Marianne
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Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
1. Marianne - das Nesthäkchen unter den französischen Politmagazinen. 3
2. Technische Daten 3
3. Inhaltsanalyse. 6
3.1. Statistik. 6
3.2. Thematische Betrachtung 9
3.2.1. Fußball/WM/Hooligans 9
3.2.2. Bundestagswahl und deutsche Politiker 12
3.2.3. Die europäische Währungsunion. 17
3.2.4. Deutsch-französische Beziehungen. 17
4. Marianne in den Augen von Galtung und Ruge 19
Anhang I
Anhang II
Anhang III
Anhang IV
Literaturverzeichnis
Marianne Seite 3
1. Marianne - das Nesthäkchen unter den französischen Politmagazinen...
...und als solches ungezogen, frech und hemmungslos.
Das Bild der Marianne, die zum Sinnbild Frankreichs geworden ist, ist geprägt von der Französischen Revolution. Die klassische Darstellung zeigt sie als starke Anführerin, die französische Flagge mit den Farben der Trikolore hoch emporgestreckt. Dieses Bild ist bezeichnenderweise schemenhaft im Logo der Zeitschrift wiederzufinden. Während sie anfangs das republikanisch-demokratische Frankreich symbolisierte, repräsentiert sie heute Frankreich als Land. Und seit 1997 repräsentiert sie das gleichnamige Politmagazin Marianne, das sich als in der politischen Mitte angesiedelt bezeichnet, durchaus kämpferisch ist wie das Vorbild, nichts und niemanden ungeschoren läßt, und sich durch beißende Kritik und Sarkasmus auszeichnet. Doch mehr dazu später.
2. Technische Daten
Marianne wurde am 28. April 1997 durch Jean-François Kahn gegründet, der 13 Jahre zuvor das Magazin L'événement du Jeudi aus der Taufe gehoben hatte. Ziel Jean François Kahns zum Zeitpunkt der Gründung des Événement du Jeudi war es, ein von Geldgebern, politischer Linie und sowohl zeitgeschichtlichen wie Modeerscheinungen unabhängiges Nachrichtenmagazin zu machen, in dem sich jeder Mitarbeiter frei äußern kann, und das mit seinen Lesern im Dialog steht. Um dies zu ermöglichen rief er die Bevölkerung von Paris auf, sich durch Kauf von Aktien an der Zeitschrift zu beteiligen. Sein Plan ging auf, die Zeitschrift konnte sich am Markt behaupten. Zu Beginn der 90er Jahre kamen Probleme auf mit Werbekunden, die Einnahmen in diesem Bereich sanken und die Struktur innerhalb der Redaktion veränderte sich, was Jean-François Kahn letztlich 1994 dazu bewog, die Redaktion zu verlassen, um 3 Jahre später Marianne zu gründen. Gemessen an seiner ursprünglichen Zielsetzung, gelang ihm Marianne besser als sein Erstlingswerk L'Événement du Jeudi. Neben den oben genannten waren die inhaltlichen Ziele, die Kluft zwischen Bürgertum und Eliten zu schließen und demokratische Auseinandersetzung durch konstruktive Kritik zu fördern und zu erneuern ("Combler le fossé citoyen-élites,
restaurer le débat démocratique en énonçant des propositions constructives" 1 ).
1 Prospekt "Marianne 1998, L'an II".
Marianne Seite 4
Kurz: unabhängig, kritisch, "une autre façon de penser le News magazine (das etwas
andere Nachrichtenmagazin)" 2
Seit Anfang 1997 arbeiten also etwa 49 Mitarbeiter daran, das Magazin pünktlich jeden Montag erscheinen zu lassen. Gedruckt wird Marianne in Quebecor, Mary sur Marne, und das in einer Auflage von ca. 350.000 Exemplaren, angesichts des jungen Alters einer stolzen Zahl. Stolz ist die Redaktion auch im Hinblick auf Art und Niveau der Leserschaft. So sind 66,5% der Leser höhere oder leitende Angestellte. 55% sind zwischen 35 und 64 Jahren alt, partizipieren an Vereinen und Organisationen z.B. in den Bereichen Medien und Politik; 62% leben in Städten mit über 100.000 Einwohnern oder in Paris. Nimmt man zusätzlich das Konsumverhalten der Leser unter die Lupe - viele verfügen über Neu- bzw. Zweitwägen, Internetanschluß oder gehen mindestens einmal im Jahr in ein 4-Sterne-Restaurant -, so kommt man zu dem Schluß, daß Marianne-Leser eher reich, konsumorientiert, medieninteressiert, jung und aktiv sind. Daß Marianne sich in einer Marktlücke angesiedelt hat zeigt auch die Tatsache, daß einerseits ungewöhnlich viele Leser das Magazin am Kiosk erstehen (Marianne: 97,5%; Observateur: 22,4%), andererseits 67% der Leser Marianne regelmäßig kaufen. "Une fidélité remarquable pour
un titre vendu au No!" 3 , urteilt Marianne (eine bemerkenswerte Treue für eine Zeitschrift, die sich vorwiegend einzeln (am Kiosk) verkauft). Das Tüpfelchen auf dem i der Individualität: Marianne kostet lediglich 10 Francs und liegt damit ca. 50% unter dem Preis der anderen französischen Politmagazine.
Auch die Aufmachung von Marianne sticht aus der Landschaft der Politmagazine heraus. Das Blatt gleicht einer Pinnwand, abwechslungsreich werden kurze und lange Artikel nebeneinander gestellt, teilweise bunt unterlegt, in verschiedenen Schriften und Größen gedruckt. Die etwa 82 Seiten haben ein handliches Format, die Titelseite kündigt mehrere Themen verschiedener Sparten an. "Une maquette claire, lisible et riche (eine klare,
leserliche und reiche Aufmachung)" 4 , beschreibt Marianne selbst die Gestaltung des Magazins. Die Buntheit und Persönlichkeit wird zusätzlich unterstrichen durch zahlreiche Bilder und Karikaturen.
2 Prospekt "Marianne 1998, L'an II".
3 Prospekt "Marianne 1998, L'an II".
4 Prospekt "Marianne 1998, L'an II".
Marianne Seite 5
Die Ressorts sind gleichbleibend und klar gegliedert, lediglich die Reihenfolge variiert von Nummer zu Nummer. Tu l'as dit, bouffi und Dernière heure umfassen verschiedene kurze Meldungen und stellen eine Art Feuilleton dar. Regelmäßig erscheint hier die Kolumne von Odile Grand, in der sie sich ein wenig über jeden mokiert. Notre opinion und Le passage de la main d'or lassen Raum für Kommentare, wenn auch der Eindruck entsteht, die gesamte Zeitschrift Marianne sei ein einziger Kommentar. Die Rubrik L'Événement spricht für sich, hier wird ein aktuelles Ereignis über mehrere Seiten sehr ausführlich behandelt. Oder hat Jean-François Kahn diese Rubrik geschaffen als Hommage an seine Vorgängerzeitschrift? Das Ressort Médias ist, wie der Name schon sagt, den Medien gewidmet. Fusionen von Fernsehgiganten werden hier ebenso behandelt wie die Diskussion über Moral oder Unmoral bestimmter Werbespots. Während in France ein Exklusivbericht über Frankreich zu finden ist, bringt die Rubrik Monde eine Reportage aus dem Ausland. Analog sind France/Repères und Monde/Repères gespickt mit kurzen Meldungen, Kommentaren und Berichten aus Frankreich und aller Welt. An dieser Stelle haben auch die Kolumnen Le dessous des cartes von Nicholas Domenach und Attendezvous à apprendre ihren festen Platz, ebenso das Kurzinterview En deux mots und C'est qui celui-là?, wo in wenigen Worten eine Person meist aus dem Ausland vorgestellt und ein wenig kritisiert wird. La photo parlante, die Pressestimmen Merci, confrères und Seltsames aus aller Welt (Bizzare) reihen sich ein. Große Aufmerksamkeit schenkt Marianne seinen Lesern, Le journal des lecteurs und Le réseau des lecteurs lassen auf insgesamt vier bis fünf Seiten die Leser zu Wort kommen. Dabei entsteht rege Kommunikation. Leser reagieren auf Artikel vorhergehender Nummern einerseits, auf
Marianne Seite 6
Leserbriefe andererseits, auch Marianne geht ihrerseits auf Lob oder Vorwurf ein, denn alle Meinungen sind erlaubt und tatsächlich vertreten.
Die Ressorts Magazine, in dem sich die Themen Société, Idées und Culture abwechseln, Le journal de la culture, Consommation und Jeux bilden mit Themen wie Reisen, Essen, Kultur etc. meist das Schlußlicht. Als Auszug und Ergänzung zum Magazin wird die Website http://www.Marianne-en-ligne.de von den Lesern geschätzt, was die Zahl von 200.000 Seitenaufrufen pro Monat belegt (siehe Anhang II).
3. Inhaltsanalyse
Um ein Bild zu generieren, wie die französische Zeitschrift Marianne über Deutschland berichtet, wurden sämtliche Ausgaben von Marianne im Zeitraum von Januar bis einschließlich Oktober 1998 untersucht. Kriterien waren neben Anzahl, Umfang und Themenschwerpunkten, die statistisch ausgewertet wurden, Inhalt und Tenor der entsprechenden Artikel. Dem eventuellen Einfluß langjähriger Freund- und auch Feindbeziehungen, sowie der Darstellung von Stereotypen und Symbolen wurden besondere Aufmerksamkeit zuteil.
3.1. Statistik
In den 43 untersuchten Ausgaben waren insgesamt 233 Artikel zum Thema Deutschland, das heißt etwa fünf Artikel je Nummer. Der Großteil der Artikel, 84 Stück, also 36%, unterstanden der Rubrik Monde/Repères, weitere 22% der Rubrik Dernière heure, beides Rubriken, in denen lediglich kurze Meldungen vorkommen. Die restlichen waren unter den anderen Ressorts verteilt. Betrachtet man die Länge der Artikel, stellt man fest, daß 115 Stück, fast die Hälfte aller Beiträge, nur etwa eine achtel Seite Raum einnahmen. Im Gegensatz dazu finden sich lediglich 18 Artikel à zwei bis vier Seiten und nur 15 mit mehr als vier Seiten. Die sehr hohe Zahl kurzer Meldungen erklärt sich aus der Konzeption der Zeitschrift an sich, denn knappe Beiträge bilden hier den Schwerpunkt. Die häufigsten journalistischen Darstellungsformen sind mit 58 Stück die Meldung, und mit 53 der Kommentar. Anzumerken ist, daß es schwierig war, Kommentar oder Meldung zu unterscheiden, da in Marianne kaum eine Meldung zu finden ist, die nicht im letzten Satz eine bissige Anmerkung enthält. Somit wurde als Kommentar eingestuft, was den
Arbeit zitieren:
Isabel Lamotte, 1999, Das Deutschlandbild im französischen Politmagazin Marianne, München, GRIN Verlag GmbH
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