Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung 1
2. Leopardis Konversionen und Lebenseinstellungen. 2
3. Dialogo di Cristoforo Colombo e di Pietro Gutierrez 5
3.1 Die Figuren Christoph Kolumbus und Pietro Gutierrez 5
3.2 Zur Operetta. 6
3.2.1 Aufbau und Struktur 6
3.2.2 Inhaltliche Analyse. 7
3.2.2.1 Die drei grundlegende Momente 7
3.2.2.2 Der Aspekt des Risikos und der Liebe zum Leben. 8
3.2.3 Sprachliche Analyse 10
3.2.3.1 Die Bedeutung des Lebens 10
3.2.3.2 Die Bedeutung speranza im Dialog. 10
3.2.3.3 Begriffsfeld der Spekulation. 10
3.2.3.4 Gegenüberstellung von Wissen und Zweifel. 11
3.2.3.5 Das Konzept des Unbekannten 12
3.3 Bezug auf die "Geschichte Amerikas" von William Robertson. 12
3.4 Kolumbus bei Leopardi. 14
4. Il Copernico, Dialogo. 16
4.1 Die Figur Nikolaus Kopernikus 16
4.2 Zur Operetta. 16
4.2.1 Aufbau und Struktur 16
4.2.2 Inhaltliche Analyse. 17
4.2.2.1 1. Szene: Die erste Stunde und die Sonne. 17
4.2.2.2 2. Szene: Kopernikus auf der Terrasse seines Hauses. 18
4.2.2.3 3. Szene: Die letzte Stunde und Kopernikus 18
4.2.2.4 4. Szene: Kopernikus und die Sonne 19
4.3 Kopernikus bei Leopardi 22
5. Schluß 22
6. Bibliographie 25
6.1 Primärliteratur 25
6.2 Sekundärliteratur 25
Giacomo Leopardi: Dialogo di Cristoforo Colombo e Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo 1
1. Einleitung
In seinen Operette morali 1 greift Giacomo Leopardi immer wieder auf die Mythologie, die Geschichte, die Legende oder seine Phantasie und Erfahrungen zurück. In der vorliegenden Arbeit sollen die Operette Dialogo di Cristoforo Colombo e di Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo analysiert werden. Ziel ist es dabei, die von Leopardi verwandten Anlehnungen an und seine Einstellungen zu verschiedenen Themen herauszuarbeiten. In diesem Zusammenhang dient das zweite Kapitel über die Konversionen und Lebenseinstellungen des Autors, in dem lediglich die wichtigsten, für die Analyse der beiden Dialoge relevanten Punkte aufgezeigt werden sollen, als Grundlage für die Untersuchung. Dabei werden in erster Linie Leopardis pessimismo storico, sein pessimiso cosmico und die darin inbegriffene ablehnende Haltung gegenüber der fortschreitenden Zivilisation hervorgehoben. Die Abhandlung beider Dialoge erfolgt nach einem ähnlichen Konzept. Zunächst werden die Protagonisten vorgestellt, das heißt, da es sich um historische Figuren handelt, erfolgt eine kurze Beschreibung ihres Lebenslaufes. Anschließend widmet sich die Arbeit der konkreten Analyse der jeweiligen Dialoge, beginnend mit einer Darstellung ihres Aufbaus und ihrer Struktur. Darauf folgt eine inhaltlich Betrachtung, die sowohl den Inhalt der Dialoge wiedergibt als auch genauer auf die Bedeutung bestimmter Passagen eingeht. Dabei soll vor allem die Verbindung zu Leopardis Lebenseinstellungen, seinen Erfahrungen und seiner Phantasie eingegangen sowie Verweise auf die Mythologie, die Legenden und die Geschichte aufgezeigt werden.
In dem Kapitel über den Dialogo di Cristoforo Colombo e di Pietro Gutierrez findet sich ferner eine sprachliche Analyse und ein Abschnitt über den Bezug auf die "Geschichte Amerikas" von William Robertson. Ersteres hat zum Ziel, die wichtigsten Begriffsfelder des Dialoges und ihre Bedeutung herauszuarbeiten. Eine ähnliche Untersuchung wäre auch für Il Copernico, Dialogo interessant gewesen, jedoch wird in der vorliegenden Arbeit darauf verzichtet, um ihren Umfang zu begrenzen. Aus diesem Grund wird im Kolumbus-Dialog ebensowenig auf das in der Literatur häufig verwendete Motiv des Seefahrens eingegangen.
1 Die Seitenzahlen der Zitate in dieser Arbeit beziehen sich auf Giacomo Leopardi: Operette Morali. A cura di Giorgio Ficara. Milano 1988. (künftig zitiert als Leopardi: Operette, 1988.)
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Giacomo Leopardi: Dialogo di Cristoforo Colombo e Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo 2
Im Anschluß daran erfolgt ein Abschnitt über die Protagonisten bei Leopardi. Hier geht es darum, Parallelen zu anderen Werken und Aufzeichnungen des Autors zu ziehen und seine Einstellung gegenüber seinen Figuren darzustellen. Abschließend werden die wichtigsten Ergebnisse zusammengefaßt. Dabei soll außerdem die Frage geklärt werden, warum Leopardi sich mit Kolumbus und Kopernikus auseinandergesetzt hat und in wie fern die beiden Dialoge seine Einstellung zur Wissenschaft und dem Fortschritt der Zivilisation bekräftigen. Es soll dabei ferner untersucht werden, ob Leopardi mit diesen beiden Dialogen überhaupt seine ablehnende Haltung gegenüber diesen Themen zum Ausdruck bringen wollte und was sie miteinander verbindet.
2. Leopardis Konversionen und Lebenseinstellungen
Giacomo Leopardi wurde 1798 in Recanati geboren. Einige seiner ersten Schriften, wie der Saggio sopra gli errori popolari degli antichi und die Rede Agli'Italiani, die er im Alter von 17 Jahren verfaßte, ließen zunächst seinen noch begrenzten geistigen Horizont erkennen. Er lebte streng religiös, vertrat die Vorstellungen seines Vaters, einer "der mißgünstigsten und kleinlichsten Reaktionäre, den die Restauration hervorgebracht hatte" 2 , sprach sich für den aufgeklärten Absolutismus und gegen die Einheits- und Unabhängigkeitsbestrebungen in Italien aus und kritisierte in seinem Discorso di un italiano alla poesia romantica die Romantik. 3
In seinem Saggio sopra gli errori popolari degli antichi widmet Leopardi mehrere Kapitel der Wissenschaft. Trotz seines damaligen strengen Glaubens nahm er darin eine unvoreingenommene und freche Haltung gegenüber einigen Bereichen der Wissenschaft ein, darunter vor allem die physische Geographie, die Astronomie und die Meteorologie. Leopardi entwickelt daraus sein Prinzip, daß der Gipfel der Weisheit aus der Erkenntnis ihrer Unbrauchbarkeit besteht. Seine späteren Äußerungen zu diesem Thema wurden zu einer antiwissenschaftlichen Polemik. Seine Aversion drückte er jedoch hauptsächlich gegen die Mathematik und die Physik aus. Gleichzeitig war er sich wohl des Einflusses
2 Giuseppe Petronio: Geschichte der italienischen Literatur. Band 2: Vom Barock bis zur Romantik. 1993 Tübingen. S. 340.
3 Vgl. ebd.
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Giacomo Leopardi: Dialogo di Cristoforo Colombo e Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo 3
bewußt, den die wissenschaftlichen Entdeckungen, das Wissen der physischen Welt betreffend, auf die metaphysischen Perspektiven haben. 4 Als Leopardi 18 Jahre alt war, vollzog sich seine erste Konversion hin zur literarischen Poesie. Er selber beschrieb diese Entwicklung als Abwendung von der "Gelehrsamkeit" und Hinwendung zum "Schönen". 1819, als er unter einer schweren Augenkrankheit litt, folgte die philosophische Konversion, in der er nun dem "Schönen" den Rücken kehrte und zum "Wahren", der Philosophie, überging. Er machte damit deutlich, daß sein Augenmerk nicht mehr der Poesie der "Einbildungskraft" galt, die er in seinem Discorso di un italiano, einer Verteidigung der antiken Mythologie mit ihren schönen Fabeln und der Zurückversetzung in die glücklichen Kindertage der Welt, noch bewundert hatte, sondern, daß er sich nun einer Poesie des "Gefühls" verschrieben hatte. 5 Die Poesie des "Gefühls" ist
"piuttosto una filosofia, un'eloquenza, se non quanto è più splendida, più ornata dell'eloquenza della prosa […] giacché il sentimentale è fondato e sgorga dalla filosofa, dall'esperienza, dalla cognizione dell'uomo e delle cose; in somma dal vero, laddove era della promitiva poesia, l'essere ispirata dal falso." 6
In der Zeit zwischen 1821 und 1831 hatte Leopardi eine ablehnende Haltung gegenüber der Kultur und Dichter seiner Zeit entwickelt, eine Auffassung, die er immer wieder im Zibaldone niederschrieb. Ebenfalls während dieser Zeit zeichneten sich bei Leopardi zwei verschiedene Einstellungen zum Leben ab, die sich zum Teil in den Operette überlappen: der pessimismo storico und der pessimismo cosmico. Die Gedichte, die Leopardi zwischen 1818 und 1823 schrieb sowie die 1824 verfaßten Operette waren aus dem pessimismo storico heraus entstanden. 7 Leopardi war unfähig gewesen, sich aufgrund allgemein historischer sowie persönlicher und familiärer Gegebenheiten der Wirklichkeit zu fügen. Durch seine Träume hatte sich eine Kluft zwischen Ideal und Realität aufgetan, die nach einem enttäuschenden Aufenthalt in Rom zwischen November 1822 und Mai 1823 unüberbrückbar geworden zu sein schien. Statt seine Träume zu verwirklichen, hatte ihm die Hauptstadt die Nichtigkeit des Lebens noch deutlicher vor Augen geführt. Dieser Gemütszustand und die
4 Vgl. Alberto Frattini: Letteratura e scienza in Leopardi e altri studi leopardiani. Milano 1978. S.14-21.
5 Vgl. Petronio, S. 341.
6 Giacomo Leopardi: Zibaldone di pensieri. Edizione critica e annotata a cura di Giuseppe Pacella. 1991. Eintrag vom 8. März 1821.
7 Vgl. Petronio, S. 345, 350 f, 359.
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Giacomo Leopardi: Dialogo di Cristoforo Colombo e Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo 4
Tatsache, daß es Leopardi nicht gelang, seine innere Ruhe zu finden, entwickelten in ihm das Gefühl der noia, des Lebensüberdrusses. Er betrachtete dieses Problem nicht als ein individuelles, sondern als das "Problem einer bestimmten Gesellschaft in einer bestimmten Zeit" 8 . Es war also eine soziale und historische Erscheinung. 9 Leopardi war überzeugt, daß die Verderbtheit der Gesellschaft und die fortschreitende Zivilisation der Ursprung des Übels war und die Zersetzung und Entleerung der Welt mit sich brachte. Er erkannte einen Widerstreit von Natur und Vernunft: von Natur aus ist der Mensch glücklich, da sie ihm Empfindsamkeit und Gefühl gibt. Das Glück begründete seiner Meinung nach den Zweck und das Ziel des Menschen, war jedoch nur im Naturzustand erreichbar. Lediglich der Verlauf der Geschichte hatte diesen glücklichen Zustand zunichte gemacht. Er "hat das 'Wahre' an die Stelle des fruchtbaren 'Irrtums' gestellt, hat unsere Illusionen getötet, unser Empfindungsvermögen geschwächt, großherzige Leidenschaft unmöglich gemacht." 10 Als das höchste des Guten betrachtete Leopardi folglich die Ignoranz, während das Wissen das höchste des Schlechten für ihn darstellte. An dem Punkt der Zivilisation angelangt, glaubte er, sei eine Rückkehr zum Naturzustand nicht mehr möglich, lediglich die Vernunft könne dem Menschen helfen, den eigenen Zustand zu ertragen. 11
Er hatte nun erkannt, daß, wenn der Menschen seinen Zweck nicht erfüllen könne, ein tragischer Zwiespalt zwischen seinem natürlichen Streben nach Glück und seiner tatsächlichen Lage bestehe. Somit schien der Mensch zum Unglücklichsein verdammt. Aus dieser Überzeugung, daß das menschliche Leid nicht historisch bedingt sei, sondern im Menschen begründet liege entwickelte sich Leopardis "kosmischer" Pessimismus. Demnach hat der Mensch lediglich eine Möglichkeit, seine Würde und seinen Adel zu bewahren: Er muß mit wachem Geist und beherztem Mut der Realität und dem Schicksal ins Auge sehen, darf sich keinen Illusionen hingeben, darf nicht an der eigenen, vermeintlichen Größe hängen, muß sein Elend hinnehmen und in alledem einen, wenn auch bitteren, so doch heroischen Grund zum Leben finden. 12
"Daher erfaßt Leopardi beim Gedanken an das Leid der Menschen, an die Zerstörung vor allem jugendlicher Hoffnungen und Träume ein brüderliches
8 Ebd. S. 344.
9 Vgl. ebd. S. 343 f, 351.
10 Ebd. S. 344.
11 Vgl. ebd. S. 344, 351 f; und vgl. Frattini, S. 17.
12 Vgl. Petronio, S. 352.
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Giacomo Leopardi: Dialogo di Cristoforo Colombo e Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo 5
Mitgefühl, das ihn sein eigenes wie das Schicksal der anderen beweinen läßt. Gibt sich der Mensch aber Illusionen hin, zeigt er sich unfähig der Wirklichkeit ins Gesicht zu sehen, hängt er an der eigenen Größe und Unsterblichkeit, dann bemüht sich Leopardi mitleidsvoll, doch unbarmherzig, ihm durch Ironie und Sarkasmus die Augen zu öffnen." 13
3. Dialogo di Cristoforo Colombo e di Pietro Gutierrez
3.1 Die Figuren Christoph Kolumbus und Pietro Gutierrez
Christoph Kolumbus (Columbus) wurde 1451 in Genua geboren. Er war ein Genuesischer Seefahrer in spanischen Diensten. Nach Seefahrten unter anderem nach England ließ Kolumbus sich 1479 in Portugal nieder. Dort beschäftigte er sich mit den Theorien über die Kugelgestalt der Erde und dem von Aristoteles, Strabon und Seneca übernommenen Gedanken, daß man in westlicher Richtung nach Indien gelangen könne. Bericht und Karte des Astronomen P. Toscanelli an Johann II. von Portugal bestärkten ihn in seinen Plänen zu einer Westfahrt über den Atlantik. Vom portugiesischen König abgewiesen, fand er schließlich in Kastilien bei Isabella der Katholischen Unterstützung und konnte am 3. August 1492 mit drei Schiffen zu seiner ersten Fahrt aufbrechen. Insgesamt unternahm Kolumbus vier große West-Fahrten, bei denen er unter anderem Kuba, Haiti sowie weite Bereiche Mittelamerikas, die sich bis an den Nordrand Südamerikas erstreckten, entdeckte. Kolumbus glaubte bis zu seinem Tode, Indien erreicht zu haben, daher die Bezeichnung Westindische Inseln und Indianer. Ihm war nie bewußt, daß er einen neuen Erdteil entdeckt hatte. Nach seiner vierten Fahrt kehrte Kolumbus krank nach Spanien zurück, wo er einsam und vergessen 1506 in Valladolid starb. 14 Pietro Gutierrez gehörte zum Hofe des Königs von Aragonien Ferdinand, der Katholische und nahm an der Expedition von Kolumbus teil. 15
13 Ebd. S. 352.
14 Vgl. Meyers Großes Taschenlexikon in 24 Bänden. Band 12. 5. Auflage, Mannheim, Leipzig, Wien, Zürich 1995. S. 65 f.
15 Vgl. Leopardi: Operette. 1988. S. 186.
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Petra Buß, 2005, Leopardi: Dialogo di Cristofor Colombo e Pietro Gutierrez und Il Copernico, Dialogo - Eine Analyse, München, GRIN Verlag GmbH
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