Erklärtes Ziel meiner Proseminar-Arbeit war es, den Sport als Mittel zur Integration sozialer Randgruppen zu untersuchen. Zunächst unklar formulierte Fragestellungen, wie zum Beispiel „Ist Sport ein Allheilmittel zur Integration?“, musste ich aufgrund ihres suggestiven Charakters und der Fülle der zu beleuchtenden Aspekte bald verwerfen. Meine Literatur-Recherchen machten rasch klar, dass der gewählte Themenbereich auf mehreren Wegen sinnvoll bearbeitet werden kann. Einerseits ist es möglich, sich auf psychologische Aspekte zu beschränken. Die psychischen Auswirkungen des sportlichen Treibens sowie die gruppendynamischen Prozesse, die es – im Kollektiv ausgeübt – hervorruft, wären dann mögliche Ansatzpunkte zur Untersuchung der Frage, ob und inwieweit Sport sozial Schwächere in die Gesellschaft integrieren kann. Eine andere Möglichkeit an das Thema heranzutreten wäre die Einengung auf eine bestimmte Sportart. So ließe sich auch die Fragestellung untersuchen, ob professionelle Fußballmannschaften mit (meist) hohem Ausländeranteil die Beliebtheit der in ihr vertretenen Nationalitäten erhöhen kann. Konkret dachte ich hierbei an den SV Bad Bleiberg, mit zahlreichen Spielern ehemals slowenischer Herkunft in seinen Reihen in dieser Saison überaus erfolgreich – der Kader ist unter nachfolgendem Link nachzulesen - und an die soziale Stellung der Slowenen in Kärnten allgemein. Obgleich mich dieses Thema sehr interessiert hätte, musste ich feststellen, dass für so konkrete Fallbeispiele noch gar nicht oder zumindest zu wenig publiziert wurde, um eine gewissenhafte hermeneutische Bearbeitung zu gewährleisten. Ich entschied mich letztlich für eine Untersuchung der Afroamerikaner, die im Sport zweifellos umjubelte Nationalhelden stellen, im Alltag aber weiterhin mit Rassismus konfrontiert werden. Ich halte ich es für notwendig, sich zu Beginn der Arbeit mit dem Begriff der Rasse ein wenig näher auseinander zu setzen, da historisches Verständnis zu diesem Begriff auch das Phänomen Rassismus begreiflicher werden lässt. Danach möchte ich kurz den Prozess der Gleichberechtigung der Afroamerikaner im Sport beleuchten um dann auf die Stellung afroamerikanischer Spitzensportler von heute überzuleiten. In weiterer Folge wird die Frage zu beantworten sein, warum schwarze Athleten in so vielen Disziplinen dominieren und wie die weiße Gesellschaft auf diese Dominanz reagiert. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Vorwort
2 Einleitung
3 Vom Begriff der Rasse zum Rassismus
3.1 Die Rasse – ein Begriff aus der Biologie
3.2 Rassismus – ein Phänomen des 20. Jahrhunderts
4 Die Weg zur Gleichberechtigung der Afroamerikaner im Sport
4.1 Geschichtlicher Rückblick
4.2 Die Position der Afroamerikaner im Sport von heute
5 Gründe für die Dominanz schwarzer Athleten
6 Integration durch den Sport
6.1 Zum Begriff der Integration
6.2 Sozial-integrative Funktion des Sports
7 Projekte zur Förderung der Integration mittels Sport
8 Abstract
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Sport als Instrument zur Förderung der sozialen Integration von Afroamerikanern in den USA und prüft, inwieweit er als Mittel zur Bekämpfung von Rassismus dienen kann. Dabei steht die Frage im Zentrum, ob der Sport tatsächlich einen Beitrag zur Gleichberechtigung leisten kann oder ob strukturelle Diskriminierungen fortbestehen.
- Historische Entwicklung der Integration von afroamerikanischen Athleten
- Analyse der aktuellen Position und Chancen von schwarzen Spitzensportlern
- Untersuchung der sportlichen Dominanz schwarzer Athleten und deren Ursachen
- Sozial-integrative Funktionen des Sports und seine Grenzen
- Überblick über Integrationsprojekte im sportlichen Kontext
Auszug aus dem Buch
Die Position der Afroamerikaner im Sport von heute
79% der Spieler in der NBA, 70% in der NFL und immerhin noch 20% in der MLB werden von schwarzen Athleten gestellt. Die Erfolge von Ausnahmeerscheinungen wie Carl Lewis, Michael Jordan oder dem eben angesprochenen Tiger Woods scheinen die Fairness und Gleichheit des amerikanischen, leistungsorientierten Systems zu bestätigen.
Phoebe Weaver Williams, Professor an der Marquette University in Milwaukee, fasst die, von schwarzen Athleten verkörperte, amerikanische Botschaft wie folgt in Worte:
„If you are truly talented, work hard, have something of value to offer, and function from an individualistic rather than victim perspective, our society will reward you in a colorblind fashion.” (Weaver Williams, Phoebe. 1996. „Performing in a Hostile Environment“. Quelle: http://academic.udayton.edu/race/04needs/performing.htm. 07.05.2002)
Doch mit Frustration muss man bemerken, dass schwarze Athleten weiterhin Opfer von Rassen-Verachtung sind. So findet sich an späterer Stelle im eben zitierten Text folgende Aussage: „Another message emerges: no matter what the accomplishment, no matter how appropriate the deportment, for some, African-Americans will remain an object of racial hostility.” (Weaver Williams, Phoebe. 1996. „Performing in a Hostile Environment“. Quelle: http://academic.udayton.edu/race/04needs/performing.htm. 07.05.2002)
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Betrachtung der globalen Situation und die Rolle des Sports als vermeintlich neutrale und wertfreie Institution der Völkerverständigung.
Einleitung: Darstellung der Zielsetzung der Arbeit, den Sport als Mittel zur Integration sozialer Randgruppen am Beispiel afroamerikanischer Athleten zu untersuchen.
Vom Begriff der Rasse zum Rassismus: Historische Herleitung und Definition der Begriffe Rasse und Rassismus sowie deren gesellschaftliche Auswirkungen.
Die Weg zur Gleichberechtigung der Afroamerikaner im Sport: Überblick über die historische Entwicklung der Einbindung schwarzer Athleten und ihre aktuelle Stellung in den USA.
Gründe für die Dominanz schwarzer Athleten: Diskussion wissenschaftlicher Erklärungsansätze für die sportliche Überlegenheit, insbesondere basierend auf genetischen Faktoren.
Integration durch den Sport: Analyse der integrativen Wirkung des Sports und der damit verbundenen Möglichkeiten für soziale Identifikation und Kooperation.
Projekte zur Förderung der Integration mittels Sport: Vorstellung europäischer Programme wie Eurathlon, die Sport als Instrument für gesellschaftspolitische Ziele nutzen.
Abstract: Zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse der hermeneutischen Untersuchung.
Schlüsselwörter
Sport, Rassismus, Afroamerikaner, Integration, Soziale Identifikation, Genetik, Diskriminierung, Gleichberechtigung, Eurathlon, Sportpsychologie, USA, Vorurteile, Leistungsgesellschaft, Ethnizität, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die sozial-integrative Funktion des Sports und die spezielle Rolle von afroamerikanischen Athleten im Kontext von Rassismus und Gleichberechtigung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Geschichte des Rassismus, die Emanzipation schwarzer Athleten, die Hintergründe ihrer Dominanz in bestimmten Sportarten und den Sport als Mittel der Integration.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Es wird erforscht, ob Sport ein wirksames Instrument zur sozialen Integration benachteiligter Gruppen darstellt und inwieweit er helfen kann, rassistische Strukturen aufzubrechen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Der Autor führt eine hermeneutische Untersuchung durch, um die Fragestellungen theoretisch zu interpretieren und einzuordnen.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Untersuchung behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition von Rassismus, die historische Entwicklung afroamerikanischer Sportler, die Diskussion über genetische Überlegenheit und die Bewertung von Sport als Integrationsmedium.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Inhalt charakterisieren?
Die zentralen Aspekte lassen sich durch Begriffe wie Rassismus, Sport, Integration, afroamerikanische Athleten und soziale Gerechtigkeit definieren.
Warum dominieren schwarze Athleten laut Jon Entine bestimmte Sportdisziplinen?
Entine führt diese Dominanz auf evolutionär bedingte genetische Prädispositionen und Anpassungen an spezifische Umweltbedingungen zurück.
Welche paradoxe Situation wird für schwarze Spitzensportler identifiziert?
Obwohl sie auf dem Spielfeld als umjubelte Helden gelten, finden sich Afroamerikaner nur äußerst selten in den einflussreichen Management-Positionen des Sports wieder.
- Quote paper
- Robert Csapo (Author), 2002, Weltklasseleistungen in einer feindlichen Umwelt - Schwarze Athleten und ihr Kampf gegen den Rassismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/22141