„Musik nicht hören, sondern fühlen“
oder „Ein Ohr für die Musik trotz Gehörlosigkeit“
1. Einleitung
2. Der Aufbau des Ohres und der Hörvorgang
3. Wo beginnt die Gehörlosigkeit?
3.1. International gültige Einteilung der Hörschäden
4. Ursachen für eine Hörbehinderung
4.1. Genetische Ursachen
4.2. Pränatale Ursachen
4.3. Perinatale Ursachen
4.4. Postnatale Ursachen
4.5. Umweltbedingte Ursachen
5. Kurze Erklärung zum Begriff Musik
6. Das Musikerleben von gehörlosen Menschen
6.1. Die Grundelemente der Musikwahrnehmung
6.2. Die hörende Musikwahrnehmung
6.3. Die gehörlose Musikwahrnehmung
6.4. Unterschiede und Gemeinsamkeiten
7. Ziele der rhythmisch-musikalischen Förderung bei gehörlosen
Menschen
8. Wie erleben gehörlose Menschen Musik? -praktische Beispiele
8.1. Gehörlose und Tanz
8.2. Gebärdenlieder als rhythmischer „Gesang“
8.3. Musikerleben mit Instrumenten
9. Abschlussgedanken
Literaturverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Internetverzeichnis
Glossar
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1. Einleitung
Ich begrüße Euch zu meinem Referat mit dem Thema „Musik nicht hören, sondern fühlen“ mit dem Untertitel „Ein Ohr für die Musik trotz Gehörlosigkeit“ in der Veranstaltung „Elementares Musizieren in Arbeitsfeldern der sozialen Arbeit“.
„Zur ganzen Welt des Hörens gehören außer der Sprache noch Geräusche und Musik. „Der Bedeutung von Tönen, Klängen und Geräuschen sind wir uns als Hörende oft kaum bewusst“ (Gerits 1996, S.136). Erst alle drei Bereiche zusammen ergeben die Welt des Hörens. Funktional treten sie ohnehin in der Regel gemeinsam in Erscheinung.“ 2 Der Einsatz von Musik gerade bei Hörbehinderten, also schwerhörigen und gehörlosen Menschen, mag Anfangs etwas seltsam klingen. „Wie können hörbehinderte Menschen Musik wahrnehmen oder sogar selber musizieren?“. Für den gehörlosen Menschen ist Musik nur wahrnehmbar als sogenannte „Fühlmusik“. Schwerhörige Menschen dagegen, haben eine v erminderte Hörfähigkeit, können aber Klänge, Sprache und Geräusche über ihr Ohr wahrnehmen. Verstärkt kann bei Schwerhörigen die Hörfähigkeit auch noch durch technische Hilfsmittel, wir z.B. Hörgeräte, wodurch die Musik hauptsächlich als „Hörmusik“ wahrgenommen wird. 3 Da ich in diesem Referat auf das Thema „Musik nicht hören, sondern fühlen“ eingehen möchte, werde ich aus diesem Grunde die Schwerhörigkeit als Form der Hörbehinderung in meinem Referat nur noch teilweise erwähnen, und mich primär auf die gehörlosen Menschen beziehen. Die Gehörlosenkultur und ihre Beziehung zur Musik stellt in Deutschland ein kaum beachtetes Gebiet dar. Hierbei wird die Musik und die Behinderung Gehörlosigkeit als unvereinbarer Gegensatz empfunden. 4 Diesen Ansatz kann ich im ersten Moment nachvollziehen.
Als meine gehörlosen Bekannten mich vor einiger Zeit fragten, ob ich mit in die Disco kommen würde, wusste ich nicht ob ich diese Frage ernst nehmen sollte. Als ich dann mitgegangen bin, habe ich zum ersten Mal gesehen wie gehörlose Menschen mit Musik umgehen.
Durch meine Arbeit bei den ambulanten Hilfen für Gehörlose und Schwerhörige, habe ich unter anderem im Kindergarten und in der Schule für Hörgeschädigte hier in Hamburg hospitiert. Im Stuhlkreis lagen dort Musikinstrumente, und ich konnte mir nicht vorstellen, wie Gehörlose selber musizieren. Tatsache ist aber, dass auch gehörlose Menschen Musik wahrnehmen, selber mit Instrumenten musizieren, rhythmische
Gebärdenlieder mit ihren Händen „singen“, und zu Musik tanzen können.
Im ersten Teil meines Referates werde ich auf den Aufbau des Ohres und den Hörvorgang eingehen. Danach möchte ich die Gehörlosigkeit genauer definieren, und unter Punkt 4. werde ich auf die fünf verschiedenen Ursachen für Hörbehinderungen eingehen. Nach einer kurzen Erläuterung zum Begriff Musik, möchte ich das Musikerleben von gehörlosen Menschen, anhand eines Vergleichs zwischen der hörenden und der gehörlosen Musikwahrnehmung darstellen. Unter Punkt 7. gehe ich dann auf die Ziele der rhythmisch-musikalischen Förderung bei gehörlosen Menschen ein. Zum Abschluss des theoretischen Teils in meinem Referat, möchte ich Euch anhand einiger praktischer Beispiele das Musikerleben von gehörlosen Menschen näher bringen.
Ich hoffe ich werde Euch im folgenden Referat, wenn vorhanden, Eure Zweifel gegenüber diesem Thema nehmen, und interessant und informativ darstellen können, wie gehörlose Menschen Musik wahrnehmen und erleben.
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2. Der Aufbau des Ohres und der Hörvorgang Der Aufbau des Ohres:
Querschnitt durch den Schneckengang:
Das Ohr ist in Außenohr, Mittelohr und Innenohr gegliedert. Die Ohrmuschel fängt den Schall, den wir als eine Vielfalt von Tönen und Geräuschen, also auch als Sprache und Musik, wahrnehmen können, auf. Die Schallwellen werden durch die Ohrmuschel des Außenohres aufgenommen und durch den Gehörgang zum Trommelfell, einem dünnen Häutchen, weitergeleitet. Beim Auftreten der Schallwellen auf das Trommelfell gerät dieses in Schwingungen. Dadurch setzt es die Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel in Bewegung. Der Steigbügel ist der kleinste Knochen des Menschen und nur halb so groß wie ein Reiskorn.
Er überträgt die verstärkten Schwingungen über das ovale Fenster, in das eigentliche Hörorgan, die Schnecke (Cochlea). Die Schnecke ist mit Ohrlymphe Flüssigkeit gefüllt.
Wenn sich die Gehörknöchelchen bewegen, gerät die Flüssigkeit in Schwingungen und die Hörsinneszellen werden erregt (Signalwandlung). In ihr wandert die Schallwelle die Vorhoftreppe empor und die Paukentreppe wieder zurück; am runden Fenster erfolgt der Druckausgleich. Je nach Frequenz des Geräusches werden Haare (sogenannte Zilien) auf der Basilaarmembran im Schneckengang bewegt. Sie lösen damit Reizfolgeströme (kleine Ionenströme) aus. Dort wird also die Schallenergie in elektrische Energie umgewandelt. Der Hörnerv leitet die Reizfolgeströme zur Hirnrinde weiter, dass Ergebnis ist das wir hören.
3.Wo beginnt die Gehörlosigkeit?
„Der Oberbegriff „Hörschädigung“ umfasst alle Hörstö rungen. Hierunter fallen auch die Schwerhörigkeit und die Gehörlosigkeit. Bedingt durch die heute mögliche frühe Diagnose der Schädigung, Hörgeräteversorgung und Frühförderung, ist eine genaue Abgrenzung der beiden Begriffe sehr schwierig und kann meist immer erst nach einer längeren Betreuung und nicht schon bei der Erstuntersuchung eines Kindes erfolgen“ 8
Arbeit zitieren:
Tanja Berlin, 2003, Musik nicht hören, sondern fühlen - Ein Ohr für die Musik trotz Gehörlosigkeit, München, GRIN Verlag GmbH
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