INHALTSVERZEICHNIS
Inhalt I
Abk ürzungen und Symbole V
Einleitung 1
Kapitel 1 - Ein Grundriss der Rektions-Bindungs-Theorie 4
1.0 Einleitung 4
1.1 Die Generative Grammatik 5
1.1.1 Die Universalgrammatik 7
1.1.2 Der pro-drop-Parameter 9
1.1.3 Phrasenstrukturregeln 12
1.1.4 Die X-bar-Syntax 21
1.2 Die Theta-Theorie 24
1.3 Die Kasustheorie 27
1.3.1 Wortstellungstypologien 32
1.4 Transformationen 33
1.4.1 Die erweiterte Standard-Theorie 35
1.4.2 Bewegungsregeln 37
1.4.2.1 NP-Bewegung 37
1.4.2.2 wh-Bewegung 41
1.4.2.3 Kopf-zu-Kopf-Bewegung 43
1.4.3 Das Verb-zweit-Phänomen 46
1.5 Module der generativen Grammatik 48
VII
1.5.1 Rektionstheorie 49
1.5.2 Bindungstheorie 52
1.5.3 Kontrolltheorie 57
1.6 Schlusswort 61
Kapitel 2 - Die infinitivische Form des Verbs und zu 64
2.0 Einleitung 64
2.1 Etwas aus der Geschichte von zu 65
2.2. Wie erkennt man die infinitivische Form des Verbs? 72
2.2.1 Bechs Status und Stufen des infiniten Verbs 76
2.2.2 Felder-Theorie/Die rechte Satzklammer. 79
2.3 zu: Eigenständiges Wort oder Affix/Infix 84
2.3.1 Über die kategoriale Zugehörigkeit der Infinitiv-
Morpheme zu, to, di, a 87
2.4 Schlusswort 100
Kapitel 3 - Die strukturelle Position des Infinitiv- 102
morphems zu
3.0 Einleitung 102
3.1 Über die Struktur des deutschen Satzes: Eine S’-Analyse 104
3.1.1 S-Analyse der deutschen Infinitivsätze: Tappes
Theorie 109
3.2 Exceptional Case Marking (ECM) 111
3.3 zu als Konjunktion: Wilders Theorie 112
VIII
3.4 Über die Unmöglichkeit von wh-Infinitiven mit zu 114
3.5 zu als Kopf von IP: Giustis INFL-Hypothese 115
3.5.1 Evidenz aus dem Dänischen und Norwegischen 119
3.6 Die Position des Infinitivmorphems im Deutschen und
Englischen im Verhältnis zu dem Satzadverbial nicht/not 122
3.7 Beukemas und den Dikkens AGR-Hypothese 125
3.8 Schlusswort 130
Kapitel 4 - Das Matrixverb und zu 132
4.0 Einleitung 132
4.1 Autonomiethese der Syntax und die Rolle der Semantik 133
4.2 Subklassifizierung der Verben durch den zu-Infinitiv 134
4.2.1 Kontrollverben 136
4.2.2 raising-Verben 148
4.3 Vorläufige Bilanz der Erkenntnisse 155
4.4 Subklassifizierung der Verben durch den Infinitiv ohne
zu 156
4.4.1 Modalverben 156
4.4.2 Bewegungsverben 161
4.4.3 Wahrnehmungsverben 161
4.4.4 Kausative/permissive Verben 162
4.5 Zusammenfassung 163
4.5.1 Bedingte Eigenständigkeit/Keine Kategorie. 164
IX
4.5.2 AGR - Die strukturelle Position von zu 165
4.5.3 zu: Ein Chamäleon 166
Schlusswort 169
Literaturverzeichnis 171
Quellenverzeichnis der Texte aus der alt- mittel- und
fr ühneuhochdeutschen Literatur 175
X
EINLEITUNG Untersuchungen zur Syntax und Semantik des deutschen
Infinitivmorphems zu sind der Gegenstand der hier vorliegenden Arbeit, die eine empirische Untersuchung und Analyse des in Rede stehenden Elements darstellt. Den Ausgangspunkt unserer Überlegungen bildet erstens die Einsicht, dass obwohl zu überwiegend ein graphemisch unabhängiges Morphem ist, es sich aber doch als nur bedingt eigenständig erweist. Zweitens stellt sich die Frage seiner kategorialen Zugehörigkeit, die wir unter anderem anhand von Vergleichen mit dem englischen to und den italienischen di und a, zu bestimmen versuchen. Wenngleich zu in den traditionellen Grammatiken als Präposition oder Konjunktion gewertet wird, kommen wir nach einer ausführlichen Erörterung der Frage zu dem Schluss, dass es weder zu der einen noch zu der anderen Kategorie gehören kann.
Unserer Arbeit liegt die Rektions-Bindungstheorie zugrunde, wenngleich wir uns verschiedener, zur traditionellen deskriptiven Grammatik gehörender Begriffe, wie Bechs Einteilung der infiniten Verbalformen und die Aufteilung des deutschen Satzes in sogenannte Felder und Satzklammern, bedient haben. Dieser Rückgriff auf die traditionelle Terminologie hat praktische Gründe und keine konzeptionellen.
Wir haben bei den in unserer Arbeit angeführten Beispielen darauf geachtet, dass sie aus der sprachlichen Alltäglichkeit stammen und es
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vermieden stilistisch markierte Ausnahmefälle anzuführen, die obwohl nicht ausgeschlossen, dennoch Einzelfälle darstellen würden. Bezüglich der strukturellen Position von zu haben wir auf Arbeiten von Giusti (1985, 1991), Wilder (1989) und Beukema und den Dikken (1989) Bezug genommen und darauf unsere Hypothese der Positionierung im AGR-Knoten aufgebaut. Diesem Knoten, der eigentlich für die Kongruenzmerkmale des finiten Verbs mit seinem Subjekt reserviert ist, haben wir im letzten Kapitel zusätzliche, neue AGR(eement)-Eigenschaften zugeschrieben.
Unsere Untersuchung erstreckt sich auf vier Kapitel. Das erste ist eine Einleitung in die Theorie der Generativen Transformationsgrammatik, die als theoretischer Rahmen unserer Arbeit zu werten ist. Sie stellt die verschiedenen Theorien auf kurze, zusammenfassende Art und Weise dar und stellt deshalb keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In Kapitel 2 stellen wir allgemeine Aspekte der infinitivischen Form des Verbs und des Infinitivmorphems vor und wenden hierbei Vergleiche mit den entsprechenden Morphemen der englischen und italienischen Sprache an. Kapitel 3 befasst sich mit dem Versuch der Bestimmung der strukturellen Position von zu und stellt zu diesem Zweck einige wichtige und interessante Hypothesen vor. In Kapitel 4 untersuchen wir die Beziehung zu/Matrixverb und liefern hierzu eine Übersicht über die Verschiedenheit der Aspekte, die anscheinend die Selektion von zu bestimmen. Sicherlich ist in diesem Bereich noch nicht das letzte Wort gesprochen und wir
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m öchten unsere Arbeit als Denkanstoß für weitere Forschung auf diesem
Gebiet verstanden wissen.
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KAPITEL 1
EIN GRUNDRISS DER REKTIONS-BINDUNGS-THEORIE DER GENERATIVEN GRAMMATIK
1.0 Einleitung
Das erste Kapitel unserer Arbeit befasst sich mit der Beschreibung der grundlegenden Prinzipien der Rektions-Bindung-Theorie 1 (engl. Government & Binding Theory) der Generativen
Transformationsgrammatik, die als theoretische Grundlage für unsere Untersuchungen zur Syntax und Semantik des deutschen
Infinitivmorphems zu dienen werden und auch generell als terminologische und technische Einführung in den Wissenschaftszweig der Generativen Grammatik zu werten sind. In den einzelnen Abschnitten geht es um eine verständliche Exposition der genannten Theorie, die durch viele Beispiele und Diagramme möglichst klare Aussagen machen soll. Abschnitt 1.1 gibt uns wichtige Erkenntnisse über das natürliche Lernsystem des spracherwerbenden Kindes und des Begriffs der Universalgrammatik und ihrer Parameter. Die universalen Regeln über die Struktur der Phrasen und Sätze finden in den Phrasenstrukturregeln (1.1.3) und der X-bar-Syntax (1.1.4) ihren Ausdruck. In den Abschnitten 1.2 und 1.3 stellen wir sodann zwei Teiltheorien der Generativen Grammatik, auch Module genannt, vor, und zwar die Theta-Theorie, eine 1 Für eine ausführliche Darstellung der Generativen Grammatiktheorie verweisen wir
auf die Werke Noam Chomskys (1957, 1965, 1981, 1982a, b, 1986a).
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Theorie über die thematischen Selektionseigenschaften der Verben und die Kasustheorie, die bestimmt, dass jede lexikalisch realisierte Nominalphrase (NP) einen Kasus tragen muss. Abschnitt 1.4 erklärt verschiedene Bewegungsregeln und führt einen grundlegenden Begriff der Generativen Transformationsgrammatik, nämlich bewege α (engl. move α) ein. In 1.4.3 folgt die Beschreibung des sogenannten Verb-zweit-Phänomens, das die Frage nach der Position des finiten Verbs in verschiedenen germanischen Sprachen beantwortet. Der Abschnitt 1.5 liefert eine Übersicht über drei weitere Teiltheorien der Generativen Grammatik: die Rektionstheorie, die wesentliche Begriffe wie das C-Kommando und M-Kommando einführt, die Bindungstheorie, die eine bestimmte syntaktische Beziehung zwischen zwei Elementen darstellt und die Kontrolltheorie, die die Frage nach dem Subjektaktanten der Infinitivkonstruktionen stellt.
1.1 Die Generative Grammatik
Die Generative Grammatik kommt gegen Ende der fünfziger Jahre auf. Der amerikanische Linguist, Noam Chomsky, dessen Werk mit seiner berühmten Arbeit: „Syntactic Structures“ im Jahre 1957 seinen Anfang nimmt, wird allgemein als ihr Begründer angesehen. Er zeigte, dass
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natürliche Sprachen 2 Eigenschaften und Strukturphänomene besitzen, die ein Kind unter den üblichen Bedingungen 3 nur erwerben kann, wenn bestimmte diesen Eigenschaften zugrundeliegende Gesetzmäßigkeiten oder Prinzipien in irgendeiner Weise bereits angeboren d.h. von Natur aus in seinem Kognitionssystem präsent sind und nicht erst erlernt werden müssen. Chomsky spricht erstmals von einem sogenannten Language Acquisition Device (LAD), also einem
Spracherwerbsmechanismus, einem System von abstrakten Prinzipien, das einem jeden Menschen angeboren sei und ihn in die Lage versetze, eine Sprache zu erwerben. Es sei sozusagen der kognitive initial state (Chomsky 1980a) des menschlichen Gehirns, der unentbehrliche Acker auf dem die Sprachsaat sprießen kann.
Wir können diese Metapher weiterführen und sagen, dass die Saat durch regelmäßiges Gießen (d.h. Berührung mit den sprachlichen Inputdaten) und gute Pflege (d.h. Anwendung und Übung der so erworbenen Sprachfertigkeit) aufgehen, gedeihen und wachsen kann. Dieser eingebaute Spracherwerbsmechanismus ist ein Regelapparat, der mit Prinzipien, die die allen natürlichen Sprachen gemeinsamen Struktureigenschaften spezifizieren, arbeitet. Diese gemeinsamen
Eigenschaften sind unter dem Namen „Universalgrammatik" (UG) zusammengefasst, die die Voraussetzung für den Spracherwerb bildet. Sie
2 Dieser Ausdruck umfasst alle natürlichen Sprachen inklusive etwa ausgestorbener oder aus
historischen Gründen nicht mehr existierender Sprachen.
3 d.h. es kommt während der Zeit des Spracherwerbs mit einer relativ geringfügigen Menge von
sprachlichen Inputdaten in Berührung.
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ist die menschliche Sprachfähigkeit schlechthin und gehört zu ihren genetisch festgelegten Eigenschaften.
Der Spracherwerb von seiten des Kindes, der in relativ kurzer Zeit und oftmals auch unter ungünstigen Umständen (z.B Kinder mit wenig oder qualitativ schlechter Ansprache) stattfindet, hat nichtsdestoweniger immer denselben Ausgang: Jedes Kind 4 beherrscht nach einer
bestimmten Zeit, auch bei qualitativ und quantitativ unterschiedlicher Berührung mit den sprachlichen Inputdaten, seine Muttersprache inklusive aller ihrer Regeln. Mit anderen Worten, es hat die Grammatik seiner Sprache erlernt und ist somit imstande eine unendliche Anzahl von Sätzen zu bilden und zu verstehen.
1.1.1 Die Universalgrammatik
Die Universalgrammatik (UG), (engl. universal grammar) ist ein in unserem Kognitionssystem verankertes, selbständiges System von Regeln, oder entsprechend dem allgemeinen technischen Terminus: ein Modul. Diese These besagt, dass das menschliche Kognitionssystem aus eigenständigen Subsystemen besteht und jedes dieser Systeme einem eigenen spezifischen Aufgabenbereich zugedacht ist. Es sind wie gesagt autonome Systeme, deren Prinzipien nicht aus anderen Bereichen des menschlichen Leistungsvermögens, wie z.B. das Lautinventar natürlicher
4 Mit Ausnahme von pathologischen Fällen.
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Sprachen, das von der Beschaffenheit der menschlichen
Artikulationsorgane abhängt, abgeleitet werden können. Der initial state oder Ausgangszustand unseres Gehirns, der uns in die Lage versetzt eine Sprache zu erwerben und folglich den wesentlichen Unterschied zwischen Mensch und Tier darstellt, ist also die Universalgrammatik. Da es ja nur eine Grammatik gibt, die universal für alle natürlichen Sprachen gültig ist, kommt man ganz automatisch zu der Frage, wie diese Grammatik nun so viele strukturell verschiedene Sprachen „generieren” kann. Zur Veranschaulichung kann man die Antwort wie folgt formulieren: man stelle sich die Universalgrammatik wie ein Schienennetz vor, auf dem ein Zug in eine bestimmte Richtung (Universalgrammatik) fahren muss. Wird es nun notwendig, dass der Zug eine andere als die vorgegebene Richtung (eine von der Universalgrammatik abweichende Besonderheit einer spezifischen Einzelsprache) einschlägt, wird eine Weiche gestellt, die ihm das ermöglicht. Wenn wir diesen Vergleich auf die zu erwerbende Sprache umsetzen, bedeutet dies, dass das spracherwerbende Kind, je nach Art der zu erlernenden Sprache, anhand der positiven Evidenz d.h. den wohlgeformten Sätzen einer Sprache, mit denen es in Berührung kommt, Parameter fixiert, oder mit anderen Worten, die Universalgrammatik adjustiert. Diese Einsicht bildet den Ausgangspunkt unserer Überlegungen.
22
1.1.2 Der pro-drop-Parameter
Zur Verdeutlichung dieser Erkenntnis nennen wir das Beispiel des prodrop-Parameters. Es gibt Sprachen, wie z.B. Italienisch oder Spanisch, deren Verbmorphologie so reich ist, dass allein die Endung des Verbs das entsprechende Pronomen und somit Subjekt identifiziert. Nehmen wir z.B. das Verb: essen > mangiare>comer>manger>eat Italienisch: Spanisch: mangio (io) como (yo) mangi (tu) comes (tu) mangia (lui, lei, esso) come (él,ella, ello) mangiamo (noi) comemos (nosotros) mangiate (voi) coméis (vosotros) mangiano (essi, esse) comen (ellos, ellas)
Aus diesem Grund ist es auch möglich Sätze zu bilden wie: (1) Mangi adesso o più tardi? (2) Comes ahora o mas tarde?
Obwohl das Pronomen weggelassen wird, weiß man genau, dass die zweite Person Singular tu gemeint ist. Sprachen wie diese sind sogenannte prodrop-Sprachen, d.h. sie sind durch das Merkmal [+pro-drop]
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gekennzeichnet. Das Einsetzen des Subjektpronomens ist nicht obligatorisch.
Im Gegensatz hierzu haben wir z.B. Deutsch, Französisch und Englisch, bei denen die Pronomen nur zum Teil durch die Verbmorphologie identifizierbar sind und deshalb zwar derselbe, aber mit einem negativen Wert versehener Parameter in Aktion treten muss: der [-pro-drop]-Parameter : Deutsch: Französisch: esse (ich) mange (je) isst (du) manges (tu) isst (er, sie, es) mange (il, elle) essen (wir) mangeons (nous) esst (ihr) mangez (vous) essen (sie) mangent (ils,elles)
Wie wir sehen, ist das Englische sogar noch ärmer an Verbendungen als das Deutsche. Da diese Sprachen durch das Merkmal [-pro-drop] gekennzeichnet sind, sind auch Sätze wie die nachfolgenden ausgeschlossen: * 5 (3) * Isst jetzt oder später? (4) *Est-ce-que manges tout de suite ou plus tard? (5) * Do eat now or later?
Wir haben hier nur einen der vielen verschiedenen sprachspezifischen Parameter angesprochen. Tatsache ist, dass wenn das Kind einmal einen seiner Sprache eigenen Parameter erkannt und fixiert hat, wird es ihn von da ab automatisch, also ohne nachdenken zu müssen, auf alle relevanten Strukturen anwenden. Wenn es sämtliche Parameter fixiert hat, ergibt sich die Kerngrammatik (engl. core grammar) seiner Sprache. Wir dürfen nie das Ziel der generativen Grammatiktheorie aus dem Auge lassen: Wir versuchen nicht eine einzelsprachliche Grammatik festzulegen, z.B. die des Deutschen, sondern wir sind auf der Suche nach sprachlichen Universalia, also nach Regeln, die für alle natürlichen Sprachen gelten und danach wie sie ein Kind auf der Grundlage des ihm angebotenen Sprachmaterials erwerben kann. Wir wollen hiernachfolgend 5 Gemäß allgemeinem linguistischem Gebrauch markieren wir ungrammatische Sätze mit dem
Zeichen:*.
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in Abschnitt 1.1.3 die grundlegenden universellen Regeln unserer Theorie vorstellen.
1.1.3 Phrasenstrukturregeln
Natürliche Sprachen sind auf zwei Ebenen organisiert und zwar auf einer lexikalischen Ebene, d.h. der Ebene der Wörter und einer phrasalen Ebene, d.h. der Ebene der syntaktischen Phrasen. Auf den ersten Blick erscheint es uns, dass Sätze aus einer linearen Abfolge von Wörtern bestehen. Sie setzen sich jedoch aus Konstituenten oder syntaktischen Phrasen verschiedener Art zusammen. Es gibt verschiedene phrasale Kategorien, z.B. NP, VP, AP, P. Wir wollen für jede der obenangegeben Kategorien hiernachfolgend ein Beispiel anführen: NP > Nominalphrase:
(6) Das Kind mit den roten Backen stand am Zaun und winkte. VP > Verbalphrase:
(7) den Ball in der Luft aufgefangen hat Hans AP > Adjektivphrase: (8) rot am Horizont leuchtete die Abendsonne
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PP > Präpositionalphrase (9) in der Schule lernt man am meisten
Jede syntaktische Phrase ist nicht nur Strukturelement innerhalb eines Satzes, sondern hat wiederum selbst eine interne Struktur. Die interne Struktur der NP (6) setzt sich wie folgt zusammen: (10) NP→ (DET) (AP) N (PP)
Dies bedeutet, daß eine NP aus einem obligatorischen N besteht und fakultativ (in runde Klammern gesetzte Elemente) 6 einen Artikel (DET), eine Adjektivphrase (AP) oder eine Präpositionalphrase (PP) enthalten kann. So besteht z.B. die VP (7) aus folgenden Kategorien: (11) VP→ V (NP) (PP)
Diese Strukturregel besagt, dass eine Verbalphrase aus einem obligatorischen Verb bestehen muss und fakultativ aus einer NP oder PP.
6 Eine syntaktische Phrase kann eines, mehrere oder alle ihrer fakultativen Elemente enthalten.
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Die AP (8) kann wie folgt formuliert werden: (12) AP→ (Adv) A (PP)
Wir beobachten auch hier das obligatorische Vorkommen eines Elements, des sogenannten Kopfes (engl. head) der Konstruktion AP d.h. A und eventueller zusätzlicher fakultativer Elemente wie Adverb (Adv) oder Präpositionalphrase (PP).
Die PP wie in (9) hat als obligatorische Bestandteile eine Präposition (P) und eine Nominalphrase (NP): (13) PP→ P NP
Obige Regeln nennen wir Phrasenstrukturregeln 7 . Die Struktur eines einfachen Aussagesatzes wie in (14) hingegen kann durch nachfolgende Regel ausgedrückt werden
Eine weitere Kategorie, die wir bisher unerwähnt gelassen haben, tritt insbesondere in Nebensätzen auf, wie in den folgenden Beispielen:
7 Vgl. Chomsky, Syntactic Structures 1957 (26-48).
28
(15) Maria weiß, dass Hans Greta liebt (16) Hans liebt Greta, weil sie so nett ist Obige Nebensätze werden durch Konjunktionen wie dass oder weil eingeleitet. Konjunktionen heißen im Englischen complementizer und werden mit dem Kategoriensymbol COMP bezeichnet. Es wird allgemein angenommen, dass COMP keine Konstituente von S, des einfachen Aussagesatzes, ist, sondern vielmehr zusammen mit S von einer Kategorie dominiert wird, die als S-bar bezeichnet und mit dem Symbol ¯ oder S’ dargestellt wird.
Mit sogenannten lexikalischen Einsetzungsregeln ersetzen wir die lexikalischen Kategorien wie N oder V etc. durch spezifische Lexeme der jeweiligen Sprache wie z.B. → Kind, Backe, Zaun etc. (17) N DET → das, ein etc. → stehen, auffangen, leuchten etc. V → rot, gut, schön etc. A
Adv → sehr, ebenfalls, außerordentlich etc. → mit, in, an etc. P
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Die Symbole der obigen Beispielsätze können durch lexikalische Kategorien ausgetauscht werden. Wir verdeutlichen diesen Vorgang an nachfolgender VP (7) wiederholt als (18): (18) VP → V (aufgefangen) NP (den Ball) PP (in der Luft) hat Hans Unter Anwendung dieser beiden Regeln, d.h. Phrasenstrukturregeln und lexikalischen Einsetzungsregeln generieren wir die Sätze einer Sprache. In der generativen Theorie werden die strukturellen Beziehungen der Konstituenten durch ein sogenanntes Baumdiagramm (engl. tree structure) dargestellt. Wir nehmen zum Beispiel nachfolgenden Satz: (19) Greta aß einen feuerroten Apfel und stellen ihn mit folgendem Baumdiagram dar:
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NP N
Greta
Ein Baumdiagramm entsteht dadurch, dass man die Symbole auf der rechten Seite der Phrasenstrukturregel unter das Symbol auf der linken Seite setzt und sie dann mit Linien, sogenannten Zweigen (engl. branches) miteinander verbindet. Das Pfeilsymbol → liest man als ersetze durch (oder engl. re-write).
Den Schnittpunkt zweier Zweige im Baumdiagramm nennen wir Knoten (engl. node). In (18) haben wir also einen S-Knoten, einen VP-Knoten und zwei NP-Knoten. Jeder dieser Knoten dominiert sämtliche Kategorien, die unter ihm hängen. Der VP-Knoten z.B. dominiert V, NP, DET, A und N aber nicht die NP Greta. Eine Kategorie dominiert unmittelbar eine andere Kategorie, wenn es keine weiteren Kategorien zwischen beiden gibt. Dies bedeutet, dass in (19) V und NP von VP unmittelbar dominiert werden. Diese Beziehung wird in folgender Regel festgelegt:
31
(20) α dominiert β unmittelbar, genau dann wenn
Als Schwestern bezeichnen wir zwei oder mehr Knoten, die von dem gleichen Knoten unmittelbar dominiert werden. Der dominierende Knoten heißt Mutter.
In unserem Beispiel (19) ist also di VP die Mutter der beiden Schwestern V und NP. Elemente wie z.B. N, V, DET, A, N in unserem Diagramm, also solche, die keine weiteren Elemente dominieren, werden Terminalsymbole (engl. terminal symbols) genannt. Sie werden entsprechend den
lexikalischen Einsetzungsregeln von den lexikalischen Angaben substituiert. Die Darstellung der Satzstruktur mittels eines Baumdiagramms ist zwar sehr anschaulich, nimmt jedoch sehr viel Platz ein und wird deshalb oft, auch aus Gründen der Hervorhebung
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bestimmter Satzteile, durch das sogenannte labeled bracketing, d.h. das Einsetzen von eckigen Klammern, ersetzt. Bei Eröffnung der Klammer erhält diese die Kategorienbezeichnung als Subskript. Unser Beispielsatz (19) kann folglich auch durch (21) dargestellt werden:
(21) [ S [ NP [ N Greta]][ VP [ V aß][ N [ DET einen][ A feuerroten][ N Apfel]]]] Die Phrasenstrukturregeln (PS-Regeln) natürlicher Sprachen zeichnen sich durch ein Phänomen aus, das als Rekursivität bezeichnet wird. Dieser Mechanismus kann beliebig erweiterbare Strukturen erzeugen wie z.B.: (22) das Kind der Frau des Nachbarn des Freundes des Mannes deiner Tante
Konstruktionen dieser Art werden als selbsteinbettend oder rekursiv bezeichnet. Das charakteristische Merkmal solcher Konstruktionen ist die unbegrenzte Hinzufügbarkeit eines Ausdrucks einer bestimmten Struktur. Hieraus folgern wir, dass es technisch möglich ist, einen Satz unbegrenzt lang zu formulieren, ohne Ungrammatikalität hervorzurufen. Mit der zunehmenden Länge eines Satzes, nimmt jedoch seine Verständlichkeit graduell ab. Chomsky, in seinen „Aspects of the Theory of Syntax“ (1965), unterstreicht, dass dieses Phänomen der formale Ausdruck des „kreativen Aspekts“ der Syntax natürlicher Sprachen sei.
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PS-Regeln und lexikalische Einsetzungsregeln werden benötigt, um wohlgeformte Sätze in einer Sprache zu generieren. Doch dies allein reicht nicht. Wir stellen fest, dass Verben nicht generell in den gleichen syntaktischen Strukturen auftreten können. Als dritte Komponente unserer Grammatik benötigen wir daher ein Lexikon, das den jeweiligen Subkategorisierungsrahmen (engl. subcategorization frame) der Verben d.h. in welcher syntaktischen Umgebung sie auftreten können, spezifiziert, z.B.: das Verb: glauben Es kann in folgenden verschiedenen Umgebungen auftreten: (23a) Hans glaubt mir nicht (23b) Christen glauben an Gott (23c) Ich glaube, dass es morgen regnet (24) glauben V [ ____ NP]
1.1.4 Die X-bar Syntax
Wir haben in 1.1.3 festgestellt, dass syntaktische Phrasen jeweils aus einem obligatorischen Kopf und einem Komplement sowie aus fakultativen Adjunkten 8 (engl. adjuncts) bestehen. Wenn wir dieses Verhältnis der Dinge hierarchisch ordnen, so bezeichnen wir die einzelnen Ebenen als Projektionen des Kopfes der Konstruktion. Wir weisen dem Kopf die niedrigste Position zu, die notationell allgemein mit dem Symbol ° (Null) angegeben wird. Im Falle einer VP ergibt sich als Kopf die Notation V°, einfach auch nur mit V bezeichnet. Die nächst höhere Position der VP oder einer anderen syntaktischen Phrase ergibt sich aus der Verbindung des Kopfes mit seinem Komplement und erhält die Notation V oder V', sprich: V quer (engl. bar). Kommen nun Adjunkte dazu, deren Anzahl sich prinzipiell beliebig erweitern lässt und die, wie schon gesagt, fakultativ sind, wird jeweils ein weiterer V'-Knoten gebildet, d.h. das Adjunkt befindet sich auf der gleichen Ebene des Komplements.
Wir müssen hier kurz auf eine Regel aufmerksam machen, die mit EPP (engl. Extended Projection Principle) bezeichnet wird. Dieses Prinzip besagt, dass jeder Satz ein Subjekt haben muss. Das Subjekt erscheint im Spec (engl. specifier) der Kategorie IP. Nachfolgendes Baumdiagramm soll die verschiedenen Projektionsebenen veranschaulichen. Wir bedienen uns
8 Adjunkte sind fakultative Elemente, die unabhängig von den Subkategorisierungseigenschaften des
Verbs sind.
35
hierzu des Englischen, da sich dessen Satzstruktur am besten zu diesem Zweck eignet: (25)
Notationell können wir die Struktur der VP wie folgt darstellen:
Wir gehen davon aus, dass obige drei Ebenen, also V°, V' und VP in jeder VP vorhanden sind, auch wenn es Konstruktionen (z.B.
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Infinitivkonstruktionen) gibt, in denen das Subjekt nicht lexikalisch realisiert (engl. overt) ist.
Einstweilen fällt uns auf, dass auf der rechten Seite jeder Regel jeweils immer das Kategoriensymbol V mit einem Querstrich weniger als auf der linken Seite steht. Da nun alle syntaktischen Phrasen die gleiche Struktur wie VP aufweisen, d.h. sie bestehen alle aus drei Projektionsebenen, nehmen wir das Symbol X, um einen beliebigen lexikalischen Kopf einer Phrase zu bezeichnen, X' für die Verbindung von X + Komplement und XP für die maximale Projektion X + Komplement + Spec. Wir können diese Regel also generalisieren und wie folgt formulieren: X n ⇒ ...........X n -1 ........ (26)
Wir haben hier für die Zahl der Querstriche die Variable n eingesetzt. Die Abfolge der Elemente kann je nach Sprache sehr verschieden sein. Das X-bar Schema bringt dies durch die Punkte zum Ausdruck, die besagen, dass ein bestimmtes Strukturelement links oder rechts vom lexikalischen Kopf auftreten kann. Dies ist ein Parameter der UG und jedes Kind muss den für seine Sprache relevanten Parameter hinsichtlich der Abfolge der Elemente wählen. Beispiele sprachspezifischer Reihenfolge der Wörter:
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(27) a) die schönen Blumen b) i fiori belli c) i bei fiori NP ⇒ (DET) (A) N a) Deutsch NP ⇒ (DET) N (A) b) Italienisch NP ⇒ (DET) (A) N c) Italienisch
1.2 Die Theta-Theorie
Der Subkategorisierungsrahmen eines Verbs legt fest in welcher syntaktischen Umgebung es auftreten muss. Die Theta -Theorie (auch θ- Theorie)besagt nun, dass die subkategorisierten phrasalen Kategorien stets durch Argumente (A-Ausdrücke), die auch θ-markiert sein müssen, besetzt sein müssen. Argumente ohne θ-Rolle und θ-Rollen ohne Argumente ergeben die Ungrammatikalität eines Satzes. Wir wollen obiges anhand folgenden Beispiels illustrieren: (28) Hans liebt Greta
Lieben ist ein zweistelliges Verb, d.h. es hat zwei obligatorische Argumente und zwar Hans und Greta. Fehlt eines dieser Argumente, wird der Satz ungrammatisch:
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Die semantische Beziehung der Argumente Hans und Greta zum Prädikat sind verschiedener Natur. Hans ist der Agens und Maria der Patiens. Innerhalb eines Satzes darf eine θ-Rolle nur einem Argument zugewiesen werden. Es steht daher fest, dass ein Satz wie der nachfolgende ungrammatisch sein muss, weil hier die θ-Rolle „Quelle“ an mehrere Argumente (von Goethe, von Schiller) vergeben wurde: (29) *Hans liest das Buch von Goethe von Schiller Die ob en dargestellte Gesetzmäßigkeit wird von folgendem
Wohlgeformtheitsprinzip (Theta-Kriterium) erfasst:
Jede θ-Rolle muss genau einem Argument zugewiesen (30)
Die thematischen Selektionseigenschaften eines Elements bleiben auf allen syntaktischen Strukturebenen erhalten.
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Burzio (1986) klassifiziert die Verben und gibt uns eine Übersicht der drei möglichen Argumentstrukturen: VERB 1:
(31b) (31c) VERB 2: VERB 3:
Ein Verb, bei dem das thematische Selektionsschema wie in (31a) aussieht, wird als transitiv bezeichnet. Es ist ein Verb mit zwei Argumenten und es vergibt zwei θ-Rollen, z.B. lieben ( Rollen des AGENS und des PATIENS).
Ein Verb wie in (31b) ist ein intransitives Verb, das nur ein äußeres 9 Argument hat wie z.B. arbeiten. Es vergibt die äußere Rolle des AGENS. Die Verben der Klasse (31c) sind solche, die nur ein internes Argument haben. Auf der Hand liegen ergative Verben, deren Subjekt ein internes
9 Ein Argument in Subjektposition.
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Arbeit zitieren:
Vera Schladitz del Campo, 2001, Untersuchungen zur Syntax und Semantik des deutschen Infinitivmorphems "zu", München, GRIN Verlag GmbH
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