Gliederung
A. Vorwort. 3-4
B. Ortegas Massenmensch. 5-12
I. Die Entstehung des Massenmenschen. 5-6
II. Die Tatsache der Überfüllung. 6-7
III. Die Analyse des Massenmenschen. 7-10
a) Der Massenmensch - ein Barbar. 9
b) Die Barbarei des Spezialistentums. 9
VI. Ortegas Begriff der „Masse“ 10-12
C. Ortegas Elitevorstellung. 13-17
I. Theoretische Grunddefinition. 13-14
II. Aristokratie. 14-15
III. Legitimation. 15-17
D. Nachwort. 18-19
E. Literaturverzeichnis. 20
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A. Vorwort
Der 1883 in Madrid als Sohn einer Journalistenfamilie geborene José Ortega y Gasset war einer der großen europäischen Denker. Bereits durch seine Eltern wurden die Grundlagen für einige Besonderheiten seiner späteren literarischen und publizistischen Tätigkeit gelegt. Von 1906 bis 1910 studierte der spanische Philosoph in Deutschland und machte hautnahe Erfahrungen mit der aufstrebenden Nation, preußischem Adel und moderner Technokratie. 1911 übernahm er an der Universidad Central von Madrid einen Lehrstuhl für Metaphysik. Zu Beginn des spanischen Bürgerkriegs emigrierte Ortega nach Südamerika und kehrte erst 1949 nach Spanien zurück, wo er zusammen mit seinem Freund Julián Marias das Instituto de Humanidades gründete sowie die beiden Kulturzeitschriften „España“ und „Revista de Occidente“. Die intellektuelle Atmosphäre in Francos Spanien bereitete dem inzwischen international berühmten Philosophen erhebliche Schwierigkeiten. Der Aufenthalt in seiner Heimat war nur unter der Auflage möglich, sich künftig ausschließlich mit „kulturellen“ Themen zu beschäftigen. Ortega starb 1955 in Madrid 1 .
1930 veröffentlichte José Ortega y Gasset sein epochales Werk, das ihn berühmt machen sollte: „La rebelión de las masas“ (Der Aufstand der Massen). Ausgelöst durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 waren die 30er Jahre eine Zeit der politischen und gesellschaftlichen Unsicherheit, für die dieses Buch mit Blick auf Europa eine kritische Bestandsaufnahme darstellt. Hauptadressat Ortegas darin verfasster Zeitdiagnose und Kulturkritik waren die jungen Republiken Europas auf dem Weg in die Diktatur: Deutschland vor dem Fall der Weimarer Republik und die spanische Demokratie vor ihrer Zerreisprobe, dem blutigen Bürgerkrieg.
Der hohen Nachfrage nach soziologischen und kulturphilosophischen Untersuchungen über neue Phänomene der Zeit wie Aufstieg und Verfall oder Masse und Individuum kam Ortega bestens entgegen. In seinem Werk „ Der Aufstand der Massen“ steht die Analyse des modernen Massenmenschen im Mittelpunkt. Ortega beschreibt die zunehmende „Vermassung“ unserer Gesellschaft und entwickelt daraus eine aristokratische Kulturtheorie. Sein humanistischer Anspruch, basierend auf Kultur und Geschichte, seine psychoanalytische Definition des Massenmenschen, sowie sein Postulat der europäischen Integration der Zukunft machen das Werk zu einem Klassiker.
1 Vgl. Frauke Jung-Lindemann, „Zur Rezeption des Werkes von José Ortega y Gasset in den
deutschsprachigen Ländern“ , S. 15 ff.
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Zweck der vorliegenden Hausarbeit ist es, Ortegas Begriff der Masse herauszuarbeiten, und diesen in Kontrast zu seiner Elitevorstellung zu stellen. Weiterhin wird auf das Verhalten der Massen in Bezug auf Staat und Gesellschaft eingegangen. Darüber hinaus soll gezeigt werden, wie der spanische Philosoph seine Elitetheorie legitimiert. Der erste Teil dieser Arbeit beschäftigt sich ausschließlich mit Ortegas Hypothesen über den modernen Massenmenschen. Als Vorraussetzung für die Analyse des neuen Massenmenschen ist es notwendig, sich zunächst auf die Entstehung der Masse zu konzentrieren. Schließlich wird versucht, Ortegas Begriff der Masse zu definieren. Im zweiten Teil steht Ortegas Elitevorstellung im Mittelpunkt. Im Kontrast zur „Masse“ sollen v.a. die qualitativen Unterschiede der Elite gezeigt werden. Weiterhin widmet sich dieser Teil der Suche nach der Antwort: Wie begründet Ortega seine Elitevorstellung?
Im Nachwort sollen die Darstellungen bezüglich Masse und Elite noch einmal kurz zusammengefasst werden. Es wird kurz auf die Intention des Werkes „ Der Aufstand der Massen“ eingegangen und schließlich ein Ausblick der ortegianischen Philosophie gegeben.
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B. Ortegas Massenmensch
Ortega teilt die Gesellschaft explizit in Masse und Minderheit(Elite) auf. Diese Unterscheidung bewegt sich allerdings weniger in quantitativer Kategorie „viele-wenige“, sondern vielmehr in einer qualitativen bzw. normativen Beziehung zwischen Masse und Elite. Ortega wagt - wie niemand zuvor - die Analyse des „Durchschnittsmenschen“, indem er mittels Psycho gramm kollektive Persönlichkeitsmerkmale des modernen Massenmenschen skizziert. Zum Verständnis der Analyse der Masse ist es notwendig, zunächst die Basis für Ortegas Psychoanalyse zu bilden: die Entstehung des Massenmenschen. Es folgt eine historische Darstellung aus Sicht des Philosophen.
I. Die Entstehung des Massenmenschen
„Es ist in der Tat eine radikale Neuerung, die das 19. Jahrhundert im Schicksal der Menschheit heraufgeführt hat; in moralischer und sozialer Hinsicht hat es einen neuen Lebenshintergrund für das menschliche Dasein geschaffen. Drei Prinzipien machen die neue Welt möglich: die liberale Demokratie, die experimentelle Naturwissenschaft und der Industrialismus.“ 1
In diesem Zitat bringt Ortega auf den Punkt, was er Seite für Seite historisch zu belegen versucht. Die hohe kulturelle und technologische Entwicklung der Zivilisation bietet den Boden für die Entstehung der Masse. Konkret macht der spanische Philosoph die liberalen Prinzipien(Freiheit, Gleichheit) für die Emanzipation der Massen verantwortlich: Rechtsstaatlichkeit mit Garantie der Bürgerrechte räumt jedem Bürger eine gleichberechtigte und unabhängige Stellung innerhalb der Gesellschaft ein. Die Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts gewährt dem Volk Zugang zu politischen Ämtern und die Möglichkeit, die Machtverhältnisse neu zu strukturieren. Die Ablösung der Ständegesellschaft durch die Klassengesellschaft ermöglicht einen bisher ungeahnten Grad an vertikaler Mobilität und damit die Abschaffung sozialer Schranken. Die ökonomische Grundlage für die breite Masse sieht Ortega durch die Errungenschaften der modernen Technik verwirklicht: die industrielle Revolution erlaubt einer breiten Gesellschaftsschicht, dem Bürgertum, sich erstmals wirtschaftlich zu profilieren. Die E rhöhung des Lebensstandards führt weitgehend zu materieller Unbeschwertheit. Zur Situation des
1 Vgl. José Ortega y Gasset, „Aufstand der Massen“, S. 55 ff.
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Proletariers meint Ortega: „Seit 1900 beginnt auch der Arbeiter sein Leben sicherer zu gestalten“. 1 Es sind eben diese „Rahmenbedingungen“, die Ortegas Massenmenschen möglich machen. Der Autor bezeichnet diese als „das Steigen des historischen Niveaus“ 2 , womit gemeint ist, dass dem einfachen Durchschnittsmenschen ein breites Spektrum an Möglichkeiten zur Selbstverwirklichung offen stehen, welche zuvor nur für eine privilegierte Minderheit(Elite) reserviert waren.
Erwähnenswert ist an dieser Stelle Ortegas fundierte, historische Sichtweise des Phänomens der Massengesellschaft. John T. Graham, Universitätsprofessor in Kansas City, USA, preist die charakteristische Methode des spanischen Philosophen: „Such a philosophy of history was not like the speculative systems and sweeping interpretations of world history from Hegel and Marx to Spengler and Toynbee. This kind of philosophy of history was instead an interpretation of present or past as linked to a philosophical concept of existence, or life, and as tied to its time and the future it foresees.” 3
II. Die Tatsache der Überfüllung
In seinem auf die Gegenwart bezogenen Kapitel „Die Tatsache der Überfüllung“ 4 stellt sich Ortega y Gasset der empirischen Wirklichkeit der modernen Massengesellschaft. Ortega skizziert das Bild einer „überfüllten“ Gesellschaft am Anfang des 20. Jahrhunderts, welche angesichts Identität und Rollenverständnis eine neue Qualität aufweist. Qua ntitativ trägt der spanische Denker der statistischen Tatsache Rechnung, dass sich die europäische Bevölkerung seit 1800 aufgrund des technisch- medizinischen Fortschritts beinahe verdreifacht habe. 5 Auf diesem Hintergrund erklärt sich die beschriebene Überfüllung der öffentlichen Institutionen(Theater, Restaurants, Kinos) von selbst. Interessanter ist die qualitative Beobachtung Ortegas über die Massen: „Sie sind im Besitz der von der Zivilisation geschaffenen Einrichtungen und Geräte“. 6 Ortega zieht das Fazit aus seiner empirischen Studie und stellt zwei grundlegende Thesen auf, die zentral für seine Theorie stehen:
1 Vgl. José Ortega y Gasset, „Aufstand der Massen“, S. 54
2 Vgl. José Ortega y Gasset, „Aufstand der Massen“, Kap. 2
3 Vgl. John T. Graham, „A pragmatist philosophy of life in Ortega y Gasset“. S. 270
4 Vgl. José Ortega y Gasset, „Aufstand der Massen“, Kap. 1
5 Vgl. José Ortega y Gasset, „Aufstand der Massen“, S. 48
6 Vgl. José Ortega y Gasset, „Aufstand der Massen“, S. 6
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Arbeit zitieren:
Julian Molina Romero, 2003, José Ortega y Gasset: Der Aufstand der Massen, München, GRIN Verlag GmbH
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