Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 3
2. Die Türkei - ein „zerrissenes Land“ 4
2.1 Kulturelle Identitäten in der Türkei. 5
2.2 Politische Strömungen in der Türkei. 7
3. Die Türkei als zukünftiger Kernstaat des Islam. 9
4. Fazit. 11
5. Literaturverzeichnis S 12
1. Einleitung
Samuel P. Huntington stellt in seinem Buch „Kampf der Kulturen“ mehrere Thesen auf, die seinen kulturellen Ansatz, der die Weltordnung nach Ende des Ost-West-Konflikts vereinfacht darstellt, untermauern sollen. In dieser Hausarbeit sollen zwei Thesen Huntingtons erörtert werden. Zum einen bezeichnet Huntington die Türkei als ein „zerrissenes Land“ 1 , das auf der einen Seite modern und westlich ist und seit 1987 die Vollmitgliedschaft in der Europäischen Union anstrebt und in dem auf der anderen Seite der Islamismus immer mehr Zulauf hat, aber mit dem Neo-Osmanismus noch eine weitere politische Strömung Fuß gefasst hat. Zum anderen ist er der Meinung, dass jeder Kulturkreis einen Kernstaat benötigt. Für Huntington sind Nationalstaaten, wie auch schon im Realismus und im Neorealismus, die Hauptakteure in der internationalen Politik. Den mächtigste n und einflussreichsten Staat eines Kulturkreises bezeichnet Huntington als Kernstaat, um den sich andere Staaten des gleichen Kulturkreises gruppieren. Kernstaaten sorgen für Ordnung in der Region und unterstützen die kleineren Staaten in ihrem Kulturkreis 2 . So sind nach Huntington Deutschland und Frankreich die Kernstaaten der Europäischen Union. Im islamischen Kulturkreis ist ein solcher Kernstaat noch nicht vorhanden und Huntington schlägt vor, dass die Türkei diese Rolle übernehmen soll. Ist die Türkei ein gespaltenes Land? Oder doch eher eine „Brücke“ 3 zwischen der westlichen und der islamischen Kultur? Welche politischen Strömungen gibt es in der Türkei? Kann die Türkei der Kernstaat der islamischen Welt werden? Und wie denken die islamischen Nachbarstaaten über die Türkei? Auch auf diese Fragen möchte ich eingehen und die verschiedenen Standpunkte näher beleuchten.
1 Huntington, Samuel P.(Hrsg.): Kampf der Kulturen. Die Neugestaltung der Weltpolitik im 21. Jahrhundert, München/Wien, 1998, S. 258.
2 Vgl. ebd., S. 248.
3 Ebd., S. 235.
3
2. Die Türkei - ein „zerrissenes Land“ 4
Huntington bezeichnet die heutige Türkei als ein „zerrissenes Land“ 5 . Die Türkei ist einerseits mit dem Westen verbunden und möchte sich, nicht zuletzt durch das EU-Beitrittsgesuch von 1987, dem Westen noch mehr annähern. Andererseits ist sie durch ihre Geschichte auch sehr mit dem Islam verbunden. Doch um diese These zu verstehen, muss man zunächst einen Blick auf die Entwicklungen in der Türkei seit Anfang des letzten Jahrhunderts werfen. Nachdem das Osmanische Reich zusammengebrochen war, fanden in den Zwanziger und Dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts grundlegende Veränderungen in der Türkei statt. Mustafa Kemal Atatürk, erster Staatspräsident der Türkei, wollte mit verschiedenen Reformen das Land in einen modernen, laizistischen und homogenen Nationalstaat umformen und ihn europäisieren. Zunächst setzte er den Sultan ab und hob das Kalifat 6 auf. Die herrschenden osmanischen Gesetze wurden abgeschafft und durch westliche ersetzt. Atatürk übernahm unter anderem das Zivilrecht von den Schweizern und das italienische Strafrecht 7 . Auf religiös-traditioneller Ebene führte Atatürk ebenfalls Neuerungen ein: Männern wurde das Tragen des Fes 8 verboten, sie sollten stattdessen Hüte, wie sie in Europa üblich waren, tragen. Frauen wurde angeraten, sich nicht mehr zu verschleiern. Ende der Zwanziger Jahre setzte er eine letzte große Reform durch. Das arabische Alphabet wurde durch das lateinische ersetzt und arabische wie persische Einflüsse aus der türkischen Sprache entfernt 9 . Im Laufe der Jahre wurde die Annäherung der Türkei an den Westen immer deutlicher. Während die Türkei im Zweiten Weltkrieg neutral blieb, näherte sie sich in den 50er Jahren immer mehr dem Westen an. 1952 wurde die Türkei Mitglied in der NATO und erhielt in den folgenden Jahrzehnten viele Subventionen aus dem Westen. Während des Kalten Krieges gründeten die USA Militärstützpunkte auf türkischem Boden und die Türkei wurde zur „Südflanke der NATO“ 10 . Nach Ende des Kalten
4 Ebd., S. 258.
5 Ebd.
6 Ein Kalif ist ein Nachfolger des Propheten Mohammed und das Oberhaupt muslimischer Gemeinschaften.
7 Vgl. Riedel, Sabine: Die Türkei und Europa: Probleme zwischen Integration und Migration. In: Südost-Institut München (Hrsg.):Südosteuropa, Bd. 48 Heft 1-2, München,1999, S. 59.
8 Der Fes war sehr beliebt, da sich die Männer damit beim Beten bis auf den Boden verneigen konnten. Vgl. Rüstow, Dankwart A. (Hrsg.): Die Türkei. Brücke zwischen Orient und Okzident, Göttingen, 1990, S. 43.
9 Vgl. Steinbach, Udo: Europas Brücke zur isla mischen Welt. Die Türkei auf Identitätssuche, in: Wichern-Verlag GmbH (Hrsg.): Blätter für deutsche und internationale Politik, Bd. 41, Heft 10, Bonn, 1996, S. 1237.
10 Tibi, Bassam: Die postkemalistische Türkei. Zwischen EU und pantürkischem Islamismus, in : Weidenfeld, Prof. Dr. Dr. h.c. Werner (Hrsg.): Internationale Politik, Bd. 53; Heft 1, Berlin, 1998, S. 1.
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Arbeit zitieren:
Monika Nath, 2003, Die Türkei zwischen dem Westen und dem Islam, München, GRIN Verlag GmbH
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