I
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis. III
Tabellenverzeichnis IV
1. Die Langen Wellen als Erklärung der Krise 1
2. Nikolai D. Kondratieff 4
3. Die Theorie der Langen Wellen 4
3.1. Geschichtlicher Hintergrund 4
3.2. Verschiedene Formen konjunktureller Zyklen 6
3.3. Die Kondratieff- Zyklen 7
3.4. Die Rolle der Basisinnovationen 11
4. Die bisherigen Zyklen 17
4.1. Der erste Zyklus (1793-1847) 17
4.2. Der zweite Zyklus ( - 1893) 18
4.3. Der dritte Zyklus (- 1939) 18
4.4. Der vierte Zyklus (- 1984) 19
4.5. Der fünfte Zyklus (1985-?) 20
II
5. Auf dem Weg zum sechsten Kondratieff- Zyklus 23
5.1. Die Ausgangslage gegen Ende des fünften Zyklus 23
5.2. Potentielle Wachstumsbranchen 27
5.2.1. Umweltschutz 27
5.2.2. Solartechnik und optische Geräte 28
5.2.3. Biotechnologie 28
5.2.4. Gesundheit 29
5.2.4.1. Gesundheit im ganzheitlichen Sinne 31
5.2.4.2. Psychosoziale Gesundheit und der entropische Sektor. 32
6. Fazit 34
Literaturverzeichnis 36
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Schematische Darstellung von Konjunkturzyklen entlang eines
Kondratieff
Abbildung 2: Eine populäre Darstellung der Kondratieff Zyklen mit ihren
jeweiligen Basisinnovationen
Abbildung 3: Verschiedene Merkmale der Kondratieff- Zyklen
Abbildung 4: Der vierte Kondratieff veranschaulicht an der Basisinnovation
Automobil (Anzahl in Italien registrierter Autos)
Abbildung 5: Die Diffusion der Basisinnovationen in den Langen Wellen
Abbildung 6: Das S- Kurven- Modell der technologischen Entwicklung
Abbildung 7: Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland seit 1970
Abbildung 8: Der entropische Sektor der Gesellschaft
Tabelle1: Die Chronologie der Auf- und Abschwungphasen bei Kondratieff…………5
Tabelle 2: Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen in der Privatwirtschaft..…..21
Tabelle 3: Indikatoren für die Informationsgesellschaft………………………………22
1
1. Die Langen Wellen als Erklärung der Krise
„ Das Leben kann nur rückblickend verstanden werden. Es muss aber vorausschauend gelebt werden.“
Soren Kierkegard
Was kommt nach dem Informationszeitalter? Wohin entwickelt sich unsere Gesellschaft in den nächsten Jahren? Diese Fragen haben eine sehr hohe Aktualität. Ihre Antworten sind allerdings auch sehr kontrovers. Besonders wirtschaftliche Krisen lassen die Zukunftsperspektiven in den Köpfen eher düster aussehen. Momentan befinden wir uns in einer solchen Krise, geprägt durch ein niedriges Wirtschaftswachstum und einen hohen Grad an Arbeitslosigkeit. Aufgrund einer Höhe von insgesamt über vier Millionen Arbeitslosen ist sie mittlerweile nicht nur mehr ein wirtschaftliches, sondern vielmehr ein gesamtgesellschaftliches Problem. Zudem hält die Krise schon einen langen Zeitraum, nämlich seit ungefähr 1991 an.
Das enorme Ausmaß der anhaltenden Krise lässt sich schon daran erahnen, dass allein im produzierenden Gewerbe 1991 bis 1996 1,2 Millionen Arbeitsplätze abgebaut werden mussten. Besonders in Branchen, in denen deutsche Unternehmen in der Vergangenheit weltweit eine führende Rolle spielten, fand der massivste Stellenabbau statt. So fiel in der Automobilbranche jede sechste, in der Chemiebranche jede fünfte und in der Textil-, Stahlindustrie sowie im Maschinenbau jede dritte Arbeitsstelle zum Opfer. 1 Wegen der Schwere und langen Dauer dieser Krise ist es nicht verwunderlich, dass immer wieder Parallelen zu der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre und der „Großen Depression“ der Bismarck-Zeit (1873 bis 1896) gezogen werden. 2
Dabei sind diese Beschäftigungsprobleme nicht nur konjunkturell bedingt, sondern sie sind heute wie damals durch technologischen Wandel, sowie durch wirtschaftliche und gesellschaftliche Verunsicherung determiniert. 3 Dementsprechend sind die derzeitigen wirtschaftlichen Probleme nicht nur konjunkturell, sonder vor allem strukturell geprägt.
1 Vgl. Bromann, J., 1995, S. 2 zitiert nach Janssen, C., 1997, S. 9-10.
2 Jansen, C., 1997, S. 10.
3 Vgl. Thomas, H., 1998, S. 9
2
Die deutsche Wirtschaft, wie auch die vieler anderer europäischen Staaten, legt strukturelle Schwächen offen, die seit Mitte der siebziger Jahre durch eine zu langsame Anpassung an weltwirtschaftliche Entwicklungen entstanden sind. Dieses Mal scheint es deutlich, dass es sich nicht nur um eine rein konjunkturell zyklische Schwäche handelt. 4
Seit der Publikation des Themas der „Langen Wellen“ durch Nikolai D. Kondratieff im Jahre 1926, existiert die umstrittene Theorie, dass kurz- und mittelfristige Konjunkturzyklen durch die langfristigen Kondratieff- Zyklen oder auch sogenannte „Lange Wellen“ überlagert werden. Diese Auf- und Abschwungphasen der Wirtschaft, deren Zyklendauer circa 40 - 50 Jahre beträgt, stehen in engem Zusammenhang mit sogenannten Basisinnovationen. 5
Innovationen haben nicht alle die gleiche Bedeutung, sie treten auch nicht gleichmäßig über die Jahre verteilt, sondern schubweise auf. Basisinnovationen werden dabei solche innovativen Technologien genannt, die umfassend technisches Neuland erschließen und einen breiten Strom von Nachfolgeinvestitionen mit weitreichenden wirtschaftlichen Konsequenzen auslösen. Sie durchdringen die Gesellschaft und werden zum Motor umfassender Veränderungen. 6
Dabei besagt die Theorie, dass die nach ihrem Entdecker Nikolai D. Kondratieff benannten Zyklen dadurch zustande kommen, dass eine Basisinnovation ein so enormes wirtschaftliches Potential hat, dass sie signifikant zum langfristigen Aufschwung der gesamten Volkswirtschaft beiträgt und auch gesellschaftlich und kulturell einen Strukturwandel herbeiführen kann. 7 Schließlich kommt es zu einem Sättigungseffekt, die bisherige Technologie wird verdrängt, es kommt zu Beschäftigungsproblemen, dann zur Rezession, bis dann eine neue Basisinnovation einen neuen Zyklus anschiebt. 8
So hat zum Beispiel die Dampfmaschine in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Arbeit erleichtert, billigere Produkte ermöglicht und damit den, aus heutiger Sicht, ersten Zyklus ins Leben gerufen. Der zweite Zyklus hingegen wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Eisenbahn, Schifffahrt und die Herstellung von Stahl eingeläutet. Die Elektrizität hat im dritten Zyklus die Nacht zum Tag gemacht,
4 Vgl. Staatsministerium Baden-Württemberg, 1993, S. 10. zitiert nach Janssen, C. 1997, S. 9.
5 Vgl. Thomas, H., 1998, S. 9.
6 Vgl. http://www.robertfreund.de/Umfeld/kondratieff-zyklen.htm, 20.12.03.
7 Vgl. Scherrer, W., 1996, S. 2.
8 Vgl. Thomas, H., 1998, S. 10.
3
Schichtarbeit ermöglicht und das moderne Großstadtleben ins Leben gerufen. 9 Allgemein wird von bisher fünf solcher Kondratieff- Zyklen ausgegangen. Zurzeit befinden wir uns im „fünften Kondratieff“, den die Informationstechnologie beherrscht. 10 Dabei ist der Höhepunkt dieses Zyklus` schon erreicht, was bedeutet, dass die Krisensymptome, die in Europa derzeitig beobachtet werden können, nicht vorübergehend sind, sondern den Auslauf des fünften Kondratieff` und somit den Beginn einer längeren Schwächeperiode darstellen. 11
Da stellt sich die Frage, wie es nach der Informationsgesellschaft weitergeht. Was kommt nach diesem laufenden Kondratieff- Zyklus? 12 Welche Technologie wird sich als Konjunkturlokomotive 13 eignen, die die gesamte Wirtschaft antreiben kann?
Es gibt verschieden Spekulationen und Prognosen darüber, welche Branchen sich in Zukunft so entwickeln werden, dass eine ganze Volkswirtschaft davon profitieren kann. In der folgenden Arbeit wird die Theorie der Langen Wellen näher erläutert, wobei auch näher auf die Rolle der Basisinnovationen eingegangen wird. Anschließend werden die verschiedenen Kondratieff- Zyklen erläutert. Besonders beim fünften Zyklus wird dabei dargelegt, warum trotz einer neuen Basisinnovation und des neuen Zyklus kein signifikanter Aufschwung in Deutschland erfolgte. In diesem Zusammenhang wird auch auf die Beziehung zwischen neuen Technologien und der Entwicklung der Beschäftigung eingegangen. Schließlich wird ein Blick auf den kommenden, sechsten Kondratieff genommen.
9 Thomas, H., 1998. S. 10.
10 Ebd., S. 10.
11 Nefiodow, Leo A., 1998. S. 156.
12 Der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog nahm am 18.06.1996 in seiner Rede zur BDI-
Jahrestagung zur Theorie der langen Wellen Stellung: „Natürlich könne man aus vier
aufeinanderfolgenden Kondratieff- Zyklen nicht einfach das Gesetz einer fünften und jetzt bald sechsten
Langen Welle sicher ableiten. Aber den Zusammenhang zu verleugnen sei noch gewagter.“
13 Nefiodow, Leo A., 1998. S. 160.
4
2. Nikolai D. Kondratieff
Der russische Volkswirtschaftler Nikolai Dmitrijewitsch Kondratieff wurde 1892 geboren und verstarb 1938 in einem Gefängnis. In den Jahren 1920 bis 1928 war er Direktor des Konjunkturinstituts in Moskau und untersuchte die konjunkturelle Entwicklung der Wirtschaft anhand von Zeitreihen wirtschaftlicher Indikatoren. 14 Daraus leitete er den Schluss ab, dass die wirtschaftliche Entwicklung in den Industriestaaten in Wellen erfolgt. 15 1926 veröffentlichte er seine Ergebnisse in einem Artikel mit dem Titel „Lange ökonomische Zyklen" in der Zeitschrift Woprosij Konjunkturij. Er stellte die These auf, dass der Kapitalismus aufgrund seiner zyklischen Bewegungen nach jedem Abschwung immer wieder von neuem wachsen kann. 16 Damit widersprach er der in Russland geltenden Doktrin, dass der Kapitalismus aufgrund seiner inneren Widersprüche in einer schweren Krise versinken und sich damit selbst ersticken werde. 17 Zudem lehnte er jede Form von Planwirtschaft ab und sagte voraus, dass eine direkte Planwirtschaft nicht den Umstieg in einen neuen Zyklus bewältigen könne. 18
Aufgrund seiner Theorien passte Nikolai D. Kondratieff nicht mehr in das stalinistische Bild, weshalb Stalin ihn verhaften und 1938 erschießen ließ. Joseph Schumpeter griff die Theorie Kondratieffs wieder auf und benannte die Langen Wellen nach ihrem Entdecker.
3. Die Theorie der Langen Wellen
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
Das Phänomen der Langen Wellen wurde schon vor Kondratieff untersucht. Im Jahr 1847 verglich Hyde Clark die beiden schweren Hungerperioden in Großbritannien von 1793 und 1847 und kam zu dem Ergebnis, dass ihre 54jährige Wiederkehr kein Zufall ist, sondern ein Zusammenhang zwischen den beiden Hungerperioden bestehen muss. 19 Danach folgten Veröffentlichungen von den niederländischen Ökonomen Van Gelderen
14 O.V. http://www.wsgn.euv-frankfurt-o.de/vc/ss2003/crash/LangeWellen.doc, 23.12.03.
15 Scherrer, W., 1996, S. 1.
16 Ullrich, I., 2003
17 Ebd.,
18 O.V. http://www.kgh-online.de/infoschul/projekt/haseluenne/kondrat/kondrati.htm, 23.12.03.
19 Vgl. Janssen, C., 1997, S. 10.
Arbeit zitieren:
Thomas Runte, 2004, Kondratieff-Zyklus und diskontinuierliche Innovationen, München, GRIN Verlag GmbH
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