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1. Die Thematik der Jahreszeiten und des Zufalls 1
2. Der Filmzyklus Contes des quatres saisons 2
3. Conte d’ été. 2
3.1 Abriss der Handlung. 2
4. Conte d'hiver 3
4.1 Abriss der Handlung. 3
5. Vergleichende Filmanalyse Conte d’éte und Conte d’hiver. 4
5.1 Typische filmische Vermittlungsverfahren bei Rohmer. 4
5.2 Inhaltliche Strukturen der Filme. 6
5.2.1 Das Konfliktpotential der Figurenkonstellationen. 7
5.2.2 Die Beziehungen der Figuren untereinander. 7
5.2.3 Die Rolle des Zufalls. 9
5.2.3.1 Die Rolle des Zufalls in Conte d'été 10
5.2.3.2 Die Rolle des Zufalls in Conte d'hiver 11
5.2.3.3 Vergleich der beiden Filme in Anbetracht der Thematik des
Zufalls. 12
5.2.4 Die Thematisierung der Jahreszeiten. 14
6. Interfilmische Bezüge 16
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1. Die Thematik der Jahreszeiten und des Zufalls
Ein typisches Merkmal im Werk von Eric Rohmer ist seine Vorliebe, Filme zu Zyklen zusammenzufassen. Nach den Filmreihen Contes moraux und Comédies et Proverbes, folgte als dritter und vorerst letzter Zyklus Contes des quatres saisons.
Es ist naheliegend, dass hier vier Filme zusammengefasst sind, da dies gewissermaßen durch den Titel gefordert wird.
In der Literatur ist immer wieder die Tendenz zur Thematisierung der vier Jahreszeiten zu finden. Man denke nur an Heines Deutschland- ein Wintermärchen oder Shakespeares Sommernachtstraum und
Wintermärchen, wobei letzteres tatsächlich in Rohmers Conte d’hiver aufgegriffen wird.
Durch die Vorhersehbarkeit der Jahreszeiten, mit der eine leichte Charakterisierbarkeit einhergeht, haben sich in der Literatur, wie auch in der Gemeinsprache standardisierte Metaphern herausgebildet, die auf den säsonalen Ablauf des Jahres Bezug nehmen und dabei topische Bedeutungen entwickeln. Dies ist möglich durch die immerwiederkehrenden Merkmale der Jahreszeiten, die eine solche Standardisierung zulassen: im Frühling schlagen die Bäume aus, im Herbst werden die Blätter bunt. Ganz im Gegensatz zu dieser Vorhersehbarkeit stehen zufällige Ereignisse, deren Eigenschaft eben die Unvorhersehbarkeit darstellt. Der Zufall ist „das Mögliche, das eintritt, aber nicht eintreten muss.“ und geschieht „ohne erkennbaren Grund und ohne Absicht“ 1 Die Contes des quatres saisons spielen sich vor dem festen Hintergrund der Jahreszeiten ab, greifen aber auch das Phänomen des Zufalls auf.
Die filmwissenschaftliche Forschungsliteratur im Zusammenhang mit Rohmer konzentrierte sich bisher hauptsächlich auf die Filmzyklen Contes moraux und Comédies et Proverbes. Dies mag wohl daran liegen, dass Rohmers letzter Zyklus erst vor wenigen Jahren abgeschlossen wurde. Angesichts dieses mangelnden Forschungsstands wurde für die nachfolgende Arbeit wenig Sekundärliteratur verwendet. Als ergänzende
1 Bibliographisches Institut & F.A. Brockhaus AG, 1999 (CD-Rom).
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Lektüre war besonders Les Cahiers du Cinéma hilfreich, wie auch die Aufsatzsammlung Rohmer intermedial 2 .
2. Der Filmzyklus „Contes des quatres saisons“
Welche Rolle der Zufall in Rohmers drittem Filmzyklus Les Contes des quatres saisons einnimmt soll in der foglenden Analyse genauer betrachtet werden. Deren Gegenstand sind im Besonderen die Filme Conte d’été und Conte d’hiver, die im Fortgang unter den Aspekten typischer Vermittlungsverfahren und inhaltlicher Strukturen untersucht werden, wobei auch die Thematik des Zufalls in diesen Filmen berücksichtigt werden wird. Desweiteren soll in die Betrachtung eingehen, inwieweit Eric Rohmer die jahreszeitlichen Bildbereiche in seinen Filmzyklus aufgenommen hat, dessen Titel explizit auf die Abfolge der Jahreszeiten verweist. Zu dem Zyklus Les Contes des quatres Saisons gehören weiterhin die Filme Conte de printemps und Conte d’automne, die hier allerdings nicht vertieft werden sollen.
3. Conte d’été
Der Film Conte d’été, in der deutschen Übersetzung Sommer, wurde 1996 gedreht. Wie so oft bei Rohmer, gibt es auch in diesem Film ein Wiedersehen mit einer Rohmerschen Schauspielerin 3 Amanda Langlet . Sie spielte 14 Jahre vorher die Titelrolle in Pauline à la plage, ebenfalls ein „conte d’été“, wie Rohmer selbst in einem Interview sagte. 4
3.1 Abriss der Handlung
Es ist Mitte Juli und der junge Gaspard, Protagonist des Films, ein eher zurückhaltender Mathematikstudent, der sich gerne der Musik widmet,
2 Selten, Ute/ Rohloff, Volker, Rohmer intermedial, Siegen 2000.
3 Marsilius, Hans-Jörg, „Sommer- Conte d'été „ in: Film-dienst, 12 /1996, S.22.
4 „Entretien avec Eric Rohmer“, in: Cahiers du cinéma, 430/ 1990, S.25.
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verbringt ein paar Tage in Dinard in der Bretagne, um seine Freundin Léna zu treffen. Diese ist jedoch nicht auffindbar, und da er keine Adresse hat, erkundet er allein den Ort und vertreibt sich die Zeit mit seiner Gitarre. Währenddessen lernt er die Studentin Margot kennen, mit der sich langsam und nur durch die Hartnäckigkeit Margots, eine Freundschaft entwickelt. Sie verbringen viel Zeit gemeinsam, wobei sie über die Liebe und Gaspards Kummer debattieren. Da Léna unauffindbar bleibt, versucht Margot den liebeskranken Gaspard auf andere Gedanken zu bringen, indem sie ihn auf ihre Bekannte Solène aufmerksam macht. Als die beiden tatsächlich einen Ferienflirt eingehen, ist sie aber enttäuscht und verletzt. Solène spielt zunächst die Verführerin, verweigert sich dann aber Gaspards tollpatschigen Annäherungen. Zudem taucht auch noch Léna auf, was Gaspard zwar freut, doch zu einer Entscheidung zwischen den beiden Frauen zwingt. Als beide mit ihm verreisen wollen und Gaspard schließlich bemerkt, dass er sich eigentlich in Margot verliebt hat, hilft ihm letztendlich die Nachricht, dass er den Urlaub wegen seiner neue Arbeit schon früher abbrechen muss, aus der Klemme. Gaspard reist daraufhin ab, ohne eine Entscheidung treffen zu müssen.
4. Conte d’hiver
Der Film Conte d’hiver wurde 1992 gedreht und hat seinen Titel von Shakespeares Theaterstück A tale of winter, das im Film selbst aufgeführt wird und die Situation der Protagonistin reflektiert.
4.1 Abriss der Handlung
Die Rohmersche Heldin Félicie trifft während eines Urlaubs in der Bretagne Charles, der für sie der Mann ihres Lebens ist. Es soll nicht bei einem Urlaubsflirt bleiben, also gibt sie ihm bei der Abreise ihre Adresse, die sie in der Aufregung aber falsch aufschreibt. Fünf Jahre später ist Félicie in Paris Mutter einer vierjährigen Tochter, die ihren Vater Charles nur von Fotos kennt. Félicie glaubt aber fest an ein Wiedersehen mit Charles. Die
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Überzeugung, er sei der einzige Mann ihres Lebens, hindert sie daran, neue Beziehungen einzugehen. Ihre Affären sind für sie mit zu vielen Zugeständnisse verbunden, denn sie mag zwar die physische Stärke von dem Friseur Maxence, aber als sie schließlich bei ihm einzieht, ist es ihr doch unangenehm. So verlässt sie ihn, mit dem sie eigentlich in dem kleinen Ort Nevers einen neuen Anfang versuchen wollte. Auch auf den intellektuellen Bibliothekar Loic will sie sich nicht ernsthaft einlassen. Sie sieht ihn lediglich als guten Freund, obwohl er in sie verliebt ist. Letztendlich trifft sie tatsächlich auf Charles, der tatsächlich wieder zu einer Beziehung bereit ist.
5. Vergleichende Filmanalyse Conte d’été und Conte d’hiver
5.1 Typische filmische Vermittlungsverfahren bei Rohmer 5
Rohmer bleibt in den Contes des quatres saisons seinem Prinzip treu, nach dem, wie bereits im antiken Theaters, die Einheit von Ort, Zeit und Handlung gefordert wird. Rohmer nutzt die technischen Möglichkeiten des Kinos nicht aus. Seine Kameraführung ist statisch und es gibt wenige Kamerafahrten.
Dadurch erhält man den Eindruck, von einem Zuschauerraum aus die Akteure beobachten zu können, denn es wird jeglicher Gegenschwenk der Kamera vermieden, der sozusagen den Zuschauer ins Bild bringen würde. Eric Rohmer möchte eine caméra invisible garantieren, weshalb er nie aus unnatürlichen Perspektiven filmt, sondern so, dass der Zuschauer den Eindruck gewinnen kann, direkt beim Geschehen dabei zu sein. Rohmer versucht nicht nur durch seine Kamera eine große Authentizität zu erzeugen, sondern auch durch den Einsatz von Laien als Akteure. In Conte d'été hat man beispielsweise den Eindruck, es handle sich um eine Dokumentation, als Margot und Gaspard den alten Matrosen besuchen, denn die Unterhaltung wirkt wie ein Interview mit einem „echten“ Seefahrer.
5 dieser Punkt ist inhaltlich angelehnt an : Hauptseminar Der französische Spielfilm seit der Nouvelle
Vague, Dozent Prof. Walter, Universität Passau Wintersemester 2001/02, Sitzung vom 7.12.2001.
Arbeit zitieren:
Daniela Nuber, 2002, Filmische Vermittlungsverfahren und inhaltliche Strukturen in Rohmers Filmen Conte d'été und Conte d'hiver unter besonderer Berücksichtigung der Thematisierung des Zufalls und der Widerspiegelung der Jahreszeiten., München, GRIN Verlag GmbH
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