Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 3
1. Abfolgeregularitäten im Mittelfeld. 5
1. 1. Syntaktische Faktoren. 5
1. 1. 1. Ergänzungen. 5
1. 1. 2. Adverbiale Bestimmung im Mittelfeld. 6
1. 1. 3. Modalpartikel, Interjektionen und Anredenominativ. 7
1. 2. Der Markiertheitsbegriff im Mittelfeld. 8
1. 3. Außersyntaktische Faktoren. 9
2. Untersuchung der Abfolgeregularitäten im Mittelfeld anhand der Novelle “Tristan
von Thomas Mann. 11
2. 1. Stellung des Subjekts. 12
2. 2. Dativ- und Akkusativergänzung. 14
Fazit. 18
Literaturverzeichnis. 19
2
Einleitung
Die Anordnung der Elemente im Satz wird unter dem Begriff “Wortstellung” zusammengefaßt. Im Deutschen unterliegt sie komplizierten Regeln und Bedingungen. Die Anwendung dieser Regel hängt von der syntaktischen Funktion, von der Bedeutung und dem Umfang der Satzglieder.
Die entscheidende Rolle in der Anordnung spielt die Stellung des Finitums. Nach der Position des finiten Verbs unterscheidet man im Deutschen drei Satztypen: den Stirnsatz, den Kernsatz und den Spannsatz. Im Stirnsatz befindet sich das Finitum in erster Position, im Kernsatz in der zweiten und im Spannsazt in der letzten Position. Zu den Funktionen (Satzarten) der Stirnsätze gehören unter anderem: 1. Entscheidungsfragesatz (adressatenbezogen): Holt Karl Milch? 2. Aufforderungssatz (adressatenbezogen): Hol Milch! 3. Wunschsatz (sprecherbezogen): Würde Karl doch Milch holen. 4. Ausrufesatz (sprecherbezogen): Holt der Karl schon wieder Milch!
Kernsätze haben unter anderem die Funktionen des Aussage-, Ausrufe- und Ergänzungsfragesatzes: 1. Aussagesatz (adressatenbezogen): Karl holt Milch. 2. Ausrufesatz (sprecherbezogen): Der Karl holt Milch! 3. Ergänzungsfragesatz (adressatenbezogen): Wer holt Milch?
Zu den Satzarten des Spannsatzes gehören unter anderem: 1. Entscheidungsfragesatz: Fragt Inge, ob er kommt? 2.Aufforderungssatz: Frag, ob er kommt!
3
3. Aussagesatz: Inge fragt, ob er kommt.
Um 1940 hat E. Drach den Begriff Felderterminologie in die Syntax eingeführt. Die Felderterminologie beschreibt die topologischen Positionen einzelner Stellungsglieder im Satz. Ursprünglich wurden in einem Satz drei topologische Felder unterschieden: Vorfeld, Mitte (die Position des finiten Verbs) und Nachfeld. Heute unterscheidet man sechs Felder, wobei die Stellung des Verbs die ausschlaggebende Rolle spielt. Das finite und infinite Teil des Verbalkomplexes (Satzklammer) teilen den Satz in drei ungleiche Felder: in Vorfeld, in Mittelfeld und Nachfeld. Vor dem Vorfeld kann sich noch eine koordinierende Konjunktion (z. B. denn, und, aber) oder Vor- Vorfeld 1 befinden. Das Vorfeld kann von einem oder mehreren Satzgliedern besetzt werden. Alle Elemente aus dem Nachfeld und der infinite Verbalkomplex können ins Vorfeld verschoben werden. Auch Subjekt kann im Vorfeld stehen (Subjekt- Verb- Inversionssätze).
Das Mittelfeld befindet sich zwischen dem Finitum und infiniten Verbalkomplex und enthält die meisten Elemente. Der infinite Verbalkomplex kann aus vielen infiniten Teilen bestehen und schließt die Verbklammer. Das Nachfeld kann auch
durch umfangreiche Elemente besetzt werden, ist jedoch nicht obligatorisch und kommt meistens in der geschriebenen Sprache vor. 2 In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit der Problematik der Mittelfelbesetzung in Haupt- und Nebensätzen befassen. Nach der kurzen Einführung in die Terminologie der Wortstellung werde ich näher auf die Abfolgeregularitäten im Mittelfeld eingehen. Anschließend versuche ich die praktische Umsetzung der grammatischen Regeln in der Novelle “Tristan” von Thomas Mann darzustellen.
1
Vor- Vorfeld kommt vor, wenn vor einem Satz mit Verb - Zweit ein satzgliedvertiger Ausdruck (eine NP
oder PP) und vor dem finiten Verb ein Demonstrativpronomen steht.
2 Engel, Ulrich: Deutsche Grammatik, Heidelberg 1988, S. 306
4
1. Abfolgeregularitäten im Mittelfeld
Im Mittelfeld treten die meisten Stellungselemente des Satzes. Hier können grundsätzlich alle Stellungsglieder vorkommen, mehrere nebeneinander. Entscheidend für die Abfolge in diesem topologischen Feld sind: die syntaktische Funktion der Folgeelemente (z. B. Ergänzung, adverbiale Bestimmung), ihre Bedeutung und Umfang.
1. 1. Syntaktische Faktoren
1. 1. 1. Ergänzungen
Die Grundfolge der Ergänzungen hängt von ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Ausdrucksklasse ab. Man unterscheidet drei Ausdrucksklassen: unbetonte Pronomina (subj, nom, gen, dat, akk), definite (SUBJ, DAT, AKK, GEN) und indefinite (Subj, Dat, Akk) Ergänzungen. Die unbetonten Pronomina sind als Personalpronomen realisiert. Es gilt bei ihnen die Reihenfolge: Subjekt vor Akkusativergänzung und vor Dativergänzung. 1. Damals habe ich es ihr erzählt.
Zu den defininten Ergänzungen zählen die definiten Determinativ/Pronomen (der, dieser, meiner u. ä.), Nominalphrasen mit definitem Artikel oder Determinativ (dies-, mein-), Eigennamen mit Nullartikel. Für diese Ausdruckform gilt die Reihenfolge: Subjekt vor Dativergänzung und Akkusativergänzung. Zu den definiten Ergänzungen gehört auch die pronominale Genitivergänzung (dessen, deren), die als letzte unter den definiten Ergänzungen erscheint. Die unbetonten Pronomina und die definiten Ergänzungen neigen dazu, am Anfang des Mittelfeldes zu stehen (Linkstendenz) 2. Damals hat Wanda ihrem Vater die ganze Geschichte erzählt. 3. Lange hatte man den Jungen Mann dessen verdächtigt.
Indefintie Ergänzungen sind entweder als indefinite Pronomina (jemand, nichts) oder als Nominalphrase mit indefinitem Artikel, Determinativ (einige, kein) und Nullartikel (nicht bei Eigennamen) realisiert. Für die indefiniten Ergänzungen gilt die Reihenfolge: Subjekt vor Dativergänzung und vor Akkusativergänzung. 4. Damals hat jemand allen Leuten unsinnige Geschichten erzählt.
5
Arbeit zitieren:
Bozena Esskali, 2000, Mittelfeld im Deutschen - theoretische Ausführungen mit praktischen Beispielen, München, GRIN Verlag GmbH
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