Inhaltsübersicht
1 Sachanalyse
2 Lehr- und Lernziele
3 Lehrplanbezug und Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
4 Didaktische Überlegungen
5 Methodische Überlegungen
6 Literaturangaben
7 Verlaufsplanung
8 Anhang
1 Sachanalyse
Das Unterrichtsthema ,,Unterscheidung kurzer und langer Vokale“ verweist auf das phonologische (oder phonematische) Prinzip, das (neben dem semantischen, dem syntaktischen und dem morphologischen) ein wichtiges Grundprinzip der deutschen Rechtschreibung darstellt. Die besondere Aufmerksamkeit hat hier der Abbildung vokalischer Phoneme (im folgenden der Einfachheit halber, wenn auch nicht ganz korrekt, als ,,Vokale“ bezeichnet) zu gelten.
Die Lautstruktur der deutschen Sprache ist von einem dynamischen Akzent geprägt, der zweifach bedingt ist:
• Den Hauptton trägt, auch in Ableitungen oder Komposita, der Vokal des Grund-morphems (der sog. „Stammvokal“).
• Zwischen kurzen und langen Vokalen in betonter Stellung besteht ein relativ großer phonetischer Unterschied.
Insgesamt sind 18 Vokale zu unterscheiden: kurzes, (offenes) a, e, i, o, u, ö, ü, langes, (geschlossenes) a:, e:, i:, o:, u:, ö:, ü:, langes ä:, außerdem die Diphthonge au, ai und oi.
Für ihre Abbildung stehen nur die fünf Grapheme a, e, i, o, u zur Verfügung (y, das in deutschen Wörtern nicht vorkommt, darf hier vernachlässigt werden), zusätzlich ä, ö, ü und die Graphemverbindungen au, ei, ai, äu, eu. Zur Abbildung von Kürze oder Länge einfacher Vokale stehen keine besonderen Zeichen bereit; bei genauerer Analyse lassen sich jedoch Regelmäßigkeiten in den Abbildungsbeziehungen erkennen.
1. Kurze Vokale werden in der Regel durch den entsprechenden Buchstaben wiedergegeben. Folgt einem betonten Vokal nur ein Konsonant, wird der ihm entsprechende Buchstabe verdoppelt (vgl. herb, aber Herr). An die Stelle von zz und kk treten, von Fremdwörtern abgesehen, tz bzw. ck. Nach dem morphematischen Prinzip bleibt diese Verdoppelung auch dann erhalten, wenn dem Doppelkonsonanten z.B. Flexionsmorpheme folgen (z.B. fallen - fällst). Eine Ausnahme stellen eine kleine Gruppe einsilbiger Wörter (Präpositionen wie an, in; außerdem hat, bin, es, das) und Vorsilben (un-, ver-, zer-) dar, die trotz kurzen Vokals keine Verdoppelung aufweisen, im Kontext jedoch selten in betonter Position vorkommen.
2. Betonte lange Vokale werden in der überwiegenden Zahl der Fälle durch den entsprechenden Buchstaben abgebildet (vgl. Leben, holen).
3. Daneben trägt jedoch ein beträchtlicher Teil unseres Wortschatzes eine zusätzliche Kennzeichnung des langen Vokals:
- In wenigen Wörtern wird er als Doppelvokal (aa, ee, oo) abgebildet.
- Langes i: wird, von wenigen Ausnahmen abgesehen, als ie gekennzeichnet.
- Eine größere Anzahl langer Vokale ist durch -h gekennzeichnet, wobei hier überwiegend eine Regelhaftigkeit zugrunde liegt, die sprachgeschichtlich teilweise auf das grafisch-ästhetische Prinzip zurückzuführen ist und für Schüler weder hilfreich noch durchschaubar sein dürfte. Die in Sprachbüchern manchmal erwähnte Regel: „Dehnungs-h steht vor m, n, r oder l“ weist ebenso Ausnahmen auf (z.B. Samen, wen, verloren, Bär, König) wie die, dass in Grundmorphemen mit sch, ch oder qu kein -h vorkomme (Ausnahme z.B. Schuh). Häufig steht h am Ende von Morphemen, die auf einen langen Vokal enden und trennt damit das Grundmorphem von der nachfolgenden Endung, die mit unbetontem -e beginnt (fliehen, sehen: sog. Trennungs-h).
Dies gilt jedoch überwiegend nicht für Diphthonge (schauen, schreien; aber: Geweih, Reihe); die Rechtschreibreform schafft hier weitere Veränderungen (z.B. rau statt rauh). Aus diesen Beobachtungen sollte der sinnvolle Schluss gezogen werden, dass gerade bei der h-Schreibweise das morphematische und das semantische neben dem phonologischen Prinzip besondere Beachtung finden müssen.
Die regelhaften Lernhilfen, die Schülern zu vermitteln sinnvoll sind, beschränken sich damit auf folgende Aussagen:
1. Nur nach kurzem Vokal steht ein Doppelkonsonant (einschließlich ck, tz). Aus dieser Aussage folgt:
- Nach langen Vokalen steht kein Doppelkonsonant, also auch kein tz oder ck.
- Diphthonge gelten grundsätzlich als lang; ihnen folgt weder Doppelkonsonant noch tz oder ck.
- Einfachen Konsonanten folgt ebenfalls kein Doppelkonsonant, auch kein tz oder ck.
2. Langes i wird, von wenigen zu lernenden Ausnahmen abgesehen (z.B. Tiger, Fibel, Suffixe -in, -ine, -iv, Pronomen ihm, ihn) ie geschrieben.
3. Wörter (und Morpheme) mit -h als Dehnungszeichen müssen eingeprägt und gelernt werden. Besonders sollte man hier auf den Wortstamm und die Bedeutung des Wortes achten.
Die Anwendung dieser Lernhilfen setzt die sichere akustische Differenzierung langer und kurzer Vokale voraus.
2 Lehr- und Lernziele
Die Schüler sollen:
• ihre Fähigkeit zur akustischen Differenzierung schulen
• kurze und lange Vokale durch akustische und sprechmotorische Übungen phonetisch unterscheiden lernen
• durch spielerischen Umgang mit Sprache Einsicht in ihre Regelhaftigkeit anbahnen
• Lernhilfen erkennen und anwenden lernen
• auf visuellem, akustischem, motorischem und haptischem Wege Zugang zur Sprachanalyse finden
• ihre Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit durch Partnerarbeit schulen: üben sich gegenseitig zuzuhören, sich an Spielregeln zu halten
3 Lehrplanbezug und Einordnung der Stunde in die Unterrichtseinheit
Die sichere akustische Unterscheidung kurzer und langer Vokale ist Voraussetzung für das Erkennen und Anwenden von Lernhilfen und Regeln, die im Bildungsplan ausdrücklich aufgeführt werden. Folgende im Bildungsplan erwähnten Inhalte setzen diese akustische Differenzierung voraus:
• Wörter mit aa, ee, oo
• Schreibweise von Wörtern mit kurzem, betontem Selbstlaut; besondere Schreibung von tz und ck
• Schreibweise von Wörtern mit h nach langem betonten Selbstlaut
Arbeit zitieren:
Olaf Schauder, 1998, Unterrichtsstunde: Unterscheidung langer und kurzer Vokale (3. Klasse), München, GRIN Verlag GmbH
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