug auf die Gleichnisse rekonstruiert, stellen sich die Schüler/Schülerinnen alles in bildha fter Phantasie vor, weil es für diese eben nur Geschichten sind, die aus dem Handeln Jesu erzählt wurden. Das Beispiel von Mt 20 im Auge behaltend, setzen die Kinder Jesus oder den Himmlischen Vater als Gutsherrenbesitzer ein. So lautet für sie die Geschichte: Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer Namens Jesus. Jesus verließ früh am Morgen sein Haus, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Jesus einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging Jesus wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Jesus sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging Jesus wieder auf den Markt und macht es ebenso. Als Jesus um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Jesus sagte zu ihnen: Was steht ihr so herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte Jesus zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte Jesus zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahl ihnen den Lohn aus, angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die Jesus um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar. Da begannen sie, übe den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ga nzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte Jesus einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebensoviel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir
3
gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich zu anderen gütig bin? So werden die Letzen die Ersten sein und die Ersten die Letzten.
Stationen der Gleichnisdidaktik
Durch das große Werk „Die Gleichnisreden Jesu“ von Adolf Jülicher wird dieses Thema „Gleichnisse“ bis auf den heutigen Tag debattiert. Vieles geht noch auf diesen Autor zurück, und es beeinflusst auch die heutige wissenschaftliche Welt. Selbst die Anweisungen, wie mit ihnen im Unterricht zu handhaben sind, stehen unter der Theorie Jülichers. Er entwickelte die schon oben erwähnte Bildhälfte und Sachhälfte und hob dadurch „das Gleichnis als metaphorische Sprache von der Allegorie ab...“. 4
Jülicher zu Folge hat Jeremias die Handhabung der Gleichnisse im Unterricht korrigiert. Er möchte eine starke historische Begutachtung der Gleichnisse, um auf den historischen Jesus aufmerksam zu machen. Jeremias ist der Auffassung, dass die Gleichnisse Jesu aus dem historischen heraus gebildet wurde. Das bedeutet, dass sie aus dem Zusammenhang der Gespräche Jesu mit seinen Jüngern bzw. Menschen an einem bestimmten Ort rekonstruie rt werden. Die Aufgabe der Forschung sei es, das Historische zurückzugewinnen „und die einmalige Situation im Leben des historischen Jesus sowie den Sitz des Gleichnisses im Leben und Denken der Urkirche“ 5 zu beachten.
Eta Linnemann hat durch ihre zwanzigjährige Forschungsarbeiten die schulische Arbeit mitbestimmt. Sie bemerkt, dass die Gleichnisse Jesu auf eine bestimmte historische Begegnung Bezug nehmen. Der Ausleger solcher Gleichnisse müsste über den Ursprung solcher Gleic hnisse nachdenken und reflektieren. Auch früher gab es eine große Distanz zwischen dem E rzähler und dem Zuhörer. Der Hörer hatte eine andere Vorstellungs- und Interpretationsgabe wie der Erzähler selbst. Die Wirksamkeit des Gehörten wurden so zu Tage gelegt und auch dementsprechend verfasst. Bei den heutigen Kindern ist es ähnlich. Und wenn wir all das bedenken, stellt sich die Frage, ob es wirklich gut wäre, Gleichnisse in der Primar- oder Sekundarstufe zu behandeln. Aber im Laufe der Zeit hat sich das Bild des Übermittelns gewandelt und didaktische Theorien für welche Alterstufe auch immer, geschaffen.
4 Hubertus Halbfas, Religionsunterricht in der Grundschule, Lehrerhandbuch 3, Düsseldorf 1985, S. 542
5 Ebd. S. 543
4
Arbeit zitieren:
Thomas Zeitler, 2001, Die Parabel von den Arbeitern im Weinberg - Gleichnis und Kind, München, GRIN Verlag GmbH
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