Inhalt
1 Einleitung 3
2 Der Begriff Familie’ 3
3 Die große Haushaltsfamilie’ oder das ganze Haus’ 4
4 Die Entstehung der bürgerlichen Kleinfamilie 5
4.1 Der Wandel des Ehebegriffs im ausgehenden 19. Jahrhundert 5
4.2 Die Industrielle Revolution und ihre Auswirkungen auf die Familie 6
4.3 Urbanisierung und Konsum -
r äumlicher und finanzieller Druck auf die Familie 7
4.4 Vater, Mutter, Kind: Rückwärtsgewandtheit
und entsprechende Rollenbilder in der bürgerlichen Kleinfamilie 8
5 Familie im 20. und 21. Jahrhundert 9
6 Schlußbetrachtung 10
7 Literatur 11
2
1 Einleitung
Von der Zweckgemeinschaft in den ‚Schoß der Familie’, so könnte sehr grob die Entwicklung von der großen Haushaltsfamilie zur bürgerlichen Kleinfamilie umrissen werden. Die äußeren Umstände, die ein Gefühl für die Familie als Refugium forcierten, aber auch die Schattenseiten dieser abgeschirmten Innenwelt sollen in dieser Arbeit in erster Linie untersucht werden.
Betrachtet man den sozialen und gesellschaftlichen Wandel im 19. Jahrhundert, so dürfen die Veränderungen der Familienstrukturen nicht außer Acht gelassen werden. Gerade dieses Gebiet ist so mit vielen weiteren Wandelerscheinungen direkt oder indirekt verknüpft, daß keine Arbeit über das Thema ‚Familie im 19. Jahrhundert’ ohne Hinweise auf die Französische Revolution, den ständischen Gesellschaftsaufbau oder die Urbanisierung auskommt, ganz abgesehen von Untersuchungen zu Rollenbildern, Kindererziehung und damit die Vermittlung von gesellschaftlichen Werten, wie sie wiederum Charakteristika einer ganzen Epoche sind. Das Zusammenleben von Menschen fand und findet immer statt, und die Organisation dieses Zusammenlebens gibt oftmals in überzeugender Weise Auskunft über weit größere Zusammenhänge, die den Familienverband als Miniatur einer ganzen Gesellschaft ausmachen.
In dieser Arbeit sollen die wichtigsten strukturellen Wandlungen im Familienverband des 19. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der größeren politischen und gesellschaftlichen Veränderungen beleuchtet werden. Von dort aus soll ein Blick in die Vergangenheit zur großen Haushaltsfamilie und in die Zukunft bis zum Familienbegriff der heutigen Zeit nicht vergessen werden, es wird der Fokus aber auf die bürgerliche Kleinfamilie im 19. Jahrhundert gerichtet.
2 Der Begriff ‚Familie’
Fragt man heute jemanden nach seinem Begriff von Familie, so wird dieser mit größter Wahrscheinlichkeit auf die in verschiedenen Linien miteinander verwandten Menschen erstreckt werden, diejenigen also, die zumindest zum Teil das sprichwörtliche ‚gleiche Blut’ wie der Befragte in sich fließen haben. Daß ‚Familie’ auch etwas ganz anderes heißen kann, und daß dieser Zusammenschluß von Menschen ein weites Forschungsfeld eröffnet, stellt sich wohl kaum jemand vor.
3
Der Begriff der (lat.) familia bezog sich ursprünglich nicht nur auf miteinander verwandte Personen, sondern schloß in seiner Bedeutung als ‚Hausgenossenschaft’ alle in einem Haus bzw. auf einem Hof lebenden Menschen mit ein. Hierzu gehörte auch das Gesinde, welches mit den Herrschaften zusammen auf dem Grundstück wohnte. Der Ursprung des Begriffes familia aus (lat.) famulus: Sklave, Diener, Schüler unterstreicht diese Bedeutung. 1 Hier geht es also nicht um Personen, die sich allein durch ihre emotionale und/oder verwandtschaftliche Bindung zueinander als Verband definieren lassen, sondern um eine Gemeinschaft von Menschen, die zusammen wohnen und arbeiten. Somit war die ‚Hausgenossenschaft’ auch ein Zweckbündnis, eine „Rechts- Arbeits-, Konsum- und Wirtschaftseinheit“ 2 . In Deutschland bezeichnete man dieses Bündnis mit dem metonymischen Begriff ‚Haus’, was uns heute nur noch im adeligen Kontext bekannt sein dürfte, wenn jemand zum Beispiel aus dem ‚Haus der Welfen’ kommt, auch ist diese alte Bezeichnung noch in Ausdrücken wie ‚Tochter aus gutem Hause’ enthalten. Erst im 18. Jahrhundert fand das Wort famille als Lehnwort aus dem Französischen den Weg in den deutschen Sprachgebrauch und ersetzte das bis dahin bestehende Wort ‚Haus’. 3
3 Die ‚große Haushaltsfamilie’ oder das ‚ganze Haus’
Eine ausführliche Charakterisierung dieser Form des Zusammenlebens würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, eine kurze Untersuchung soll aber dennoch nicht fehlen. So wird eine Betrachtung der in der Wissenschaft als ‚große Haushaltsfamilie’ bekannten Gemeinschaft von Mitgliedern einer Wohn- und Wirtschaftseinheit hier relativ kurz ausfallen, so daß eine Vorstellung dessen entstehen kann, aus dem die bürgerliche Klein- oder Kernfamilie hervorgegangen ist.
Das Zusammenleben mehrerer Menschen, räumlich begrenzt und durch recht genau verteilte Aufgabenfelder organisiert, war zu Zeiten der großen Haushaltsfamilie nicht nur aus produktionstechnischen Gründen sinnvoll, es bot den Mitgliedern des ganzen Hauses auch eine besondere Art der verfassungsgemäßen Rechtssicherheit, dem „Hausfrieden“ 4 . Dieser Terminus schloß aber nicht nur die nach außen hin abgesicherte Schutzgemeinschaft, sondern
1 Vgl. Kluge 1999, S. 248.
2 Gestrich 1999, S. 4.
3 Vgl. Gestrich 1999, S. 4.
4 Weber-Kellermann 1974, S. 74.
4
Arbeit zitieren:
Till Hurlin, 2002, Die Entstehung und Ausformung der bürgerlichen Kleinfamilie, München, GRIN Verlag GmbH
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