Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Noelle-Neumanns sozialpsychologischer Rückgriff auf Solomon Asch 2
2.1 Das Laborexperiment von Asch 2
2.1.1 Crutchfields Vereinfachung der Versuchsanordnung von Asch 3
2.1.2 Der Mitläufer-Effekt 3
2.2 Instrumente für Konformitätsdruck 3
2.2.1 Isolationsfurcht bzw. Isolationsdrohung 4
2.2.2 Soziale Anerkennung 5
2.3 Randbedingungen der Theorie der Schweigespirale 6
3 Wissenschaftliche Basisbereiche der Theorie der Schweigespirale 7
3.1 Der psychologische Bereich der Verhaltens- und Einstellungstheorie 7
3.2 Der Bereich der Kommunikationstheorie 8
3.3 Der Bereich der Gesellschaftstheorie 8
4 Verschiedene Gruppen der Kommunikationsbereitschaft 10
4.1 Die Subgruppe der Reder und Schweiger 10
4.2 Der Bereich zwischen Reder und Schweiger 11
4.2.1 Die Gruppe der Inkonsistenten 11
4.2.2 Die Anpasser 12
4.2.3 Die Gruppe der Missionare 12
5 Schluss 13
6 Anhang 14
7 Literaturverzeichnis 16
Was sind die Beweggründe eines Menschen, seine eigene Meinung in der Öffentlichkeit nicht generell einfach zu äußern, wenn er beispielsweise in einem Interview danach gefragt wird?
Warum kommen so oft von Politikern, aber auch von ganz „normalen“ Menschen Antworten wie: „Kein Kommentar!“ oder: „Dazu möchte ich mich nicht äußern!“? Ist es die Angst davor, sich mit seiner persönlichen Meinung von der Meinung der Allgemeinheit bzw. Bevölkerung abzugrenzen und damit Gefahr zu laufen, sich von ihr zu isolieren bzw. Ablehnung in Form von Kommentaren und eventuellen Beschimpfungen zu erfahren?
Dieser Art von Isolationsfurcht, wie die Meinungsforscherin Elisabeth Noelle-Neumann sie genannt hat, die auch Auswirkungen auf die öffentliche Redebereitschaft zeigt, versucht sie in ihren Studien zur Theorie der Schweigespirale auf den Grund zu gehen. Nach einem sozialpsychologischen Rückgriff auf Solomon Asch soll daran anschließend zunächst der „Schweigespirale-Prozess“ näher erläutert werden. Auch sollen auf die sich innerhalb der Theorie der Schweigespirale herausgebildeten verschiedenen Gruppen der Kommunikationsbereitschaft noch genauer eingegangen werden und es soll abschließend festgestellt werden, ob Noelle-Neumanns Theorie der Schweigespirale aussagekräftig ist bzw. innerhalb der Bevölkerung in Erscheinung tritt und damit Anwendung findet.
2.1 Das Laborexperiment von Asch
Der amerikanische Sozialpsychologe Solomon Asch führte Anfang der fünfziger Jahre in den USA das folgende Experiment über 50 Mal durch (Noelle-Neumann 1996, 59 f.), bei dem die Versuchspersonen angeben sollten, welche von drei vorgegebenen Linien mit einer Vergleichslinie übereinstimme (Scherer 1990, 36). Das Experiment startete, indem jede von den jeweils acht bis neun Testpersonen ihre Meinung öffentlich innerhalb der Gruppe darüber äußerte, welche der vorgegebenen Linien in der Länge der Musterlinie entspricht (Abb. 1). Die Versuchsanordnung bestand aus ca. zwölf Wiederholungen, von denen bei den ersten beiden alle Teilnehmer die richtige Linie mit Leichtigkeit identifizierten.
Doch dann wurde die Untersuchung dahingehend verändert, dass von den „unechten“ Testpersonen, die in Wahrheit Gehilfen des Versuchsleiters waren, bewusst eine zu kurze Linie als die richtige ausgewiesen wurde, um im weiteren zu überprüfen, ob die eine „naive“ Versuchsperson, welche letztendlich nun die einzig wahre Testperson war, sich im folgenden der vorherrschenden Gruppenmehrheitsmeinung anschließen oder aber selbstbewusst ihre eigene Meinung äußern würde.
Das Ergebnis ist eindeutig: Sechs von zehn Versuchspersonen innerhalb der zehn Wiederholungen schließen sich der vermeintlichen Mehrheitsmeinung an. Diese Versuchspersonen werden sich später in die Kategorie der sogenannten Mitläufer (Anpasser) einordnen lassen, auf die ich aber noch in Kapitel 4.2.2 genauer eingehen werde.
Im Gegensatz dazu bleiben nur zwei von zehn Testpersonen unbeirrt bei ihrer eigenen Meinung.
Für Asch ist somit der stattgefundene Anschluss an die vorherrschende Mehrheitsmeinung ein Indiz für die von ihm damit nachgewiesene Isolationsfurcht des Einzelnen, sich mit seiner eigenen Meinung von der Gruppe zu isolieren, und sich deshalb lieber der vermeintlichen Mehrheitsmeinung anzuschließen.
Weiter konnte beobachtet werden, dass die verbleibenden zwei Personen sich nur ein - bis zwei Mal während der zehn Durchgänge der vorherrschenden Meinung anschlossen.
~ 3 ~
2.1.1 Crutchfields Vereinfachung der Versuchsanordnung von Asch
Crutchfield bestätigt zwar Aschs Ergebnisse (Scherer 1990, 37), jedoch saßen während seines Versuchs die Versuchspartner, abgeschottet von den anderen am Versuch teilnehmenden Personen, in einer Kabine und bekamen die Aussagen der anderen Teilnehmer, welche vom Versuchsleiter jedoch nur vorgetäuscht waren, von ihm zugespielt.
Ein Fortschritt dieser Versuchsanordnung lag auch dahingehend vor, dass den Testpersonen außerdem Fragen gestellt wurden, die für sie selbst von größerer Relevanz waren, als der Vergleich zweier Linien bezüglich deren Länge. Beispielsweise sollten die Versuchspersonen auch Fragen beantworten, bei denen sie sich selbst beurteilen mussten. Auch hierbei konnte festgestellt werden, dass bestimme Gruppen sich eher an die Aussagen der anderen Versuchsteilnehmer anpassen als andere (Scherer 1990, 37).
2.1.2 Der Mitläufer-Effekt
Die Erkenntnis Crutchfields, dass bestimmte Gruppen sich nun mal eher anpassen als andere, sieht Neuberger u.a. als Tatsache des „Bandwagon- oder Mitläufer-Effekts“ (Scherer 1990, 37 f.), wörtlich „dem Wagen mit der Kapelle an der Spitze des Zuges nachlaufen“ (Noelle-Neumann 1996, 19). Dieser „Bandwagon-Effekt“ soll demnach der Testperson klarmachen, dass eine bestimmte Auffassung von (fast) allen (relevanten) anderen Personen geteilt wird.
2.2 Instrumente für Konformitätsdruck
Um auf den in bestimmten Situationen empfundenen Konformitätsdruck, den jedes Individuum einmal intensiver, ein anderes Mal eventuell weniger intensiv wahrnimmt, genauer eingehen zu können, scheint laut Scherer Konformität, d.h. die Anpassung an die Meinung der Mehrheit, eine Tatsache zu sein (Scherer 1990, 38). Noelle-Neumann geht jedoch über diese bloße Tatsache hinaus, indem sie sich den möglichen Beweggründen des Einzelnen für seine Anpassung zuwendet.
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Christian Strausbach, 2003, Die Theorie der Schweigespirale, Munich, GRIN Publishing GmbH
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