Inhalt
1. Einleitung
2. Der politische Aspekt - die außenpolitischen Beziehungen beider
L änder
2.1 Hitlers England-Politik 1933-1935
2.2 Das nationalsozialistische Deutschland im Weltbild
Englands
3. Der militärische Aspekt
3.1 Das Scheitern der Abrüstungsverhandlungen
3.2 Die deutsche und englische Aufrüstung und die
Seekriegsfrage
4. Das Zustandekommen des Flottenabkommens
5. Schlußbemerkung und Ausblick
Anhang: Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Bei den Betrachtungen zu den Anfängen von Hitlers Außenpolitik stellt sich häufig die Frage, warum ausgerechnet ihm das gelungen ist, was die Regierungen der Weimarer Republik vor ihm fast 15 Jahre vergeblich angestrebt hatten: Die Revision des Versailler Vertrages, die Wiedereingliederung Deutschlands in das System der internationalen Großmächte und damit die faktische Wiederherstellung der deutschen Gleichberechtigung auf dem diplomatischen Parkett. Auch ohne tiefergehende Forschung muß natürlich die grundlegende Antwort auf diese Frage darin liegen, daß die nationalsozialistische Regierung unter Hitler schlicht und ergreifend Verträge gebrochen und mit ihrer oft riskanten, aber immer unverschämt aggressiven und unkonventionellen Diplomatie die Unterzeic hnerstaaten des Versailler Vertrages meistens vor vollendete Tatsachen gestellt hat.
Daß auch ein Adolf Hitler die für das Regime außenpolitischen Erfolge nicht von heute auf morgen erreichen konnte, soll im folgenden anhand des deutsch-britische Flottenabkommens vom 18. Juni 1935 näher erläutert werden. Dabei spielen neben den geopolitischen Aspekten natürlich auch militärische Überlegungen eine Rolle, obwohlsoviel sei hier schon vorweggenommen - die politische Wirkung ungle ich größer war als die militärische.
Folgende Fragen sollen bei den Betrachtungen im Mittelpunkt stehen: Was motivierte die englische Regierung zur Unterzeichnung eines Vertrages mit Hitler? War es ein außenpolitischer Schachzug, um das NS-Regime in die i nternationale Staatengemeinschaft zu rei ntegrieren und damit zu kontrollieren, muß man schon von „Appeasement“ sprechen oder war es gar nur eine militärstrategische Verzweiflungstat, um ein erneutes Flottenrüsten zu verhindern? Und welche Überlegungen trieben Hitler dazu, sich einem potentiellen Feind gegenüber militärische Selbstbeschränkungen aufzulegen? War es reine Zeit - oder Beschwichtigungstaktik oder war es ein Versuch, für Deutschland als möglichen Bündni spartner zu werben?
Die unüberschaubar große Menge an Literatur zu diesem Thema macht es nahezu unmöglich, im Rahmen dieser Arbeit erschöpfend auf diese Fragen zu antworten, nichtsdestotrotz wurde versucht, ein umfassendes Bild des Forschungsstandes abzuliefern.
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2. Der politische Aspekt - die außenpolitischen Beziehungen beider Länder 2.1 Hitlers England-Politik 1933-1935
Schon kurz nach der Machtübernahme Hitlers wurden die Grundsätze formuliert, die die nationalsozialistische Außenpolitik der nächsten Jahre bestimmt haben. In der „Niederschri ft über die Ministerbesprechung am 7. April 1933 [...] in der Reichskanzlei“ vom Oberregierungsrat Thomsen (ADAP) wird dem Streben nach Einzelrevisionen des Versailler Vertrages absoluten Vorrang eingeräumt. Das Erreichen der internationalen Gleichberechti gung Deutschlands wird als Voraussetzung für eine Bündnisfähigkeit genannt, und ein gutes Verhältnis zu England sei erheblich bedeutend. Im Gegensatz dazu wurde eine Verständigung mit Frankreich „für absehbare Zeit“ als ausgeschlossen betrachtet.¹
In der Literatur finden sich unzählige Beiträge zu Hitlers Englandambitionen, es gilt inzwischen als relativ unbestritten, daß er schon recht früh mit einem deutschenglischen Bündnis liebäugelte, sei es aus rassischen, machtpolitischen oder rein auf Sympathie basierten Gründen. Er hoffte, daß es zu einer stillschweigenden Duldung seiner kontinentalen Pläne kommen würde, wenn er England die Unantastbarkeit des Brit ischen Empires zusichern würde.²
Für Dietrich Aigner bedeuteten die ersten Jahre in Hitlers Außenpolitik „vorsichtiges, ausweichendes Taktieren, Abwarten und Hinhalten, solange die Gefahrenstrecke einer präventiven Intervention der Versailler Mächte noch nicht durchschri tten war.“³ Hitler wollte aus der internationalen Isolierung ausbrechen und die Glei chberechtigung durch bilaterale Abkommen anstatt multilateraler zäher Verhandlungen erreichen. In der gemäßigten und realistischen Politik Englands zu dieser Frage, die im krassen Widerspruch zur unnachgi ebigen Haltung der französischen Regierung stand, suchte er die Lösung, und in der Tat erkannte London den Gleichberechtigungsanspruch Deutschlands formal schon sehr früh an. Auch in der Frage der Rüstungspolitik kam England Hitler entgegen, Aigner schreibt: „[...] in ihrem Dilemma zwischen Aufrüstungs-, Abrüstungs- und Sicherheitspolitik hatte London den Artikel V des Versailler Vertrages über die deutsche Entmilitarisierung stillschweigend abgeschrieben.“ 4 Obwohl es kein einheitliches Englandbild in der NS-Führung gab und viele konservative Kräfte in Deutschland eine Annäherung an England für unmöglich erachteten, war die außenpolitische Konzeption Hitlers Anfang der 30er Jahre auf ein ______________________________________________________________________ 1. ADAP, S. 255.
2. Wiggershaus, S. 6f.
3. Aigner S. 38.
4. Aigner S. 39.
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Bündnis mit Großbritannien und ein Ausspielen Frankreichs ausgerichtet, auch wenn er anfangs einsehen mußte, daß „England einzig und allein im Rahmen des kollektiven Systems zu sprechen war und daß man sich im Foreign Office taub stellte für Freundschaftsbekundungen.“¹ Der Führer antwortete mit unkonventionellen
diplomatischen Schritten unter Umgehung des Auswärtigen Amtes und des Foreign Offices, so sandte er seinen Englandberater Joachim von Ribbentrop häufig auf Dienstreise auf die Insel, um direkt bei den Spitzen der britischen Politik für die nationalsozialistische Sache, die deutschen Abrüstungsbemühungen und den angeblichen deutschen Friedenswillen zu werben oder um vor dem Schreckensbild einer französischbolschewistischen Hegemonie zu warnen. Mit zahlreichen Angeboten für Nichtangriffspakte und bilateralen Rüstungsvereinbarungen wollte Hitler Englands Wunsch nach kontinentaler Harmonie nachkommen und sich als vertrauensvoller Partner präsentieren. Für Wiggershaus sind die frühzeitigen „programmatischen
Verzichtleistungen auf dem kolonialen und marit imen Gebiet“² auch ein Beweis dafür, wie wichtig für Hitler ein gutes Einvernehmen mit England war. Der gle iche Forscher kommt jedoch auch zu dem Schluß, daß der Führer ein Bündnis mit London ni cht um jeden Preis suchte und in seinen langfristigen Planspielen durchaus die Option vorhanden war, daß England als Kriegsgegner in Frage käme, denn mit der immensen Aufrüstung der Luftwaffe widersprach er seinen außenpolitischen Verkündungen. Trotzdem l ieß Hitler
nichts unversucht, die Sympathien der Engländer auf seine Seite zu ziehen. Der ausdrückliche Verzicht auf eine englische Abrüstung und die geradezu peinlichen Freundschaftsbekundungen der propagandistischen Presse, Veteranentreffen und Jugendaustauschprogrammen sprachen für sich. Als das nichts half, versuchte der Führer England zum Mitwisser des deutschen Vertragsbruchs und damit angreifbar zu machen, indem englischen Polit ikern gegenüber schon im November 1934 die deutsche Aufrüstung zugab.³
2.2 Das nationalsozialistische Deutschland im Weltbild Englands
Die außenpolitischen Entscheidungen, die England in den 30er Jahren traf, sind ohne das grundlegende Verständnis des britischen Weltbildes nicht zu verstehen. Während Deutschland, wie die meis ten europäischen Kontinentalstaaten, von mehreren anderen mehr oder weniger freundlich gesinnten Staaten an seinen Landesgrenzen umgeben war und die Machtpolitik darauf ausgerichtet war, in diesem Gebiet entweder durch eine ge______________________________________________________________________ 1.) Aigner S. 39.
2.) Wiggershaus S. 36 ff.
3.) Wiggershaus S. 23 ff.
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Arbeit zitieren:
Robert Rädel, 2001, Der Weg zum Flottenabkommen - Politische und militärische Aspekte des Deutsch-Britischen Verhältnisses von der 'Machtergreifung' bis zum Seerüstungsabkommen am 18. Juni 1935 im Spiegel der Forschung, München, GRIN Verlag GmbH
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Das Münchener Abkommen vom 29./30. September 1938
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