Inhaltsverzeichnis
1 Entstehung der Schweigehypothese 1
2 Die Theorie der Schweigespirale 3
2.1 Kernpunkte der Theorie 3
2.1.1 Erl auterung des Spiralprozesses 3
2.1.2 Ausnahmen der Schweigespirale 3
2.1.3 Hypothesen aus den verschiedenen Wissenschaften 3
2.2 Belege zur Schweigespirale 6
2.2.1 Bedeutung der Geschichtsphilosophie 6
2.2.2 Konformit atsforschung und Eisenbahntest 7
2.3
O ffentliche Meinung 8
2.3.1 Erkl arung des Schaubildes 8
2.3.2 Definition der offentlichen Meinung 9
2.3.3 Unterscheidung zwischen latenter und manifester Funktion 9
2.3.4 Fragekatalog zur Analyse 10
2.3.5 Beispiel f ur Prozess der offentlichen Meinung 10
2.4 Rolle der Massenmedien 11
2.4.1 Wirkungsfaktoren 11
2.4.2 Thematisierung durch die Massenmedien 12
2.5 Kritische Standpunkte zur Theorie 13
2.5.1 Randbedingungen der Schweigespirale 13
2.5.2 Unterscheidung zwischen inhaltlicher und methodischer Kritik 13
2.5.3 Kritikpunkte nach Donsbach 14
2.5.4 Schlussgedanken zur Kritik 14
3 Bewertung der Schweigespirale und Ans atze zur Weiterentwicklung 16
Literaturverzeichnis 18
1 Entstehung der Schweigehypothese
Die Theorie der Schweigespirale wurde Anfang 1970 von der wohl bekanntesten deutschen Publizistikwissenschaftlerin Elisabeth Noelle-Neumann aufgestellt und z¨ ahlt zu den bekanntesten, aber auch umstrittensten sozialpsychologischen Konzepten. Den Anstoß f¨ ur die Entwicklung der Theorie der Schweigespirale lieferte das Wahljahr 1965, in dem ein unerwartetes Ph¨ anomen zum Vorschein kam (s. Abb. 1).
Nachdem Umfragen zufolge die CDU/CSU und die SPD ¨ uber Monate hinweg in etwa
gleichauf lagen, gewann letztendlich die CDU/CSU mit einem ¨ uber zehnprozentigen
Vorsprung. Diese scheinbar unlogische Entwicklung warf Spekulationen und R¨ atsel auf und zahlreiche Untersuchungen folgten, zumal sich im Wahljahr 1972 dieses Ph¨ anomen wiederholte. Zun¨ achst lagen die beiden großen Parteien Kopf an Kopf, jedoch erlangte die SPD wenige Wochen vor der Wahl einen Vorsprung, der ihren Sieg bedeutete. Jeweils kurz vor den Wahlen ließ sich ein ” last-minute-swing“, der sogenannte Mitl¨ aufereffekt
zugunsten der allgemeinen Siegeserwartung beobachten (Noelle-Neumann 1996, S. 16). In der Bev¨ olkerung waren die Zahlen der SPD und CDU/CSU-Anh¨ anger nachweislich
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gleich, jedoch schien das Auftreten in der ¨ Offentlichkeit eine entscheidende Rolle f¨ ur die uberraschenden Wahlergebnisse zu spielen. 1972 zeigte die SPD ihre ¨ Uberzeugungen und ¨
Ansichten ¨ offentlich mit einer wesentlich st¨ arkeren Begeisterung als ihre Gegnerpartei. Offensichtlich hat dieses Verhalten vor allem den unentschlossenen Teil der Bev¨ olkerung dazu bewogen, die SPD zu w¨ ahlen und sich somit der siegesreichen Seite anzuschließen. Das Kr¨ afteverh¨ altnis beider Parteien wurde von den B¨ urgern falsch eingestuft und w¨ ahrend die SPD nach außen stark auftrat, konnte die CDU/CSU diese Euphorie nicht verbreiten. Dabei ging es im Wesentlichen wohl nicht darum auf der Siegesseite zu sein, sondern die Beweggr¨ unde der Menschen lagen vielmehr darin, sich nicht zu isolieren und schlossen sich der Mehrheit an. Folglich war die Isolationsfurcht die essentielle Kraft, die diese Entwicklung hervorgerufen hat und besonders bei jenen Personen mit schwachem Selbstbewusstsein und wenig Interesse an dem politischen Geschehen findet diese Erkl¨ arung ihre Berechtigung (Noelle-Neumann 1996, S. 20). Daraus entwickelte sich eine eigene Dynamik, die sogenannte Schweigespirale, die im Folgenden noch genauer erl¨ autert wird.
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2 Die Theorie der Schweigespirale
2.1 Kernpunkte der Theorie
2.1.1 Erl¨ auterung des Spiralprozesses
Der Spiralprozess dieser Theorie entwickelt sich dadurch, dass Menschen schweigen, wenn sie die Mehrheitsmeinung gegen sich glauben, die andere Seite jedoch bereit dazu ist, ¨ offentlich ihre Meinung zu zeigen. Dadurch wird die tats¨ achliche oder scheinbare Mehrheit immer st¨ arker und wortkr¨ aftiger wohingegen die tats¨ achliche oder scheinbare Minderheit immer schw¨ acher wird und schweigt.
Wer sieht, daß seine Meinung zunimmt, ist gest¨ arkt, redet ¨ offentlich, l¨ aßt
”
die Vorsicht fallen. Wer sieht, daß seine Meinung an Boden verliert, verf¨ allt in Schweigen. Indem die einen laut reden, ¨ offentlich zu sehen sind, wirken sie st¨ arker, als sie wirklich sind, die anderen schw¨ acher, als sie wirklich sind.“ (Noelle-Neumann 1989, S. 264)
Um den Spiralprozess in Gang zu bringen ist ein Anstoß, die Thematisierung einer ¨ offentlichen Angelegenheit, erforderlich und diese Situation ist besonders dann gegeben, wenn eine Gefahr f¨ ur die ¨ Offentlichkeit entsteht. Meist bringen die Massenmedien solche Themen zu Sprache und r¨ ucken sie durch ihre große Reichweite in das Licht der ¨ Offentlichkeit. Die besondere Rolle der Medien in diesem Konzept sowie die Thematisierung sollen sp¨ ater noch einmal aufgegriffen und genauer erl¨ autert werden.
2.1.2 Ausnahmen der Schweigespirale
Eine gewisse Ausnahme f¨ ur die Schweigespirale sind jene als Ketzer, Avantgardisten oder Außenseiter bezeichnete Menschen, die in der Lage sind die Gesellschaft zu ver¨ andern, da sie die Isolation nicht f¨ urchten. Solche Personen bereiten den Weg in die Zukunft und schrecken nicht vor gesellschaftlicher Missbilligung zur¨ uck. Beispiele f¨ ur diese Ausnahmen sind John Locke, der meinte, dass sich die Menschen kaum um die Gebote Gottes oder staatliche Gesetze k¨ ummern w¨ urden, oder Rainer Werner Fassbinder, der bekannte Filmregisseur, der seine Projekte nicht an die ¨ Offentlichkeit anpasst,
sondern sich selbst verwirklicht (Noelle-Neumann 1996, S. 200-212).
2.1.3 Hypothesen aus den verschiedenen Wissenschaften
Psychologie Insgesamt stellt die Schweigespirale eine Makrotheorie mit Variablenzusammenh¨ angen aus der Psychologie, der Soziologie und der Kommunikationstheorie dar. (Donsbach 1987, S. 324) Bei der Auseinandersetzung mit der Theorie zeigen die Einzelhypothesen die Bedeutung der Schweigespirale in den verschiedenen Wissenschaften auf.
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Die wichtigsten psychologischen Aspekte sind die bereits erw¨ ahnte Angst des Menschen vor Isolation und die Existenz des sogenannten ” quasi-statistischen Wahrnehmungsor-
gans“, das es den Menschen laut Noelle-Neumann erm¨ oglicht die Zu- und Abnahme von Meinungsverteilungen in der Gesellschaft zu registrieren. Dieses Organ k¨ onnte somit als Bindeglied betrachtet werden, ” das die individuelle und kollektive Sph¨ are verkn¨ upft“ (Noelle-Neumann 1996, S. 165). Durch die F¨ ahigkeit, Zustimmung und Ablehnung in der Umwelt zu erkennen, wird es dem Menschen auch erm¨ oglicht dementsprechend zu reagieren um sich nicht zu isolieren.
In einigen F¨ allen kann man auch von einer St¨ orung der Wahrnehmung des Meinungsklimas in der Bev¨ olkerung sprechen und folglich liegt dann eine Verzerrung vor, die als doppeltes Meinungsklima bezeichnet wird. In diesem besonderen Zusammenhang vermitteln die Medien ein anderes Bild des Meinungsklimas, als tats¨ achlich in der Bev¨ olkerung vorherrscht. Wenn somit die Einstellung der Journalisten und jene der Bev¨ olkerung auseinanderfallen, dann greift die Theorie der Schweigespirale nicht mehr, da sich die Minderheit in der Bev¨ olkerung durch die Unterst¨ utzung der Massenmedien gest¨ arkt f¨ uhlt und eine st¨ arkere Redebereitschaft zeigt (Noelle-Neumann 1996, S. 243). Im Zusammenhang mit den psychologischen Hypothesen besitzt die Isolationsfurcht eine besondere Bedeutung, da sie Gegenstand zahlreicher Untersuchungen war und ist, wie beispielsweise in der Konformit¨ atsforschung. Hierbei wird oftmals das Strichexperiment aus den f¨ unfziger Jahren von Solomon E. Asch angef¨ uhrt, das den Konformit¨ atsdruck aufzeigen soll (s. Abb. 2).
Im Zuge dieses Laboratoriumsexperiments wurde Versuchspersonen eine Musterlinie und drei weitere, unterschiedlich lange Vergleichslinien vorgelegt und die Frage gestellt, welche Linie der L¨ ange der Musterlinie entspr¨ ache. Dabei befand sich die jeweilige Versuchsperson allein in einem Raum mit Aschs Gehilfen, die bewusst eine eindeutig falsche Antwort gaben indem sie eine k¨ urzere Linie ausw¨ ahlten. Nun wurde beobachtet, wie sich
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Arbeit zitieren:
Sonja Kriependorf, 2003, Die Theorie der Schweigespirale - Das sozialpsychologische Konzept der öffentlichen Meinung, München, GRIN Verlag GmbH
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Die Theorie der Schweigespirale nach Elisabeth Noelle-Neumann
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