Inhaltsverzeichnis
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Inhaltsverzeichnis I
Einzelaufgaben
1. Düngung - externe Effekte 1
2. Öffentliche Güter - private Güter 2
3. Handelsdefizite - Importzölle 3
4. Lohnniveau 4
5. USA - Defizit 6
6. Löhne - Arbeitslosigkeit 6
7. Staatsverschuldung 8
8. Inflation - Arbeitslosigkeit 9
9. Zunahme der Staatsausgaben 10
10. Mittelfristige Wirkungen 12
Finanzpolitik zwischen Stabilitätspakt, intergenerativer
Gerechtigkeit und konjunktureller Stabilisierung 15
1 Einleitung 15
2 Die Ausgangslage 15
3 Positionen für eine Korrektur des Stabilitätspaktes 16
3.1 Zielkonflikte der Finanzpolitik 16
3.2. Flexible Auslegungen 16
3.3 Neue Rahmenbedingungen 17
3.4 Selbstdisziplin statt latenter Drohung 18
3.5 Autonome Defizit-Faktoren 19
3.6 Pauschale Grenzwerte 19
4 Positionen für eine Beibehaltung des Stabilitätspaktes 19
4.1 Nationale Versäumnisse 19
4.2 Die Schutzfunktion des Stabilitätspaktes 20
4.2.1 Abwehr von Partikularinteressen 20
4.2.2 Sanktionsinstrument der Gemeinschaft 21
4.2.3 Bewahrung der Euro-Stabilität 21
4.2.4 Bewahrung finanzpolitischer Glaubwürdigkeit 21
4.3 Moderate Einwirkung auf Finanzpolitik 22
4.4 Intergenerative Gerechtigkeit 22
5 Ausblick 22
Quellenverzeichnis 25
Literaturliste 26
Aufgaben - Fallbeispiele
1. Wirtschaftliches Handeln hat häufig Neben- und Folgewirkungen auf unbeteiligte Dritte. Nicht selten sind diese Wirkungen nachteilig wie im Beispiel des Bauern, der einen neuen Hochleistungsdünger auf seinen Feldern einsetzt, dabei aber die Grundwasserqualität im Nachbardorf beeinträchtigt.
Derartige Effekte werden als Externalitäten oder externe Effekte bezeichnet. Nach dem Standardwerk „Grundzüge der Volkswirtschaftslehre“ von N. Gregory Mankiw werden so „unkompensierte Auswirkungen ökonomischen Handelns auf die Wohlfahrt eines unbeteiligten Dritten“ bezeichnet.1) Die schädigenden (und in manchen Fällen auch begünstigenden) „Nebenwirkungen“ finden in der Regel keinen direkten Ausgleich durch die Verursacher.
Gefragt ist daher im Fallbeispiel ein sinnvoller Interessenausgleich zwischen dem Bauern als Verursacher der Umweltbelastung und den betroffenen Anwohnern. Zunächst ist anzunehmen, dass der Bauer auch ohne Druck von außen sich des Problems bewusst wird - einfach durch die Tatsache, dass er wohl selbst als direkter Anwohner von der Grundwasserverschmutzung betroffen ist. Der Bauer steht vor einer Abwägung von Eigeninteressen: Soll er die Optimierung von Ernteergebnissen mit der Verunreinigung des elementar notwendigen Trinkwassers „bezahlen“? Hinzu kommt den Anwohnern gegenüber eine grundsätzliche ethische Überlegung: Soll ich meinen Nachbarn das zumuten, was ich selbst nicht gern dulden würde - die Wasserverschmutzung?
Unter ökonomischen Gesichtspunkten macht es Sinn, den Nutzen aus dem Handeln des Bauern den Kosten der Allgemeinheit gegenüber zu stellen. So lässt sich der Ertrag durch Ernte-Optimierung gegen die Kosten beispielsweise einer zusätzlichen Filteranlage für das örtliche Brauchwasser abwägen. Dem so genannten Coase-Theorem folgend 2), können Marktparteien auch ohne Eingriffe von außen solche Konflikte durch externe Effekte lösen. Konkret steht Ertrag aus Urproduktion gegen den gemeinschaftlichen Anspruch auf sauberes Wasser. Sind die Parteien erst einmal über den „Streitwert“ ihrer Ansprüche überein gekommen, fällt eine Lösung leichter.
Unterschiedliche Szenarien sind dann möglich, beispielsweise: a. Der Bauer verzichtet aus Einsicht in die überragende Bedeutung sauberen Wassers auf den neuen Dünger. Eventuell gewährt ihm die Gemeinde eine Entschädigung für den erwarteten Zusatzertrag. b. Die Ertragssteigerung des Bauern wäre so hoch, dass er bereit ist, den Anwohnern eine zusätzliche Wasserfiltrierung oder eine Drainage auf eignem Grundstück zu finanzieren. Wenn freilich die Kosten-Nutzen-Relation den Rahmen eines solchen Ausgleichs sprengt, weil etwa Gefahren für Gesundheit und ökologisches Gleichgewicht bestehen, trägt diese Lösung nicht. c. In diesem Fall, oder auch, wenn die Vielzahl der Betroffenen keine Übereinkunft erzielen können, ist der Rückgriff auf staatliche Gesetze möglich, die eine Grundwasserverschmutzung mit Chemikalien bei Strafe untersagen. 3)
2. Zur Unterscheidung öffentlicher und privater Güter wendet die Volkswirtschaft zwei Kriterien an. Das erste Kriterium fragt nach der Ausschließbarkeit der Güternutzung: Kann das fragliche Gut von einer Partei faktisch oder rechtlich exklusiv genutzt werden und können Dritte davon ausgeschlossen werden, es in Besitz zu nehmen oder zu nutzen?
Das zweite Kriterium richtet sich auf die Konkurrenz der Güternutzung: Sind durch die Nutzung eines Gutes andere Menschen von der (gleichzeitigen) Nutzung des Gutes ausgeschlossen?
Gemäß dieser Leitfragen sind öffentliche Güter dadurch gekennzeichnet, dass man weder einen ausschließbaren noch einen konkurrierenden Gebrauch von ihnen machen kann. Öffentliche Güter sind für Jeden ungehindert zugänglich, gleichzeitig macht ein Nutzer das Gut durch den Gebrauch einem anderen nicht streitig. Öffentliche Parks können hier genannt werden und öffentliche Straßen, zumindest soweit es auf diesen nicht zu Stauungen kommt, ein Auto mehr oder weniger die Nutzung durch andere also nicht beeinträchtigt.
Im Gegensatz dazu unterliegen private Güter sowohl dem Ausschluss- als dem Konkurrenzprinzip: Ein Hamburger im Schnellrestaurant kann nur einmal aufgegessen, ein erworbenes Kleidungsstück nur von (jeweils) einer Person getragen werden. Der Besitzer des Gutes kann darüber verfügen und andere von der Nutzung ausschließen. 4)
Als wichtigste öffentliche Güter, die der Staat bereitstellt, nennt Mankiw die Landesverteidigung, die Grundlagenforschung und die Armutsbekämpfung bzw. soziale Grundsicherung.
Für die Bereitstellung der Güter, in deren Genuss jeder Bürger ohne zusätzliche Bezahlung kommen kann, bringt der Einzelne jedoch meist nicht genügend Eigeninteresse auf. Während das Marktgeschehen bei privaten Gütern meist selbstregulierend ablaufen kann, ist bei öffentlichen Ressourcen daher eine Regulierung durch das Gemeinwesen erforderlich. Für Infrastruktur, Hochwasserschutz, Forschungseinrichtungen oder ähnliches muss der Staat daher Maßstäbe finden, um zu einer Kosten-Nutzen-Abschätzung für die Gesamtheit zu kommen. Divergierende Interessen einzelner Bürger machen es überdies schwierig, etwa den Nutzen einer neuen Umgehungsstraße jeweils durch Befragungen zu ermitteln. So ist das Gemeinwesen gefordert, bei der Bereitstellung öffentlicher Güter eine möglichst hohe Effizienz für die Gesamtheit der Bürger zu erreichen.
3. Grundlegende Erkenntnisse der Makroökonomik zur Handelspolitik führen zu dem Ergebnis, dass mit Maßnahmen wie Zöllen oder auch Importquoten ein hohes Handelsdefizit nicht effektiv abgebaut werden kann. Die Nettoauslandsinvestitionen bleiben von solchen Maßnahmen im wesentlichen unberührt. Der Grund dafür ist im Zusammenhang von Im- und Exporten, der Nachfrage nach Inlandswährung und deren realem Wechselkurs gegenüber ausländischer Währung zu sehen. Ein Importzoll wird naturgemäß die Einfuhr ausländischer Waren verringern, da sich diese durch die zusätzliche Abgabe verteuern. Damit wird auch Nettoexportquote -Ausfuhren abzüglich der Einfuhren - beeinflusst. Höhere Nettoexporte werden gleichzeitig die Nachfrage nach Inlandswährung auf dem Weltmarkt steigern, da diese im Ausland zum Ankauf inländischer Waren benötigt werden. Bei sonst gleichen Kenngrößen wie Zinssatz und Warenangebot erfährt die Inlandswährung eine Aufwertung dank der relativ erhöhten internationalen Nachfrage. Die Nettoauslandsinvestitionen und Nettoexporte jedoch bleiben unverändert. 5) Der Grund für dieses Phänomen liegt wesentlich in der Aufwertung der eigenen Währung. Dadurch werden Exporte für die Abnehmerländer teurer, damit weniger attraktiv, und gehen zurück. Gleichzeitig werden mehr Anreize für Importe geschaffen, da Auslandswährung(en) in Relation nun eine Abwertung erfahren haben und
Einfuhren dank veränderter Wechselkurse so billiger werden. Damit wird die ursprüngliche Absicht eines Importzolls konterkariert - die Ausfuhren werden behindert und gleichzeitig die Erschwernis für den Import weitgehend revidiert. Mit Blick auf die kurzfristigen Auswirkungen der Zölle im Inland sind folgende Entwicklungen zu erwarten: Die Konsumentenrente wird zurückgehen, da die Endpreise auf Grund geringeren Gesamtangebots nach oben tendieren. Inlandsfirmen müssen nicht mehr mit dem reinen Weltmarktpreis, sondern nur noch mit dem Weltmarktpreis plus Zoll konkurrieren. Sie profitieren zunächst von einer erhöhten Produzentenrente, der Staat zusätzlich von den Zolleinnahmen. Mankiw weist jedoch nach, dass die Gesamtwohlfahrt aller Marktbeteiligten nach der Importbeschränkung niedriger ist als zuvor, die Verbraucher verlieren mehr, als Unternehmen und Fiskus gewinnen. 6) Der erhöhte Durchschnittspreis für Waren und Dienstleistungen führt einerseits dazu, dass sich Marktverhältnisse dem fiktiven Zustand ohne Außenhandel annähern. Die Preiserhöhung motiviert Inlandsanbieter zu erhöhter Produktion, senkt aber automatisch auch die Inlandsnachfrage. Als Folge droht ein Angebotsüberhang, der Preise und Unternehmenserträge wiederum drückt. Kommt der Effekt der Importerleichterung durch Aufwertung der Währung hinzu, ist auch daruch der Zusatzertrag der Unternehmen in Gefahr.
Insgesamt ist daher eine Zollpolitik kein geeigneter Weg, hohe Handelsdefizite dauerhaft zu senken. Zu den ökonomischen Auswirkungen müssen zusätzlich politische Sanktionen des Auslands bedacht werden. Andere Staaten könnten ihrerseits mit Zöllen oder Importbeschränkungen reagieren, die der Außenwirtschaft von Land X schaden würden.
4. Eine generelle Anpassung der Löhne in Ostdeutschland an das Westniveau würde mit Sicherheit zum sozialen Frieden beitragen. Arbeitnehmer in den neuen Bundesländern sähen sich dann in ihrer Arbeitsleistung den West-Kolleg/innen gleichgestellt. Gleichzeitig könnten sie mehr Kaufkraft freisetzen, was eine konjunkturelle Belebung in Ostdeutschland voraussichtlich forcieren würde. Problematisch ist jedoch die Finanzierung dieser sonst wünschenswerten Anpassung. Da die Produktivität aus vielen Gründen im Osten durchschnittlich noch nicht westdeutsches Niveau erreicht hat, würde eine tarifliche Gleichstellung „per Dekret“ vielen ostdeutschen Betrieben empfindliche Ertragseinbußen bescheren. Es wäre damit
zu rechnen, dass etliche große Unternehmen ihre Produktion in den Westen oder ganz ins Ausland verlagern würden, da nach dem Wegfall eines Produktionskostenvorteils der Nachteil geringerer Produktivität nicht mehr ausgeglichen werden kann. Kleinere Betriebe ohne solche Optionen müssten mangels Rentabilität ihre Geschäftstätigkeit verringern oder ganz einstellen. Eine Verschärfung des ohnehin angespannten Arbeitsmarktes wäre die Folge, was sich kontraproduktiv für eine angestrebte Konjunkturbelebung auswirkt.
Volkswirtschaftlich gesehen, wirkt eine Gehaltsanpassung auf Westniveau ähnlich einer Verordnung höherer Mindestlöhne, die aber in allen Berufssparten und tariflich geregelten Gehaltsebenen wirksam wird. Das bisher in Ostdeutschland eingespielte Verhältnis von Gleichgewichtslohnsatz und -beschäftigung wird ausgehebelt: Höhere Löhne verstärken das Angebot an Arbeit, da Beschäftigung für Arbeitnehmer attraktiver wird, während gleichzeitig die Nachfrage bzw. das Angebot an Arbeitsplätzen zu den gegebenen höheren Lohnsätzen zurückgeht. 7) Der Zusammenhang „höheres Lohnniveau - geringeres Arbeitsplatzangebot“ wird ebenfalls deutlich bei Betrachtung des Grenzprodukts der Arbeit. Diese Kenngröße ermittelt den „Zuwachs an Produktionsmenge je zusätzlicher Arbeitseinheit“. 8) Ein Unternehmer achtet bei möglichen Personaleinstellungen auf das Wertgrenzprodukt, das eine zusätzliche Arbeitskraft erzielen kann, also auf das Grenzprodukt der Arbeit, multipliziert mit dem Preis der erarbeiteten Wertschöpfung.9) Nur, wenn das Wertgrenzprodukt abzüglich der Lohnkosten, also der Grenzgewinn, positiv ist, bedeutet ein zusätzlicher Arbeitnehmer auch tatsächlich ein Beitrag zum Gewinn eines Unternehmens. Wie Mankiw nachweist, sinkt daher die Zahl der Beschäftigten, die zu einer Gewinnmaximierung des Unternehmens beitragen können, wenn der marktübliche Lohnsatz steigt.10) Als Folge sinkt die Einstellungsbereitschaft der Unternehmen; die Arbeitslosenzahlen tendieren höher.
Der entstehende Angebotsüberhang an Arbeit bedeutet Arbeitslosigkeit für eine höhere Zahl an Menschen, nur die tatsächlich Weiterbeschäftigten profitieren von der Tarifanpassung.
5. Zwei ökonomische Tendenzen kennzeichnen die gesamtwirtschaftliche Lage der USA: Einerseits ein deutliches Leistungsbilanzdefizit, andererseits eine im internationalen Vergleich geringe Sparquote der Haushalte. Beide Faktoren hängen
zusammen, wenn man bedenkt, „dass die Ersparnis eines Landes dessen inländischen Investitionen zuzüglich den Nettoauslandsinvestitionen entspricht“. 11) Da die Nettoauslandsinvestitionen (=Nettoexporte) in den USA negativ sind, mindern sie entsprechend die Ersparnisse. Zu prüfen ist, welche außenwirtschaftlichen Anlässe bzw. Anreize diesen Trend beeinflusst haben.
„Alles in allem liegen die Ausgaben der Amerikaner gegenwärtig knapp fünf Prozent über ihrem Einkommen. Diese Differenz ist das Leistungsbilanzdefizit.“ 12) Die geringe Sparquote und gleichzeitig hohe Kreditaufnahme der US-Privathaushalte wird in Fachmedien, wie hier in der Financial Times Deutschland, als wesentlicher (Inlands-)Faktor der negativen Leistungsbilanz genannt.
Inlandspreise vieler Produkte höher als Weltmarktpreis, daher Importland. Budgetdefizit?
6) In vielen Beschäftigungsbereichen kann ein festgelegter Mindestlohn ein unteres Limit für bestimmte Tätigkeiten setzen. Mindestlöhne können das Ergebnis von Verhandlungen der Tarifparteien sein oder auch vom Gesetzgeber festgeschrieben werden. Liegt dieser Satz über dem Marktpreis, der sich aus Angebot und Nachfrage der Arbeitskraft eingespielt hätte, entsteht ein Effekt, wie schon in Aufgabe 4) beschrieben: Zum höheren Fix-Lohnsatz sind mehr Menschen bereit, die jeweilige Tätigkeit zu übernehmen, aber weniger Arbeitgeber bieten zum verordneten höheren Lohnsatz Arbeit an - ein Angebotsüberschuss, der sich in Arbeitslosigkeit äußert. 13) Ein weiteres unteres Limit, wenn auch nicht ausdrücklich fixiert, ergibt sich sich aus dem Niveau der Sozialhilfesätze, die der Staat für Bedürftige gewährt. Wer durch (Vollzeit-)beschäftigung kaum mehr oder gar weniger als die ohnehin gewährte Sozialleistung verdienen kann, ist kaum motiviert, zu solchen Bedingungen zu arbeiten. Sie würden effektiv Grenzsteuersätze von bis zu 100 Prozent bedeuten. 14) Ähnliche Wirkung schreiben Kritiker dem System der Arbeitslosenversicherung zu, da es den extistenziellen Anreiz, aus der Arbeitslosigkeit heraus in eine Beschäftigung zu kommen, durch Ersatzleistungen für den Lohn mindere.
Für das Phänomen Arbeitslosigkeit gibt es jedoch noch weitere Ursachen. Zunächst: Selbst wenn die Voraussetzungen für Vollbeschäftigung gegeben sind, kommen Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nicht vollständig zusammen. Ein
Arbeitnehmer findet vielleicht keine Stelle in seiner Region, die seinem Profil entspricht, während anderswo ein Unternehmen in seinem Einzugsbereich zwar genügend Bewerber, jedoch nicht mit der nötigen Qualifikation vorfindet. Ähnliches definiert Mankiw als Suchverhalten von Arbeitnehmern nach geeigneten Arbeitsplätzen: Es dauert eine gewisse Zeit, bis Beschäftigte und Arbeitsplätze zueinander finden, vor allem dann, wenn strukturelle Änderungen zu einem Wechsel von einem Krisen-Wirtschaftssektor zu einem eher florierenden Industriebereich zwingen (sektorale Nachfrageverschiebungen). 15)
Dort, wo Gewerkschaften als Vertreter von Arbeitnehmerinteressen starkes Gewicht haben, können sie tendenziell höhere Forderungen für ein Kollektiv von Beschäftigten durchsetzen. Die kollektiven Lohnverhandlungen zwischen Tarifparteien können im Ergebnis bisweilen auch zu einem Gehaltsniveau über „Marktwert“ für die betroffenen Branchen führen. Das betrifft nicht nur Mindestlöhne, wie oben erwähnt, sondern alle Leistungsebenen. In der Folge erhalten die weiterhin Beschäftigten mehr Geld, während wegen Rückgangs der Arbeitsnachfrage Andere arbeitslos werden oder bleiben.
Eine weitere Begründung für das Entstehen von Arbeitslosigkeit findet sich in der Theorie der Effizienzlöhne. Danach, so Mankiw, „arbeitet eine Unternehmung effizienter, wenn sie höhere Löhne als die Gleichgewichtslöhne bezahlt“.16) Hierfür werden unterschiedliche Begründungen von der Forschung angeboten: Höher bezahlte Beschäftigte können sich gesünder und leistungsfähiger erhalten, sie werden zu größerer Betriebstreue und zu höherer Leistung am Arbeitsplatz motiviert. Schließlich soll die Bezahlung über Gleichgewichtsniveau dafür sorgen, nicht nur mäßig, sondern auch best qualifizierte Bewerber für eine fragliche Position zu bekommen. 7) Wenn die Regierung von Land Y die Hoheit über die Geldpolitik besitzt, kann sie zur Begleichung der hohen Staatsverschuldung sich einfach der Notenpresse bedienen. Mit der zusätzlich hergestellten Geldmenge können ausländische Forderungen vielleicht zunächst befriedigt werden, jedoch um einen hohen Preis. Da dem enormen Geldmengenwachstum keine entsprechend höhere Produktivität bzw. Wirtschaftskraft gegenüber steht, ist eine rapide Abwertung der Inlandswährung gegenüber wichtigen ausländischen Währungen zu erwarten. Gleichzeitig lässt die Kaufkraft der Währung im Inland ebenfalls stark nach, für eine Währungseinheit kann weit weniger gekauft werden als zuvor. Eine hohe bis galoppierende Inflation ist in der Folge zu erwarten.
Mankiw erläutert diese Entwicklung an Hand der Quantitätstheorie des Geldes. Ein erhöhtes Geldangebot trifft auf eine horizontal abgetragene, fallende Kurve der Geldnachfrage. Da mehr Geld vorhanden ist, als die Volkswirtschaft momentan brauchte, versuchen die Menschen, dieses Überangebot in Waren, Dienstleistungen oder Kreditvergaben umzusetzen. Dieser Nachfrageanstieg verteuert das Angebot, lässt also das Preisniveau steigen. Demnach „bestimmt die in der Volkswirtschaft vorhandene Geldmenge den Geldwert, und das Wachstum der Geldmenge stellt die primäre Inflationsursache dar“. 17) Der Blick auf historische Hyperinflationen der 1920er Jahre bestätigt die enge Korrelation von rasant steigendem Geldangebot und Preisniveau. 18)
Zu den Profiteuren des hohen Geldmengenwachstums gehören neben dem Staat selbst auch alle Schuldner, die Kredite in Y-Währung aufgenommen haben. Eine Hypothek, vor Einsetzen der Inflation aufgenommen, belastet den Schuldner sehr viel geringer, wenn die geschuldete Summe nach einigen Monaten nur noch ein Hundertstel des ursprünglichen Realwerts darstellt.
Die Politik der Notenpresse ist jedoch ärgerlich, da sie deutliche Nachteile aufweist. Im Inland führt sie zunächst zu einer willkürlichen Umverteilung von Vermögen: Während Schuldner, wie beschrieben, profitieren, werden Gläubiger, Anleger und Kontobesitzer größtenteils „enteignet“. Hinzu kommen praktische Kosten durch die Unverlässlichkeit des Geldwertes, wie Mankiw zusammenfasst: „Die mit einer Verringerung der Geldhaltung verbundenen „Schuhsohlen-Kosten“, die mit einer häufigen Anpassung der Preise verbundenen „Speisekarten-Kosten“, eine erhöhte Variabilität der relativen Preise, unbeabsichtigte Änderungen der Steuerschuld aufgrund der Vernachlässigung von Inflationseffekten, [...] Verwirrungen [...] infolge von Wertänderungen der Recheneinheit...“ 19)
Hinzu kommen weitere außenwirtschaftliche und -politische Belastungen: Beispielsweise werden Forderungen in Y-Währung dem Ausland gegenüber durch die Inflation ebenfalls stark entwertet und damit der Außenhandel geschwächt, während die politische Verlässlichkeit des Landes international in Frage gestellt werden könnte.
8) Tatsächlich sieht die Mehrzahl der Nationalökonomen einen trade-off zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit. Gemäß der sog. Phillipskurve existiert kurzfristig ein Zielkonflikt zwischen den beiden Erscheinungen, den Mankiw in seiner
volkswirtschaftlichen Regel Nr. 10 charakterisiert: „Die Gesellschaft hat kurzfristig zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit zu wählen.“ Die Ursache wird in der Trägheit der allgemeinen Preisanpassung gesehen. Senkt nun die Notenbank eines Landes die kursierende Geldmenge, wird sich dadurch auf lange Sicht das allgemeine Preisniveau senken und die Inflation zügeln lassen können. Kurzfristig können jedoch nicht alle Märkte gleich auf diesen Impuls reagieren; es kann Jahre dauern, bis sich das allgemeine Lohnniveau und viele Güterpreise auf einen niedrigeren Gleichgewichtspreis eingependelt haben. Da die Verbraucher jedoch unmittelbar weniger Geld zur Verfügung haben, sinkt zunächst die Nachfrage, was die Produktion der Unternehmen drosselt und zu Entlassungen führen kann. Andere ökonomische Größen wie kurzfristig aggregiertes Angebot und Nachfrage können die Relation von Preisentwicklung und Arbeitslosigkeit ebenfalls abbilden. Bei einem gegebenen Angebotsverlauf wird eine geringere Nachfrage einen geringeren Preistrieb bei gleichzeitig höherer Arbeitslosigkeit auslösen. Wenn, etwa durch Anreize der Politik, die Nachfrage stimuliert wird, sinkt die Arbeitslosigkeit bei höherem Preis-und Produktionsniveau (vgl. Okun-Gesetz: Höheres Produktionsniveau bedingt niedrigere Arbeitslosigkeit).
Für langfristige Zeiträume haben Ökonomen wie Phelps und Friedman jedoch den negativen Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit verneint, was sich in der Praxis bestätigen sollte. Sie brachten das Moment der Inflationserwartung ins Spiel, um zu erläutern, wie kurzfristige „Ausschläge“ der Phillips-Kurve zu Stande kommen können.20) Auf lange Sicht verlaufe die Kurve jedoch senkrecht auf Höhe der natürlichen Arbeitslosenrate. Zu dieser Rate werde die Arbeitslosigkeit, unabhängig von der Inflationshöhe, auf Dauer immer wieder zurückkehren, gleichbleibende sonstige Rahmenbedingungen vorausgesetzt.
Neben veränderten Inflationserwartungen werden auch Schockwirkungen wie die Ölkrisen der 1970er Jahre als kurzfristige Einwirkungen auf die Phillips-Kurve festgestellt. Die Kosten einer dirigierten Inflationssenkung durch die Zentralnotenbank werden in der Wissenschaft vielfach abhängig der Glaubhaftigkeit der Maßnahmen und der Schnelligkeit der Durchsetzung gesehen: Würde eine Geldmengenverknappung vollständig von den Menschen akzeptiert, könnten sich auch neue Gleichgewichtspreise ohne große Reibungsverluste einpendeln.
9. Zunahme der Staatsausgaben
Die direkte Folge erhöhter Staatsausgaben ist eine Erhöhung der Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen. Da die Gesamtproduktion jedoch durch die vorhandenen Produktionsfaktoren festgelegt ist, muss die Erhöhung der Staatsnachfrage durch den Rückgang eines anderen Nachfragefaktors ausgeglichen werden. Bei gleichbleibendem Einkommen bleibt auch der Konsum gleich. Die Zunahme der staatlichen Güternachfrage geht also zu Lasten der privaten und Unternehmensinvestitionen, eine Verdrängung auf dem Kreditmarkt (crowding out) findet statt. Gleichzeitig sinkt wegen der Staatsausgaben die öffentliche Ersparnis und damit die Gesamtressource für Kreditmittel. Das verknappte Kreditangebot erhöht den Zinssatz. Dieser Verdrängungseffekt kann dafür sorgen, dass ein gewisser Teil des staatlichen Konjunkturprogramms revidiert wird, also die angestrebte Konjunkturbelebung schmälert. 21) Eine gegenläufige Theorie geht dagegen von einem Multiplikatoreffekt der erhöhten Staatsnachfrage aus. Die erhöhte Nachfrage nach technischer Ausstattung löst demnach weitergehende Nachfragewellen z. B. bei Zulieferern und Dienstleistern der beauftragten Herstellerfirmen aus. Entsprechend erhöht sich durch höhere Beschäftigung und Unternehmensgewinne auch der private Konsum.22) Grafik Aufg. 9-I
Kurzfristige Auswirkung gesteigerter aggregierter Nachfrage
GP2
GP1
GP= Gleichgewichtspreis; GPro= Gleichgewichtsproduktion
Die Grafik 9-1 zeigt, dass die forcierte Staatsnachfrage eine höhere kurzfristige Produktion bei gleichzeitig höherem Preisniveau anregt.
Grafik 9-2: Relation Geldmenge - Zinssatz bei gesteigerter aggr. Nachfrage Zinssatz
Erläuterung der Grafik 9-2: Die Erhöhung der Staatsausgaben erhöht die aggregierte Geldnachfrage von MD1 nach MD2 - die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts. Damit ergibt sich bei gegebener Geldmenge I ein höherer Zinssatz. Wenn die Zentralnotenbank von Land Z nicht die Konjunkturpolitik der Regierung unterstützt, fragt sich, was ihre eigenen Ziele sind. Will sie vor allem zun ursprünglichen, niedrigeren Zinssatz zurückkehren, kann sie die Geldmenge erhöhen mit dem Ziel, einen neuen Gleichgewichtspunkt beim alten Zinssatz in Punkt C zur erreichen. Auf diese Weise wäre ein crowding-out der privaten Nachfrager auf dem Geldmarkt entschärft - das Geldangebot zur Kreditvergabe ausgeweitet. Will die Notenbank der Fiskalpolitik diametral entgegenwirken, könnte sie auch die Leitzinsen zusätzlich erhöhen, um den Konjunkturschub zu drosseln. Dies wäre freilich
eine fragwürdige Strategie. Bei stark progressiver Besteuerung kann der Staat in jedem Fall von den Besserverdienenden am meisten Steuer-Mehreinnahmen erwarten, wenn der Nachfrageschub und tendenziell das Gehaltsniveau der Arbeitnehmer steigt. Wenn das Zinsniveau wie skizziert steigt, könnten Steuerzahler mit hoher Belastung verstärkt auf Anlagemodelle mit steuersparender Wirkung und evtl. hoher Rendite ausweichen, etwa Immobilien oder Alterssicherungen. Bei geringer oder ausbleibender Zinssteigerung dürfte der Trend zu höheren Konsumausgaben gehen. 10. Längerfristig verläuft das „natürliche Produktionsiveau“ unabhängig vom herrscheinden Preispegel, ist also senkrecht abgetragen. Es wird bestimmt von Produktionsfaktoren wie verfügbarer Arbeit, Realkaptial oder technologischer Ausstattung. Eine Verschiebung der aggregierten Nachfrage nach oben macht sich demnach nur im Preisniveau bemerkbar, wie die Grafik unten zeigt, bevor sich wieder ein langfristiges Angebots-/Nachfragegleichgewicht einstellt: 23)
Preisniveau
GP2
GP1
Die Höhe der aggregierten Nachfrage auf Grund der staatlichen Ausgabe hängt maßgeblich davon ab, ob eher ein Multiplikator- oder ein Verdrängungseffekt greift (vgl. Aufg. 9). Der Multiplikatoreffekt wird gesamtwirtschaftlich ein höheres
Nachfragevolumen als den staatlichen Input erzeugen - die Investition zieht Kreise ähnlich einem ins Wasser geworfenen Stein. Die Auswirkung der Staatsausgabe auf das Bruttoinlandsprodukt (aggregierte Nachfrage, Produktion und Einkommen) wird volkswirtschaftlich mit dem Wert ∆ Y angegeben, die konkrete Änderung der Staatsausgaben mit ∆ G. Um zur Auswirkung der staatlichen „Konjunkturförderung“ eine Prognose wagen zu können, wird ∆ G mit der sog. Marginalen Konsumquote multipliziert, angegeben mit 1/(1-c). Sie gibt Auskunft darüber, wieviel der Verbraucher pro zusätzlich verfügbarer Währungseinheit in den zusätzlichen Konsum steckt (statt zu sparen). Werden beispielsweise pro 1 Euro Wirtschaftsstimulation im Schnitt 75 Cent in weitere Ausgaben investiert, summiert sich damit der Wert der induzierten aggregierten Nachfragesteigerung des Staates um das Vierfache. Umgekehrt kann, wenn der Verdrängungseffekt des Kreditnachfragers Staat stärker wirksam wird als der Multiplikator, eine aggregierte Nachfrageänderung zu Stande kommen, die unterhalb des staatlichen Investitionseinsatzes liegt, so dass bei z. B. 20 Milliarden Euro Investitionsvolumen nur acht oder zehn Milliarden Euro Sozialprodukts-Ausweitung produziert werden.
dass wir ein progressives Steuersystem haben, sprich also die Steuerbelastung mit zunehmendem Einkommen ueberproportional steigt
1) S. 221
2) vgl. S 231 3)vgl. S 233/234 4) vgl. S. 246 f. 5) vgl. S. 729 ff, Grafik S. 730/731 6) vgl. S. 204 f., Tab. 9-3, Schaubild 9-6 7) vgl. S. 137, Schaubild 6-5; S. 625, Schaubild 26-1 8) S. 419 9) S. 420 10) vgl. S. 420/21, Schaubild 18-3
12) ftd.de, Mo, 23.12.2002, 20:00 Kolumne: Weltwirtschaft in der Schieflage Von Martin Wolf
13) vgl. S. 137. Schaubild 6-5; S. 625, Schaubil 26-1 14) vgl. S. 472/473 15) vgl. S. 635 16) S. 629 17)
18) vgl. S. 676, Schaubild 28-4 19) S. 688 20) vgl. S. 813, Schaubild 33-5 21) vgl. S. 786 f. 22) vgl. S. 785 f. 23) vgl. S. 755 und 762
1
Literaturverzeichnis
Financial Times Deutschland
Mankiw, N. Gregory. Grundzüge der Volkswirtschaftslehre, Stuttgart, 2. Aufl., 2001 Mundschenk, Susanne; Schwarzer, Daniela; Collignon, Stefan. Die Währungsunion -Chance für Europa : Handbuch zur Europäischen Währungsunion, , Electronic ed.: Bonn
1999
Siebert, Horst. Weshalb die Europäische Währungsunion den Stabilitätspakt braucht, Kieler Arbeitspapier 1134, Institut für Weltwirtschaft, Kiel, 2002 OECD. EMU: Facts, Challenges and Policies, Paris, 1999 Internetquellen: www.ftd.de www.oecd.org www.tagesschau.de www.t-online.de www.zdf.de
Arbeit zitieren:
Hans-Joachim Birk, 2003, Grundlagen der Volkswirtschaftslehre, München, GRIN Verlag GmbH
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