S E M I N A R A R B E I T
Im Rahmen des Referats über:
„Die Soziallehre Dantes“
Zum Thema:
„Politische und soziale Ideen des späten dreizehnten und
des vierzehnten Jahrhunderts“
Im: Hauptseminar zur mittelalterlichen Geschichte
Stefanie Metzger
WS 95/96
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
I. Die „Vita Nuova“ - das „Neue Leben“
1. Die äußere Form
2. Zum Inhalt der „Vita nuova“
3. Die geistigen Väter des Werks und seine Entstehungszeit
4. Über die Bedeutung der „Vita nuova“
II. Il Convivio - das „Gastmahl“
1. Zur Entstehungsgeschichte
1.1 Die politischen Verhältnisse in Florenz
1.2 Mögliche Vorbilder und literarische Quellen
2. Die äußere Form und die Struktur des „Convivio“
3. Der vierte Traktat
4. Sinn und Zweck des „Gastmahls“
5. Behandelte Themen
6. Die Intention des Autors
III. Die politische Schrift „De Monarchia“
1. Zur Entstehung der „Monarchia“
1.1 Die Intention des Autors
1.2 Sinn und Zweck der Abhandlung
1.3 Zur Datierung der „Monarchia“
2. Die äußere Form
3. Zum Inhalt der „Monarchia“
3.1 Grundlegende Fragestellungen der „Monarchia“
3.2 Vergleich zum „Gastmahl“
3.3 Das dritte Buch der „Monarchia“
3.4 Dantes „Averroismus“
3.5 Zur Rezeption der „Monarchia“
IV. Resumée
I. Die „Vita Nuova“ - das „Neue Leben“
Am Anfang der literarischen Entwicklung Dante Alighieris (1265 - 1319) steht eine Gedichtsammlung zum Lobe von Beatrice dei Bardi aus der Florentiner Familie der Portinari. Zehn Jahre nach der ersten Begegnung mit der neunjährigen Tochter Folco Portinaris faßte Dante die während dieser Zeit verfaßte Liebeslyrik in einer Anthologie zusammen, die er lateinisch „Vita nova“, das „neue Leben“ nannte. Sie entstand nach 1290; d.h. kurz nach Beatrices Tod (8. Juni 1290), der den jungen Dichter in tiefe Verzweiflung stürzte. Die „Vita nuova“ ist noch kein philosophisches, sondern ein poetisch - autobiographisches Jugendwerk Dantes in der Stilform des Sonetts. Es ist eine Gedichtsammlung, in der „der süße neue Stil, in dem frühtoskanische Dichter den Bund des Geistes mit den Sinnen geschlossen hatten“ triumphiert, und in dem sich das Gefühl der neuen italienischen Dichterjugend offenbarte.1
1. Die äußere Form
Die „Vita nuova“ besteht aus 31 Gedichten unterschiedlicher Form; d.h. aus fünfundzwanzig Sonetten, vier Kanzonen, einer Ballade und einer isolierten Kanzonenstrophe. Nach dem Vorbild der Liederhandschriften der Provenzalen sind die Gedichte durch einen Prosatext; „razó“ genannt; miteinander verbunden. Weiterhin fügte der Autor seinen Versen einen „ragione“; einen Bericht um die Entstehungsumstände des Werkes bei, das im Wesentlichen aus drei Abschnitten besteht.2
2. Zum Inhalt der „Vita nuova“
Im ersten Abschnitt, der die Verse I - XVI umfaßt, beschreibt Dante seine Liebe zu Beatrice als unvollkommen; in den Versen XVII - XXVII erkennt er die wahre Liebe in der selbstlosen Verehrung der Frau; im letzten Abschnitt, der die Verse XXVII - XLII umfaßt, ist Beatrice bereits tot. Nach einer persönlichen Krise gelangt er zu einer Würdigung ihres Wertes und zu dessen Bedeutung für ihn selbst.3
3. Die geistigen Väter des Werks und seine Entstehungszeit6
Dantes literarische Vorbilder für dieses Werk von „zeitloser Strahlungskraft“ 4 waren der Bologneser Guido Guinizelli ( 1240- 1276), den Dante den „Vater der süßen und gefälligen Liebesreime“ nannte und der Mann, der die neue lyrische Form nach Florenz gebracht hatte, Guido Cavalcanti ( 1255 - 1300), der in seinen Versen die Erfahrung eines dramatisch aufgespaltenen Seelenreiches gemacht hatte.
Die Entstehungszeit dieser Anthologie ist nach dem Zeugnis Boccacios und Dantes eigenen Angaben in seinem ersten philosophischen Werk „Il Convivio“ („das Gastmahl“) auf die Jahre 1292/93 zu datieren; also auf etwa zehn Jahre vor seiner Verbannung aus seiner Heimatstadt Florenz.5
4. Über die Bedeutung der „Vita nuova“
Das „Neue Leben“ stellt den ersten literarischen Versuch eines jungen Dichters nach einer leidvollen Erfahrung dar. Sie ist eine mystische Liebesvision Dantes mit einem psychologischen Erkenntnisprozeß und der Darstellung einer inneren Entwicklung, wie es sie in der Literatur des Abendlands seit Augustin nicht mehr gegeben hatte.6 Zum ersten Mal legte ein Dichter hierin Zeugnis seiner ureigensten subjektiven Gefühlswelt ab; erstmals gewährte ein Dichter seinen Lesern Einblick in die geheimnisvolle Welt seines Geist- und Seelenlebens. Die „Vita nuova“ ist das Resultat einer auf lyrischem Wege verarbeiteten, sehr persönlichen Erfahrung; sie ist kein universal gültiges, (sozial-)philosophisches Werk wie das ca. zwölf Jahre später entstandene „Convivio“ oder die noch später verfaßte „Monarchia“; doch ebenso wie auf sein monumentalstes Werk, auf die „Divina Commedia“; weisen die Jugendverse des Dichters Dante Alighieri auch bereits auf den Philosophen Dante Alighieri hin.
So bietet sich in Kapitel XXXV des „Neuen Lebens“ Dante eine „donna gentile“; eine „barm- herzige Herrin“ mitleidsvoll als Trösterin an. Diese zweite edle Dame soll ihn über den Verlust der geliebten Beatrice hinweghelfen. Bei dieser „barmherzigen Herrin“ handelt es sich bereits um die „donna gentile“ des Gastmahls.
Die Gedichtsammlung schließt in Kapitel XLII mit einer Vision der göttlichen Komödie zur angemessenen Verherrlichung der „benedeiten“ Beatrice:
„Nach diesem Sonett hatte ich eine wunderbare Vision, in der ich Dinge sah, die mich zu dem Entschluß brachten, nichts weiter von dieser Benedeiten zu sagen, bis ich es in einer würdigeren Weise tun könnte.....“7
Um dieses Vorhaben - die Geliebte in einer „würdigeren Art und Weise“ preisen zu können und auch, um über ihren Tod hinwegzukommen - wendete Dante sich ab 1290 verstärkt dem Studium der Philosophie zu, in der er Trost suchte. Dieses Studium, das er erst in Florenz, später (ab 1302) im Exil; - unter anderem auch in Verona - betrieb, brachte ihn um 1306/07 zum Verfassen seiner ersten philosophischen Schrift; „Il Convivio“; dem „Gastmahl“.
[....]
1Vgl. dazu: Laaths, Erwin: Geschichte der Weltliteratur. Bindlach 1988. S. 262.
2Vgl. dazu: Elwert, Wilhelm Theodor: Die italienische Literatur des Mittelalters. Dante/ Petrarca/ Boccacio. München 1980. S. 104.
3Ebd, S. 105.
4Vgl. dazu: Laaths, Erwin: Geschichte der Weltliteratur. S.262.
5Elwert, S. 107.
6Ebd, S. 107.
7Vgl. dazu: Laaths, Erwin: Geschichte der Weltliteratur. S. 263.
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Stefanie Metzger, 1996, Die Soziallehre Dantes, München, GRIN Verlag GmbH
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