Inhaltsverzeichnis
Einführung 3
I Theoretische Grundlagen 4
1. Forschungslage der Zweitsprachenerwerbsforschung 4
1. 1 Die wichtigsten Hypothesen der Zweitsprachenerwerbsforschung 5
1. 1 1 Die Kontrastivhypothese 6
1
1. 1 2 Die Identitätshypothese 7
1. 1 3 Die Interlanguale Hypothese 7
2. Deutsch als Zweitsprache 8
3. Die Entwicklung des Zweitsprachenunterrichts Deutsch 9
3. 1 Der Erwachsenenunterricht 9
3. 2 Zweitsprachenunterricht Deutsch für Kinder und Jugendliche 10
4. Lehrerausbildung im Fach Deutsch als Fremdsprache 11
II Praktische Beispiele für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache 14
1. Didaktisch methodische Aspekte für den Unterricht mit Sprachanfängern in
Deutsch als Zweitsprache 14
2.Didaktitisch methodische Aspekte für den Unterricht mit Erwachsenen in Deutsch
als Zweitsprache 19
3. Situation des Zweitsprachenunterrichts Deutsch in Hannover anhand einiger Bei-
spiele 21
3. 1 Zweitsprachenunterricht Deutsch in der Grundschule 21
3. 2 Zweitsprachenunterricht für Jugendliche 24
Schlussbemerkung 25
Literaturangabe
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Einführung
Sprache ist eine, nur Menschen vorbehaltene, Ausdrucksform, daß sich von allen anderen Verständigungsmöglichkeiten (Tiersprachen, künstliche Programmiersprachen) durch ihre Kreativität und Fähigkeit zur begrifflicher Abstraktion unterscheidet. Sie dient dem Austausch von Gedanken, Vorstellungen und Informationen. Sie ermöglicht das Erfassen und Verstehen der Welt und die Herausbildung der individuellen Identität, so wie die Aufnahe und Mitteilung wichtiger Erfahrungen.
Die Erforschung des Spracherwerbs fing mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts an und wurde in den vierziger Jahren intensiviert. Die Untersuchungen haben ergeben, daß menschliche Sprache ein sehr komplexes Zeichensystem ist. Ihr Erwerb verläuft nicht durch Erlernen einzelner Vokabeln und Sätze, sondern ganzer Strukturen. Heute kon- zentriert sich die Forschung auf zwei Bereiche: auf der Untersuchung der natürlichen Erstsprachigkeit (Kindersprache) und der gesteuerten Zweit- oder Mehrsprachigkeit ( v. a. Entwicklung von Lehrverfahren).
In der vorliegenden Arbeit möchten wir uns mit dem Erwerb des Deutschen als Zweit- sprache befassen. Nach dem Überblick über die Forschunslage und die Hypothesen der Zweitsprachenerwerbsforschung werden wir auf die Situation des Zweitsprachenunter- richts in Deutschland näher eingehen (Unterricht für unterschiedliche Altersgruppen). Mit praktischen Hinweisen versuchen wir einen Verlauf der Unterrichtsstunde zu gestal- ten. Anschließend stellen wir Ausbildungsmöglichkeiten im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache dar. Zum Schluß befassen wir uns anhand einiger Beispiele mit der Lage des Zweitsprachenunterrichts Deutsch für Kinder und Jugendliche in Hannover.
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I.Theoretische Grundlagen
1. Forschungslage der Zweitsprachenerwerbsforschung
In den sechziger und siebziger Jahren wurde die Spracherwerbsforschung, eine Teildis- ziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit solchen Fragen wie z. B. wann die Sprach- erwerbsprozesse beginnen, unter welchen Voraussetzungen sie verlaufen und wie lange sie dauern beschäftigt, sehr intensiviert. Die Gründe für die rasche Entwicklung waren: die Arbeitsmigration und die Flüchtlingsbewegungen, die in diesen Jahren aus wirt- schaftlichen und politischen Gründen in Europa und in den USA stark zugenommen haben. Beobachtung der Erwachsenen und der Kinder von Gastarbeitern, Immigranten, die die Sprache des Ziellandes oft ohne der schulischen Maßnahmen erworben haben, hat die Untersuchung der Prozesse, die zum Erwerb der Mutter- und Zweitsprache führten, beschleunigt (Zweitsprachenerwerbsforschung). Zu den wichtigsten Sprachfor- schern gehört unter anderen S. D. Krashen, der die Unterscheidung zwischen Lernen und Erwerb einer Sprache eingeführt hat. Der Erwerb bezeichnet naturgegebene Sprach- entwicklung, ohne Regelkenntnis und Regelbewußtsein. Das Lernen dagegen ist an formale Lehrverfahren gebunden, an den Unterricht 1 .
Die Zweitsprachenerwerbsforschung hat zahlreiche Begriffe herausgebildet, um die un- terschiedlichen Spracherwerbstypen zu definieren. Zu den bedeutsamen Begriffen gehö- ren: Erstsprache, Zweitsprache, Bilingualismus und Fremdsprache.
Unter dem Begriff der Erstsprache, auch Muttersprache genannt, versteht man den früh- kindlichen Erwerb der Sprache, der bald nach der Geburt einsetzt, wobei der zeitliche Aspekt eine entscheidende Rolle spielt. Als Zweitsprache wird dagegen die Sprache be- zeichnet, die erworben wird, nachdem die Muttersprache bereits ganz oder teilweise er- lernt wurde. Es ist die Sprache der Immigranten in ihrem Einwanderungsland, die sie im Kontakt mit der dominierenden Bevölkerung lernen. Die Zweitsprache kann aber auch als eine gemeinsame Verkehrssprache zwischen Kommunikationspartnern mit unter- schiedlichen Muttersprachen verstanden werden (lingua franca z. B. Englisch oder Fran- zösisch). Bilingualismus liegt vor, wenn im frühkindlichen Alter gleichzeitig zwei oder mehrere Sprachen erworben werden (z. B. Mutter- Engländerin, Vater- Deutsche, Kind spricht fließend Englisch und Deutsch). Die Fremdsprache ist eine Sprache, die im 1 Digeser, Andreas: Fremdsprachendidaktik und ihre Bezugswissenschaften. Einführung, Darstellung, Kri-
tik, Unterrichtsmodelle, Stuttgart 1988, S. 373
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eigenen Land durch Unterricht in der Schule oder im Privatunterricht vermittelt wird, um die Kommunikation mit den Sprechern dieser Sprache zu ermöglichen.
Die Zweitsprachenerwerbsforschung unterscheidet drei Erwerbsarten: natürlichen (un- gesteuerten) Spracherwerb, vermittelten (gesteuerten) Spracherwerb und Wieder- erwerb 2 . Der natürliche Spracherwerb bezeichnet den Erwerb der Muttersprache. Er ver- läuft ungesteuert d. h. nicht in der Schule, ohne Einsatz von Unterricht. In einem nicht organisierten und nicht planmäßigen Prozess lernen Kinder eine Sprache von der Mut- ter und danach von anderen Kindern auf dem Spielplatz. Wenn eine Sprache durch ge- zielte, didaktische Maßnahmen in der Schule gelernt wird, spricht man von dem ge- steuerten, vermittelten Spracherwerb. Auf diese Weise wird vorwiegend Fremdsprache gelernt. Wiedererwerb bedeutet das erneute Erlernen einer Sprache, nachdem sie bereits einmal mehr oder minder beherrscht, dann aber verlernt wurde. Der Zweitsprachen- erwerb verläuft meistens zum Teil gesteuert, zum Teil ungesteuert.
1. 1. Die wichtigsten Hypothesen der ZSEF
Das Ziel der Zweitsprachenerwerbsforschung ist die Entwicklung einer Spracherwerbst- heorie, die sowohl die Prozesse des Erstsprachenerwerbs als auch des natürlichen und gesteuerten Zweitsprachenerwerbs beschreibt und erklärt. Es wurde festgestellt, daß ein Lernende, wenn er mit der Zielsprache konfrontiert ist, nicht alle sprachlichen Informa- tionen aufnehmen kann. Er speichert nur betonte Elemente eines Textes oder Gesprächs. Die weniger betonten Elemente wie z. B. Vorsilben, Nachsilben und Artikel werden häufig nicht berücksichtigt. Diesen Prozeß nennt man Dekomposition. Aus den gespei- cherten Elementen werden danach sprachliche Produktionen, die nicht immer korrekt sind, gebildet. Der Prozess wird Reintegration genannt 3 . Die Zweitsprachenerwerbsfor- schung untersucht, wie die Muttersprache und die Zweitsprache erworben werden und wie sie aufeinander wirken. Es wurden zahlreiche Hypothesen aufgestellt, die diese Fragen beantworten sollten. Zu den drei wichtigsten gehören: die Kontrastivhypothese, die Indentitätshypothese und die Interlanguale- Hypothese 4 .
2 Klein, Eberhardt: Zweitsprachenerwerbsforschung, Sprachlehr- und Sprachlernforschung und Fremd- sprachenunterricht in: Papiere zur Linguistik, Nr. 37, Tübingen 1987, S. 28 3 Hölscher, Petra, Rabitsch, Erich: Methoden- Baukasten Deutsch als Fremd- und Zweitsprache, Frankfurt am Main 1993, S. 19 4 Henrici, Gert: Studienbuch: Grundlagen für den Unterricht im Fach Deutsch als Fremd- und Zweitspra- che, Padeborn 1986, S. 97-100
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1. 1. 1. Die Kontrastivhypothese
Die Kontrastivhypothese wurde auf den behavioristischen Grundlagen entwickelt und betont die Abhängigkeit des Zweitsprachenerwerbs von der Muttersprache. Je ähnlicher sich die Erst- und Zweitsprache sind, desto leichter ist das Erlernen der Zielsprache. Je- doch ein großer Kontrast zwischen den beiden Sprachen muß nicht immer zu Schwie- rigkeiten führen z. B. ein Deutscher, der Türkisch lernt, empfindet türkische Pluralbil- dung als eine große Erleichterung.
A) Pluralbildung im Deutschen:
Tag- Tage
Vogel- Vögel Lehrer- Lehrer Mann- Männer Frau- Frauen Kind- Kinder Bank- Bänke Park- Parks Übertragung der Regel eigener Sprache auf die Zielsprache kann auch zu Fehlern füh- ren, die als negativer Transfer, Interferenz oder interlinguale Interferenz bezeichnet werden (das Koreanische und das Deutsche). (A ) Im Koreanischen stehen die Pronomen immer am Ende des Satzes (B) Ein von Koreaner gebildeter, deutscher Satz lautet: “Warum nicht kommst du”
Fehler können auch entstehen, wenn eine bereits erlernte Regel innerhalb derselben Sprache fehlerhaft angewendet wird (Übergeneralisierung oder intralinguale Interferenz).
(A) Die schwachen Verben im Deutschen:
spielen- spielte- gespielt (B)Die Übertragung der Regel der schwachen Konjunktion auf die starken Verben: gehen- gehte- gegeht
5 el- Hand
6 okul- Schule
6
Wenn die Übertragung der Regel zu keinen Fehlern führt, weil die Regel der Mutter- sprache und der Zielsprache übereinstimmen, wird vom positiven Transfer gesprochen.
1. 1. 2. Die Identitätshypothese
Diese Hypothese betont die Rolle der angeborenen Prozesse, die der Lerner schon beim Erwerb der Muttersprache einsetzt. Lerner mit unterschiedlichen Muttersprachen und im unterschiedlichen Alter erwerben die Zweitsprache alle auf die gleiche Weise, in glei- chen Entwicklungssequnenzen. Fehler der Lernenden gleichen sich sehr stark. Es gibt ein bestimmtes System, wonach die Fehler entstehen. Sie gehören zu den notwendigen Entwicklungsstadien im Lernprozeß.
Der Erwerb der Negation verläuft bei allen Lernern in den gleichen Entwicklungsse- quenzen:
1. Satzexterne Negation, der Negator steht am Satzanfang:
-nein kaputt, nein spielen Katze
2. Satzinterne Negation, der Negator steht in der Mitte
- ich nicht essen, ich nicht bleibe hier
1. 1. 3. Die Interlanguage- Hypothese
In dieser Hypothese wird angenommen, daß Lerner ein bestimmtes Sprachsystem bilden, interlanguage, Interimsprache oder Lernersprache genannt, um eine Zweitspra- che zu erwerben. Die Lernersprache bezeichnet eine Zwischenstufe zwischen Mutter- und Zielsprache (Gastarbeiterdeutsch). Sie hat einen vorübergehenden Charakter, erwei- tert sich ständig und nähert der Zielsprache.
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Bozena Esskali, 2002, Methodik und Didaktik des Zweitsprachenunterrichts Deutsch, Munich, GRIN Publishing GmbH
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