Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Von der Lizenzzeitung zum Medienkonzern 2
3 Unternehmensstruktur der WAZ-Gruppe 4
4 Expansion ohne Strategie? 7
4.1 Kartellrechtliche Konflikte 7
4.2 Bescheidene Politik 8
4.3 Expansion nach Osten 9
4.4 Das digitale Zeitalter 10
5 Aktuelle Entwicklungen 12
5.1 Interesse an Kirch 12
5.2 Springer-Anteile 13
5.3 Der Balkan ist weiter interessant 13
6 Schluss 15
7 Anhang 16
8 Literaturverzeichnis 17
„Es ist halt unsere Kultur, nicht so sehr in die Öffentlichkeit zu gehen“ (zit. n. Meier, 2002b)
ieses Zitat von Dr. Erich Schumann, einer der Gesellschafter des WAZ-Konzerns, verweist direkt auf die innerhalb des Medienunternehmens vorherrschende Firmenphilosophie.
Bevor auf diese jedoch noch genauer eingegangen wird, folgt zunächst ein kurzer geschichtlicher Abriss zur Entstehung des Unternehmens.
Die daran anknüpfende Firmenstruktur mit ihren Beteiligungen soll einen genaueren Einblick in die redaktionelle und wirtschaftliche Arbeitsweise bieten. Im eigentlichen Hauptteil der Seminararbeit gilt es, der Strategie der WAZ-Gruppe auf die Spur zu kommen, und sie zu überprüfen. Verfügt der WAZ-Konzern überhaupt über eine geeignete Strategie, und wird diese für das Essener Familienunternehmen auch zukunftsträchtig und gewinnbringend sein? Hierbei ist besonders die Expansion in den Südosten Europas anzuführen. Auch den Einsatz digitaler Geschäftszweige nützt das Unternehmen zu seinen Gunsten.
Abschließend wird noch kurz auf die aktuellen Entwicklungen im deutschen und ausländischen Medienmarkt eingegangen, welche die WAZ-Gruppe für sich strategisch zu nutzen sucht.
ereits während des zweiten Weltkrieges wurden in Paris die Grundlagen für die zukünftige Medienentwicklung in der Bundesrepublik geschaffen. Angesichts der Tatsache, dass nahezu die gesamte deutsche Presse durch ihre Zugehörigkeit zum NS-Regime gleichgeschaltet war, erließ der Oberste Befehlshaber der Alliierten Truppen am 24. November 1944 das Gesetz zur
„Kontrolle
über
Druckschriften, Rundfunk, Nachrichtendienst, ...“.
Das Bundesland Nordrhein-Westfalen gehörte damals zur britischen Besatzungszone, die nach Lizenzvergaben an kleine Lokalzeitungen sich mit der Idee befasste, eine ruhrgebietsweite Zeitung einzuführen. Die Verhandlungen begannen sehr bald mit einem Mann, der in der Zeit des NS-Terrors nach London geflüchtet war, und sich sehr bald einen Namen gemacht hatte. Erich Brost war nach dem Krieg wieder in die Bundesrepublik zurückgekehrt, und arbeitete erst in der Redaktion des „Kölnischen Kuriers“ und anschließend als Chefredakteur bei der „Neuen Ruhr Zeitung“.
Die Gespräche mit der Besatzungsmacht verliefen für Brost, unter anderem durch Kontakte aus seiner Zeit als Chefredakteur, zufriedenstellend. Selbst ohne großes Vermögen bot er dem ebenfalls weitgehend mittellosen Chefredakteur des „Essener Anzeigers“ Jakob Funke, die Teilhaberschaft an dem geplanten Projekt an. Am 14. Januar 1948 wurde per Gesellschaftsvertrag das Unternehmen „Westdeutsche Allgemeine Zeitung, Verlagsgesellschaft mbH“ gegründet“.
Insbesondere Funke vertrat den Gesichtspunkt nicht eine einheitliche Ausgabe für das gesamte Ruhrgebiet zu produzieren, sondern auf die spezifischen Eigenheiten jeder einzelnen Stadt in dieser Region einzugehen. Diese Zielsetzung sollte der Verlag bis zum heutigen Tag beibehalten.
Die britischen Besatzungsbehörden hatten eine Startauflage von 250.000 Exemplaren vorgesehen und der WAZ auch ein entsprechendes Papierkontingent zugebilligt. Allerdings war es laut den Gesellschaftern unmöglich, mit dieser Begrenzung das ganze Bundesland Nordrhein-Westfalen zu versorgen, da sich schon Konkurrenzblätter in den einzelnen Gebieten etabliert hatten. Erst nach langen Verhandlungen mit der englischen Militärregierung durfte sich die WAZ auf das Ruhrgebiet beschränken.
~ 3 ~
In den folgenden Jahren war es der „Westdeutschen“ möglich, die zur Verfügung stehende Papiermenge, besonders durch Brosts gute Kontakte, beachtlich zu erhöhen. Es konnte dadurch schneller eine marktbeherrschende Stellung angesteuert werden. Bereits sehr früh spiegelte sich bei der WAZ eine konkurrenzeinnehmende Strategie heraus. Als Ende November 1949 die traditionsreiche „Essener Allgemeine Zeitung“ (EAZ) sich bemühte, ihre erste Ausgabe besonders billig anzubieten, gelang es Mitarbeitern der WAZ, Einzelheiten über dessen Preisankündigung zu erfahren. Noch in der Ausgabe des selben Tages senkte die WAZ seine Preise und verlautete zusätzlich die Zugabe einer kostenlosen Illustrierte für die Samstagausgaben. Angesichts dieser 20prozentigen Preissenkung scheiterte der Versuch der EAZ sich mit besonders günstigen Wettbewerbspreisen in den Zeitungsmarkt einzubringen und die Stellung der WAZ zu gefährden.
Bedingt durch die hohen Investitionen beim Bau eines Verlags- und Druckereigebäudes, sowie bei der Errichtung einer eigenen Druckerei, geriet der Verlag der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“, die zu dieser Zeit die größte im Abonnement vertriebene Tageszeitung der Bundesrepublik war, im Jahre 1954 in Liquiditätsprobleme. Dem Engagement von Erich Brost war es zu verdanken, dass dem Verlag ein Kredit von 900.000 DM gewährt wurde, der über die kurzfristigen Schwierigkeiten hinweghalf und Anfang der 60er Jahre getilgt wurde.
Nach großen Auflagensteigerungen und Zukäufe kleinerer Zeitungen kaufte sich der Verlag im Jahre 1974 bis 1976 bei der „Westfalenpost“ (WP), der „Westfälischen Rundschau“ (WR) und bei der „Neue Rhein/Neue Ruhr Zeitung“ (NRZ) ein. Am 1. Januar 1976 wird schließlich die WAZ-Gruppe („Westdeutsche Allgemeine Zeitungsverlagsgesellschaft E. Brost & J. Funke mbH & Co.“) gegründet, die vier unterschiedliche Regionalzeitungen unter einem Dach vereinigt. Entstanden ist mit dieser Zeitungsgruppe ein Verlagskonglomerat, das Zeitungstitel mit einem Verbreitungsgebiet von der deutsch-holländischen Grenze am Niederrhein (NRZ-Ausgabe) bis ins Südwestfälische (WR- und WP-Ausgaben) vertreibt (Obermeier, 1991, S. 231-439).
er heutige WAZ-Konzern hat sich nach einer 55-jährigen Geschichte zu einem der wichtigsten Medienunternehmen in Deutschland etabliert. Dazugehörend sollte man die Bertelsmann AG, die Axel Springer Verlag AG und die ehemalige Kirch-Gruppe benennen, welche die Konkurrenz aus dem Ruhrgebiet keineswegs unterschätzen. Um im Laufe dieser Arbeit ein
ökonomisch
einheitliches Bild dieses Konzerns machen zu können, möchte ich einige Fakten von vornherein herausstellen. Die exakte Bezeichnung der Zeitungsgruppe WAZ lautet
„Westdeutsche
Allgemeine Zeitungsgesellschaft E. Brost und J. Funke mbH & Co. KG“. Diese Rechtsform beinhaltet einige wichtige spezielle Rechtsgrundlagen, die einen Teil der Strategie des Konzerns ausmachen. Zuerst einmal liegt die Haftung bei jedem einzelnen Gesellschafter. Die Geschäftsführung obliegt des weiteren auch den Gesellschaftern, die sich außerdem keiner Pflichtprüfung unterziehen müssen. Eine Veröffentlichung der Bilanz und die Preisgabe der Beteiligungen ist außerdem nicht von Nöten. Dieser letzte Punkt macht es der Wirtschaftspresse besonders schwer, einen tatsächlichen
Überblick
über
die WAZ-Gruppe zu bekommen.
Im Grunde genommen ist das Unternehmen mit vier Geschäftsführern, einem Hauptabteilungsleiter und den jeweiligen Abteilungsleitern, trotz seiner Größe, einfach geblieben. Auf der Anteilsseite von Erich Brost stehen zur Zeit Bodo Hombach, der früher als Leiter des Bundeskanzleramtes tätig war, und Dr. Erich Schumann, adoptierter Sohn von Brost und ehemaliger Anwalt Willy Brandts (Meier, 2002b). Die Funke-Seite wird vertreten von Lutz Glandt und Deflef Haaks. Die Besitzverhältnisse sind prozentual auf fünf Personen verteilt. Die Beteiligung auf der Brost-Seite liegt mit 30 Prozent bei Anneliese Brost und 20 Prozent bei Dr. Erich Schumann. Die Funke-Seite wiederum ist auf die drei Funke Töchter Petra Grotkamp (16,7%), Renate Schubries (16,7%) und G. & R. Holthoff (16,7%) verteilt.
Die Zeitungsgruppe WAZ beschäftigt zur Zeit zirka 12.000 Mitarbeiter im In- und Ausland und besitzt einen, zuletzt von der Deutschen Bank geschätzten Gesamtwert von etwa 5 Milliarden Euro (Media Perspektiven, 2002, S. 424). Das „Manager Magazin“ vermutet den Gewinn vor Steuern bei ungefähr 388 Millionen Euro [Stand: 1997] mit einem Umsatz von 1,98 Milliarden Euro im vergangenem Jahr (Financial Times Deutschland, 2003b). Da die WAZ-Gruppe wie oben schon genannt, nicht dazu verpflichtet ist ihre Bilanz der
Arbeit zitieren:
Christian Strausbach, 2003, Die WAZ-Gruppe - Das Phantom aus der Ruhr, München, GRIN Verlag GmbH
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