...“Odenwald, nie sei´s vergessen, wie so oft ich dich durchmessen, Hügel auf und Tal hinab wandernd froh am Wanderstab“ (Auszug aus dem Odenwald-Lied; Platz, W., Weinheim 1921) .
Danksagung
Ich möchte mich an dieser Stelle ganz besonders bei Herrn Prof. Dr. Heiner Flick für die Vergabe der hier vorliegenden Arbeit bedanken. Ferner bei Herrn Dr. Rainer Zühlke, der als Zweitgutachter in Erscheinung trat. Des Weiteren gilt mein Dank meinen Kollegen aus dem Umweltgeochemischen Institut der Universität Heidelberg für ihre Hilfe bei der technischen Umsetzung dieser Arbeit.
Weiterhin möchte ich mich bei meiner Familie und meinen Freunden für ihre Unterstützung bedanken. Hierbei möchte ich besonders meine Freundin Kirsten Maciejczyk hervorheben, ohne deren fachliche und moralische Unterstützung diese Arbeit wohl niemals zustande ge- kommen wäre.
Inhaltsverzeichnis
Seite
1 Einleitung 1
2 Allgemeine geographische Verhältnisse 2
2
2.1 Kartengrundlage
2
2.2 Geographische Lage
3
2.3 Anthropogeographie
4
2.4 Klimatische Bedingungen
5
2.5 Physiogeographie, Hydrologie und Aufschlussverhältnisse
3 Geologischer Rahmen 7
3.1 Die Stellung des Odenwaldes innerhalb der mitteleuropäischen Varisziden 7
10
3.2 Plattentektonisches Konzept
14
3.3 Der Odenwald
4 Stratigraphie und Lithologie 20
20
4.1 Gesteine des kristallinen Grundgebirges
20
4.1.1 Metamorphe Gesteine
28
4.1.2 Plutonische Gesteine
37
4.2 Gesteine des Deckgebirges
4.2.1 Permische Vulkanite und Rhyolith- bzw.
36
Quarzporphyr -Tuffe (Vulkaniklastite)
41
4.2.2 Buntsandstein (Mesozoikum)
42
4.2.3 Quartäre Ablagerungen
5 Tektonik 43
6 Metamorphose 48
7 Aufschlussverzeichnis 52
51
7.1 Aufschlüsse im Grundgebirge
52
7.1.1 Metamorphe Gesteine
56
7.1.2 Plutonische Gesteine
60
7.2 Aufschlüsse im Deckgebirge
8 Literaturverzeichnis 65 9 Anhang: Geologische Karte u. Schnitte 69
Kapitel 1: Einleitung Frank Bernsdorff
1 Einleitung
Die hier vorliegende geologische Diplomkartierung, die im Rahmen des Diplomstudienganges der Geologie-Paläontologie an der Ruprecht Karls Universität zu Heidelberg angefertigt wurde, stellt eine Wiederaufnahme der von Klemm (1929) im südlichen und zentralen Odenwald durchgeführten Kartierung (GK 25; Blatt Birkenau 6418(Weinheim)) dar. Das im Rahmen dieser Arbeit kartierte Gebiet, in der Gegend um Weinheim, umfasst ca. 15 km 2 und wurde in einem Zeitraum von ungefähr 8 Wochen (von Ende Oktober bis Ende Dezember 2003) in einem Maßstab von 1:10.000 geologisch erfasst. Die kartierten Gesteine umfassen, neben quartären und mesozoischen Sedimenten, im Wesentlichen granitoide sowie metamorphe Gesteine des kristallinen, variszischen Grundgebirges als Teil der Mitteldeutschen Kristallinschwelle im Bergsträsser Odenwald.
1
Kapitel 2: Allgemeine geographische Verhältnisse Frank Bernsdorff
2 Allgemeine geographische Verhältnisse
2.1 Kartengrundlage
Als Kartengrundlage dienten folgende Karten:
• Geologische Übersichtskarte GK 25 (6418) Blatt Birkenau (Weinheim) von G. Klemm (1929).
• Topographische Freizeitkarte: Bergstraße-Weschnitztal Nr.8 Maßstab 1:20.000 (TF 20-8)
• Topographische Karte Blatt Weinheim (TK 6418) im Maßstab von 1:25.000, die auf einen Maßstab von 1:10.000 vergrößert wurde und die Grundlage der im Anhang befindlichen und im Rahmen dieser Kartierung erstellten geologischen Karte bildet.
Die oben genannte geologische Karte von G. Klemm wurde herangezogen, um einen Überblick hinsichtlich der im Arbeitsgebiet auftretenden Gesteinsarten sowie struktureller Großstrukturen zu erhalten.
Besonders hilfreich erwies sich auch die Topographische Freizeitkarte (TF 20-8) „Bergstraße-Weschnitztal“, mit deren Hilfe es möglich war, Wanderwege in aktualisierter Form vorzufinden.
2.2 Geographische Lage
Das im Rahmen der hier vorliegenden Arbeit kartierte Gebiet befindet sich im Bergsträsser Odenwald, innerhalb der Mitteldeutschen Kristallinschwelle, welche ein Geologisches Fenster des hauptsächlich variszischen Grundgebirges in der saxothuringischen Zone Mitteleuropas repräsentiert.
Der sich in der östlichen Grabenschulter des Oberrheingrabens befindliche Bergsträsser Odenwald erstreckt sich in nord-südlicher Richtung von Darmstadt bis nach Heidelberg, während der Westrand morphologisch von den Randverwerfungen des Oberrheintalgrabens gebildet wird und die östliche Grenze vom Böllsteiner- („Otzbergzone“) sowie vom Buntsandstein-Odenwald markiert wird. Demzufolge nimmt der Bergsträsser Odenwald eine Fläche von ca. 1.500 km 2 ein.
2
Kapitel 2: Allgemeine geographische Verhältnisse Frank Bernsdorff
Das eigentliche Kartiergebiet, mit einer Größe von ca. 15 km 2 , befindet sich im südlichen Teil des Bergsträsser Odenwaldes. Die das Kartiergebiet begrenzenden Koordinaten lauten:
54 92000 - 54 90000 und 34 76000 - 34 83500.
2.3 Anthropogeographie
Innerhalb des Kartiergebietes liegen insgesamt vier Ortschaften, die alle über die Bundesstraße Nr.38 miteinander verbunden sind. Die unmittelbar an der westlichen Grenze des Kartiergebietes gelegene große Kreisstadt Weinheim a. d. Bergstraße (8,5° östlicher Länge und 49,5° nördlicher Breite; 108-400 m über NN 1 ) gehört dabei noch zu Baden-Württemberg, während die östlich davon gelegenen Ortschaften Birkenau, Kallstadt und Löhrbach bereits in Hessen liegen. Hierbei repräsentiert Weinheim mit 42.357 Einwohnern die größte Ortschaft in dieser Gegend. Eine Flächenerhebung aus dem Jahre 2001 ergab für die letztgenannte Stadt eine Gesamtfläche von 5.811 ha, von denen 2.516 ha (43,3%) landwirtschaftlich genutzt werden und 1.760 ha (30,3%) Waldfläche darstellen. Die restlichen 1.535 ha (26,4%) entfallen auf besiedelte Flächen, von Flüssen und Bächen eingenommene Bereiche und Straßen. Die wirtschaftlichen Haupterwerbszweige Weinheims werden durch folgende Branchen repräsentiert:
1 NN= Normal - Null
3
Kapitel 2: Allgemeine geographische Verhältnisse Frank Bernsdorff
Landwirtschaftliche Betriebe, Autozulieferung, Dichtungstechnik, Druckwesen, Handel, Haushaltsprodukte, Hygieneartikel, Informationstechnologien, Kosmetikartikel, Kunststoffe, Lebensmittelherstellung und Lebensmittelverarbeitung, Leiterplatinen, Logistik, Luft- u. Raumfahrttechnik, Schwingungstechnik, Softwareentwicklung, Verlagswesen und Vliesstoffe. Daneben stellt Weinheim mit seiner großen zusammenhängenden Waldfläche (Naturpark: Bergstraße-Odenwald) ein Naherholungsgebiet für die angrenzenden Städte und Ortschaften dar (Quelle: http://www.weinheim.de).
Ungefähr 2,5 km östlich von Weinheim liegt die Grenze von Baden-Württemberg und Hessen. Beim Übertreten dieser Grenze gelangt man zunächst in die Kleinstadt Birkenau (5.743 Einwohner), weiter in Richtung Osten schließen sich die Ortschaften Kallstadt (weniger als 100 Einwohner) und Löhrbach (ca. 671 Einwohner) an (Quelle: http://www.birkenau.de; Stand: 06/2003). Letztere bildet die östliche Grenze des Kartiergebietes. Diese zuvor genannten Städte und Dörfer sind vor allem durch klein- bis mittelständige Betriebe und Landwirtschaft gekennzeichnet.
2.4 Klimatische Bedingungen
Das Klima Süddeutschlands lässt sich am besten als gemäßigt kontinental beschreiben. Auf-grund dessen besitzt diese Klimazone stark ausgeprägte Jahreszeiten mit warmen Sommer-und kalten Wintermonaten. Die Durchschnittstemperaturen betragen im Sommer 25-30 °C (mittlere Maximaltemperatur im Juli) und im Winter 2 °C bis minus 5 °C (mittlere Maximaltemperatur im Januar). Länger anhaltende Kälteperioden mit Schnee und Frost sind jedoch außer in den Alpen eher selten (Quelle: http\\www.wetter.net; Stand: 12/2003). Häufige Wetterwechsel, ganzjähriger Niederschlag und vorwiegend westliche Windrichtungen sind typische Erscheinungen. Die jährlichen Niederschlagsmengen liegen im süddeutschen Raum zwischen 144,591 2 mm (Flughafen Frankfurt a. M.) und 269,989 mm (Freiburg i. Br./ Quelle: Deutscher Wetterdienst; Stand: 10/2003).
Die kleinräumigen klimatischen Bedingungen im Bereich des Kartiergebietes (Rhein-Neckar Dreieck), begünstigt durch die Mittelgebirgskämme und die Nähe zum Rhein und Neckar, können in den Sommermonaten zudem dazu führen, daß hier abweichend vom restlichen Bundesgebiet ein eher subtropisches Klima herrscht. So ist es zum Beispiel keine Seltenheit, daß sich der Frühling in Weinheim a. d. Bergstraße bereits zum Anfang März ankündigt (Quelle: http://www.weinheim.de).
2 1mm = 1l/m 2
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Kapitel 2: Allgemeine geographische Verhältnisse Frank Bernsdorff
2.5 Physiogeographie, Hydrologie und Aufschlussverhältnisse
Das geologisch kartographisch erfasste Gebiet bildet eine reichgegliederte Berglandschaft, die im Westen steil zur Rheinebene abfällt und nach Osten hin in eine allgemein weite Hochfläche übergeht. Die Gliederung der Oberfläche wird durch eine große Anzahl von Wasserläufen bedingt, die entweder der Weschnitz oder dem Neckar zufließen. Die außerhalb des Kartiergebietes befindliche Wasserscheide zwischen Neckar und Weschnitz verläuft nach Klemm (1929) ungefähr südöstlich aus der Gegend von Bärsbach, östlich vom Eichelberg bei Oberflockenbach, über Hilsenhain und die Galgenhöhe nach dem Hohberg (ca. 530 m), von dort aus bis nach der Striet (östliche Grenze des Kartiergebietes auf einer Höhe von ca. 520 m) nordwestlich von Oberabsteinach, springt dann nach Südosten bis in die Gegend von Siedelsbrunn und verläuft von hier aus fast geradlinig über den Rotzenberg (513 m), den Sattel zwischen Kreidach und Waldmichelbach auf dem Scheitel des Höhenzuges hin, der in der Tromm (Blatt Lindenfels) mit 577 m seine höchste Erhebung erreicht. Die hydrologischen Verhältnisse im Kartiergebiet werden hauptsächlich von der Weschnitz im östlichen bzw. nordöstlichen Bereich des Kartenblattes sowie vom Kallstädter Bach bestimmt, der sich auf einer Länge von ca. 7 km in Richtung Ost-West durch die Mitte des Kartiergebietes zieht. Letzterer entspringt ungefähr 0,5 km südwestlich des Götzensteins (521,9 m) auf einer Höhe von ca. 500 m in Gestalt der Steinachquelle. Von dort aus verläuft der Kallstädter Bach, gespeist von zahlreichen Nord-Süd verlaufenden Gebirgsbächen, in Richtung westnordwest durch Löhrbach und Kallstadt, um im Kallstädter Tal seinen Lauf nach Nordwesten hin zu verändern, von wo er nach ca. einem Kilometer in Birkenau in die Weschnitz mündet. Der Kallstädter Bach zerschneidet durch seinen Verlauf zwei sehr markante Höhenzüge voneinander. So wird der nördlich von ihm gelegene Höhenzug, von Ost nach West, durch den Götzenstein, den Kisselbusch (502,1 m; höchster Punkt im Kartiergebiet), den Schulzenberg (366 m) und der Hohen Hecke gebildet, während der 3 südliche Höhenzug, von West nach Ost, aus dem Eichelberg (ca. 340 m), dem Geiersberg (415,4 m), dem Steinkopf (409,9 m) und dem Reichelsberg (419,3 m) besteht. Die im Kartenblatt das erste Mal in Birkenau erscheinende Weschnitz, mit ihrem Ursprung weit im Norden der nördlichen Grenze des Kartiergebietes, knickt in Birkenau in Richtung Westen ab, fließt in einem geschwungenen (mäandrierenden) Verlauf durch Weinheim und mündet schließlich in den Rhein. Nördlich der Weschnitz bei Weinheim befindet sich ein aus dem Hirschkopf (345,7 m) und dem Lehnwald (260,7 m) bestehender Höhenzug, während sich südlich der Weschnitz der
3 Vom südlichen Höhenzug befinden sich nur die jeweiligen Nordhänge der genannten Berge im Kartiergebiet!
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Kapitel 2: Allgemeine geographische Verhältnisse Frank Bernsdorff
Wachenberg (399,5 m) erhebt, der sich nach Osten hin an den bereits erwähnten Eichelberg anschließt.
Die Qualität der Aufschlussverhältnisse variiert, bezogen auf die Gesamtfläche des Kartiergebietes, von sehr gut bis sehr schlecht. Besonders das Gebiet zwischen Kallstadt und Löhrbach ist wegen des weit ausgedehnten Weidelandes nur aufgrund langwieriger Lesesteinkartierungen geologisch zu erfassen gewesen. Demgegenüber stehen aber auch teilweise besonders gute Aufschlussverhältnisse wie z.B. die Straßenaufschlüsse entlang der B38 zwischen Weinheim und Kallstadt, Bereiche am Wachenberg, der Hohen Hecke oder dem Kisselbusch. Bei letzteren muss allerdings ergänzend erwähnt werden, daß auch dort (besonders im Bereich der unteren Bergflanken) anstehendes Gestein von ausgedehnten Schuttfächern und/oder üppiger Vegetation (Nadel- und Laubwälder) überdeckt wird und somit der direkten geologischen Bestimmung verborgen bleibt.
Entsprechend der im Kartiergebiet vorherrschenden klimatischen Verhältnisse (viel Regen und dichte Vegetation) ist die beherrschende Verwitterungsart chemisch-biologischer Natur. Dies zeigt sich besonders in der vielerorts zu beobachtenden Wollsackverwitterung (siehe Abb. 2), da granitoide Gesteine im Kartiergebiet die größte Fläche einnehmen.
Kapitel 3: Geologischer Rahmen Frank Bernsdorff
3 Geologischer Rahmen
Da der Odenwald geologisch sehr vielfältig gegliedert ist und eine z.T. äußerst komplexe geologische Entwicklungsgeschichte durchlaufen hat, werden in diesem Kapitel die Stellung des Odenwaldes innerhalb der Mitteleuropäischen Varisziden, das plattentektonische Modell sowie der Odenwald als eigenständiger geologischer Komplex vorgestellt. Hierbei wird besonders der Bergsträsser Odenwald hervorgehoben, da die vorliegende Kartierung schließlich in diesem durchgeführt wurde.
3.1 Die Stellung des Odenwaldes innerhalb der mitteleuropäischen Varisziden
Nach der von Kossmat (1927) vorgenommenen Unterteilung des mitteleuropäischen Variszikums, existieren von NW nach SE vier Einheiten, die sich aufgrund unterschiedlicher fazieller, magmatischer sowie tektonischer Entwicklung voneinander unterscheiden (siehe Abb. 3). Dass sich diese Gliederung über einen so langen Zeitraum aufrechterhalten ließ, liegt in erster Linie daran, dass die Grenzen dieser Zonen weitestgehend Diskontinuitäten in der geotektonischen Entwicklung markieren. Die klassischen Zonen sind in Mitteleuropa das Subvariszikum (subvariszische Vortiefe bzw. Saumsenke), das Rhenoherzynikum, das Saxothuringium und das Moldanubikum (Schönenberg u. Neugebauer, 1987).
Kapitel 3: Geologischer Rahmen Frank Bernsdorff
• Subvariszikum (Subvariszische Vortiefe bzw. Saumsenke):
Das Subvariszikum zieht sich vom Ruhrgebiet über die belgisch-französischen Reviere und Kent am Rande des London-Brabanter Massivs entlang bis nach S-Wales und S-Irland. Östlich vom Ruhrgebiet versinkt es unter starker Bedeckung und ist im weiteren Verlauf nur schwer nachzuweisen (Schönenberg u. Neugebauer, 1987). Diese Einheit, welche sich nördlich des Rhenoherzynikums befindet, umfasst die nicht metamorphen bis allenfalls schwach metamorphen Gesteine der kohleführenden Molassesenke des variszischen Gebirges, die im Oberkarbon verfaltete wurden (Dietl u. Kontny, 2001). Bei den hier auftretenden Gesteinen handelt es sich im Liegenden hauptsächlich um „flözleere“, sandige Sedimente, die im Ruhrbecken eine Mächtigkeit von über 3000 m erreichen. Diese Sedimente wurden einerseits z.T. vom aufsteigenden Rhenoherzynikum und andererseits vom fennoskandischen Geotumor geliefert. Erst im Namur C bildeten sich die ersten abbauwürdigen Kohleflöze. Im Verlauf der Westfal-Stufe nahmen die marinen Ingressionen sowie die Kohleflözbildungen dann ab und Rotsedimente sowie neuerliche marine Ingressionen kündigten das Perm an (Schönenberg u. Neugebauer, 1987).
• Rhenoherzynikum:
Die Rhenoherzynische Zone lässt sich von den Massiven des Harzes, Rheinischen Schiefergebirges und der Ardennen in das Devon-Karbon von SW-England und S-Irland verfolgen. Unterbrochen durch den westeuropäischen Schelf taucht sie in SW-Iberien in Form der süd-portugiesischen Zone auf. Vom Harz nach Osten verliert sich die Rhenoherzynische Zone jenseits des Flechtinger Höhenzuges unter dem sehr mächtigen Deckgebirge Mittelpolens (Schönenberg u. Neugebauer, 1987).
Die Vorlandfalten und Überschiebungsgürtel der Rhenoherzynische Zone (siehe Kapitel 3.2 auf S.11) finden sich im Giessener Raum am Ostrand des Rheinischen Schiefergebirges und im Südharz (Meisl 1991; Ahrendt et al. 1983).
Bei den in der Rhenoherzynischen Zone anzutreffenden Gesteinen handelt es sich hauptsächlich um im Devon und Unterkarbon abgelagerte Sedimente, die durch epikontinentale und hemipelagische Ablagerungsbedingungen gekennzeichnet sind (Walter, R. 1992). Allgmein zeigen die Gesteine nur sehr schwache metamorphe Bedingungen an (Dietl u. Kontny, 2001). K/Ar-Alter von Phengiten zeigen ein Wandern von Deformation und Metamorphose von SE (320 Ma) nach NW (305 Ma) an (Ahrendt et al. 1983).
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Kapitel 3: Geologischer Rahmen Frank Bernsdorff
• Saxothuringikum:
Das klassische Gebiet für die Saxothuringische Zone wird vom Sächsischen und Thüringischen Schiefergbirge einschließlich des Erz- und Fichtelgebirges aufgebaut. Von dort, in Richtung Osten, verschwindet es im Untergrund und taucht erst wieder in den West- und Ostsudeten sowie im „Brunovistulikum“ (schmale kristalline Zone, die durch die „Moldanubische Überschiebung“ vom Kern der Böhmischen Masse abgetrennt ist) auf. In Richtung Westen wird das Saxothuringikum vom Spessart und Odenwald sowie von den schwächer meta-morphen, nördlichsten Anteilen des Schwarzwaldes und der Vogesen aufgebaut. Jenseits des Pariser Beckens taucht die Zone im nördlichen und zentralen Block des Armorikanischen Massivs auf. Die weitere Fortsetzung findet sich schließlich im SW des Iberischen Massivs, also in der Ossa-Morena-Zone und der Lusitanisch-Alcudischen Zone (Schönenberg u. Neugebauer, 1987).
Die Saxothuringische Zone ist komplex aufgebaut und lässt sich in drei Bereiche einteilen:
1. Der Südrand des Rheinischen Schiefergebirges und die Wippraer Zone im Harz bilden die nördliche Phyllitzone. Verglichen mit dem Rhenoherzynikum, ist hier ein deutlich höherer Metamorphosegrad vorhanden. Die dort anstehenden Phyllite und Metavulkanite des Silurs (?) bis Unterdevons durchliefen eine druckbetonte, grünschieferfazielle Metamorphose mit Temperaturen von maximal 300°C und Drücken von ca. 6 kbar (Anderle et al. 1990). Das Metamorphosealter liegt, belegt durch K/Ar-Datierungen an Phengiten, bei 327 Ma (Ahrendt et al. 1983).
2. Südöstlich des oben beschriebenen Gebietes liegt die Mitteldeutsche Kristallinschwelle, die in Form eines geologischen Fensters, von SW nach NE in folgenden Gebieten studiert werden kann: Bergsträsser- und Böllstein-Odenwald, kristalliner Vorspessart, Ruhlaer Kristallin und dem Kyffhäuser. Im NE schließt sich die das Kristallin begrenzende Saar-Nahe-Senke an. Von den zuvor aufgezählten Lokalitäten stellt der kristalline Odenwald das größte, zusammenhängend aufgeschlossene Gebiet der Mitteldeutschen Kristallinschwelle dar. Hier findet man vor allem kalkalkaline Inselbogen-Magmatite, die in temperaturbetonte, amphibolitfazielle Gesteine intrudiert sind (Dietl u. Kontny, 2001). Diese Verhältnisse lassen sich auch kleinmaßstäblich in vielen Bereichen des Kartiergebietes beobachten, in denen sich die Lithologien entweder abrupt, horizontal und/oder lateral von metamorphen zu magmatischen Gesteinen ändern, oder Bereiche, in denen besonders amphibolitfazielle Gesteine von granitoiden Gesteinen (Granodiorite, Granite oder pegmatitische bzw. aplitische Granitgänge) durchschlagen
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Kapitel 3: Geologischer Rahmen Frank Bernsdorff
oder injiziert werden. Der Chemismus der Magmatite und die Hochtemperaturmeta-morphose der Rahmengesteine, zusammen mit der Hochdruckprägung der Phyllitzone, lassen den Rand des Saxothuringikums als sog. „paired metamorphic belt“ erscheinen, in dem der Mitteldeutschen Kristallinschwelle die Rolle des magmatischen Bogens und der Phyllitzone die eines akkrezionären Keiles zukommt (Weber u. Juckenack, 1990; Willner et al. 1991). Im Verlauf des Mitteldevons wird die Mitteldeutsche Kristallinschwelle Liefergebiet für die Sedimentation im rhenoherzynischen sowie saxothuringischen Raum (Okrusch et al., 1975).
3. Das Saxothuringikum sensu strictu wird in der Regel aus niedriggradigen Metapeliten und Metapsammiten des Kambriums bis Unterkarbons und amphibolitfaziellen Gesteinseinheiten, in die Marmore und Amphibolite eingeschaltet sein können, aufgebaut. Lediglich die als Decke interpretierte Münchberger Gneismasse mit ihren Eklogiten, sowie das sächsische Granulitgebirge fallen aufgrund ihrer wesentlich höheren Meta-morphose aus dem Rahmen (Dietl u. Kontny, 2001).
• Moldanubikum:
Zum Moldanubikum gehören der Kern der Böhmischen Masse, der größte Teil des Schwarzwaldes und der Vogesen sowie die externen Kristallinmassive der Westalpen, der Norden und das Zentrum des Französischen Zentralmassivs, der Südteil des Armorikanischen Massivs und schließlich die breite Galizisch-Kastilische Zone Iberiens (Schönenberg u. Neugebauer, 1987). Da das Moldanubikum die Interniden des variszischen Gebirges bildet, findet man dort hochgradig metamorphe, z. T. auch anatektische Gneise paläozoischen bis präkambrischen Alters (Dietl u. Kontny, 2001).
3.2 Plattentektonisches Konzept
Die Variszische Orogenese wurde im westlichen und zentralen Europa durch Konvergenz und Kollision der „Paläokontinente“ Baltika, Laurentia und Gondwana, verursacht. Der Zeitraum für dieses Ereignis liegt zwischen 380 bis 300 Mio. a (Oncken et al., 1999) In den 70er und späten 80er Jahren wurde das bisherige Bild aus plattentektonischer Sicht neuinterpretiert. Unter diesen Gesichtspunkten nahm man zwischen dem Rhenoherzynikum (als Teil des nördl. Laurussia-Kontinents) und dem Saxothuringikum (als Teil des südl. Gondwana Kontinents) eine Suturzone an (Weber u. Behr, 1983; Franke, 1989).
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Frank Bernsdorff, 2004, Geologische Kartierung im südlichen Bergsträsser Odenwald; Blatt 6418 Weinheim, München, GRIN Verlag GmbH
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