Inhaltverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Das Sammeln als menschliche Leidenschaft 1
3. Bekanntschaft mit bedeutenden Sammlern. 2
4. Von Sammlung bis Ausstellung und Museum 3
5. Geschichte der bürgerlichen Sammlungen 5
6. Künstler - Sammler 6
7. Gesellschaft, Kunst und Sammler 7
8. Museologische Betrachtungsweise zu Sammlungen 7
9. Adolf Friedrich Graf von Schack 8
10. Pawel Micheilowitrsch Tretjakow 13
11. Abschluss 16
II
Zum einzelnen Sammeln gehört Liebe, Kenntnis und gewisser Muth, den Augenblick zu ergreifen. Goethe (Lit. 3)
1. Die Geschichte des Kunstsammelns reicht zurück bis zum Altertum. Das Sammeln gehört seit jeher zur menschlichen Kultur und zu den zentralen humanen Tätigkeiten. Doch das Sammeln bleibt weiter ein Charakteristikum menschlicher Aktivität. Der „homo collektor“ ist so alt wie die Menschheitsgeschichte. Schon in der Antike betätigen sich die Herrscher von Ägypten und Babylonien als Kunstsammler. In Rom wurde der Sammlertrieb durch die Berührung mit der griechischen Kultur geweckt. Ganze Schiffsladungen von Kunstgut kamen nicht nur aus Griechenland, sondern auch aus der römischen Provinzen von Afrika und dem vorderen Orient. Im März 1899 hielt der große deutsche Archäologe Adolf Furtwängler eine noch im gleichen Jahre gedruckte Rede über Kunstsammlungen in alter und neuer Zeit. Es war bisher die einzige zusammenhängende Darlegung über das Gebiet in deutscher Sprache. In den letzten Jahren ist sehr viel über das Phänomen Sammeln geschrieben und auch gerätselt worden. Klarer und systematischer untersucht wurde die spezielle Form des Im Laufe der Zeit bildete sich eine reichhaltige Literatur über Sammelns in den klassischen Institutionen Museum und Archiv.
2. Das Sammeln ist eine menschliche Leidenschaft. Der Trieb zum Kunstsammeln hat viele Ursachen. Man unterscheidet vier Typen von Sammlern:
- der reine Sammler, der seine Räume mit Kunstwerken schmückt. Seine Seele ist rein;
- der Ansammler, der im übrigen harmlos und für den Handel umsatzfördernd ist;
- der Geldsammler, der weniger harmlos und mehr sachlich ist. Der Kunstspekulant;
- der Schatzzwerg, der seine Kunstwerke in Pappschachteln hat. Der genießt sie nie, aber verkauft auch nie. Schatzzwerg lebt bescheiden, kleidet sich ärmlich.
Also, neben den leidenschaftlichen Sammeln, die ein Spezialgebiet pflegen, hat es von jeher jenen anderen, häufigeren Typus gegeben, der das Sammeln schöner Dinge vom Stadtpunkte einer dekorativen Ausschmückung des eigenen Heims aus betrachtete. Diese Art von Sammlern (ein reiner Sammler) ist die bei weitem zahlreichste. Zu allen Zeiten wurden durch sie vornehmlich das z eitgenössische Kunsthandwerk gefördert.
Die leidenschaftlichsten Sammler aber, die geborenen Sammlernaturen, haben sich fast immer der alten Kunst zugewandt. Dieses Gebiet ist größer, geheimnisvoller, reicher an ungehobenen,
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phantastischen Schätzen, als die zeitgenossische Kunst jemals gewesen ist und jemals sein wird. Denn, was ein echter Sammler sein will, der muss Jägerblut haben. Das Wild will abseits vom Wege entdeckt, eingekreist, gestellt, erlegt werden, in mühsamer Arbeit und mit Hilfe einer nie versagenden, weidgerechten Tüchtigkeit. Wo findet ein Sammler seine Leidenschaftsobjekte? Gibt es eine köstlichere Beschäftigung als, durch die Londoner Antiquariate zu wandern, in Paris von Laden zu Laden zu pilgern, erst zu den großen Häusern im Zentrum der Stadt und dann zu den ungezählten kleinen und kleinsten Geschäften des Quartier Latin, wo man immer und immer wieder erstaunliche Funde machen kann. Nicht zu vergessen der regelmäßige Besuch der heimischen Auktionen, auf denen mancher Sammler das eine oder andere wertvolle Stück für ein geringes Entgelt erwerben konnte. Es geht nicht immer nur um der Geldfrage. Wie häufig erzählen selbst große Sammler, dass ihre schönsten Erwerbungen ein Nichts gekosten haben und dies deshalb, weil keiner von ihnen die Stücke in ihrem wahren Werte erkannt hatte. Noch eine Sammelnsmethode ist erfolgreich: die jungen talentierten Mallern zu unterstutzen und ihre Bilder zu kaufen. Aber das ist ein Privileg der Reichen. Es gibt auch die Sammler, die Balzak in seinem Roman vom „Vatter Pons“ geschildert hat. Ein ernsthafter Sammler opfert der Beschäftigung mit den von ihm zusammengetragenen Schätzen sein halbes Leben. Ganz abgesehen von den oft schwierigen Ankaufsverhandlungen, erfordern die Aufstellung, die Konservierung, die Katalogisierung einer großen Sammlung dauernde und mühevolle Beschäftigung. Man darf nicht glauben, dass das Sammeln ein rein egoistisches Vergnügen sei. Gerade den großen Sammlern hat auch die Allgemeinheit viel zu danken. Sie waren von jeher Pioniere der Wissenschaft, sie erschlissen immer wieder künstlerisches Neuland.
Lothar Brieger 1 nennt die größten Sammler der alle Zeiten: die 3.
Römer 2 , Konstantin der Große 3 , Karl der Große 4 , St. Bernward von Hildesheim 5 , Herzog von Berry 6 , Onkel und Neffe Castiglione 7 , Margarete von Savoyen 8 , Haus Fugger 9 , Albrecht von Bayern 10 , Philipp der Zweite und Rudolf der Zweite 11 , Erzherzöge Ferdinand von Tirol und Leopold Wilhelm 12 , drei Generationen der Familie Amerbach 13 , Sieur Agard 14 , Graf Arundel 15 , der Kardinal
Mazarin 16 , Michel de Marolles 17 , Bankier Michel Eberhard Jabach 18 ; Crozat, Caylus und Mariette (die Geburt der
Archäologie); 19 die Walpoles 20 ; die Gräfin de Verrue 21 ; August der Starke und sein Sohn 22 ; Friderikus Rex 23 ; Philipp von Stosch 24 ; Vivant-Denon 25 ; der Baron Hüpsch, der Kanonikus Wallraf und die Brüder Boisseree 26 , die Brüder Goncourts 27 , Albert von Lanna 28 , der Bankier Morgan 29 . 1 Diese Liste kann man noch anhand der folgenden allgemeinbekannten Namen ergänzen: Vatikan in Rom; Medici in Florenz; Peter der Große und Katharina II. in Sankt Petersburg; Rudolf II. in Prag; Philipp II. in Madrid; Habsburger Haus in Wien; Windsors Haus in London; Napoleon in Paris; sächsischer Kurfürst August; der Bankier Rotschild u.a.
4. Im 16./17. Jahrhundert wurden erste Initiativen ergriffen, die großen Kunstsammlungen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Zuerst gingen die Kunstsammlungen der Medici in Staatsbesitz über (Uffizien 1580, Palazzo Pitti 1640). In Basel ging zum ersten Mal eine private Sammlung in öffentlichen Besitz über (1662). 30 Umfangreiche „Kunstkammern“ der Fürstenhöfen und
bedeutende Kunstsammlungen entstanden später den Grundstock oder wesentlichen Bestandteil nachfolgenden öffentlichen Museen. Im 19. Jahrhundert begründeten Privatsammler bedeutenden Museen: Kanonikus F.F. Wallraf, er errichtete anhand seiner Sammlung und der Geldstiftung des Kaufmanns J.H. Richartz im Jahr 1824 in Köln ein Wallraf- Richartz-Museum 31 ; Bankier Johann Friedrich Städel (1728-1816) begründete mittels eigener Sammlung und eigenem Geld im Jahr 1815 Städelschen Kunstinstitut in Frankfurt am Main 32 ; die großzügige Schenkung des Bankiers Johann Heinrich Wagener im Jahr 1861 gründete die Nationalgalerie in Berlin 33 ; Adolf Friedrich
Graf von Schack machte seine Sammlung Kaiser Wilhelm II. zum Geschenk (1876). Das ist heutige Schack-Galerie in München 34 . Im 20. Jahrhundert bildeten weiter wichtigen Museen, deren Sammlungswurzel im 19. Jahrhundert aufgekeimt sind: die Sammlungen 35 von J.P.Getty (1892-1976, der Gründer des J.Paul Getty Museums in Malibu, California, 1953); 36 Peggi Guggenheim (1898-1979, sie baute eine der bedeutenden Privatsammlungen moderne Plastik und Malerei auf. Am 1947 übersiedelte sie mit der Sammlung in den Palazzo Venier die Leoni in Venedig, der seit 1979 öffentlich zugänglich ist); 37 Solomon Guggenheim (1861-1949, er gründete das Guggenheim- Museum in New-York, 1937); Irene und Peter Ludwig (ihre Kollektion der Gegenwartskuns t befand sich seit 1983 teilweise im Wallraf-Richartz-Museum in Köln und im Museum Ludwig, teilweise im J. Paul Getty Museum); 38 Henri Nannen
(1913-1996, der Gründer der Kunsthalle in Emden); 39 Bernhard Sprengel (1899-1985, am 1969 schenkte die Sammlung seiner Vaterstadt Hannover und damit begründete das neue Museum der modernen Kunst); 40 Baron Heinrich Thyssen-Bornemisza (1875-1947, seit 1937 öffnete seine Kollektion fürs Publikum in der Villa Favorita in Lugano) u.a. 41
Zu den großen Kunstsammler im 19. Jahrhundert gehören viele bekannten und sehr geehrten Namen. Im Deutschland sind am meistens die folgenden Kunstsammler beliebt: König Ludwig I. (1786 - 1868), er baute München zur Kunststadt aus 42 ; Joseph Benzino (1819 - 1991), der Gründer der Sammlung, die sich in der Neuen Pinakothek befindet 43 ; Maximilian Speck von Sternburg (1776 -1856), der Gründer der Stiftung in Leipzig 44 ; König Friedrich Wilhelm III. (1795 - 1861), der die Sammlungen Giustiniani und Boisseree für das zukünftige königliche Kunstmuseum erworben und damit das Berliner Museum zu dem europäischen Kunstmuseum nähergeschoben hat 45 ; Victoria von Preußen (1840 - 1901), sie hat der Witwensitz Schloss Friedrichshof als Sammlungsschloss errichtet, der später in den Berliner Museen umgesetzt wurde 46 ; Alfred Thieme (1830 - 1914), seiner Kunstsammlung lag im Grund des Museums seiner Vaterstadt Leipzig 47 ; Alfred Lichtwark (1852 - 1914), mittels seiner Sammlung bekam die Kunsthalle im Hamburg ein
Arbeit zitieren:
Antonina Kostretska, 2003, Die großen Sammler von Kunstwerken im 19. Jahrhundert und ihre Bedeutung, München, GRIN Verlag GmbH
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