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Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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2. Rechtliche Grundlagen
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2.1. Historische Entwicklung 4
2.2. Rechtsformen 8
2.3. Verbandliche Organisation im Nonprofit-Sektor 10
3. Interne Strukturierung und Größe des Dritten Sektors
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4. Ehrenamtliches Engagement
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5. Finanzierungsstruktur
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6. Rolle des Non Profit Sektors
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6.1. Wohlfahrtsmix 30
6.2. Arbeitsmarktpolitik 32
7. Problembereiche
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8. Vergleich mit Deutschland
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9. Schluss
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10. Literaturverzeichnis
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11. Anhang
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12. Quellenverzeichnis
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1. Einleitung
In der heutigen Zeit spielen Nonprofit-Organisationen sowohl auf dem Arbeitsmarkt als auch bei der Ausführung der Sozialpolitik des Staates allgemein eine immer bedeutendere Rolle. Die jeweiligen Hauptaufgabengebiete und Zielgruppen des Dritten Sektors unterscheiden sich aber von Land zu Land, je nachdem welche Geschichte der betreffende Sektor durchlebt hat oder welc hen Aufbau und welche Finanzierungsstruktur er besitzt.
Diese Arbeit soll nun den Nonprofit-Sektor in Frankreich vorstellen und seine speziellen Charakteristika herausstellen. Dabei wird folgendermaßen vorgegangen: Am Anfang werden bei der Erörterung der rechtlichen Grundlagen des französischen Dritten Sektors seine historische Entwicklung unter Bezugnahme auf die wichtigsten Phasen und Entwicklungen, die möglichen Rechtsformen der Nonprofit-Organisationen sowie deren verbandliche Organisation dargestellt. Nach dieser grundlegenden Betrachtung, die dazu beiträgt den aktuellen Zustand des Nonprofit-Sektors in Frankreich besser zu verstehen, wird ein Blick auf die interne Strukturierung des heutigen Sektors geworfen. Dabei werden die wichtigsten Merkmale des Dritten Sektors hinsichtlich seines Aufbaus und seiner Größe aufgezeigt. Danach wird je ein Kapitel der Ausprägung und der Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements und der Finanzierungsstruktur gewidmet. Das Ehrenamt ist ein äußerst charakteristisches Merkmal jedes Nonprofit-Sektors und hat gerade den Nonprofit-Organisationen in Frankreich einen wichtigen Vorteil in der Arbeitsmarktpolitik verschafft. Im Rahmen der Finanzierungsstruktur wird auf die verschiedenen Einnahmequellen und deren Verteilung innerhalb der Subsektoren eingegangen. Außerdem wird der Aspekt des Spendenverhaltens näher beleuchtet. Im Anschluss findet sich dann eine genauere Untersuchung der Rolle, die der französische Nonprofit-Sektor im Wohlfahrtsmix und in der Arbeitsmarktpolitik spielt. Aufgrund der Erfolge der NPOs in diesen beiden Bereichen sind sie für den Staat zu unverzichtbaren Partnern geworden. Im Kapitel sieben werden dann noch explizit drei Problembereiche angeführt, mit denen die NPOs konfrontiert sind. Dazu gehören die Organisationsethik, die
Finanzierungsmöglichkeiten und die Konkurrenz zu Wirtschaftsunternehmen. Zum Abschluss wird zur besseren Einordnung des französischen Nonprofit-Sektors ein kurzer Vergleich zu Deutschland gezogen. Dabei werden die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den zwei Sektoren herausgehoben.
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Ziel dieser Arbeit war eine lückenlose und zusammenhängende Darstellung des Dritten Sektors in Frankreichs zu liefern, welche dessen spezifischen Kennzeichen sowie dessen Schwächen und Stärken herausarbeitet. Schwierig dabei war eine ausgewogene Aufteilung der einzelnen Kapitel zu finden. Zur Geschichte des Sektors gab es beispielsweise enorm viele Informationen, so dass die Gefahr bestand, dass dieser Teil etwas zu lang gerät. Aber meiner Meinung nach ist die Kenntnis der historischen Entwicklung des französischen Nonprofit-Sektors besonders wichtig, um die heutige Stellung und Situation der NPOs in Frankreich zu verstehen. Dagegen gab es für manche Bereiche, wie zum Beispiel für den Aspekt der Organisation der Arbeit in Nonprofit-Organisationen oder der Führungs- und Organisationsstrukturen, wenig Material, so dass diese beiden Punkte jeweils in andere Kapitel miteingearbeitet werden mussten. Außerdem wird auffallen, dass die Daten, die für diese Arbeit verwendet wurden, schon etwas älter sind. Leider gab es keine aktuellen Zahlen für Themen wie ehrenamtliches Engagement oder Spendenverhalten. Die wichtigsten Tabellen, deren Ergebnisse in den jeweiligen Kapiteln behandelt werden, befinden sich direkt im Text. Dies ist meiner Meinung nach einfacher und transparenter, als wenn die Darstellungen aus dem Zusammenhang gerissen im Anhang platziert wären. Der Anhang enthält dagegen zusätzliche Informationen zu Punkten, die im Hauptteil nur kurz erwähnt wurden, aber ebenfalls interessant zu wissen sind.
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2. Rechtliche Grundlagen
2.1. Historische Entwicklung
Wenn man sich genauer mit dem Nonprofit-Sektor in Frankreich beschäftigen will, stellt man fest, dass es nicht ausreichen wird, nur seine aktuelle Position zu betrachten. Es ist gleichfalls wichtig seine spezielle historische Entwicklung mit zu berücksichtigen. Verschiedene geschichtliche Ereignisse haben dabei den französischen Nonprofit-Sektor stark beeinflusst und sind für den heutigen Status der Nonprofit-Organisationen in Frankreich verantwortlich. Zunächst einmal soll die Geschichte des Dritten Sektors betrachtet werden. Man kann sie in vier wichtige Phasen einteilen, nämlich in die Phase vor der Französischen Revolution, in die Revolutionsphase selber, in die Phase der Anerkennung des Dritten Sektors im 19. Jahrhundert und schließlich in die Phase der Erschließung neuer Bereiche im 20. Jahrhundert.
Die Zeit vor der Französischen Revolution zeichnet sich durch ein Geflecht an Wohltätigkeitsorganisationen aus, die von der katholischen Kirche und klösterlichen Orden ins Leben gerufen wurden. Der Aufgabenbereich dieser Vorläufer der Nonprofit-Organisationen liegt vor allem in der Erziehung und Bildung. In diesen zeitlichen Abschnitt fällt ebenfalls die Entstehung von Bürgervereinigungen, die heute noch in Form von Bürgervereinen und Bürgerrechtsorganisationen weiterbestehen. Ab dem 12. Jahrhundert tauchen dann die sogenannten Bruderschaften auf. Sie gehören zur Zunftbewegung und haben sich auf die finanziellen Hilfe ihrer Mitglieder untereinander im Krankheitsfalle spezialisiert. Deswegen gelten sie als Vorform der mutuelles, „die heute, ergänzend zu den gesetzlichen Krankenkassen, eine Art private Zusatzkassen darstellen.“ (Archambault, Der dritte Sektor in Frankreich, 1997, S. 177) Die Französische Revolution im Jahr 1789 stellt den Wendepunkt des zum damaligen Zeitpunkt gut entwickelten Dritten Sektors dar. Die wohltätigen Organisationen der Kirche werden aufgelöst und es kommt zur Einführung der sogenannten Jakobinischen Tradition. Dies bedeutet, dass der Staat ganz alleine für das Wohl seiner Bürger verantwortlich ist. Daraufhin werden alle Organisationen, die zwischen Staat und Bürgern stehen, unterdrückt.
„Die Präambel des Chapelier-Gesetzes (1791) bestimmte sehr genau, dass es niemandem
erlaubt ist, in den Bürgern ein intermediäres Interesse anzuregen oder sie der Sache des
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Allgemeinwohls durch Korporationsgeist zu entfremden.“ (Archambault, Der dritte Sektor
in Frankreich, 1997, S. 178)
Dieses Gesetz wirkt sich besonders negativ auf die Zünfte sowie auf die Bruderschaften aus. Zusammen mit dem Decrét d’Allarde bildet das Loi Le Chapelier ein striktes Verbot fast aller freiwilligen Organisationen. Gleichzeitig wird im Zuge der Revolution auch der Klerus entmachtet und alles kirchliche Vermögen samt den dazugehörigen Nonprofit-Organisationen säkularisiert. Dazu zählt beispielsweise auch die Verstaatlichung aller kirchlichen Krankenhäuser. Kurz ausgedrückt: es kommt mit der Revolution zu einer Zerstörung des bestehenden Solidaritätsnetzes, zu einer Verstaatlichung der Wohlfahrt und zu einer verstärkten sozialen Verantwortung der Regierung. (vgl. Archambault, Der dritte Sektor in Frankreich, 1997, S. 177-178 und
Salamon/Anheier 1999, S. 20-28)
Die dritte Phase beginnt im 19. Jahrhundert und trägt zur Anerkennung des Dritten Sektors in Frankreich bei. Entgegen allen Verboten entwickelt sich die Arbeiterbewegung stark weiter. Als es 1864 dann schließlich zur Aufhebung des Versammlungsverbotes kommt, nehmen deren Organisationen den Platz der mutuelles und auch den der Gewerkschaften ein. Am Ende dieses Jahrhunderts wird außerdem eine für Frankreich typische Bewegung ins Leben gerufen, nämlich der utopische Sozialismus. Zu dessen Begründern zählen vor allem der Comte de Saint-Simon, Charles Fourrier und Proudhon, die sich vehement gegen jede Art von Verstaatlichung und Zentralisierung aussprechen. Sie entwickeln neue Gesellschaftssysteme, die nicht durch Hierarchie und staatliche Autorität, sondern durch ein hohes Maß an Selbstverwaltung und gemeinschaftlicher Tätigkeit geprägt sind. Saint-Simons Vorstellung einer neu geordneten Gesellschaft sieht dabei folgendermaßen aus: Es gibt insgesamt drei Klassen: die arbeitende Bevölkerung, diejenigen, die im Besitz der Produktionsmittel sind und die sogenannten Weisen, welche aus Philosophen, Ingenieuren und Wissenschaftlern bestehen. Diese letzte Gruppe trifft dann aufgrund ihres Wissens alle wichtigen Entschlüsse und sorgt dafür, dass der Prozess der Industrialisierung ohne Komplikationen abläuft. Die Theorie Saint Simons hat viele Sozialwissenschafter, zum Beispiel Soziologen wie Auguste Comte, stark beeinflusst. Für Proudhon ist eine komplette Neuorganisation der Gesellschaft verbunden mit der Abschaffung des Staates und des Geldes nötig. Er fordert vor allem gegenseitige Unterstützung, Selbstverwaltung und Föderalismus. Diese Gedanken setzen sich besonders stark im Dritten Sektor Frankreichs fest und sind auch heute noch vorfindbar. Zusammenfassend kann man sagen, dass der utopische Sozialismus als Vorreiter des modernen Sozialismus gilt. Er betont
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außerdem zum ersten Mal in der französischen Geschichte die Leistungen, die der Dritte Sektor in der Politik und im Sozialbereich vollbringt. Am Ende dieses Jahrhunderts wird der Dritte Sektor offiziell durch ein Sozialdoktrin, das die soziale Umverteilung vorsieht, von der Regierung anerkannt. Der Anfang der Sozialpolitik ist übrigens in der Dritten Republik (1870-1918) zu finden, da man sich dort zum ersten Mal, unter Bezugnahme auf Durkheim, mit der Frage der Solidarität auseinandergesetzt hat. Für Durkheim sind intermediäre Institutionen, die zwischen Staat und Individuum stehen, für die Durchsetzung von Solidarität und gegenseitiger Unterstützung zuständig. Mit der Charte de mutualité, die 1898 in Kraft tritt, öffnet sich für die französischen Nonprofit-Organisationen eine weitere Türe. Aber erst als die Vereinigungsfreiheit durch das Gesetz von 1901 wiederhergestellt wird, ist ein Durchbruch sowie eine ungestörte Weiterentwicklung für den Dritten Sektor Frankreichs möglich. Die NPOs besitzen nun einen legalen Status und bestimmte Rechte.
(vgl. Archambault, Der dritte Sektor in Frankreich, 1997, S. 178-179; Salamon/Anheier
1999, S. 30-37; http://cepa.newschool.edu und http://www.sj-wien.at)
In der vierten und letzten Phase der Entwicklung des französischen Nonprofit-Sektors kommt es aufgrund des Gesetzes von 1901 zu einer starken Ausdehnung der Tätigkeitsfelder sowie der Organisationen des Dritten Sektors. Ein bekanntes Beispiel für das erweiterte Arbeitsfeld ist der tourisme social, der 1935 entsteht. Zu diesem Zeitpunkt tritt erstmals der bezahlte Urlaub in Kraft. Sozialminister Lagrange setzt sich für die Einrichtung von Urlaubsmöglichkeiten wie zum Beispiel Jugendherbergen oder Campingplätze für Arbeiterfamilien ein. Der tourisme social, der auf Grundwerten wie Solidarität, Gastfreundlichkeit und Kreativität basiert, soll nun mehr Menschen ermöglichen in den Urlaub fahren zu können. Es kommt ebenfalls zu einem vermehrten Einsatz im Bereich der Unterstützung und der Anerkennung von Behinderten. Die Erschließung neuer Bereiche im Dritten Sektor umfasst außerdem den kulturellen und ökologischen Bereich. Ab 1975 wenden sich die Nonprofit-Organisationen dann intensiver den Arbeitslosen und den Einwanderern zu. Durch eine derartige Ausdehnung der Tätigkeitsbereiche des Nonprofit-Sektors hat auch gleichzeitig die Zahl der NPOs ab 1901 sehr stark zugenommen. Zusätzlich hat sich gleichermaßen die Zusammenarbeit mit dem Staat in diesem Zeitraum verbessert. Dazu haben vor allem die Dezentralisierungsgesetze von 1982/83 unter Mitterands linker Regierung beigetragen, die einen totalen Gegensatz zur langjährigen Tradition der Zentralisierung darstellen. Ein wichtiger Schritt hierbei ist eine neue Verteilung der Zuständigkeiten zwischen dem Staat und den drei
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Gebietskörperschaften - Gemeinden, Departments und Regionen. Es kommt also zu einer Abtretung der Kompetenzen durch den Staat. Daraufhin wird dessen Einfluss verkleinert, während die eigenständigen Gebietskörperschaften mehr Verantwortung übertragen bekommen. Dieser Sachverhalt wirkt wiederum stimulierend auf den Dritten Sektor, da die Kommunen die ihnen neu übertragenen Aufgaben nicht alleine lösen können. Der französische Nonprofit-Sektor wird ab diesem Zeitpunkt ebenfalls staatlich gefördert und ihm werden Steuerbegünstigungen bewilligt. Es beginnt eine professionelle Zusammenarbeit von Staat und Drittem Sektor. Der Staat und die Gebietskörperschaften delegieren dabei
„den Nonprofit-Organisationen einen Teil ihrer neuen Aufgaben auf den Gebieten Kultur,
Erziehung und Sport sowie insbesondere im sozialen Bereich. Im Gegenzug kommen sie
gemeinsam mit dem Staat und der Sozialversicherung für einen Großteil der Finanzierung
der bereitgestellten Dienste auf.“ (Archambault, Der dritte Sektor in Frankreich, 1997, S.
181)
(vgl. Archambault, Der dritte Sektor in Frankreich, 1997, S. 179-181; Salamon/Anheier
1999, S. 9 und S. 44-46; http://www.nordpasdecalais.fr und http://www.uni- mainz.de)
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass insgesamt drei Entwicklungen den französischen Nonprofit-Sektor in besonderem Maße beeinflusst haben, nämlich die Jakobinische Tradition, die Säkularisierung und der utopische Sozialismus. Die Jakobinische Tradition beruht, wie oben schon erwähnt, auf Zentralisierung, Etatismus und Verstaatlichung. Diese Art und Weise der Staatsführung hat den Dritten Sektor in Frankreich lange Zeit unterdrückt und in seiner vollen Entfaltung gehemmt. Erst die Dezentralisierungsgesetze unt er der linken Regierung Mitterands haben den Nonprofit-Organisationen mehr Möglichkeiten eröffnet. Die Säkularisierung während der Revolution hat dem Nonprofit-Sektor großen Schaden zugefügt, da dieser damals hauptsächlich kirchlich geprägt war und somit nun größtenteils aufgelöst wurde. Frankreich ist somit ein Land, das aufgrund seiner Geschichte sehr säkular geprägt ist. 1905 kommt es schon zur endgültigen Trennung von Kirche und Staat, weswegen in den Schulen auch keine Pflicht zum Religionsunterricht besteht. Heute besitzt Frankreich die höchste Atheismusrate in ganz Europa. Auch der Nonprofit-Sektor ist mit Ausnahme von privaten Religionsschulen säkular geprägt. Da der utopische Sozialismus gegen zu starke Staatsmacht und Zentralisierung ist, begünstigt er durch seine Forderung nach Selbstverwaltung und Föderalismus die Entwicklung der Nonprofit-Organisationen. Zusammen mit der Solidaritätsausrichtung der Dritten Republik ist daraus die sogenannte Economie Sociale entstanden, die mit der freien
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Wohlfahr tspflege in Deutschland vergleichbar ist. Diese besteht aus allen sozialen Organisationen und Einrichtungen, die im Dachverband der sechs großen deutschen Verbände (Caritas, Diakonisches Werk, Arbeiterwohlfahrt, Rotes Kreuz, Paritätischer Wohlfahrtsverband, Zentrale Wohlfahrtsstelle der Juden) zu finden sind. Die Economie Sociale in Frankreich basiert heute vor allem auf vier Arten von Nonprofit-Organisationen, auf den coopératives (Genossenschaften), den mutualités (Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit), den associations (Vereinigungen) sowie auf den fondations (Stiftungen). (vgl. Salamon/Anheier, the emerging nonprofit sector, 1999, S. 16-21;
http://www.european-network.de und http://www.unibw- muenchen.de)
2.2. Rechtsformen
In Frankreich findet man für Nonprofit-Organisationen zwei Rechtsformen vor, nämlich die des Vereins (association) und die der Stiftung (fondation). „Vereine ... stellen Vereinbarungen zwischen zwei und mehr natürlichen Personen
und/oder juristischen Personen dar, nach der sie Kenntnisse und Aktivitäten zur
Verfolgung eines gemeinsamen Ziels einsetzen.“ (Eichhorn 1996. S.51)
Man unterscheidet dabei zwischen drei Typen von associations: den nicht eingetragenen (non déclarées), den eingetragenen (déclarées) Vereinen sowie den Vereinen, an denen ein öffentliches Interesse besteht (reconnues d’utilité publique). Die associations non déclarées, also die nicht eingetragenen Vereine, weisen keine eigene Rechtspersönlichkeit auf. Man findet hier auch keine gesetzliche Grundlage, die deren Gründung regelt. Da solche Organisationen nicht rechtsfähig sind, können sie nicht wirtschaftlich tätig werden. Somit hat diese Rechtsform für den französischen Dritten Sektor eine eher geringe Bedeutung.
Die meisten Nonprofit-Organisationen in Frankreich besitzen den rechtlichen Status von eingetragenen Vereinen. Diese associations déclarées sind im Gegensatz zu den nicht eingetragenen Vereinen beschränkt rechtsfähig. Dafür sind sie allerdings verpflichtet, sich bei der Präfektur anzumelden und den Eintrag im Amtsblatt zu veröffentlichen. Was die Einschränkungen in der Rechtsfähigkeit anbetrifft, wirken sich diese vor allem auf vermögensrelevante Handlungen aus.
„Eingetragene Vereine dürfen Immobilien nur in dem zur Zielverfolgung unbedingt
erforderlichen Umfang besitzen. Über Kauf und Verkauf muss die zuständige Präfektur in
Kenntnis gesetzt werden.“ (Eichhorn 1996, S. 53).
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Außerdem ist es solchen associations untersagt Schenkungen und Erbschaften zu empfangen.
Die dritte Art von Vereinen bilden die associations reconnues d’utilité publique. An ihnen besteht, wie der Name es schon ausdrückt, ein öffentliches Interesse. Doch dieser Titel muss erst offiziell beantragt und anerkannt werden. Daran sind jedoch einige Bedingungen notwendig wie zum Beispiel die Verwendung einer amtlich ausgearbeiteten Mustersatzung oder ein längerer Zeitraum als eingetragener Verein. Nach der Anerkennung erhalten derartige Organisationen aber die volle Rechtsfähigkeit, woraus wiederum zivil- und steuerrechtliche Vorteile resultieren. Der Hauptvorzug dieser Rechtsform liegt im vermögensrechtlichen Bereich, da die Organisationen nun mehr Immobilien besitzen und auch Erbschaften etc. annehmen zu dürfen. Außerdem kommen ihnen Steuerbegünstigungen zugute. Nachteilig an dieser Form v on Vereinen sind die damit einhergehenden aufwendigen Verpflichtungen wie beispielsweise die Vorlage von Abschlussdokumenten oder die erweiterte Rechnungslegung. Diese Bedingungen sind zusammen mit den hohen Eintrittsbarrieren dafür verantwortlich, dass sich die Anzahl der associations reconnues d’utilité publique in Grenzen hält. (vgl. Eichhorn 1996, S. 51-56)
Die alternative Rechtsform zum Verein stellt die der Stiftung dar. Dabei dürfen sich aber nur Stiftungen mit voller Rechtsfähigkeit offiziell als Stiftungen bezeichnen. Bei diesem rechtlichen Status „handelt es sich um Vermögensmassen, die einem bestimmten Zweck gewidmet sind und von einer rechtsfähigen, hierzu autorisierten Stiftung verwaltet werden.“ (Eichhorn 1996, S. 57) Die fondations müssen s ich allerdings zuerst die Bezeichnung reconnues d’utilité publique anerkennen lassen und über einen vorgeschriebenen Betrag an Geldmitteln verfügen. Die Fondation de France, die eine Vielzahl von nicht-rechtsfähigen Stiftungen umfasst, ist wohl die bekannteste Organisation dieser Art in Frankreich. Das Stiftungswesen in Frankreich ist im Vergleich zu Ländern wie den USA oder Italien sehr schwach ausgeprägt. Das liegt zum einen an der fehlenden gesetzlichen Regelung. In Frankreich gibt es nämlich kein Stiftungsrecht, wie wir es zum Beispiel in Deutschland kennen. Zum anderen wurden die Stiftungen in der Vergangenheit lange Zeit bekämpft und ihre Verbreitung dadurch gehemmt.
(vgl. Archambault, Frankreichs Dritter Sektor, 2001, S. 183-184 und Eichhorn 1996, S.
57-58)
Arbeit zitieren:
Gabriele Prey, 2003, Der Dritte Sektor in Frankreich, München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
DOI
"The Established and the Outsiders. A Sociological Enquiry into C...
Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen
Seminararbeit, 18 Seiten
Gabriele Prey hat den Text Der Dritte Sektor in Frankreich veröffentlicht
Gabriele Prey hat einen neuen Text hochgeladen
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