Inhalt
1. Einleitung S 2
2. Thomas Mann: die Wandlung eines Unpolitischen S 2
3. Die Novelle Mario und der Zauberer in der zeitgenössischen Kritik S 4
4. Politische Aspekte der Novelle S 5
4.1 Die Atmosphäre im faschistischen Italien S 6
4.2 Die Inszenierung der Macht: der Auftritt des Zauberers Cipolla S 8
5. Fazit S.10
6. Bibliographie S.12
1
1. Einleitung
Thomas Manns Novelle „Mario und der Zauberer“ ist eines der meistanalysierten Werke des Autors. Schuld daran sind zum einen die unterschiedlichen Aussagen den Schriftstellers über sein Werk im Laufe der Jahre, die mit seinen unterschiedlichen politischen Betrachtungen im Laufe der Jahre zusammenhängt, zum anderen die unterschiedlichen Bedeutungen, ethische, politische sowie moralische, die in der Novelle enthalten sind.
„Mario und der Zauberer“ ist nicht nur von den zeitgenössischen Rezensenten unterschiedlich aufgenommen worden, sondern auch seither. Die politischen Aspekte, die in der Novelle enthalten sind, haben die Kritiker dazu verleitet, sie unterschiedlich zu bewerten. Diese Aspekte sollen im Folgenden in dieser Arbeit analysiert werden und es soll der Versuch unternommen werden, zu beweisen, dass diese Novelle auch die politische Vorstellung des Thomas Mann in den Jahren des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland widerspiegelt.
Durch ihre inhaltliche Zweiteilung bringt die Novelle dem Leser sowohl die vergiftete Atmosphäre im Mussolinis Italien nahe, als auch im zweiten Teil die Gefahren des Führerkults.
2. Thomas Mann: die Wandlung eines Unpolitischen
Im Gegensatz zu seinem älteren Bruder Heinrich sieht sich Thomas Mann immer als ein Teil des Bildungsbürgertums, Gesetz und Ordnung betrachtet er als wichtige Pfeiler des Staates. Freiheit ist für ihn eng mit Besitztum verbunden und der „Bürgerkünstler“, wie ihn Georg Bollenbeck nennt, legt großen Wert auf die „geprägte Freiheit“ die ihm seinen großbürgerlichen Lebensstandard ermöglicht. Verbunden damit ist auch die lebenslange Ablehnung jeglicher radikalen Außenseiterposition. 1
1 Vgl. Bollenbeck, Georg: Politik drängt sich auf. ‚Bürgerliches Künstlertum‘ und reflexives
Sonderwegbewußtsein bei Thomas Mann, in Helmut Scheuer: „Dichter und ihre Nationen“, Frankfurt
a. M. 1993, S. 395
2
Gesichert sieht er seine Werte bis 1918 durch die Monarchie, und diese vertritt er auch in der ersten Auflage der „Betrachtungen eines Unpolitischen“, die politische Realität jedoch lässt ihn von dieser Idee abkommen. Der höhere Stellenwert und auch die höhere Verantwortung als rollenbestimmende Elemente, die einem Künstler in einer Republik zustehen, sind Gründe dafür, dass Thomas Mann zum überzeugtem Demokraten wird. Diese Wandlung ist auch, wie Theo Stammen feststellt, das Ergebnis eines „Entwicklungs- und Erkenntnisprozess[es] über mehrere Jahre, der nicht zuletzt durch äußere politische Ereignisse ( wie etwa die Ermordung des Reichsaußenministers Walther RATHENAU im Sommer 1922) vorangetrieben wird.“ 2 Thomas Mann wird in der Weimarer Republik zu einem ihrer eifrigsten Verfechter, wobei er weniger auf die politischen und wirtschaftlichen Auswirkungen der Demokratie eingeht, sondern hauptsächlich auf die kulturellen. Deutschland als „Kulturnation“ sieht er als Gewinner dieser neuen Regierungsform. Sein Verhältnis zur Politik jedoch ist zwiespältig, sein lebensordnendes Sinnelement ist die Kunst, die Politik erkennt er als unvermeidliche Notwendigkeit an. Seine Sicht der Dinge ist geprägt von den Lebensbedingungen des Autors, von seinem Selbstkonzept, seinen Wissensbeständen und seinen Wertvorstellungen die laut Georg Bollenbeck die „metapolitische Disposition“ des Thomas Mann bestimmen 3 . Trotzdem er eine direkte Einmischung des Künstlers in die Politik, die klare Parteiergreifung wie sie etwa sein Bruder Heinrich praktizierte, ablehnte, um damit nicht in den Bereich der Platitüde zu gelangen 4 , versucht er, die gewonnenen Erkenntnisse an seine Leser weiterzugeben. „Ein wesentlicher Zug des Thomas Mannschen Denkens“ schreibt Theo Stammen, „ ist, dass er die als Wahr erkannten Positionen zugleich didaktisch anderen mitzuteilen sich genötigt sah: in literarischer Fassung in verschiedenen literarischen Gattungen“ 5 .
So schleichen sich in seine Werke auch die Warnungen vor dem aufkommenden Nationalsozialismus ein. Deutlich Stellung dagegen bezieht
2 Stammen, Theo: Politische Welt, in Helmut Koopmann (Hrsg.) „Thomas – Mann – Handbuch“,
Stuttgart, 1990, S. 27
3 Vgl. Bollenbeck, S. 394
4 Vgl. Mann, Thomas: Der Künstler und die Gesellschaft, 1952, zitiert in Bollenbeck, S. 394
5 Stammen, S. 28
3
er aber erst im Jahre 1936, nach einigen Jahren selbstgewählten Exils, was auch mit seiner Angst davor einher geht, dass seine Romane in Deutschland nicht mehr publiziert werden und damit seine wichtigste Einkommensquelle wegbricht.
3. Die Novelle Mario und der Zauberer in der zeitgenössischen
Kritik
1929 geschrieben, bezieht die Novelle ihren Stoff aus der eigenen Erfahrung des Autors, und zwar aus einem Badeurlaub in Italien im Sommer 1926 und den damit verbundenen Erlebnissen. Wie sich Thomas Mann in einem Brief äußerte, gab es den Zauberer wirklich, nur der letale Ausgang der Geschichte war erfunden, nicht von ihm, sondern von seiner ältesten Tochter Erika, der er später diese Geschichte erzählte 6 . Um den Abend mit dem Zauberer richtig in Szene zu setzen, fügt er der Geschichte noch einen ersten Teil hinzu, „ das vorbereitende Ärgernis 7 “, wie er die Begegnung mit dem Hotelier, der römischen Fürstin und dem Jungen Fuggiero nennt. Im Italien des Jahres 1926 erlebt Thomas Mann die fremdenfeindliche Atmosphäre des Faschismus, doch erst drei Jahre später, nachdem er auch in Deutschland die selben Symptome in der Gesellschaft bemerkt, verfasst er die Novelle.
Anfangs wehrt sich Mann gegen eine rein politische Deutung. So schreibt er 1932 in einem Brief an B. Fucik: „...Was ‚Mario und der Zauberer‘ betrifft, so sehe ich es nicht gern, wenn man diese Erzählung als eine politische Satire betrachtet. Man weist ihr damit eine Sphäre an, in der sie allenfalls mit einem kleinen Teil ihres Wesens beheimatet ist.“ 8 Lieber im Ethischen als im Politischen mochte er die Bedeutung der Geschichte sehen. Dass „kleine
6 Wysling, Hans (Hrsg.): Dichter über ihre Dichtungen. Thomas Mann Tl. 2: 1918-1943, Frankfurt a. M. 1979, S. 368 7 Ebd.
8 Thomas Mann an B. Fucik, 15. April 1932, zitiert aus Dieter Wuckel, „Mario und der Zauberer“ in der zeitgenössischen Presseresonanz in Helmut Brandt und Hans Kaufmann (Hrsg.) „Werk und Wirkung Thomas Manns in unserer Epoche“, Berlin, Weimar 1978, S. 347
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Hilke Dahinten, 2002, Politische Aspekte der Novelle "Mario und der Zauberer" von Thomas Mann, Munich, GRIN Publishing GmbH
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