Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis III
1 Einleitung 1
2 Gegenstandstheoretische Überlegungen 3
2.1 Begriffsbestimmungen. 3
2.1.1 Sprachheilpädagogik vs. Logopädie. 3
2.1.2 Interdisziplinarität. 4
2.1.3 Sprachstörung vs. Sprachbehinderung 1
2.1.4 Aussprachestörung vs. Artikulationsstörung. 3
2.1.5 Abgrenzung phonologische und phonetische Entwicklungsstörung 4
2.1.6 Ursachen und Symptomatik phonetischer Entwicklungsstörungen 5
2.1.7 Das Prinzip der Koartikulation. 6
2.2 Der kindliche Lauterwerb 7
2.3 Problemstellung 11
2.4 Zusammenfassung 12
3 Der Computer in der Sprachtherapie. 14
3.1 Ausgewählte konzeptionelle Therapieansätze und Fördermöglichkeiten für
Kinder mit phonetischen Entwicklungsstörungen. 14
3.1.1 “Motokinästhetischer Ansatz nach Strinchfied - Hawk und Young 14
3.1.2 „Phonetischer Ansatz“ nach Skripture Jackson 15
3.1.3 „Hörtraining und progressive Lautannäherung“ nach Van Riper und
Irwin 15
3.2 Der Einsatz von Medien 16
3.2.1 Der Begriff des Mediums 16
3.2.2 Medien in der Sprachtherapie 17
3.3 Der Computer in der Sprachtherapie 22
3.3.1 Erarbeitete Kriterien für den Einsatz von Computerprogrammen 23
3.3.1.1Programmtechnik 25
3.3.1.2Fachdidaktik.............................................................................. 25
3.3.1.3Interaktivität............................................................................... 25
3.3.2 Sonderpädagogische Software zur Förderung von Kindern mit
phonetischen Enwicklungsstörungen 26
3.3.2.1Hauptkriterien............................................................................ 26
3.3.2.2Nebenkriterien 29
Anschlussm öglichkeiten für Peripheriegeräte 29
3.4 Zusammenfassung 31
4 Das Programm „IBM Sprechspiegel III“ 32
4.1 Vorbemerkung zum Einsatzbereich 32
4.2 Programminhalt und Funktionsweise 32
4.2.1 Systemvoraussetzungen 32
4.2.2 Kosten. 33
4.2.3 Inhalt. 33
4.2.4 Funktionsweise 34
4.3 Die Umsetzung der gewählten Kriterien im „Sprechspiegel III“ 36
4.3.1 Hauptkriterien 36
4.3.1.1Motivation 36
4.3.1.2Feedback.................................................................................. 36
4.3.1.3Hörkontrolle / Hörerziehung 37
4.3.1.4Übersichtlichkeit 40
4.3.1.5Interaktivität............................................................................... 40
4.3.2 Nebenkriterien. 41
4.3.2.1Spracheingabe / Sprachverarbeitung 41
4.3.2.2Layout 41
4.3.2.3Anschlussmöglichkeiten für Peripheriegeräte 43
4.4 Beispiel für ein mögliches Förderkonzept mit dem “Sprechspiegel III 43
4.5 Zusammenfassung 46
5 Resümee und Ausblick 47
Abkürzungsverzeichnis
Abb. Abbildung Bd. Band bspw. Beispielsweise bzw. Beziehungsweise ed. Editor eds. Editors erg. ergänzt(e) erw. erweitert(e) et al. et alii etc. et cetera f. Folgende ff. Fortfolgende Inc. Incorporated neubearb. neubearbeitet(e) rev. revidiert(e) S. Seite Sp. Spalte u.a. und andere(s) überarb. überarbeitet(e) Univ. Universität unveränd. unverändert(e) vollst. Vollständig WWW World Wide Web z.B. zum Beispiel zugl. Zugleich u.v.m. und viele(s) mehr ITG Informationstechnische Grundbildung WHO World Health Organisation
Anforderungen an Computerprogramme bei Kindern mit phonetischen
Entwicklungsstörungen
1 Einleitung
Mitte der 90iger Jahre setzte ein rasanter Innovationsschub im Bereich der Computertechnik ein und veränderte zunehmend die Berufswelt und andere Lebensbereiche durch neue Informations-und
Kommunikationsmöglichkeiten. Auch auf das Bildungswesen hat dies maßgeblich Einfluss, denn die Aufgabe der Schulen besteht nun auch darin, die Fähigkeiten und Fertigkeiten im Umgang mit den neuen Medien zu vermitteln.
Das gilt für Schüler und Schülerinnen mit Behinderungen im besonderen Maße, denn sie müssen sich auch mit den neuen Techniken vertraut machen, um sich in der dadurch veränderten Lebens- und Arbeitswelt zurecht zu finden und möglichst eine Vielzahl der daraus resultierenden Erleichterungen für sich nutzbar zu machen. Ziel ist es, durch deren Einsatz „[...] das Beherrschen der Kulturtechniken, die Förderung aller kreativen, geistigen und praktischen Talente, die Befähigung zur Kommunikation [...]“ 1 zu fördern. Eine der sich bietenden Möglichkeit ist der Einsatz von Computern im Bereich der Förderung und Therapie benachteiligter Kinder und Jugendlicher. Dadurch eröffnen sich völlig neue Wege der Hilfe und Unterstützung beim Erwerb elementarer Fähigkeiten. Die damit verbundene Erweiterung aber gleichermaßen auch Erleichterung im pädagogischen Handlungsspielraum gilt es nun in ihrer gesamten Vielfältigkeit zu nutzen. Speziell in der Rehabilitation hat der Computer Einzug gehalten. Dennoch wird auch heute noch oft die Frage aufgeworfen, ob sich der Computer in der Sprachtherapie sinnvoll einsetzen lässt, zum Beispiel bei einer bestimmten Sprech- oder Sprachstörung, und die Diskussionen über die Wirksamkeit eines solchen Einsatzes werden recht kontrovers geführt. Mit steigendem Anteil der „privaten Nutzung“ im Sinne von Nutzbarkeit zur Bewältigung von Alltagsaufgaben und Lebensprozessen hat auch der „Grad der Selbstverständlichkeit einer solchen Haushaltsausstattung“ 2 zugenommen. Daraus ergeben sich gewisse
1 Hameyer, Uwe (Hrsg.): Computer in der Sonderschule - Einsatz neuer
Informationstechnologien, Belz Verlag Weinheim Basel, 1987, S. 9.
2 Süddeutsche 90, 16./17.4.1992, S. 62.
Anforderungen an Computerprogramme bei Kindern mit phonetischen
Entwicklungsstörungen
Vorerfahrungen, die den Abbau von Berührungsängsten gegenüber diesen neuen Medien begünstigen.
In meiner Arbeit werde ich einen Einblick zum Einsatz von Computern und Programmen in der Sprachtherapie geben und mich insbesondere mit den Möglichkeiten und Grenzen eines speziellen Computerprogramms beschäftigen - dem „IBM Sprechspiegel 3“. Das erste Kapitel dient zur Definition und Erklärung der in meiner Arbeit verwendeten Nomenklatur und der Problemstellung selbst. Im zweiten Kapitel werden dann ausgewählte konzeptionelle Therapieansätze vorgestellt und die Rolle, die neue Medien im Unterricht und bei der Therapie übernehmen sollen, sowie die Anforderungen, welchen sie für einen erfolgreichen Einsatz genügen müssen, betrachtet. Daraus resultierend werden allgemeingültige Kriterien abgeleitet, die sich auf Computerprogramme in der Sprachtherapie anwenden lassen.
Das von mir für die Betrachtung ausgewählte Computerprogramm - der „IBM Sprechspiegel III“ - wird im dritten Kapitel vorgestellt, eingehender auf die abgeleiteten Kriterien untersucht und die Vor- und Nachteile dieser Anwendung bei der Therapie / Förderung phonetisch aussprachegestörter Kinder aufgezeigt.
Zugunsten der Lesbar- und Verständlichkeit wurde auf eine zweigeschlechtliche Schreibweise verzichtet und die männliche Sprachform verwendet. Grundsätzlich werden weibliche wie männliche Erzieher, Pädagoginnen und Pädagogen, Therapeutinnen und Therapeuten gleichermaßen angesprochen.
Anforderungen an Computerprogramme bei Kindern mit phonetischen
Entwicklungsstörungen
2 Gegenstandstheoretische Überlegungen
2.1 Begriffsbestimmungen
2.1.1 Sprachheilpädagogik vs. Logopädie
Die heutige Situation ist durch eine Annäherung von Sprachheilpädagogik und Logopädie gekennzeichnet. Kurz geben GROHNFELDT/RITTERFELD 3 geben einen kurzen Einblick in die historische Entwicklung beider
Disziplinen. So zeigen sie, dass sich der Mensch bereits Ende des 19. Jahrhunderts mit Sprachstörungen beschäftigt hat und Kurse für Hörgeschädigte sowie Sprachklassen eingerichtet worden sind. Die ersten Schulen entstanden um 1910, Lehramtsausbildungen folgten. Im Gegensatz dazu war die klassische Logopädie auf dem klinische Feld tätig (1910). Ab 1970 wurden Diplomstudiengänge für den außerschulischen Bereich der Sprachheilpädagogik eingerichtet.
Hinsichtlich ihres Klientel sind Sprachheilpädagogik und Logopädie gleichermaßen für Sprach-, Sprech-, Rede-, Stimm- und Schluckstörungen aller Altersgruppen zuständig, wodurch eine erheblichen Vielfalt von Erscheinungsformen und Störungsbildern auftritt, die zudem fließende Übergänge untereinander und hinsichtlich der Abgrenzung zur „Normalität“ beinhalten. Dazu kommen noch unterschiedliche Formen der Strukturen und Untergliederung.
GROHNFELDT/RITTERFELD betrachten in einem weiteren Abschnitt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Fachrichtungen. Dabei stellen sie fest, dass sich Logopädie und Sprachheilpädagogik wie kaum eine andere Berufsgruppe zwischen den wissenschaftlichen Welten hin und her bewegen, was sie auf medizinische wie auch psychologische Aspekte zurückführen. Dadurch besteht nach beiden Autoren die Gefahr, dass sich unterschiedliche bis widersprüchliche Antworten auf Fragen der Entstehung, Diagnose und Behandlung von Störungen finden lassen, insbesondere dort, wo das vorhandene Wissen noch lückenhaft ist.
Beide charakterisieren Logopädie und Sprachheilpädagogik nach folgenden Kriterien: gegenstandsspezifische, angewandte, normative, interdisziplinäre und empirische Kriterien. 4
3 Vgl. Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie,
Bd. 1, Kohlhammer Verlag Stuttgart Köln Berlin 2000, S. 15.
4 Vgl. Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie,
Bd. 1, Kohlhammer Verlag Stuttgart Köln Berlin 2000, S.24.
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Entwicklungsstörungen
An anderer Stelle betrachten sie die Handlungsfelder und Organisationsformen in Logopädie und Sprachheilpädagogik und greifen darin nochmals die Ziele der jeweiligen Fachrichtungen auf. Wichtig erscheint den Autoren, dass vorhandene Ressourcen als Therapieansatz gefunden werden müssen und nicht einzig und allein die Einordnung der Störungen vorzunehmen ist.
2.1.2 Interdisziplinarität
Zur Individualität des Erscheinungsbildes einer Behinderung/Störung stellen GROHNFELDT/RITTERFELD 5 folgende Merkmale heraus: Zum einen muss eine genaue Beschreibung der möglichen Störungsphänomene vorhanden sein bzw. erfolgen. Des weiteren sollten alle therapeutischen Maßnahmen nicht nur auf die Ausbildung individueller sondern auch sozialer Fähigkeiten abzielen. Das erfordert natürlich den Zugriff auf das Wissen verschiedener Fachdisziplinen und -bereiche. In einem nächsten Abschnitt informieren uns die Autoren über die Interdisziplinarität des Aufgabenbereiches. Mit dem sprachgestörten Menschen beschäftigen sich verschiedene Teildisziplinen. Abb. 1 zeigt, dass sich jeder Bereich individuell mit Sprachstörungen und ihren Auswirkungen beschäftigt, ohne jedoch das Gesamtphänomen ausreichend beschreiben zu können. Linguistik, Psychologie und Medizin sind Hilfsmittel der Sprachheilpädagogik, genauso wie die Soziologie, die jedoch nur wenig Anwendungswissen liefert. Nach GROHNFELDT/RITTERFELD versteht sich die Sprachheilpädagogik als eine Integrationswissenschaft. Während sich der Diplomstudiengang mit der Diagnostik, Prävention, Evaluation, Therapie, Rehabilitation und Beratung beschäftigt, zählt für das
Lehramtsstudium noch der Unterricht und die Erziehung. Die Logopädie dagegen versteht sich mehr als medizinischer Hilfs- und Heilberuf, was sich in der Behandlungen von Störungen ausdrückt, wobei die Erforschung der Störungen nicht als primär verstanden wird. Logopädische Behandlung ist Folge medizinisch
5 Vgl. ebd.
Anforderungen an Computerprogramme bei Kindern mit phonetischen
Entwicklungsstörungen
Diagnostik. Aber auch die Logopädie umfasst Teile der Linguistik, Medizin, Psychologie und Sonderpädagogik.
2.1.3 Sprachstörung vs. Sprachbehinderung
Zunächst soll eine allgemeine Beschreibung des Begriffes „Behinderung“ gegeben werden, der auch heute noch sehr oft mit personalisierter Etikettierung und Stigmatisierung verbunden ist. Die Weltgesundheitsorganisation schlägt drei Dimensionen für den Begriff vor:
1. Schädigung (impairment): Sie bezieht sich auf die Organe bzw. deren Funktion beim Menschen. 6
2. Beeinträchtigung (disability): Darunter wird verstanden, dass die Person aufgrund ihrer Schädigung eingeschränkte Fähigkeiten gegenüber nichtgeschädigten Personen gleichen Alters hat. 7 3. Benachteiligung (handicap): Bewusste und unbewusste
Ausgrenzung in familiärer, beruflicher und gesellschaftlicher
6 Bleidick, U.: Einführung in die Behindertenpädagogik 1 6.Aufl., Kohlhammer
Verlag Stuttgart Berlin Köln, 1998, S. 11-13
7 Vgl. ebd.
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Entwicklungsstörungen
Hinsicht, seinem körperlichen und psychosozialen Umfeld, aufgrund seiner Schädigung und Beeinträchtigung. 8
Der Begriff Behinderung ist also als komplexer Zusammenhang von physiologisch/psychologischen Ursachen, deren Folgen, individueller Lebensgeschichte und sozialen Konsequenzen.
Auch im Bereich der Sprachstörung und Sprachbehinderung herrscht noch Unklarheit über den exakten Gebrauch der jeweiligen Begriffe. Basierend auf dem geschichtlichen Hintergrund, in dem Sprachstörungen als krankhafte Sprachanomalien (z.B. R. Coen, 1886, L. A. Kwint, 1928), als Sprachgebrechen (z.B. W. A. Fett 1889, O. Gottfring 1934) oder Sprachkrankheiten (Z.B. E. Fröschels 1913) 9 deklariert wurden, haben sich bis heute viele verschiedene Definitionen entwickelt. Allgemein wird der Begriff „Sprechstörung“ aber verstanden als meist körperlich, oft auch psychisch bedingte Störungen des Sprechvermögens, verursacht durch die Sprachentwicklung (hängt u. a. mit dem Hörvermögen zusammen; angeborene Taubheit ist daher mit Stummheit verbunden), Schädigungen (z. B. der Sprachzentren des Gehirns führt zu Störungen des Sprechvorgangs, z. B. zum Ausfall bestimmter Laute (Stammeln, Sigmatismen), Näseln und Silbenstolpern) aber auch nervlichen Ursachen (z. B. Stottern und Sprachverlust als Angst- und Schreckreaktion auf nervös-seelischer Grundlage).
Ich möchte mich in diesem Punkt speziell auf die Definitionen von KNURA stützen. Knura definiert den Begriff Sprachstörung als
individuell unterschiedlich verursachte und ausgeprägte Unfähigkeit zum regelhaften, alters- und entwicklungsgerechten Gebrauch der Muttersprache, die sich auf eine, mehrere oder alle Strukturebenen und Teilfunktionen des Sprachsystems erstrecken und
vorübergehend, langandauernd oder bleibend sein kann. 10
Sprachbehinderung stellt für Knura eine durch Sprachstörung hervorgerufene Beeinträchtigung im Bereich der sozialen und psychischen Entwicklung aber auch der körperlichen Leistungsfähigkeit dar.
8 Vgl. ebd.
9 Vgl. Braun, O.: Sprachstörungen bei Kindern und Jugendlichen 2.Aufl.
Kohlhammer Verlag Stuttgart 2002, S.32.
10 Vgl. Knura 1980, S.11 In O. Braun
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Entwicklungsstörungen
Sprachstörung grenzt lediglich den sprachspezifischen Funktionsausfall ein, während die Sprachbehinderung die gesamte Komplexität des Problems umfasst.
In weiteren Abhandlungen, (vgl. Wiechmann, Hesse, Orthmann, etc), wird sich auch den Begriffen der Sprachschädigung sowie
Sprachgeschädigtenpädagogik gewidmet, auf die ich aber im Rahmen dieser Arbeit nicht weiter eingehen werde.
2.1.4 Aussprachestörung vs. Artikulationsstörung
Der Begriff der Aussprachestörungen beinhaltet nach GROHNFELDT 11 phonetisch und phonologische Störungen und wird in den Bereich der Sprachentwicklungsstörungen eingeordnet. Im Laufe der Entwicklung der Sprachheilpädagogik zeigte sich zunehmend die Schwierigkeit der Abgrenzungen. Zunächst beschränkte man sich auf die Störungen der Lautbildung. Im Zuge des Fortschritts der Handlungs- und Integrationswissenschaft und dem dadurch besseren Zugriff auf Erkenntnisse aus den Nachbarwissenschaften, wurde erkannt, dass diese Eingrenzung nicht ausreichte. Bei dem Unvermögen, Laute alters- und normgerecht zu bilden, spricht man heute vom Stammeln, Dyslalie oder Aussprachestörungen. Der letztere Begriff umreißt die meisten Störungsbilder, während die Dyslalie (synonym gebraucht mit dem Stammeln) in partielle, multiple und universelle Dyslalie unterteilt ist. Auch der Begriff der Artikulationsstörung wird von vielen Autoren synonym mit Aussprachestörungen gebraucht. Zur Definition der Artikulation ziehe ich diesmal das logopädische Handlexikon heran, nach welchem die Artikulation als „alle im Ansatzrohr ablaufenden Bewegungsabläufe, die einen Laut hervorbringen“ 12 beschrieben ist. Sind diese Bewegungsabläufe fehlerhaft, spricht man von Artikulationsstörungen.
11 Vgl. Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Handbuch der Sprachtherapie Bd. 2, 2. Aufl. Wiss.
Verl. Spiess 1996, S. 9
12 Vgl. Franke, U.: Logopädisches Handlexikon 6. Aufl. Reinhardt Verlag München
Basel, 2001, S. 32.
Anforderungen an Computerprogramme bei Kindern mit phonetischen
Entwicklungsstörungen
2.1.5 Abgrenzung phonologische und phonetische Entwicklungsstörung
Allgemein unterscheiden sich Phonetik und Phonologie dadurch, dass sich die Phonetik mit der Lautbildung und deren Analyse beschäftigt und im Zentrum der Phonologie das Phonem und seine Verbindungsmöglichkeiten, Vorkommen und Funktion im Sprachsystem stehen. Bei der phonetischen Entwicklung lernt das Kind, Sprachlaute mit Hilfe seiner zentral - nervös gesteuerter Motorik angemessen zu bilden. Bei phonetischen Entwicklungsstörungen hat das Kind Schwierigkeiten, einen Sprachlaut korrekt zu bilden (z.B. der s-Fehler beim Sigmatismus). Das heißt, es bestehen Probleme hinsichtlich der Artikulationsbewegungen bei der Produktion von Sprachlauten. Dabei spielt die Bedeutung keine Rolle. Deshalb wird die phonetische Störung auch als Sprechstörung und nach der Art des fehlgebildeten Lautes bezeichnet.
Bei der phonologischen Entwicklung erwirbt das Kind die Fähigkeit, die Sprachlaute zu unterscheiden und gemäß ihrer Bedeutungsfunktion angemessen zu verwenden. Bei phonologischen Entwicklungsstörungen gelingt es dem Kind nicht oder nur eingeschränkt, produzierbare Sprachlaute hinsichtlich ihrer bedeutungsunterscheidenden Funktion zu gebrauchen, feststellbar durch die Minimalpaar- und Distributionsanalyse (Kanne - Tanne, etc).
Bei spezifischen Sprachentwicklungsstörungen treten phonologische und syntaktisch-morphologische Störungen meist in Verbindung auf, die am verspäteten Sprachbeginn zu erkennen sind; bei phonologischen und semantischen Störungen dauert es länger, bis ein nach außen hin unauffälliger Sprachentwicklungsstand erreicht ist. Dagegen stehen
semantisch-lexikalische Störungen meist in enger Verbindung mit einem retardierten Entwicklungsstand. Hauptproblem stellen dabei die Wortfindung und -bedeutung dar. Verbindungen mit anderen Sprachebenen und mögliche kognitive Funktionsschwächen deuten auf die Komplexität der Störung hin.
Ein weiteres Problem stellen die beeinträchtigten pragmatischen Fähigkeiten dar, wobei Kinder ihre Bedürfnisse nicht durch Fragen ausdrücken können. Laut GROHNFELDT/RITTERFELD 13 gibt es Zusammenhänge zwischen Spracherwerbsstörung und des
13 Vgl. Vgl. Grohnfeldt, M. (Hrsg.): Lehrbuch der Sprachheilpädagogik und Logopädie, Bd. 1, Kohlhammer Verlag Stuttgart Köln Berlin 2000, S.24.
Arbeit zitieren:
Katrin Niemann, 2003, Anforderungen an Computerprogramme zur Förderung von Kindern mit phonetischen Entwicklungsstörungen, München, GRIN Verlag GmbH
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