Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. Napoleon I. und das „Herzogtum Warschau“ 1807 - 1815
2.1 „Noch ist Polen nicht verloren “ 3
2.2 Das Herzogtum Warschau
2.2.1 Der Friede von Tilsit 7
2.2.2 Die Innere Struktur des Herzogtums 9
2.3 Die vierte Teilung Polens 11
3. Zusammenfassung. 14
4. Anhang. 15
5. Literaturverzeichnis / Angaben zum Anhang 19
6. Die Verfasser dieser Hausarbeit. 20
1
1. Einleitung
Die Geschichte Polens ist von vielen Umbrüchen gekennzeichnet. Zweimal verschwand es ganz und gar von der Landkarte.
Am Ende des 15. Jahrhunderts stieg Polen zu einem der mächtigsten Staaten Europas auf, aber der Erfolg und die Macht verflogen schnell. Nach dem Aussterben der Jageillonen 1572 wurde in Polen ein Wahlkönigtum installiert. Bis zur dritten Teilung Polens 1795 hatten die verschiedensten europäischen Herrscher den polnischen Thron inne. Franzosen, Schweden, Sachsen und auch Polen regierten ein Land, das immer mehr auf sein Ende zusteuerte. Nach der dritten Teilung Polens war es vollkommen unter den drei europäischen Großmächten Preußen, Russland und Österreich aufgeteilt worden.
Erst als Napoleon Bonaparte begann Europa im Sturm zu erobern, schien für die polnische Nation ein souveränes Polen in greifbarer Nähe. 1807 errichtete Napoleon aus Teilen des ehemaligen Königreich Polen das Herzogtum Warschau, welches aber mit dem Untergang Napoleons wieder seinen Anspruch auf Selbstständigkeit einbüßen musste. Dieses soll nun Thema der vorliegenden Hausarbeit sein.
Die Arbeit deckt die Zeit von 1807 bis 1815 ab, bringt aber auch Einblicke auf die Zeit vor dem Herzogtum Warschau und auf jene nach dessen Ende. Thematisiert werden der Weg zur Installierung des Herzogtums, seine Gründung, sowie sein Aufbau in territorialer Hinsicht, wie auch einblickweise der innere, rechtliche Aufbau. Weiterhin werden die Situation der Polen zur Zeit des Herzogtums, dessen „Erfolge“ u nd letztendliches Ende geschildert. Zum Schluss liefert diese Arbeit eine kurze Zusammenfassung des Themas, einen kurzen Ausblick in die Zeit nach dem Herzogtum sowie einen Versuch der Schilderung der Rezeption jener Zeit im heutigen Polen.
Die Materialgrundlage für diese Arbeit bilden mehrere Monographien zur Geschichte Polens von verschiedenen Verfassern. Bücher oder Quellen direkt zum Thema der Hausarbeit standen nicht zur Verfügung.
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2. Napoleon I. und das „Herzogtum Warschau“ 1807 - 1815
2.1 „Noch ist Polen nicht verloren …“
Nach dem Kosciuszko-Aufstand, der 1794 nach anfänglichen Erfolgen gegen die Übermacht der russischen und preußischen Truppen gescheitert war, hielt der Wunsch der Polen nach Freiheit weiterhin ungebrochen an. Im Gegenteil nahmen Nationalismus und Patriotismus zu. Das daraus resultierende Gedankengut und die Bereitschaft der Polen für ihre Freiheit zu kämpfen, die sie schon in oben genannten Aufstand demonstriert hatten, „veranlasste die Teilungsmächte 1797 zu der Vereinbarung, den Namen „Polen“ künftig aus dem offiziellen Sprachgebrauch zu verbannen“ 1 .
Den Polen war nach den Ereignissen von 1794 allerdings deutlich geworden, dass es ihnen unmöglich nur aus eigener Kraft gelingen konnte, eine erfolgreiche Offensive für ein souveränes Polen beginnen zu können. Vielfach wurden deshalb die Forderungen laut, dass „die kriegerischen Vernichtungen der europäischen Großmächte ausgenutzt und, so lange dies nur begrenzt möglich [sei], durch die Aktivität die Erinnerung an Polen und sein Anliegen aufrechterhalten werden“ 2 .
Viele Beteiligte des Kosciuszko-Aufstandes befanden sich zu dieser Zeit in Emigration in Dresden, Venedig, Paris und anderen europäischen Großstädten. Dort entwarfen sie Programme und Ideen zur Wiederherstellung eines freiheitlichen Polens. In Paris bildete sich z.B. „schon im S eptember 1795 eine erste Emigrantenorganisation, die ‚Polnische Deputation?“ 3 . Aber auch in der Heimat waren patriotische Bestrebungen anzutreffen, z.B. in den Freimaurerlogen. Verschiedene emigrierte Mitstreiter waren nun imstande mit dem jeweiligen herrschenden System in Kontakt zu treten, um die Möglichkeiten der Wiedererrichtung eines neuen Staates Polen unter Beteiligung des jeweiligen möglichen Bündnispartners zu erörtern.
Diese drei folgenden Optionen waren dabei die Erfolg versprechendsten:
I. Die Gewinnung Preußens gegen die anderen Teilungsmächte
Schon 1795 hatte sich General Dabrowski 4 . um Verhandlungen mit Preußen bemüht. Er schlug König Friedrich Wilhelm II. wiederholt eine polnisch-preußische Union vor. Diese Verhandlungen wurden 1806 von Fürst Anton Radziwill fortgesetzt. Er trug dem nun preußischen König Friedrich Wilhelm III. bei Beginn des Krieges zwischen Frankreich und Preußen den Vorschlag vor, „polnische Regimenter aufzustellen und sich zum König von Polen zu erklären“ 5 . Seine Bemühungen stießen aber, wie schon wenige Jahre zuvor auf geringes Interesse seitens des preußischen Regenten. Außerdem lagen „die polnischen Sympathien […] so überwiegend auf napoleonischer Seite, dass dieser Maßnahme der Erfolg versagt geblieben wäre, auch wenn der König sie befolgt hätte“ 6 Aus diesen Gründen stand diese Option der Verbündung im Allgemeinen kaum noch zur Diskussion.
1 Hoensch S. 180
2 Rhode S. 329
3 Ebd.
4 Jan Henryk Dabrowski diente als Offizier unter dem Namen Johann von Dombrowski in der sächsischen Armee
5 Laenen S. 206
6 Laenen S. 206
3
II. Die Gewinnung Russlands als Bündnispartner
Dieses Vorhaben schien von Anfang an erfolgreicher zu verlaufen, da sich Fürst Adam Georg Czartoryski, ein Jugendfreund des russischen Thronfolgers Alexander, beständig für das polnische Anliegen einsetzte. Er war schon seit 1801 für den Zaren als Kurator für das Schulwesen in Litauen und Weißrussland tätig. Die Reformen, die er in diesem Zusammenhang durchgeführt hatte, blieben noch über seine Amtszeit hinaus in Kraft. Als Czartoryski 1804 zum Außenminister Russlands berufen wurde, „keimte die Hoffnung auf, mit Unterstützung des Zaren die Teilungen rückgängig machen zu können“ 7 . In diesem Zusammenhang entwickelte Czartoryski Pläne, „in denen die Wiederherstellung Polens in seinen alten Grenzen ohne Weißruthenien unter russischem Zepter eine zentrale Rolle spielte“ 8 . Seine Vorschläge sahen zudem eine „Neuordnung Europas unter russischer Führung mit Freiheit für die Balkanvölker […] vor“ 9 . Preußen sollte zurückgedrängt werden und Polen eine führende Rolle übernehmen.
Zar Alexander hingegen lehnte einen raschen Vorstoß gegen Preußen ab. Stattdessen „bekräftigte [er] am 4.XI.1805 im Vertrag von Potsdam die russisch-preußische Zusammenarbeit“ 10 , was den Plänen Czartoryskis natürlich grundlegend widersprach. Czartoryski wurde am 29. Juni 1806 von seinem Amt als Außenminister abberufen. Damit war zwar die Orientierung der Gruppe um den ehemaligen Außenminister an Russland nicht beendet, „doch blieben alle Versuche vergeblich, die Alexander bewegen sollten, Napoleon bei der Wiederherstellung Polens zuvorzukommen“ 11 .
7 Hoensch S. 185
8 Rhode S. 331
9 Ebd.
10 Hoensch S.186
11 Rhode S. 332
4
III. „Verbindung mit dem revolutionären Frankreich und bewaffneter Kampf an seiner Seite“ 12
Eine Verbindung mit Frankreich war schon vor diesem Zeitpunkt geknüpft wo rden. Unter General Dabrowski hatte sich schon 1797 im Rahmen der französischen Italien-Armee eine so genannte polnische Legion zum Kampf gegen Österreich gebildet. Zu dieser Zeit entstand auch folgendes Soldatenlied, das später einmal die Nationalhymne Polens werden sollte:
Dieses Lied spiegelte mehr und besser als alles andere die Hoffnungen und den festen Willen der Legionäre wieder und somit die des polnischen Volkes - die Hoffnung und der ungebrochene Glaube an ein autonomes Polen.
Die Hoffnungen der Le gionäre wurden aber zunächst enttäuscht. Sie erzielten Erfolge für Frankreich, ihre Motivation war schließlich enorm. Trotzdem erhielten sie keinen ausgleichenden „Lohn“ für Polen.
Napoleons Interesse an den polnischen Legionen schwand bald. Er schickte sie z.B. nach Haïti um dort einen Aufstand von Einheimischen niederzuschlagen, wo sie völlig aufgerieben wurden. Nur wenige hundert Mann kehrten zurück. „Doch weht[e] der Polnische Adler auf den Schlachtfeldern Europas als sichtbares Zeichen, dass Polen ‚noch nicht verloren? [sei], wie die Legionäre [sangen]. In ihnen lebt[e] das freie Polen weiter“ 13 .
Kosciuszko 14 kehrte derweil aus Amerika zurück. Er hatte dort erfolgreich an der Seite der Amerikaner für deren Unabhängigkeit gekämpft.
Er distanzierte sich von Napoleon, traute ihm nicht länger, da ihm „die Wiederherstellung eines freiheitlichen Polens und nicht die Hingabe des polnischen Blutes für fremde Zwecke“ 15 am Herzen läge.
Erst „[m]it dem Krieg gegen Preußen lebte Napoleons Interesse an Polen und an polnische n Truppen wieder auf“ 16 .
Die ehemals „polnische Legion“ benannte Napoleon nun aber „Nordische Legion“. Zum einen wollte er Zar Alexander nicht reizen und zum anderen wollte er keine bindende Verpflichtung gegenüber den Polen eingehen. Dies wird z.B. in seinem Ausspruch gegenüber Dabrowski deutlich, der wie folgt lautet:
„Ich werde zusehen, ob ihr es wert seid, eine Nation zu bilden.“ 17
Wieder versprach er nichts Konkretes hinsichtlich der Wiederherstellung Polens 18 , denn er wollte sich nicht die Möglichkeit zu einem Bündnis mit Russland nehmen. Er forderte aber immer weiter die Unterstützung der Polen ein. Nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt forderte er Dabrowski auf in Großpolen einen Aufstand zu entfachen und ihm schnellstens
12 Rhode S. 328
13 Laenen S. 205
14 Tadeusz Kosciuszko, Anführer des nach ihm benannten Aufstands, wurde 1792 in Paris zum „Bürger der Republik“ ernannt.
15 Laenen S. 205
16 Rhode S. 332
17 Vgl. Hoensch S. 186
18 Meyer S. 78
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Arbeit zitieren:
Marie-Christin Pollak, 2003, Napoleon I. und das Herzogtum Warschau 1807 bis 1815, München, GRIN Verlag GmbH
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