Inhaltsverzeichnis:
1. Entstehung und Drucklegung
2. Tradition und Neuansatz im Orbis pictus
3. Nachwirkung des Orbis pictus
4. Das pädagogische System des Comenius
5. Aufbau des Orbis pictus
6. Anhang
7. Literatur- und Bildnachweis
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1. Entstehung und Drucklegung
Als Comenius im Oktober 1650 in Sarospartak eine dreiklassige Lateinschule einrichtet, führte er dort im Unterricht stufenweise seine Lateinbücher „Vestibulum“, „Janua linguarum“ und dass bis dahin noch ungedruckte „Atrium“ ein, welche somit auch die Grundlage für seinen Unterricht bildeten. Da der Erfolg dieser Werke in bezug auf den Unterrichtserfolg und somit das Weiterkommen der Schüler im behandelten Stoff nicht gerade sehr zufriedenstellend war, versuchte Comenius als Ergänzung zu den bereits bestehenden Materialien ein Bilderwerk zu schaffen, als dessen Titel er noch 1657, abweichend vom Erstdruck 1658 angibt: „Orbis sensualium pictus, hoc est omnium fundamentalium in mundo rerum et in vita actionum nomenclatura ad ocularem demonstrationem deducta, ut sit Vestibuli et Januae linguarum lucidarium.“
Es war eine Wiederaufnahme seines schon in „Novissima methodus“ gemachten Vorschlages Lateinbüchern bebilderte Betrachtungen der Dinge hinzuzufügen. 1 Da in Ungarn ein erfahrener Holzschnittkünstler fehlte konnte er dieses „Lucidarium“ während seines bis Juni 1654 dauernden Aufenthalts in Sarospartak nicht zum Druck bringen. Er versuchte deshalb mit einer dramatischen Aufführung „Schola ludus seu encyclopaedia viva“ sein sich gesetztes Schulziel zu erreichen.
Im Juni 1655 wandte sich Comenius an Michael Endter in Nürnberg als bewährten Verleger illustrierter Werke und übergab ihm sein Manuskript seines „Orbis pictus“ sowie auch die Verbreitung seiner künftigen Werke, von denen jedoch nur das „Atrium“, „Janua sive intrductiorum in Biblia Sacra“ sowie „Novi testamenti epitome“ bei Endter erschienen. Die Anfertigung der Illustrationen des Orbis Pictus zog sich drei Jahre hin, wie Comenius in der Opera didactica 1657 unter Abdruck einer Textprobe und eines Teiles der Vorrede beklagt. Der „Orbis pictus“ sollte in erster Linie die Erlernung der Lateinsprache erleichtern und war von Comenius zunächst allein mit lateinischem Text versehen worden. Jedoch enthielt die lateinische Vorrede einen Satz, der die Übersetzung auch in andere Sprachen für wünschenswert erklärte: „...wenn es überdies jemand einfiele, auch volkssprachige Fassungen zu schaffen, so könnte das Werk noch drei andere Vorteile bringen.“ 2 Durch diese Bemerkung sah sich offensichtlich Endter veranlasst, nach Entwurf der Illustrationsholzschnitte in aller Eile noch eine deutsche Übersetzung anfertigen und in Comenius´ Lateintext einfügen zu lassen, wahrscheinlich ohne vorherige Absprache mit dem zu dieser Zeit weit entfernten Comenius. Als Übersetzer fungierte Sigmund von Birken. Der
1 Vgl. hierzu J. A. Comenius: Orbis sensualium pictus, Einführung, Osnabrück 1964.
2 J. A. Comenius: Orbis sensualium pictus, Einführung, Osnabrück 1964, keine Seitenangaben im Werk.
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Holzschnittkünstler ist nicht bekannt, jedoch besteht Wahrscheinlichkeit, dass es bereits Paul Kreutzberger war. In gewisser Weise scheinen Bildform und Art der Emblemata-Ausgaben des Andreas Alciatus das Muster für die Illustrierung abgegeben zu haben. Die ältere Auffa ssung, Comenius habe selbst die zeichnerischen Entwürfe geliefert darf nach Schorb als völlig unbegründet und veraltet gelten.
Birken hat bereits die erste Auflage (1658) mit kleinen Zusätzen versehen und plante der von ihm besorgten 2. Auflage (1659) neue Bilder einzufügen. Einerseits sollten diese als Ersatz für nicht gelungene Bilder andererseits als Zusatz mit neuem Text eingefügt werden. Da sich Endter jedoch mit dem Kupferstecher Kreutzberger stritt, kamen diese Änderungen in der Form nicht zustande. Schon jetzt arbeitete Birkel an der Vorbereitung der 3. Auflage, die zwar dieselben Holzschnitte wie die beiden ersten Ausgaben verwendete, aber wesentliche Änderungen und Zusätze aufweist, die jedenfalls nicht von Comenius selbst stammen. Es entsteht langsam der Eindruck als würde Comenius gar nicht mehr an den Überarbeitungen beteiligt sein. Die Frage bleibt auch offen, ob Comenius überhaupt von diesen ganzen folgenden Überarbeitungen wusste und auch sein Einverständnis dazu gab. Aufgrund der hohen Beliebtheit und der guten Verlegung des Werkes erschien bereits 1666 eine viersprachige Ausgabe, deren italienische und französische Version von Teppati stammt. Der Titelholzschnitt ist neu und stammt erneut von Kreutzberger. Die zweite polyglotte Ausgabe weist eine ungarische Version auf, deren Autor aus Ödenburg stammen dürfte. Da Birken Beziehungen nach Ödenburg hatte, hat er wohl diese Übersetzung vermittelt. Bis 1707 verwandte Endter fast ausnahmslos die alten Holzschnitte sowohl für die zweisprachigen wie für die polyglotten Ausgaben. Erst die zweisprachige Ausgabe von 1720 bringt neue Illustrationen. Spätere Ausgaben haben weitere Veränderungen und Modernisierungen vorgenommen.
Nur die Erstausgabe von 1658 und nur ihre Lateinfassung stammt von Comenius selbst. Diese Erstausgabe kann den Maßstab bilden für das, was Comenius gewollt hat. Die weise Beschränkung auf 4000 Wörter (gegenüber 8000 Wörtern in seiner „Janua“) vermied bewusst eine encyclopädische Überfüllung, während Endter bei einer Auflage den Wortschatz unter Zufügung eines zweiten Teiles im Werk durch eine Unzahl rarer Wörter ergänzen ließ und damit gewiss den Schüler überforderte. Dass Jahrhunderte lang bis in die heutige Zeit Nachdrucke und Bearbeitungen erschienen, beweist, dass das Werk dem Praktiker Anregungen geben konnte, auch als die eigentliche Grundlage veraltet war, indem Latein aufhörte, eine allgemeine Umgangssprache zu sein.
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2. Tradition und Neuansatz im Orbis pictus
Der Orbis pictus war zunächst gedacht als ein Hilfsmittel für die Schule und zur mnemotechnischen Aneignung der Lateinsprache dienen. Jedoch ist es nicht richtig, wenn oft behauptet wird, Comenius sei der erste gewesen, der eine solche Idee in die Tat umsetzte und das Bild als Anschauungsmittel für den Unterricht heranzog. Im Gegenteil, der Gedanke scheint schon uralt zu sein. Schon der Heilige Gregorius (+1604) empfahl Wandgemälde für die Kirchen, damit selbst Bürger die des Lesens und Schreibens nicht mächtig waren, in der Lage wären die Bibelgeschichte zu verstehen. Sie könnten somit belehrt werden und sich durch Anschauung einprägen, was sie nicht den Büchern entnehmen können. Insofern darin schon eine Mnemonik liegt, ging die Antike schon voran, da Cicero Simonides als Erfinder der Bild-Mnemonik preist. Die griechischen Schulmeister und Gelehrten verwandten bei der Vermittlung der Homerlektüre bereits sogenannte Ilische Tafeln, d. h. große Relieftafeln mit Darstellungen der Ereignisse vor Troja.
Das christliche Mittelalter musste sich das neu erarbeiten, aber besonders i m ausgehenden Mittelalter gehören Bildkatechismen, Bilderbibeln und Bilderfibeln zum Alltagsgut. Auch das figurale Alphabet, als dessen Erfinder Comenius manchmal hingestellt wird, existiert schon viel länger. Schon Jakob Grüssbeutels „Stimmbüchlein“ (1534) kennt das lebendige ABC.
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Arbeit zitieren:
Nico Herzog, 2000, Das Prinzip der Anschaulichkeit - Comenius und sein Orbis sensualium pictus, München, GRIN Verlag GmbH
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