Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 2
2 Tauchen 4
2.1 Tauchen mit Kindern und Jugendlichen 5
2.2 Wasser als besonderer Bewegungsraum - die Eroberung der dritten Dimension 6
3 Entwicklung eines Konzeptes zur Einführung der Sportart Tauchen in der
Sekundarstufe I 7
3.1 Tauchen im Lehrplan für die Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen 7
3.2 Berücksichtigung vorhandener Konzepte zur Vermittlung des Tauchens 7
3.3 Didaktisch-methodische Vorüberlegungen 8
3.3.1 Kriterien eines offenen Unterrichtskonzeptes 8
3.3.2 Prinzipien der Vermittlung - Erfahrungs- und Handlungsorientierung im Lernprozess 12
3.3.3 Mehrperspektivität im Lernprozess - Verwirklichung erzieherischer Prinzipien 13
3.4 Das Unterrichtskonzept im Gesamtüberblick 19
3.4.1 Angaben zur Lerngruppe und Lernvoraussetzungen 19
3.4.2 Rahmenbedingungen der praktischen Durchführung 20
3.4.3 Übergeordnete Lernziele der Unterrichtsreihe 21
3.4.4 Kurzüberblick über die Unterrichtsreihe 23
3.5 Entwicklung von Möglichkeiten einer zielgruppengerechten Vermittlung
ausgew ählter physikalischer Gesetzmäßigkeiten 25
3.5.1 Physikalische Eigenschaften des Wassers 25
3.5.2 Das Gesetz von Boyle-Mariotte 26
3.5.3 Das Archimedische Prinzip 27
3.5.4 Hören unter Wasser 28
3.5.5 Sehen unter Wasser 29
4 Kritische Reflexion und Ausblick 30
5 Literaturverzeichnis 33
6 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis 35
7 Anhang 36
Einleitung
1 Einleitung
Tauchen hat einen sehr hohen Aufforderungscharakter. Das freie Bewegen in drei Dimensionen stellt nach der Wassergewöhnung und -bewältigung einen großen Reiz für Kinder dar. Das ist leider nicht immer unproblematisch. Während des öffentlichen Badeverkehrs und im Schwimmunterricht sind häufig Kinder zu beobachten, die mit Schwimm- bzw. Chlorbrillen bis auf Tiefen von über drei Meter abtauchen. Die Gefahr eines Unterdruckbarotraumas der Augen ist ihnen nicht bewusst. Andere geben nach einigen hektischen Versuchen den Beckengrund zu erreichen, mit Ohrenschmerzen auf und ordnen das Tauchen als unangenehme, oft schmerzhafte Erfahrung für sich ein und meiden es für die Zukunft. Wenn der Mensch sich nur dort bewegt, wo er sich sicher fühlt, lernt er nicht mehr. Auch Erwachsene wissen die rot verfärbten Augen und Abdruckränder der Schwimmbrillen nicht immer richtig zu deuten. Gefährlich wird es gar, wenn Ohrenpfropfen gegen die Schmerzen beim Tauchen angeraten werden. Die Kenntnis eines entstehenden relativen Unterdrucks in luftgefüllten, starren Hohlräumen beim Abtauchen und deshalb das Tragen einer Tauchmaske oder das Tauchen ganz ohne Sehhilfe bzw. die Anwendung z.B. des Valsalva-Manövers 1 zum Druckausgleich im Mittelohr hätten hier ausgereicht die Bewegungsfreiheiten unter Wasser Schritt für Schritt auszubauen, um den Bewegungsraum für sich zu erschließen.
Mit dem Tauchsport ist ein Hauch von Abenteuer verbunden, das sollte allerdings nicht bedeuten, dass durch die Ausübung dieser freizeitrelevanten und prinzipiell gesundheitsfördernden Sportart Gefahren für die Gesundheit in Kauf genommen werden müssten. Wenn der Mensch abtaucht, begibt er sich in eine andere (Um-) Welt. Auf diesen Umstand hat er sich einzustellen. Formelhaftes Wissen hilft einem Kind bei der Anpassung seines Verhaltens in der Unterwasserwelt in der Regel kaum weiter, wichtig ist vielmehr
1 Druckausgleich im Mittelohr durch Druckerhöhung im Nasen-Rachenraum, benannt nach seinem Entdecker
Valsalva.
Einleitung
„Wasser zu begreifen“ und die erworbenen Kenntnisse reflexiv umzusetzen. Untersuchungen von WIACKER/SCHREIBER (1991, 89) weisen sogar in der Sporttauchausbildung für Erwachsene einen Theorie-Praxis-Bruch nach, d.h., angeeignetes Wissen ist oft wenig praxisbezogen, so dass trotz besseren Wissens die alten Fehler gemacht werden. Das Sporttauchen ist eine komplexe Technik, die durch die Anwendung verschiedener naturwissenschaftlicher Disziplinen entstanden ist: Gemeint sind die Physik, die Anatomie, die Physiologie und die Biologie. Der Fokus dieser in ihrem Umfang begrenzten Arbeit liegt auf der Entwicklung eines Konzeptes zum Verständlichmachen der physikalischen Gesetzmäßigkeiten beim Tauchen für Schüler 2 der Sekundarstufe I. Die besonderen Erfahrungsmöglichkeiten durch das Tauchen stehen, wie auch die medizinischen Risiken, in engem Zusammenhang mit den physikalischen Eigenschaften des Wassers. Die Kenntnis der entsprechenden Gesetzmäßigkeiten und ein diesbezügliches Verhalten ermöglichen einen gefahrenminimierten Unterwasseraufenthalt und einmalige, nicht zu ersetzende Körper- und Selbsterfahrungen unter Wasser. Mit der Entwicklung eines anwend- und übertragbaren Konzeptes ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Verantwortung für die Sicherheit ein hoher Anspruch verbunden. Die dargestellten Inhalte werden seit nunmehr drei Schulhalbjahren mit Schülern aus der Sekundarstufe I im Rahmen eines offenen Angebotes erprobt und das während dieser Zeit entwickelte Konzept spiegelt gute Erfahrungen wider. Der vorgestellte Schwerpunkt zum Erschließen der physikalischen Gesetzmäßigkeiten beim Tauchen ist eingebunden in ein Gesamtvermittlungskonzept zur Einführung in das Tauchen mit ABC-Ausrüstung, das im Überblick dargestellt wird. Der hier besonders hervorgehobene Bereich ist als integrativer Bestandteil einer Gesamtkonzeption vor dem Hintergrund der Kriterien eines offenen Unterrichts zu verstehen. Ein individueller „Spürsinn“ für das Medium Wasser lässt sich nicht nach Verordnung erlernen, dieser Prozess ist vielmehr mit subjektorientierten Handlungsmöglichkeiten verbunden. Es wird deutlich, dass durch die Sportart Tauchen das gesamte Spektrum der pädagogischen Perspektiven im Sport vermittelbar ist und sich interessante Transfermöglichkeiten für fächerübergreifenden Unterricht mit den naturwissenschaftlichen Fächern Biologie und Physik anbieten.
2 Im Folgenden wird die Bezeichnung männlicher Personen generisch verwendet, weibliche Personen sind dabei
immer mit eingeschlossen.
Tauchen
2 Tauchen
Die Sportart Tauchen 3 ist in die Gruppe der Erlebnissportarten einzuordnen. Freizeitsportliches Tauchen umfasst das Tauchen mit ABC-Ausrüstung (Grundausrüstung: Flossen, Maske, Schnorchel), das Apnoetauchen und das Tauchen mit Drucklufttauchgerät (DTG). Das Schnorcheltauchen wird auf einer höheren Fertigkeitsstufe zugleich mit Phasen des Tauchens unter Apnoe verbunden.
Von „Nichttauchern“ wird das Tauchen häufig in die Kategorie der Extremsportarten eingeordnet. Dieses ist, bezogen auf das heutige freizeitsportliche Tauchen, nicht zutreffend, sondern wohl eher auf Unkenntnis und darauf basierenden falschen Vorstellungen (s. Einleitung) zurückzuführen. Das Tauchen lässt sich in drei Phasen einteilen:
Abbildung 1: Druckphasen beim Tauchen und mögliche Probleme (mod. nach DE MARÉES 1992)
Das Verlassen der Wasseroberfläche ist demgemäß in Kompressions-, Isopressions- und Dekompressionsphase zu unterteilen. In der Kompressionsphase besteht beim Apnoetauchen vor allem die Gefahr von Unterdruckbarotraumata, in der Auftauchphase wegen der besseren Sauerstoffaufnahme durch die Partialdruckerhöhung (Druckerhöhung in der Lunge) oder beim Streckentauchen vor allem bei vorangegangener Hyperventilation die Gefahr einer Hypoxie 4 .
3 Einen Überblick leistet das Kompendium KROMP, T./ROGGENBACH, H. J./BREDEBUSCH, P.: Praxis des
Tauchens. Stuttgart 1996.
4 Sauerstoffmangel, welcher im Gehirn auftretend zur Bewusstlosigkeit führen kann.
Tauchen
2.1 Tauchen mit Kindern und Jugendlichen
Das Tauchen stellt einen sehr engen Bezug zum Freizeitbereich der Kinder und Jugendlichen dar und steht somit der kindlichen Erlebniswelt sehr nahe. Schwimmen gehört zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten (BRETTSCHNEIDER/BRANDL-BREDENBECK 1997). Damit sind allerdings vor allem für Kinder und Jugendliche weniger das Bahnenschwimmen als vielmehr die vielfältigen Bewegungsformen im Wasser gemeint.
WILKE (1995, 69) bezeichnet den Tauchanfänger provokativ als einen „sensorischen Schwächling“, dabei stützt er seine Aussage auf mehrjährige Studien von ARNAUD/BOYER (1979) mit 10-14-jährigen Schülern, die überraschend Tiefwassersituationen ausgesetzt waren und dabei eine senkrechte Körperposition im Wasser, eine überstreckte Wirbelsäule mit Kopf im Nacken und tretende Abdruckbewegungen bis hin zum Versuch von Greifbewegungen aus dem Wasser heraus feststellten. Diese Verhaltensweisen traten bei nicht schwimmfähigen und schwimmfähigen Schülern auf (1995, 69). Diese Ergebnisse sind bereits 24 Jahre alt, ein ähnliches Verhalten ist in der Praxis aber auch heute zu beobachten. Es liegt nicht fern anzunehmen, dass der Prozess der Wasserbewältigung in vielen Fällen als unzureichend zu bezeichnen ist, das fügt sich in den Rahmen der einleitend (s.1) geschilderten Problemlage. Die Vermittlung eines fundierten Kenntnisstandes sollte gleichermaßen ausreichende sensorische Entwicklungsmöglichkeiten und Anreize berücksichtigen. Das ist durch eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis umzusetzen.
Die vorliegende Arbeit fokussiert die Anfängerausbildung im Tauchen und bezieht sich auf Ausbildungssituationen im Hallenbad. Das mit dem Tauchsport verbundene intensive Naturerlebnis durch die Beobachtung der Flora und Fauna der Unterwasserwelt kann hier keine Berücksichtigung finden, die Fähigkeit sicheren Tauchens stellt dafür allerdings die notwendige Basis dar. Das individuelle Fortbewegen und der Aufenthalt unter Wasser ist für den Tauchanfänger bereits ein großes Erlebnis. Die sensomotorischen Anforderungen sind für die Lernenden so groß, dass zusätzliche Ablenkungen durch die Umgebung sogar als nachteilig zu bewerten sind bzw. die Schwimmbadausbildung klare Vorteile aufweist. Eine bewusste Atmungssteuerung hat beim Tauchen einen großen Einfluss auf die Angstbewältigung (RAHIMI 1997). Die Atmung ist daher ein übergeordnetes Thema in der gesamten Tauchausbildung. Den Stellenwert der Atmung für das Wohlbefinden im und unter Wasser gilt es vor allem Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu vermitteln.
Tauchen
Die Tauchausbildung mit Kindern und Jugendlichen bedarf nach HOFFMANN (1998, 77) einer leistungsgerechten Definition der Ausbildungsziele und „die kindgerechte Vermittlung der Ausbildungsinhalte erfordert vom Ausbilder ein umfangreiches Wissen“. Dabei steht das Anforderungsprofil der Sportart Tauchen der individuellen Leistungsfähigkeit der Kinder gegenüber. Wie sich eine kindgerechte Vermittlung -speziell von notwendigen Kenntnissen physikalischer Gesetzmäßigkeiten- umsetzen lässt, wird unter Punkt 3.5 erarbeitet.
2.2 Wasser als besonderer Bewegungsraum - die Eroberung der dritten
Dimension
Ausgehend von den Charakteristika des Schwimmsports (zyklische Gleich- oder Wechselschlagbewegungen), sind die Erlebnis- und Erfahrungsmöglichkeiten beim Tauchen um einige Aspekte zu ergänzen.
Der Schwebezustand ermöglicht uneingeschränkte Bewegungen im dreidimensionalen Raum, wobei die Bewegungen mit der individuell gewünschten Geschwindigkeit und um alle Achsen des menschlichen Körpers durchgeführt werden können. Der im Vergleich zum Luftwiderstand viel größere Wasserwiderstand bietet die Möglichkeit taktiler und kinästhetischer Wahrnehmungen als “sensorische Antwort” auf die durchgeführten Bewegungen. Intensive Körpererfahrungen im dreidimensionalen Raum werden dadurch mit weit überdurchschnittlicher Motivation - Angstfreiheit vorausgesetzt - vermittelbar.
Die nachfolgende Konzeptentwicklung orientiert sich an einer Analyse der Bedingungen, den Planungen und Entscheidungen für die Durchführung, der Realisierung und einem anschließenden Reflektieren bzw. einer Zielkontrolle und sich evt. ergebenden Modifikationen.
Entwicklung eines Konzeptes zur Einführung der Sportart Tauchen in der Sekundarstufe I
3 Entwicklung eines Konzeptes zur Einführung der Sportart Tauchen in der Sekundarstufe I
3.1 Tauchen im Lehrplan für die Sekundarstufe I in Nordrhein-Westfalen
Tauchen als Sportart ist in der Vergangenheit nur vereinzelt Gegenstand der Lehrbemühungen gewesen, die Vermittlung und Optimierung der vier Schwimmtechniken stand im Vordergrund (s. vorangegangene Richtlinien). Die Richtlinien und Lehrpläne 5 für das Fach Sport aus dem Jahr 2001 des Landes Nordrhein-Westfalen besitzen bundesweit Vorbildcharakter (vgl. Bildungsserver anderer Bundesländer), was den Anspruch des Doppelauftrages und ein Konzept zu seiner Verwirklichung betrifft. Das Tauchen ist in den neuen Lehrplänen unter dem Inhaltsbereich „Bewegen im Wasser -Schwimmen“ berücksichtigt (RuL 2001, 76). In dem Sinne ein breites Fundament von Erfahrungen und koordinativen Mustern zu schaffen um die Freude am Bewegungsraum Wasser zu vermitteln, wird unter anderem auch das Schnorcheln und Tauchen genannt. Exemplarisch wird „einen Tauchgarten bewältigen,…Taucherfahrungen machen, Tauchaufgaben lösen,… die Unterwasserwelt entdecken und mit der Angst umgehen“ aufgeführt. Spezielle Angaben sind im Rahmen der Richtlinien nicht möglich. Im regulären Sportunterricht würde die hier vorgestellte Unterrichtsreihe für eine Einführung in das Tauchen mit ABC-Ausrüstung den zeitlichen Rahmen sprengen. Die Darstellungen beziehen sich auf ein Konzept im Rahmen eines offenen Angebotes an der Ganztagsschule, sodass die teilnehmenden Schüler die Möglichkeit nutzen, über den Zeitraum eines Schulhalbjahres begleitend zum Schwimmunterricht explizit das Tauchen zu erlernen.
3.2 Berücksichtigung vorhandener Konzepte zur Vermittlung des Tauchens
Mit dem Buch „Tauchen an Schulen und Hochschulen“, herausgegeben von LÜCHTENBERG, gibt es seit 1991 zugleich eine Metaanalyse zu verschiedenen Vermittlungsmodellen für den Tauchsport. Dabei fanden auch unveröffentlichte Arbeiten ihre Berücksichtigung. Modelle für die Vermittlung des Tauchens für Kinder und Jugendliche liegen vor allem von HOFFMANN
5 Im Folgenden werden die „Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I - Gesamtschule in Nordrhein-
Westfalen“ (2001) kurz mit RuL bezeichnet.
Entwicklung eines Konzeptes zur Einführung der Sportart Tauchen in der Sekundarstufe I
(1995) und LÜCHTENBERG (1991) vor. Im Zusammenhang mit dem Erlernen sicheren Tauchens für diese Zielgruppe wird mehrfach die Bedeutung einer Vermittlung betont, welche die Aneignung notwendiger theoretischer Kenntnisse in einer engen Verbindung mit der Praxis ermöglicht. Konkrete Konzepte gibt es dazu noch nicht. Vor diesem Hintergrund stellt die vorliegende Arbeit somit für den eingegrenzten Bereich der Einführung in das ABC-Tauchen hoffentlich eine sinnvolle Ergänzung zu vorhandenen Konzepten dar.
3.3 Didaktisch-methodische Vorüberlegungen
Die didaktisch-methodischen Vorüberlegungen sind Kernbestandteil dieser Arbeit. Erst vor ihrem Hintergrund lassen sich die unter 3.5 genannten Impulse für
Erschließungsmöglichkeiten durch die Schüler im Sinne einer „zielgruppengerechten“ Vermittlung ausgewählter physikalischer Gesetzmäßigkeiten (3.5) einordnen.
3.3.1 Kriterien eines offenen Unterrichtskonzeptes
In den RuL wird darauf verwiesen, dass es zu den Grundsätzen gehöre, Sportunterricht „in der Spannung zwischen Anleiten und Öffnen zu gestalten“ (2001, 55). In der dargestellten Unterrichtsreihe wechseln sich Phasen mit anleitender und impulsgebender Funktion des Lehrers mit offenen Phasen im Lernprozess ab.
Die Inhalte des Sportunterrichts beschränken sich auch heute oft noch auf die Vermittlung traditioneller Sportarten mit dem primären Ziel der Verbesserung der motorischen Fähigkeiten. Eine Umsetzung der RuL scheint erst in Ansätzen zu funktionieren. Die Erweiterung der sozial-affektiven Kompetenz, die Freude an weniger zielgerichteten Bewegungsabläufen, die Entwicklung eines positiven Selbstbildes, die Anleitung zu sinnvoller Freizeitgestaltung, die Reduzierung der Lehrerdominanz, der Abbau von Frontalunterricht, der größere Freiraum für Schüleraktivitäten werden häufig zu wenig beachtet.
Für einen freizeitorientierten Sportunterricht, in dem der Vermittlung von Prozessqualifikationen eine besondere Gewichtung zukommt, muss der Schüler bereits im Lehr- und Lernprozess inhaltsbezogene Handlungsalternativen kennen lernen, entwickeln und praktizieren können (vgl. BRODTMANN 1979, 108 f.). Ein auf die Lebenssituation 'Freizeit' bezogener Sportunterricht sollte vor allem als offener, handlungsorientierter Sportunterricht
Entwicklung eines Konzeptes zur Einführung der Sportart Tauchen in der Sekundarstufe I
konzipiert und durchgeführt werden. Dafür bietet die Form des offenen Angebotes nicht nur für die Schüler, sondern auch für mich als Lehrenden ein geeignetes Experimentierfeld mit direkten Übertragungsmöglichkeiten für den regulären Sportunterricht. Der Terminus "Offener Unterricht" wird in der Fachliteratur in unterschiedlichen Bedeutungen und Zusammenhängen angewendet. "Eine offene Unterrichtskonzeption basiert darauf, den Schülern Mitentscheidungsmöglichkeiten einzuräumen, wobei das Ausmaß der Mitentscheidungsmöglichkeit den Grad der Offenheit des Sportunterrichts ausmacht" (HILDENBRANDT/LAGING 1981, 24).
In vielen Fällen wird "Offener Unterricht" mit "schülerorientiertem", "erfahrungsoffenem" oder "handlungsorientiertem" Unterricht gleichgesetzt (vgl. BIELEFELDER SPORTPÄDAGOGEN 1989, 187 ff.).
Ein großer Vorteil des offenen Unterrichts liegt in einer natürlichen Binnendifferenzierung und damit in der Möglichkeit, das Individuum gemäß seinem erreichten Lernstand optimal zu fördern. Das ist nicht unabhängig von den Rahmenbedingungen und den Erfahrungen der Schüler mit offenen Unterrichtssituationen möglich.
Sicherlich ist es sinnvoll und auch erstrebenswert, genormte Bewegungsmuster im Sportunterricht zu erlernen und anzuwenden. Auf die Bedeutung der klassischen Schulsportarten muss aus diesem Grund hier nicht näher eingegangen werden. Eine Öffnung des Unterrichts in dafür geeigneten Phasen sollte aber das Bestreben aller Lehrer sein. Den Grad der Öffnung bestimmen dabei verschiedene Faktoren, wie beispielsweise die zu erlernenden Inhalte, das Leistungsvermögen der Schüler, die zur Verfügung stehende Zeit, das Sozialverhalten und das Alter.
Im handlungsorientierten Unterricht (vgl. MEYER 1991, 395 ff.) sollen die subjektiven Interessen der Schüler zum Bezugspunkt der Unterrichtsarbeit gemacht werden und die Schüler zu selbständigem Handeln ermutigt und angeleitet werden. Das Tauchen im Sportunterricht im Rahmen eines offenen Angebotes bietet eine sehr gute Möglichkeit für einen offenen und handlungsorientierten Unterricht. Offene Aufgabenstellungen ermöglichen das Finden und Erproben von Bewegungsideen im Umgang mit den verschiedensten Materialien und der ABC-Ausrüstung.
Das Unterrichtsgeschehen ist neben der Vermittlung der Fähigkeit zu kenntnisgeleitetem, sicherem Tauchen auch auf die Förderung von Kreativität ausgerichtet, womit eine möglichst offene Unterrichtsform verbunden ist. Die Schüler erhalten dabei Anregungen für eine weiterführende Freizeitbeschäftigung, welche erst dann wirklich selbstständig durchführbar ist, wenn die notwendigen Sicherheitsbedingungen begriffen worden sind. Der
Arbeit zitieren:
Frank Dunschen, 2003, Sicher tauchen - Wasser begreifen. Entwicklung eines Konzeptes zur Einführung in das ABC-Tauchen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Auftrieb, Antrieb, Wasserwiderstand (Bewegen im Wasser) - Lehrversuchs...
Sport - Sportarten: Theorie und Praxis
Unterrichtsentwurf, 21 Seiten
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Sport - Sportmedizin, Therapie, Prävention, Ernährung
Hausarbeit, 14 Seiten
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