Inhaltsverzeichnis Seite
1. Einführung 1
1.1 Was ist ein Buch? Was ein Hypertext? 1
2. Zeitgeschichtliche Entwicklung des Schreibens 2
3. Die Struktur von Texten 2
3.1 Harte Strukturen 3
3.2 Weiche Strukturen 3
3.3 Buch und Hypertext: Ein struktureller Vergleich 4
4. Textproduktion und -rezeption 5
4.1 Textproduktion 5
4.1.1 Vorteile der modernen Textproduktion 6
4.1.2 Die Notwendigkeit von Zielgruppen 6
4.1.3 Der Horizont des Buches 7
4.2 Textrezeption 7
4.2.1 Abkehr vom linearen Lesen 8
4.2.2 Der Leser-Autor-Leser-Effekt 8
5. Nachteile der neuen Entwicklung 9
5.1 Schwäche der Technik: Die Lesbarkeit 10
5.2 Verschiebung der Nischen: Genuss, Kultur, Information 10
5.3 Qualität und Referenzen von Hypertext 11
5.4 Das Problem der Kommerzialisierung 11
6. Fazit 12
Verzeichnis der verwendeten Literatur 13
II
1. Einführung
Zu Beginn der Hausarbeit möchte ich einen kurzen Überblick über die Entwicklung des Schreibens seit ihrer Erfindung geben, welcher dazu gedacht ist, die derzeit stattfindenden Entwicklungen und ihre Tragweite besser nachvollziehen zu können. Im Anschluss werden die verschiedenen Strukturen der Medien Buch und Hypertext erläutert und miteinander verglichen, bevor die Problematik der Textproduktion und -rezeption angesprochen wird. Auf dieser Grundlage soll der Begriff des „Hypertextes“ schließlich eingehender untersucht und auf seine Neuerungen überprüft werden - ist Hypertext Evolution oder Revolution der Schrift? Zum Ende hin möchte ich mögliche Folgen der neuen Techniken aufzeigen und einen Ausblick auf die Zukunft geben - die Zukunft des Buches.
1.1 Was ist ein Buch? Was ein Hypertext?
Um eine Entwicklung vom Buch zum Hypertext deutlich zu machen, ist zuvor eine Klärung der beiden Begriffe notwendig. Unter einem Buch wird in dieser Arbeit eine Sammlung von Textseiten verstanden, die gedruckt und geheftet, geklebt oder gebunden wurde. Ein Buch verfügt über einen Einband jedweder Form und vereint möglichst alle strukturellen Merkmale in sich, die in Abbildung 1 der Anlagen abgebildet sind. Für diese Arbeit sind Handschriften, Blattsammlungen, Codizes und Vorgänger des heutigen Buches demnach kein Thema. In der Arbeit wird das Buch des öfteren zusammen mit anderen Printmedien (wie Zeitungen, Magazinen etc.) erwähnt, sofern diese vor dieselben Probleme gestellt sind und in einem Zug erarbeitet werden können. Einen Hypertext zu definieren, ist bereits aufgrund der zahlreichen existierenden Definitionen des Begriffes schwieriger. Der erste publizierte Hypertext stammt aus dem Jahre 1987 und wurde von Ted Nelson veröffentlicht, dem auch die Namensgebung zugeschrieben wird. Nelson definierte „seinen“ Hypertext wie folgt:
„…by ‚hypertext’ I mean non-sequential writing - text that branches and allows choices to the reader, best read at an interactive screen. As popularly conceived, this is a series of text chunks connected by links which offer the reader different pathways.” Nelson, In: Pfammater, S.48
Bereits diese erste Definition beschreibt treffend einige wesentliche Elemente des Hypertextes: Eine Serie von Text-Stücken, die durch Verknüpfungen (sog. Hyperlinks) miteinander verbunden sind und dem Leser je nach Wahl der Lesereihenfolge verschiedene Kontexte erschließen. Ein weiteres Merkmal von Hypertext ist die aus oben genannten Aufbau resultierende Non-Linearität: Der Text wird nicht mehr am Stück - und damit linear - gelesen, sondern erschließt sich jedem Leser neu. Pfammater akzeptiert Non-Linearität als einen Bestandteil von Hypertext, schließt aber eine exklusive Beanspruchung dieser Eigenschaft aus: „ Nonlinearität ist nur eine notwendige, nicht aber eine hinreichende Bedingung für Hypertext. [...] Wir sprechen dann, und nur dann von Hypertext wenn das
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Textkonzept der Nonlinearität und komplexen Vernetztheit physisch (und virtuell) im Medium Computer realisiert wird.“ (Pfammater, S.49) Wir fassen zusammen und definieren neu: Ein Hypertext ist ein computergestütztes Netzwerk kleinster Informationseinheiten, die sinnvoll und mehrfach miteinander verknüpft sind und dem Leser eine individuelle Navigation durch den Text ermöglichen. Mit dieser eigenen Definition schließen wir von vorneherein hypertextähnliche Bücher oder Computerspiele von der Diskussion aus, auf sie wird hier nicht weiter eingegangen. Basis der Diskussion sind das gedruckte Buch und die konkurrierende elektronische Textform, der Hypertext.
2. Zeitgeschichtliche Entwicklung des Schreibens
Die A nfänge des Schreibens sind zeitlich beinahe mit der Existenz der menschlichen Rasse gleichzusetzen. Das Bedürfnis nach sozialer Interaktion setzt seit jeher Kommunikation voraus, und dies mittels Sprache - oder auch Zeichensprache. Die ältesten Höhlenmalereien sind demnach die ersten geschriebenen Informationen, die dokumentiert wurden. Zwar bestand damals noch kein Alphabet, über die Bilder wurde dennoch Information (zum Beispiel über eine erfolgreiche Jagd) vermittelt.
Im Laufe der Zeit passte sich das Schreiben den Möglichkeiten der Menschen immer wieder an. Es veränderte sich die Art des Schreibens ebenso wie das Medium: Auf Höhlenwände folgten Steintafeln, auf diese wiederum Wachstafeln. Der Papyrus hielt Einzug, schließlich beendete man den weiten Weg (vorerst) mit dem Wechsel zu Papier als Schreibmaterial - bis zur Entwicklung der Computer und der neuen Möglichkeiten, um die es sich hier dreht. Wie das zu beschriftende Medium entwickelte sich auch die Schriftform über die Jahrtausende immer weiter fort. Die Art, Informationen zu übermitteln, wurde durch die Menschen immer vielschichtiger und komplexer gestaltet - aus Bild- wurden Textschriften, Alphabete und Textuntergliederungen (wie Zeichensetzung und Kapitel) sorgten für die Möglichkeit einer genaueren Beschreibung. Inzwischen ist die menschliche Sprache ebenso wie die Schrift hochkomplex und in der Lage, jeden noch so abstrakten Sachverhalt mit Worten zu umschreiben. Die Möglichkeiten, ein gebundenes Buch noch perfekter zu gestalten und zu unterglie dern sind beinahe ausgeschöpft. Es ist möglicherweise an der Zeit, der Schrift einen Weg von der Papierform zum Hypertext zu bereiten.
3. Die Struktur von Texten
Unter der Struktur eines Textes versteht man nicht nur seine Anordnung und Zeichensetzung. Die Struktur eines Textes ist vielmehr Ausdruck der jeweiligen Zeit und der Kultur, in der ein Text verfasst wird, sie bezieht sich also ebenso auf Raumeinteilung, Schriftart, Einband, Schriftrichtung und viele weitere Elemente. So müssen zum Beispiel mittel alterliche Texte oder Berichte aus asiatischen Kulturen dem europäischen Leser zuvor aufbereitet werden. Andernfalls wäre er möglicherweise kaum in der Lage, die nicht unterteilten, verwirrend gegliederten oder auf Zeichen gestützten Texte zu verstehen. Jay David Bolter hält sogar eine Übersetzung des Textes selbst für
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notwendig: „When ancient, medieval, or even Renaissance texts are prepared for modern readers, it is not only the words that are translated: the text itself is translated into the space of modern printed book.” (Bolter, S.40) Nach Ansicht Bolters muss nicht nur die veränderte Sprache angeglichen werden, es ist eine Interpretation des Textes und eine Neuordnung nach gängigen strukturellen Standards notwendig. Im Folgenden wird bei diesen Standards zwischen harten und weichen Textstrukturen unterschieden.
3.1 Harte Strukturen
Unter harten Strukturen eines Textes verstehen wir die unabänderlichen Eigenschaften, die für das gesamte Werk gelten. Ein westeuropäisches Buch zum Beispiel besteht aus einem Einband oder Buchdeckel. Dazwischen finden sich gebundene, geheftete oder geklammerte Seiten in einer bestimmten Anordnung, die von links oben nach rechts unten durchgelesen werden - eine nach der anderen. Diese im Vorhinein getroffenen strukturellen Entscheidungen sind für das gesamte Werk relevant und verändern sich nicht: „The materials define structural units and relationships that are tangible and hard to change.“ (Bolter, S.41) Harte Strukturen eines Textes beziehen sich also vordergründig auf das Medium und Material, nicht auf die Gestaltung eines Textes: „Hard structures, then, are tangible qualities of the materials of writing.“ (Bolter, S.41) In der geschichtlichen Entwicklung der harten Strukturen ständen zum Beispiel Steintafel, Papyrus, Codex, Buch und Computer in chronologischer Reihenfolge.
3.2 Weiche Strukturen
Die sogenannten weichen Strukturen beziehen sich auf die individuelle Gestaltung eines Buches in Grafik und Aufteilung. Alle auf dem bereitgestellten Material angewendeten Möglic hkeiten der Textgestaltung fallen demnach unter diesen Begriff: Schriftart und -größe, Schriftfarbe und Schriftsatz sind wichtige Vertreter von weichen Strukturen. Auch der Zeilenabstand, Bilder im Text, Fußnoten oder Grammatik sind weiche Strukturen. Im Gegensatz zum einmal festgelegten harten strukturellen Aufbau können weiche Strukturen von Seite zu Seite, von Absatz zu Absatz wechseln. „Soft structures are by definition more flexible and can evolve more easily .“ (Bolter, S.41) Diese Flexibilität der weichen Strukturen bringt es mit sich, dass im Laufe der Zeit weit mehr Nuancen weicher als harter Strukturen entstanden sind. Es existieren tausende verschiedener Schriftarten, facettenreiche Grafiken, verschiedenste Arten der Unterteilung etc. Miteinander verbunden sorgen all diese weichen Strukturen für ein schier unerschöpfliches Repertoire an Möglichkeiten und Kombinationen. Geschichtlich betrachtet war die Höhlenmalerei eine erste weiche Struktur, gefolgt von Hieroglyphen, griechischem Lauftext (welcher in einer Schlangenlinie von links nach rechts und wieder nach links gelesen werden musste), dem Alphabet, der Zeichensetzung, der Einführung von Kapiteln und schließlich dem Hypertext, um nur einige zu nennen.
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Arbeit zitieren:
Benedict Rehbein, 2002, Die Veränderung des Textbegriffes und die Zukunft des Buches im Hinblick auf die Entwicklung hypertextueller Strukturen, München, GRIN Verlag GmbH
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