Inhalt
1 EINLEITUNG
2 DIE HEERESEFORM DES MARIUS
2.1 DIE REFORMEN DES MARIUS
2.2 KRITISCHE BETRACHTUNG DER REFORMEN
2.2.1 DIE ZENSUSSENKUNGEN ALS INDIZ FÜR DIE PROLETARISIERUNG DER ARMEE
2.3 DAS MARIUSBILD IN DER ANTIKE
3 DIE BODENGESETZGEBUNG DER JAHRE 103 UND 100 V CHR ALS KONSEQUEN DER
HEERESREFORM
3.1 DIE HERKUNFT DER VETERANEN DES MARIUS
3.2 DIE KLIENTELBEZIEHUNGEN
3.3 DIE KRISE DER JAHRE 103 UND 100 V. CHR
3.4 LANGFRISTIGE AUSWIRKUNGEN DER HEERESREFORM
4. SCHLUßBETRACHTUNG
5. Bibliographie
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1 Einleitung
Ziel dieser Arbeit ist es die Heeresreform des Marius näher zu untersuchen. Dabei werde ich mich im wesentlichen auf zwei, auch in der Wissenschaft konträr diskutierte Punkte konzentrieren. Ausgehend von der Aussage Alföldys 1 , dass durch „diese Reformmaßnahmen [des Marius, DH] [...] die Basis für das Austragen von Konflikten durch Bürgerkriege mit regulären Armeen geschaffen“ ( Alföldy 1983: S.72) wurde, soll im ersten Teil die Frage geklärt werden, inwieweit Marius eigentlich als der große Reformator des Heeres der römischen Republik gelten darf. Die Aussage Alföldys impliziert meiner Meinung nach die Ansicht von Marius als dem Reformator. Es wird zu klären sein, ob Marius tatsächlich der Ausgangspunkt für die endgültige Krise der römischen Republik war. Es ist hierbei wichtig, besonders auf Prinzipien der Rekrutierung vor und nach Marius und auf die Zensussenkungen vor 107 v. Chr. einzugehen.
Als zweiten wichtigen Punkt wird dann zu klären sein, ob und in welcher Intensität die Maßnahmen des C. Marius die Entwicklung der Republik sowohl kurz als auch mittelfristig beeinflussten.
2 Die Heeresreform des Marius
2.1 Die Reformen des Marius
Beginnen möchte ich mit einer allgemeinen Schilderung der Reformtätigkeit des Marius. Auch die Quellen werden zuerst nur dahingehend ausgewertet, ob sie Informationen dazu anbieten. A n gegebener Stelle wird eine kritische Analyse der Quellensituation im Zusammenhang mit dem Mariusbild der Antike folgen. Betrachten wir zuerst Plutarchs Lives, Marius 9.1 2
He was triumphantly elected and at once began to levy troops. Contrary to law and custom he enlisted many poor and insignificant man, although former commanders had not accepted such persons, but bestowed arms, just as they would any other honour, only on those whose property assessment made them worthy to receive these, each soldier being supposed to put his substance in pledge to the state
1 Alföldy, Geza (1983): Römische Sozialgeschichte. 3 Auflage. S.72
2 Bibliographie der Primärliteratur siehe S. 15, Übersetzungen der lateinischen Quellen: S.17
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Plutrach bezieht sich hier auf das erste Konsulat des Marius im Jahr 107 v.Chr., und beschreibt die Aufnahme Mittelloser in das Heer.
Dazu soll Sallust, Iug. 86 verglichen werden :
Marius...milites scribere, non more maiorum neque ex classibus, sed uti lubido quoiusque erat, capite censos plerosque. Id factum alii inopia bonorum, alii per ambitionem consulis memorabant, quod ab eo genere celebratus auctusque erat, et homini potentiam quaerenti egentissumus quisque opportunissumus, cui neque sua cara, quippe quae nulla sunt, et omnia cum pretio honesta videntur.
Die Überlieferungen von Aulus Gellius: Attic Nights 16.10.10 helfen bei der Frage der Datierung der Heeresreform weiter. Obwohl er leichte Zweifel an der Version Sallusts äußert, und anmerkt, dass die Reform auch um das Jahr 104 v.Chr. datiert werden kann.
Capite censos autem primus C. Marius, ut qiudam ferunt, bello Cimbrico difficillimis reipublicae temporibus vel potius, ut Sallustius ait, bello Iugurthino milites scripsisse traditur, cum id factum ante in nulla memoria extaret
Gabba ist der Ansicht, dass Gellius sich hier aber auf die Umgestaltung der Legionen bezieht, die sich wohl im Vorfeld der Kimbernkriege zugetragen hat, nicht aber auf die Aufnahme von Mittellosen in das Heer 3 . Es ist außerdem wahrscheinlich das Marius auch für die Kimbernkriege erneut Freiwillige anwarb, da sich sein System ja bewährt hat.
Während Plutarch allgemein von der Aufnahme von Armen spricht erwähnt Sallust die capite censi, die nur nach Köpfen gezählten Bürger Roms. 4 Bei Sallust lassen sich Hinweise finden, das die Anwerbung der capite censi freiwillig erfolgte: sed uti lubido quoiusque erat - wie jeder Lust hatte.
Es lässt sich also bis jetzt folgendes zusammenfassen: Marius ließ im Jahr 107 v. Chr. , nachdem er zum ersten Mal zum Konsul gewählt worden ist, seine Legionen mit Freiwilligen
3 Die Datierung der Reform ist relativ klar, vgl. hierzu u.a. zur Frage der Ämterlaufbahn Chantraine, Heinrich (1959): Untersuchungen zur römischen Geschichte. Ende des 2 Jahrhunderts v. Chr. Verlag Michael Lassleben. Und: Gabba, Emilio (1976): Republican Rome, the army and the allies. Berkeley : University of California. S. 13
4 unter capite censi sind die Bürger zu verstehen, die vom Zensor aufgrund ihres geringen Vermögens nur nach Köpfen gezählt wurden, sie waren vom Dienst im Heer ausgeschlossen.
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auffüllen. 5 Dabei ließ er die capite censi erstmals offiziell im Heer dienen ( vgl. nochmals Plutarch : former commanders had not accepted such persons ). Es finden sich keinerlei Hinweise, das Marius nun ausschließlich Freiwillige aushob. Das Alte System der zensusabhängigen Aushebung von Wehrpflichtigen schien weiterzubestehen. 6 Wiederstand von Seiten des Senates ist nicht zu erkennen, wahrscheinlich vermutete man Marius werde dadurch um die Gunst der Masse kommen. 7 Es gelang Marius aber wieder erwarten eine riesige Kriegsbegeisterung auszulösen.
Elisabeth Erdmann weist darauf hin, auf welch geschickte Art Marius seine Soldaten außerdem als Unterstützung für seine Bewerbung ums Konsulat einsetzte 8 . Er lockerte bewusst die Disziplin, machte Hoffnungen auf ein baldiges erfolgreiches Ende des Krieges, und veranlasste seine Soldaten dadurch Briefe in die Heimat zu schicken, um damit die Wahl des Marius zu unterstützen, und die nötige Kriegsbegeisterung auszulösen. Auch bei seinen weiteren Konsulaten 104 bis 100 v. Chr. ermöglichte erst die Militärische Notwendigkeit seine Konsulate 9 . Man traute nur Marius eine Lösung der bedrohlich gewordenen Lage im Kampf gegen die Kimbern zu.
Sallust erwähnt in der Folge inopia bonorum. Dafür lassen sich in der Zeit des Marius mehrere Gründe anführen. Zum einen natürlich die verlustreichen Kriege, die Rom zu dieser Zeit führte, hier sind die Feldzüge gegen Jugurtha und gegen die Kimbern zu erwähnen, zum anderen eine generelle Unlust der Römer am Krieg 10 . Normalerweise sollte ein Krieg, dem Milizwesen entsprechend, frühestens im März eröffnet werden und spätestens im September beendet sein. Im Idealfall kam der Bauer also mit reicher Beute beladen auf sein Feld zurück, um dort die Ernte einzufahren. Allerdings erforderten schon die Punischen Kriege einen Einsatz über mehrere Jahre. Auch die Bevölkerung der Stadt Rom zeigte kein Interesse am Kriegsdienst. Zum anderen war natürlich durch die Zensusbeschränkung ein Teil der
5 Eine genauere Analyse der Zensusproblematik folgt im Kapitel 2.2.1, Es reicht an diese Stelle zu erwähnen das der Zensus vor der Heeresreform bei minimalen 1500 Assen lag
6 Aigner, Heribert (1974): Die Soldaten als Machtfaktor in der ausgehenden Römischen Republik. Innsbruck : Innsbrucker Gesellschaft zur Pflege der Geisteswissenschaft. S.160
7 Sallust Jugurthinischer Krieg 84.: Marius werde aut belli usum aut studia volgi verlieren. Vgl. dazu Aigner S.159
8 Erdmann, Elisabeth H. (1972): Die Rolle des Heeres in der Zeit von Marius bis Caesar. Militärische und politische Probleme einer Berufsarmee. Neustadt/Aisch: Verlag Phillip C.W. Schmidt. S. 71f
9 Hier ist darauf hinzuweisen, dass Marius damit gegen die lex villa annalis verstieß, zur Militärischen Notwendigkeit dieser Konsulate vgl. Christ, Karl (2000): Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt: Primus Verlag S.156f Und Schneider, Hans-Christian (1977): Das Problem der Veteranenversorgung in der späteren römischen Republik. Bonn : Habelt. S.88f , der hier besonders die Bedeutung der Popularen für Marius betont
10 Vgl. dazu Bleicken, Jochen (1995): Die Verfassung der Römischen Republik. Grundlagen und Entwicklung. Paderborn, München, Wien, Zürich : Schöningh. S.154
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Bevölkerung vom Kriegsdienst ausgeschlossen, obwohl diese am ehesten bereit waren die Entbehrungen eines langen Kriegsdienstes zu ertragen. Was lag für Marius also nä her als die capite censi, die ärmsten Bürger der Römischen Republik für einen Dienst im Herr zu gewinnen, welche nichts besaßen außer ihr eigenes Leben. 11 Für Christ spiegelt diese Unlust am Kriegsdienst eine generelle Krise des Rekrutierungssystems wieder. Er erklärt die Reformversuche der Gracchen in dieser Hinsicht für gescheitert. 12
Neben der Aufnahme der capite censi in die Armee bildete Marius auch den Aufbau der Legionen um, und zwar im Vorfeld der Kimbernkriege 13 . Es erfolgte die Umgestaltung der Manipular in die Kohortenlegion 14 . Als weitere Maßnahmen sind Verbesserungen am Pilum (Plutarch Marius 25,2 ff), der silberne Adler als gemeinsames Ehernzeichen der Legionen und der mules Mariani 15 (Plutarch Marius 13) zu nennen 16
2.2 kritische Betrachtung der Reform
Nach dieser allgemeinen Schilderung der Maßnahmen des Marius soll nun im folgenden untersucht werden, inwieweit Marius nun tatsächlich als der große Reformator gelten kann, wie eine bloße Aufzählung seiner Leistungen zumindest vermuten lässt. Mit Hilfe der neu gewonnenen Erkenntnisse werden die oben erwähnten Quellen nochmals kritisch überprüft. Dem wird sich eine allgemeine Erörterung der Quellenberichte über Marius anschließen.
Heribert Aigner 17 führt in seiner Arbeit Georg Veith als den Vertreter derjenigen Wissenschaftler an, die in Marius den großen Reformator sahen. Veith schreibt Marius die Ausformung der Kohortenlegion, die Festlegung einer einheitlichen Dienstzeit und die Umwandlung von Miliz in Berufsherr zu. Für Veith war Marius der Ausga ngspunkt für die Staatsform der Zukunft und die Militärmonarchie. Als weitere Vertreter dieser Sichtweise der
11 Prell, Marcus (1997): Armut im antiken Rom. Von der Gracchen bis Kaiser Diokletian. Stuttgart: Franz Steiner Verlag. S. 237
12 Christ, Karl (2000): Krise und Untergang der römischen Republik. Darmstadt: Primus Verlag.S.158
13 gegen die in massiven Truppenkörpern verstoßenden Germanen kam die alte Manipularordnung in Schwierigkeiten, siehe Bleicken : Verfassung der Röm. Republik S.165
14 Vgl. Ullrich, Johannes: Das Kriegswesen, S. 38 Ausführliche Aufsätze über Strukturen der Legionen : Kromayer, Johannes/ Veith, Georg (1928) Heereswesen und Kriegsführung der Griechen und Römer. In: Handbuch der Altertumswissenschaften. UND Meyer, Eduard ( 1923) Das Römische Manipularheer.
15 Die So ldaten des Marius hatten sämtliches Gepäck selbst zu tragen vgl. Christ S. 158
16 ausführlicher bei Aigner S 160 ff
17 Aigner, Heribert (1974): Die Soldaten als Machtfaktor in der ausgehenden Römischen Republik. Innsbruck : Innsbrucker Gesellschaft zur Pflege der Geisteswissenschaft. S. 162 ff
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Dirk Hein, 2002, Die Heeresreform des Marius, Munich, GRIN Publishing GmbH
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