II
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. Allgemeine Grundlagen 1
2.1 Modelle der Werbewirkung 1
2.2 Aktivierungspotentiale von Anzeigen 3
2.2.1 Physikalisch intensive Reize 4
2.2.2 Emotionale Reize 4
2.2.3 Überraschende Reize 5
2.3 Informationsaufnahme und -verarbeitung 7
3. Formale Formen der Gestaltung von Anzeigen 9
3.1 Typographische Aspekte 9
3.1.1 Anmutungsgehalt von Schrifttypen 9
3.1.2 Aspekte der Lesbarkeit von Schriften 10
3.1.3 Anwendung der typographischen Aspekte der Anzeigengestaltung 11
3.2 Formale Gestaltung des Werbetextes 12
3.3 Größe und Platzierung von Anzeigen 13
3.3.1 Die Anzeigengröße 13
3.3.2 Platzierungseffekte innerhalb des Mediums 14
3.3.3 Platzierungsverhältnis von Text und Illustration 15
3.4 Verwendung von Farben 16
3.4.1 Funktionen des Farbeinsatzes 16
3.4.2 Anmutungsgehalt von Farben 16
3.4.3 Schwarzweiß-Anzeigen vs. farbige Anzeigen 18
3.4.4 Einsatz von Farben in der Praxis 18
3.5 Fazit zur formalen Gestaltung von Anzeigen 20
4. Inhaltliche Formen der Gestaltung von Werbung 21
4.1 Inhaltliche Aspekte der Textgestaltung 21
4.1.1 Allgemeines zu Textgestaltung 21
4.1.2 Text und Bild 23
4.1.3 Rätselanzeigen 23
4.2 Verwendung von Bildern 25
4.2.1 Direkte Umsetzung von Informationen in das Bild 26
4 2 2 Indirekte Umsetzung von Informationen in das Bild 27
III
4.2.3 Emotionsvermittlung mit Bildern 29
4.2.4 Fazit zur Verwendung von Bildern in der Anzeigenwerbung 30
4.3 Humor 30
4.3.1 Aktuelle Erkenntnisse zu humoristischer Werbung 30
4.3.2 Beispiele für humoristische Werbung i n Deutschland 32
4.4 Erotik in der Werbung 33
4.4.1 Arten von erotischer Werbung 34
4.4.2 Gesellschaftliche und psychologische Aspekte der erotischen Werbung 35
4.4.3 Fazit zu Erotik in der Werbung 37
5. Resümee 38
Literaturverzeichnis IV
Bildnachweis VI
Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung 1
1. Einleitung
Die vorliegende Seminararbeit beschäftigt sich mit den formalen und inhaltlichen Aspekten der Anzeigengestaltung. Anzeigen werden überwiegend in Printmedien geschaltet, aber auch elektronische Medien gewinnen heute immer mehr an Bedeutung. 1 Das Werbemittel Anzeige spielt vor allem in Deutschland eine wichtige Rolle, da hier die größten Werbeeinnahmen im Bereich der Printmedien erzielt werden. 2
Das wesentliche Merkmal von Anzeigen ist, dass sie rein visuell wirken. Untersuchungen haben gezeigt, dass die durchschnittliche Betrachtungsdauer von Anzeigen in Zeitungen nicht mehr als zwei Sekunden beträgt. 3 Es ist zu erwarten, dass die Betrachtungsdauer von Anzeigen innerhalb elektronischer Medien ähnlich kurz ist. Deshalb ist es wichtig bei der Gestaltung von Anzeigen psychologische Aspekte einfließen zu lassen. Aus diesem Grund werde ich zunächst auf drei wesentliche psychologische Kernaspekte für die Gestaltung darstellen.
Im zweiten Teil der Arbeit werde ich dann ausführlich auf die inhaltlichen und forma- len Gestaltungsmöglichkeiten von Anzeigen eingehen. Hier soll unter Berücksichti- gung der im erstem Teil dargestellten psychologischen Grundlagen, deren Anwe n- dung in der Praxis näher beleuchtet und diese an ahnd von Beispielen verdeutlichen.
2. Allgemeine Grundlagen
2.1 Modelle der Werbewirkung
Darüber wie Werbung genau wirkt, gibt es in der Praxis verschiedene Ansichten. Diese spiegeln sich in einer Vielzahl von Werbewirkungsmodellen wieder 4 . Die verschiedenen Modelle fokussieren unterschiedliche Aspekte des Z usammenwirkens von Werbeträger, Werbebotschaft und Rezipient der Werbebotschaft. An dieser Stelle sollen einige zentrale Annahmen zeitgenössischer Werbewirkungsmodelle vorgestellt werden. Die drei bekanntesten und derzeit auch einflussreichsten Modelle sollen im Folgenden skizziert werden.
1 vgl. Gabler Marketing Lexikon. (Hrsg.) Bruhn/Homburg, 2001, S. 47 und www.wissen.de (05.06.02).
2 vgl. Felser, 1997, S. 5.
3 vgl. Felser 1997, S.2.
4 vgl. Mayer&Illman, 2000, S. 406ff sowie Urs, 1991, S.261ff.
Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung 2
Das wohl bekannteste Werbewirkungsmodell ist die von Lewis 1898 aufgestellte AIDA-Formel. Diesem Modell liegt zugrunde, dass das wecken von Aufmerksamkeit
- beim potentiellen Kunden - das wichtigste Ziel von Werbung ist. 5 „Die Werbung muss... vor allem Aufmerksamkeit erregen, große Reizintensität erreichen durch Größe, Farbe, Verfremdung, Originalität, Gags usw. und gute Platzierung im Umfeld. Die eigentliche Botschaft ist zweitrangig und als Zielpublikum sind alle gemeint.“ 6
Diese Grundannahme des Modells ist allerdings nicht unproblematisch. Eine besonders abwechslungsreiche und hervorstechende Anzeige kann zwar die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich lenken, allerdings kann sie von dem eigentlich bewo rbenen Produkt ablenken. Dieses Phänomen ist auch unter der Bezeichnung „Vampir-Effekt“ bekannt geworden und soll unter 4.3.1 näher besprochen werden.
Bei der Gestaltung von Anzeigen nach der AIDA-Formel ist auch auf das Phänomen des sogenannten „Wear-Out“ hinzuweisen. „Wear-Out“ bezeichnet die Abnutzung von Reizen nach einer bestimmten Zeit. „Es ist zu beobachten, dass nach einer gewissen Anzahl Kontakte die Aufmerksamkeitswirkung sehr auffälliger Inserate mehr nachlässt als diejenige von mittlerem Aufmerksamkeitswert.“ 7
Zwei weitere Werbewirkungsmodelle stellen das Involvement 8 der Konsumenten in den Mittelpunkt der Betrachtungen. Das Elaboration-Likelihood-Modell (ELM) von Petty und Cacioppo nimmt an, dass Werbebotschaften mit unterschiedlich hohem kognitiven Aufwand verarbeitet werden könne n. Eine hohe Verarbeitungswahrscheinlichkeit ist zu erwarten, wenn die Werbebotschaft von hoher persönlicher Relevanz (High-Involvement) für den Rezipienten ist. Petty & Cacioppo bezeichnen diese Art der Informationsverarbeitung als den „zentralen Weg“. Einstellungen die auf diesem Wege entstehen bzw. verändert werden, sind zeitlich stabiler, verhaltensrelevanter und resistenter gegenüber Gegenargumenten. Ist die Werbebotschaft von geringer Relevanz für den Empfänger (Low-Involvement), erfolgt nur eine geri nge Auseina ndersetzung mit den Werbeinhalten. Diese, auf dem sogenannten „peripheren Weg“ erworbenen Einstellungen sind instabil und eignen sich daher nicht zur Vorhersage von Verhalten.
5 vgl. Urs, 1991, S. 262 und Rosenstil / Neumann, 1991, S. 27f.
6 Urs ,1991, S.262.
7 Urs, 1991, S.263.
8 Involvement meint die Ich-Beteiligung des Konsumenten, sein Engagement .
Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung 3
Auch im Modell der Wirkungspfade von Kroeber-Riel 9 spielt das Involvement der Rezipienten eine zentrale Rolle und bestimmt, ob diese eher sprach- oder bildorientiert anzusprechen sind. Unter Bedingungen des Low-Involvement, bei der ähnlich wie bei dem Modell von Petty & Cacioppo nur eine oberflächliche Informationsverarbeitung erfolgt, empfiehlt Kroeber-Riel als effektivste Strategie eine bilddominante Werbekommunikation. Bilder werden in dieser beiläufigen Rezeptionssituation schneller aufgenommen und verarbeitet.
Das Involvement der anvisierten Zielgruppe ist gerade bei der Anzeigengestaltung sehr wichtig. Die Rezeptionsbedingungen von Anzeigenwerbung sind in der Regel dem Low-Involvement-Typus zuzuordnen. So haben Untersuchungen gezeigt, dass die durchschnittliche Betrachtungsdauer von Anzeigen zwischen 1,5 und 2,5 Sekunden liegt. 10
Alle drei vorgestellten Werbewirkungsmodelle werden in der Praxis verwendet. Die AIDA-Formel stellt die erste Kontaktaufnahme in den Vordergrund. Mit ihrer Hilfe lassen sich Methoden ableiten, die eine erste Kontaktnahme mit der Anzeige besonders wahrscheinlich machen. Im Gegensatz dazu lassen sich aus den beiden Involvement-Modellen Gestaltungshinweise ableiten. Eine Anzeige sollte danach immer auf die unterschiedlichen engagierten Rezipienten abgestimmt werden.
2.2 Aktivierungspotentiale von Anzeigen
„Als Aktivierung wird ein Zustand vorübergehender oder anhaltender innerer Erregung oder Wachheit bezeichnet, der dazu führt, dass sich die Empfänger einem Reiz zuwenden.“ 11 Ziel der Aktivierung ist es, bei dem Rezipienten eine emotionale und gedankliche Verarbeitung der Werbebotschaft zu erreichen. Dies kann über die fo lgenden drei Techniken erzielt werden:
o physisch intensive Reize
o emotionale Reize
o überraschende Reize. 12
9 vgl. Urs, 1991, S.278.
10 vgl. dazu Urs, 1991, S.277 und Felser, 1997, S. 2.
11 Kroeber-Riel, 1991, S. 121, vgl. auch Meyer-Hentschel, 1983 S. 4.
12 vgl. Kroeber-Riel, 1991, S, 122ff.
Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung 4
2.2.1 Physikalisch intensive Reize
Physikalisch intensive Reize ziehen die Aufmerksamkeit des Betrachters automatisch an. Als physikalisch intensive Reize werden unter anderem ein starker Kontrast, die Größe eines Objektes, die Komplexität eines Musters, scharfe Konturen und eine große Farbigkeit wahrgenommen. Mit Hilfe dieser Reize kann in der Anzeigengesta ltung die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Schlüsselinformationen gelenkt we rden. Auf die Wirkung von Farben soll in 3.3 noch näher eingegangen werden. Unter physisch intensive Reize können jedoch nicht nur optische, akustische und taktile Reize (die beiden letzt genannten spielen für die Anzeigengestaltung keine Rolle) subsumiert werden. Auch der sprachliche Ausdruck kann eine unterschied liche Intensität haben. So ist es zum Beispiel ein Unterschied, ob in einer Anzeige von einem großen Vorteil gesprochen wird oder ob dieser als gigantisch bezeichnet wird.
In der nachfolgenden für EBRANTIL wurde die Headline besonders auffällig gesta ltet. Sie wirkt durch ihre Größe und die auffällige Farbe des „n“ als „Eye-catcher“.
Abb. 1
2.2.2 Emotionale Reize
Emotionale Reize können als ein klassisches Instrument der Werbung angesehen werden, wenn es darum geht Aufmerksamkeit zu erwecken. In diesem Zusammenhang sind vor allem emotionale Schlüsselreize (Kindchenschema) und erotische Abbildungen, „die biologisch vorprogrammierte Reaktionen im Menschen auslösen“ 13 zu
13 Kroeber-Riel, 1991, S.126.
Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung 5
nennen. 14 Diese emotional wirkenden Reize sollen bei dem Betrachter Gefühle ansprechen. Auslöser von Emotionen können zum Beispiel:
o Angst,
o Babys, Kleinkinder, junge Tiere (Kindchenschema),
o Erotik,
o Freude,
o Gesundheit usw.
sein. Auf erotische Werbung als emotionaler Reiz soll in Punkt 4.4 noch näher eingegangen werden. Die Abbildung von Gesichtern hat ebenfalls eine emotionale Wirkung. Große Areale unserer rechten Hirnhälfte sind auf das Erkennen von Gesichtern spezialisiert. Als soziales Wesen hat der Mensch hierfür eine angeborene Aufmerksamkeit. Den Blick des Betrachters ziehen Augen fast automatisch an. Damit sind sie besonders gut geeignet, um spontane Aufmerksamkeit auszulösen. 15
willkürlich positive Empfindungen bei dem Betrachter aus.
Abb. 2
2.2.3 Überraschende Reize
Überraschenden Reizen wirken dadurch, dass sie eine kognitive Dissonanz 16 beim Betrachter erzeugen. Diese Dissonanz resultiert daraus, dass Menschen ständig bestimmte Erwartungen an ihre Umwelt haben. Sie erwarten, dass sich alles so verhält, wie sie es gewohnt sind. Werden diese Erwartungen verletzt tritt Verwunderung ein. Dinge, die ungewöhnlich, erstaunlich, extrem, absurd, widersprüchlich, eigenartig oder exotisch sind, haben deshalb einen hohen Aufmerksamkeitswert. Sie sind interessant für die Anzeigengestaltung, weil sie eine Dissonanz erzeugen und dadurch den Rezipienten zum Nachdenken über die Werbebotschaft anregen.
14 vgl. Kroeber-Riel, 1991, S.126.
15 vgl. Meyer-Hentschel, 1993, S.31.
16 Dissonanz ist die Nichtübereinstimmung von Wahrnehmungen, Meinungen oder Überzeugungen. (vgl. Häcker / Stampf (Hrsg.), 1998, S. 441).
Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung 6
Ein Beispiel für überraschende Reize in der Werbung sind zum Beispiel die »Milka-Kuh« oder der »Elefantengepard« aus einer Stellenanzeige des Computerherstellers DELL. Beide erzeugen bei dem Betrachter eine Dissonanz, da es in der Natur weder lila Kühe noch Elefantengeparden gibt.
Abb.3
Die genannten Techniken zur Aktivierung werden in der Anzeigengestaltung sehr häufig eingesetzt. Allerdings ist darauf hinzuweisen, dass diese Techniken auch Risiken in sich tragen. So ist zu betonen, dass die erreichte Aktivierung eine notwendige, aber keineswegs eine hinreichende Bedingung für den Werbeerfolg ist. 17 Des weiteren sollte gerade bei dem Einsatz von überraschenden Reizen vorsichtig vo rgegangen werden. Gerade starke Überraschungen können eine Reaktanzreaktion 18 bei dem Betrachter auslösen, weil sie schnell als gewollte Aufmerksamkeitslenkung und Beeinflussung erkannt werden. „Aktivierende Werbung kann zu einem Bumerang werden, wenn die von der Werbung ausgelösten informativen und emotionalen Wirkungen nicht dem Werbeziel entsprechen. Die bei den Umworbenen ausgelöste Aktivierung verstärkt auch solche Wirkungen: Sie entfaltet ihre Verstärkungswirkung unabhängig davon, ob die Werbebotschaft im Sinne des Werbeziels aufgefasst wird oder nicht. Im übrigen wird der Einsatz stark aktivierender Reize von beachtlichen Risiken begleitet. Diese sind vor allem in den
o Ablenkungsgefahren,
o Irritationsgefahren zu sehen.“ 19
Das Phänomen der Ablenkung ist recht bekannt. Hierbei wirkt der aktivierende Reiz als Blickfang und wird bevorzugt beachtet. Dabei lenkt er häufig von der eigentlichen Werbebotschaft ab. Dieser Ablenkungseffekt wurde bereits erwähnt und soll unter 4.3.1 noch näher erläutert we rden.
17 vgl. Kroeber-Riel, 1991, S. 128.
18 Reaktanz ist der Widerstand einer Person gegen den von einer anderen Person ausgeübten Druck in Richtung auf eine Beschränkung der Wahl zwischen Handlungsalternativen, so zum Beispiel Ein- (Bumerangeffekt) oder gegen Beeinflussung des Kauf- und Konsumverhaltens.
(vgl. Häcker / Stampf (Hrsg.), 1998, S. 719).
19 Kroeber-Riel, 1991, S. 128.
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Irka Schneider, 2003, Formale und inhaltliche Formen der Anzeigengestaltung, München, GRIN Verlag GmbH
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