Produktionsmanagement: Soziales Kapital als Basis von Unternehmensnetzwerken
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung 2
2. Soziales Kapital 3
2.1 Definitionen 3
2.2 Abgrenzung soziales Kapital Humankapital und physisches Kapital 4
2.3 Formen des sozialen Kapitals 6
2.4 Der Rückgang des sozialen Kapitals 8
2.5 Kritik am Begriff des sozialen Kapitals 11
3. Unternehmensnetzwerke 14
3.1 Einleitung 14
3.2 Klassifizierung und Einteilung der Unternehmensnetzwerke 15
3.3 Die Unternehmung ohne Grenzen 17
3.4 Vor und Nachteile eines Unternehmensnetzwerkes 19
3.4 Die Rolle des sozialen Kapitals in einem Unternehmensnetzwerk 20
4. Ausblick 22
5. Quellen und Literaturverzeichnis 23
Printmedien 23
Internet 23
Abbildungen 23
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Produktionsmanagement: Soziales Kapital als Basis von Unternehmensnetzwerken
1. Einführung
Die Begriffe des sozialen Kapitals und der Unternehmensnetzwerke werden in der heutigen wissenschaftlichen Debatte zahlreich diskutiert. Beide Begriffe sind noch relativ neuartig und daher noch nicht einheitlich definiert. Während sich die Wissenschaftler beim Begriff der Unternehmensnetzwerke im Großen und Ganzen auf übereinstimmende Merkmale geeinigt haben, besteht beim Begriff des sozialen Kapitals noch erheblicher Nachholbedarf. Des Weiteren ist zu Beobachten, dass beide Begriffe zumeist einzeln diskutiert werden. Die- ses Phänomen der isolierten Betrachtung ist Grundlage meiner Arbeit. Ich werde versuchen bedeutende Zusammenhänge zwischen beiden Begriffen herauszuarbeiten und aufzuführen, so dass am Ende das soziale Kapital als Basis von Unternehmensnetzwerken verstanden wer- den kann.
Auf Grund des angedeuteten Nachholbedarfs bei der Begriffsdefinition des sozialen Kapitals, werde ich im ersten Teil meiner Arbeit ausführlich den Begriff des sozialen Kapitals vorstellen und diskutieren. Nach einer Definition sowie einer Abgrenzung des Begriffs zum Humankapital und physischem Kapital, folgen die verschiedenen Formen in Anlehnung an J.S. Coleman. Zum Schluss des ersten Teils werde ich den Rückgang von Sozialkapital sowie eine fundierte kritische Auseinandersetzung mit dem Begriff anführen. Als Besonderheit werde ich im ersten Abschnitt stets einen direkten Bezug zu den Unternehmensnetzwerken herstellen.
Im zweiten Teil meiner Arbeit stehen dann die Unternehmensnetzwerke im Vorder- grund. Nach einer kurzen Einleitung werde ich den Begriff der Unternehmensnetzwerke kla s- sifizieren und einteilen, die Unternehmung ohne Grenzen erläutern sowie Vor- und Nachteile eines Netzwerkes aufzeigen. Abschließend werde ich die Rolle des sozialen Kapitals hervo r- heben. Den Schluss meiner Arbeit bildet ein kurzer Ausblick über die weitere Entwicklung der beiden Begriffe.
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2. Soziales Kapital
2.1 Definitionen
Erst seit kurzem wird in der Soziologie der Begriff des sozialen Kapitals diskutiert. Salonfähig wurde der Begriff zu Beginn der Neunziger durch J.S. Coleman, der in seinem Werk `Foundations of Social Theory´ ausführlich Formen und Eigenarten des sozialen Kapi- tals beschrieb. 1 Erstmalig erschien der Begriff allerdings bereits 1977, als der französische Wissenschaftler Loury das soziale Kapital wie folgt definierte und einführte: „Mit sozialem Kapital ist die Menge der Ressourcen gemeint, die in Familienbeziehungen und in sozialer Organisation der Gemeinschaft enthalten sind und die die kognitive oder soziale Entwicklung eines Kindes oder Jugendlichen fördern. Diese Ressourcen sind von Person zu Person unter- schiedlich und können für Kinder und Heranwachsende im Hinblick auf die Entwicklung ih- res Humankapitals von großem Vorteil sein.“ 2 Wie aus der Definition bereits zu erkennen ist, war der Grund für die Einführung des Begriffes der, dass Loury die sozialen Ressourcen identifizieren wollte, die für die Entwicklung von Humankapital von Nutzen sind. Ganz anders geht Coleman in seinem 1990 erschienenen Werk vor. Coleman stellt fest, dass sich soziales Kapital aus einer Vielzahl verschiedener Gebilde zusammensetzt. Da- bei gehören die Gebilde stets einer bestimmten Sozialstruktur an. Diese Zugehörigkeit begünstigt bestimmte Handlungen von Individuen, die sich innerhalb der Struktur befinden. Daraus schließt Coleman, dass soziales Kapital produktiv ist, denn es ermöglicht die Verwirklichung bestimmter Ziele, die ohne es nicht möglich wären.
Zum Abschluss der Definition des sozialen Kapitals ist es noch von Bedeutung, die Aussage von Herrmann-Pillath und Lies wiederzugeben: „Sozialkapital ist ein Begriff, den derzeit Soziologen, Politik- und Wirtschaftswissenschaftler insbesondere in entwicklungspolitischen Zusammenhängen diskutieren. Die Diskussion um Definition, Instrumentalisierung und Steuerbarkeit ist von verschiedenen Ansätzen gekennzeichnet und noch nicht abgeschlossen.“ 3 Auch ich habe bei meinen Nachforschungen keine einheitliche Definition von sozialem Kapital finden können. Am verständlichsten erklärt Martin Paldam
1 vgl. J.S. Coleman (1990): Foundations of Social Theory, S. 388–417.
2 vgl. Loury (1977): A dynamic theory of racial income differences.
3 vgl. Herrmann-Pilath/Lies (2001): Stakeholderorientierung als Management sozialen Kapitals .
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soziales Kapital: „Recently it has become increasingly common to describe the `glue` generating excess cooperation as social capital. This glue makes people work together either for their own reasons or due to pressures within the group. Third party enforcement is the alternative to social capital.” 4 Doch auch bei dieser Definition ergibt sich ein Widerspruch. Denn wenn das Einwirken Dritter im Gegensatz zum sozialen Kapital steht, wie können Außenstehende dann neues soziales Kapital bilden? Man sieht also, dass sich die Wissenschaftler immer noch nicht einig sind, wie denn soziales Kapital genau eingeordnet werden kann. Schlussfolgernd kann man aber hervorheben, dass Colemans Definition des „produktiven“ sozialen Kapitals im Zusammenhang mit Unternehmensnetzwerken von zentraler Bedeutung ist, da hier soziales Kapital, das vor allem auf Vertrauen basiert, die wirtschaftliche Produktivität positiv beeinflusst.
2.2 Abgrenzung soziales Kapital, Humankapital und physisches
Kapital
Um den Begriff des sozialen Kapitals besser verstehen zu können, ist es wichtig, ihn vom Humankapital insbesondere, aber auch vom physischen Kapital abzugrenzen. 5 Phys isches Kapital wird geschaffen, indem man Material so verändert, dass daraus Werkzeug entsteht. Diese Werkzeuge erleichtern dann die Produktion. Als Beispiel für physisches Kapital können Maschinen, Werkzeuge und andere Produktionsanlagen genannt werden. Da phys isches Kapital eine sichtbare und materielle Form besitzt, kann man es als völlig konkret bezeichnen. Bereits deutlich weniger konkret ist das Humankapital. Humankapital entsteht dadurch, dass sich Personen neue Fähigkeiten und Fertigkeiten, in anderen Worten Wissen, aneignen, die es ihnen erlaubt auf eine neue Art und Weise zu handeln. Neu geschaffenes Humankapital erleichtert und verbessert daher die Produktivität des Individuums. Soziales Kapital ist hingegen nur wenig konkret. Es entsteht, wenn sich die Beziehungen zwischen Personen so verändern, dass bestimmte Handlungen erleichtert werden. Die Beziehungen zwischen den Personen ve rkörpern also das soziale Kapital. Trotz seiner nur wenig konkreten Form, erleichtert das soziale Kapital ebenfalls die Produktivität. Nimmt man als Beispiel eine zusammengeschweißte Gruppe, die sich gegenseitig viel Vertrauen schenkt und vergleicht deren Produktivität mit der einer neu zusammengewürfelten Gruppe, so erkennt man schnell,
4 vgl. Martin Paldam (2000): Social Capital: One or Many? S. 2.
5 vgl. J.S. Coleman (1990): Foundations of Social Theory, S. 394–395.
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dass die zusammengeschweißte Gruppe eine erheblich höhere Produktivität erreicht. Das liegt dar- an, dass durch das gegenseitige Vertrauen und die Erfahrung miteinander, wesentlich schne ller neue Aufgaben aufgeteilt und durchgeführt werden können, da jeder den anderen einschätzen kann und auch über dessen Stärken und Schwächen Bescheid weiß. Coleman hat in seinem Buch eine Graphik erstellt, um zwischen Humankapital und sozialem Kapital zu unterscheiden. Diese möchte ich, allerdings in leicht veränderter Form, nun präsentieren und erklären. 6
Die drei Eckpunkte A, B und C verkörpern jeweils eine Person. Jede Person verfügt über Humankapital (hier die Kästchen), welches natürlich von Person zu Person unterschiedlich sein kann. Daher hab ich die Kästchen in verschiedenen Farben dargestellt. Die Verbindungslinien zwischen den einzelnen Personen entsprechen dem sozialen Kapital. Sie symbolisieren die Beziehungen der einzelnen Personen untereinander. Auch sie können unterschiedlich stark (dick) sein.
Diese Beziehungslogik ist nun auch für Unternehmensnetzwerke von entscheidender Bedeutung. So bildet sich auch zwischen Unternehmen sozia les Kapital, welches von mal zu mal unterschiedlich stark sein kann. Da, wie oben bereits besprochen, soziales Kapital produktivitätssteigernd wirkt, muss es das Bestreben von Unternehmen, insbesondere Unternehmensnetzwerken, sein, dieses soziale Kapital zu fördern und dauerhaft zu verbessern. Es ist ja auch hinlänglich bekannt, dass Unternehmen die Bildung von
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Humankapital fördern bzw. erst Personen mit ausreichendem Humankapital einstellen. Auch das physische Kapital wird von Unternehmerseite seit jeher verbessert, denn nur moderne Produktionsanlagen machen wir tschaftliche Produktion in jeglicher Form erst möglich. Auf die Möglichkeiten zur Stärkung und Herstellung von sozialem Kapital werde ich im dritten Teil noch ausführlich zu sprechen kommen.
2.3 Formen des sozialen Kapitals
Da sich die gesamte wissenschaftliche Diskussion auf die Begriffsdefinitionen von Coleman beruft, werde ich nun die von Coleman vorgestellten Formen des sozialen Kapitals aufführen und erläutern. 7 Zwar haben andere Wissenschaftler wie z.B. Putnam, Paldam oder Herrmann-Pillath/Lies ihre eigenen Definitionen formuliert, doch auf jegliche Formen und Varianten des sozialen Kapitals einzugehen, würde den Rahmen dieser Hausarbeit sprengen. Die wohl wichtigste Form des sozialen Kapitals ist die der Verpflichtungen und Erwartungen. Sie spielt auch im Zusammenhang mit den hier untersuchten Unternehmensnetzwerken eine bedeutende Rolle. Nehmen wir zum Beispiel an, dass Unternehmen A etwas für Unternehmen B tut. A setzt in B also Vertrauen, dass B in der Zukunft eine Gegenleistung erbringt. So entsteht für A eine Erwartung an B und für B eine Verpflichtung gegenüber A. Diese Verpflichtung kann man quasi auch als „Gutschrift“ betrachten, die A bei B einlösen kann. Eine Anhäufung von diesen Gutschriften ergibt analog zum Finanzkapital eine gewisse „Kreditmasse“. Je mehr A an Gutschriften besitzt, desto höher ist das soziale Kapital von A. Voraussetzung für jegliche Art von Verpflichtungen ist natürlich gegenseitiges Vertrauen. Könnte A nämlich nicht darauf vertrauen, dass B seine Verpflichtung einhält, so wären A`s Gutschriften uneinbringliche Forderungen und völlig nutzlos. Es wäre kein soziales Kapital vorhanden. Vertrauenswürdigkeit kann somit auch als eine Form des sozialen Kapitals betrachtet werden.
Ein Beispiel Colemans illustriert wie wertvoll soziales Kapital zwischen mehreren Unternehmern sein kann. So werden in einer Gemeinschaft von Farmern Geräte ständig verliehen, so dass die einzelnen Farmer mit geringem eigenem physischem Kapital ihre Arbeit erbringen können. Teilweise fährt ein Farmer sogar das Heu eines anderen ein. Das
6 vgl. Abbildung. J.S. Coleman (1990): Foundations of Social Theory, S. 395.
7 vgl. J.S. Coleman (1990): Foundations of Social Theory, S. 395–407.
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Quote paper:
Ingo Karasch, 2002, Soziales Kapital als Basis von Unternehmensnetzwerken, Munich, GRIN Publishing GmbH
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